Digitalisierung kostet Geld. KI-Tools, Automatisierungssoftware, Schulungen, externe Beratung. Viele Unternehmen schieben das Thema vor sich her, weil sie die Investition scheuen. Was dabei oft übersehen wird: Der Staat übernimmt einen erheblichen Teil der Kosten. Teilweise bis zu 100 Prozent.
Allerdings hat sich die Förderlandschaft 2025 und 2026 stark verändert. Einige beliebte Programme sind ausgelaufen. Andere wurden aufgestockt. Dieser Artikel gibt Ihnen einen aktuellen Überblick: Was gibt es noch? Was ist neu? Und wie kommen Sie an die Förderung?
Überblick: Was hat sich geändert?
Zwei viel genutzte Bundesprogramme sind nicht mehr verfügbar:
- "Digital Jetzt" (Investitionszuschüsse für KMU): Ausgelaufen am 31.12.2023. Keine Neuanträge möglich.
- "go-digital" (Beratungszuschüsse): Ausgelaufen am 31.12.2024. Laut BMWK konnte das Programm aufgrund der Haushaltslage nicht fortgesetzt werden.
Die gute Nachricht: Die verbleibenden Programme sind für viele Unternehmen sogar attraktiver, weil sie höhere Fördersätze und breitere Einsatzmöglichkeiten bieten.
Bundesprogramme 2026
1. Qualifizierungschancengesetz (QCG): Bis zu 100 % der Weiterbildungskosten
Das Qualifizierungschancengesetz ist der stärkste Förderhebel für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in KI und Digitalisierung schulen wollen. Die Agentur für Arbeit übernimmt bis zu 100 % der Lehrgangskosten und zahlt zusätzlich einen Lohnkostenzuschuss.
Förderquoten nach Unternehmensgröße:
| Unternehmensgröße | Lehrgangskosten | Lohnkostenzuschuss |
|---|---|---|
| Unter 10 Mitarbeiter | Bis zu 100 % | Bis zu 75 % |
| 10 bis 249 Mitarbeiter | Bis zu 100 % (50-100 % je nach Fall) | Bis zu 50 % |
| 250 bis 2.499 Mitarbeiter | Bis zu 50 % | Bis zu 25 % |
| Ab 2.500 Mitarbeiter | Bis zu 25 % | Bis zu 25 % |
Voraussetzungen:
- Die Weiterbildung muss bei einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger stattfinden
- Mindestdauer: 120 Stunden (bei abschlussbezogener Qualifizierung keine Mindestdauer)
- Der Berufsabschluss des Mitarbeiters muss mindestens vier Jahre zurückliegen
- Die Weiterbildung muss Kompetenzen vermitteln, die über eine reine Anpassungsqualifizierung hinausgehen
Rechenbeispiel (Unternehmen mit 15 Mitarbeitern):
- Weiterbildung "Digitalisierungsmanager" (720 UE, 4 Monate): Lehrgangskosten werden zu 100 % übernommen
- Lohnkostenzuschuss: Bis zu 50 % des Gehalts während der Weiterbildung
- Effektive Kosten für das Unternehmen: minimal bis null
Wir haben die Beantragung des QCG in einem eigenen Artikel Schritt für Schritt beschrieben: Qualifizierungschancengesetz beantragen: Anleitung für Arbeitgeber.
2. Bildungsgutschein (für Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit Bedrohte)
Der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit übernimmt 100 % der Weiterbildungskosten für Personen, die arbeitssuchend sind oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind (z.B. bei angekündigter Kündigung oder Auslaufen eines befristeten Vertrags).
Für Unternehmen relevant, wenn:
- Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft betreut werden
- Ein Personalabbau ansteht und Mitarbeiter umgeschult werden sollen
- Kurzarbeit läuft und die Zeit für Qualifizierung genutzt werden soll
Voraussetzung: AZAV-zertifizierter Bildungsträger und AZAV-zertifizierte Maßnahme.
3. Weiterbildung während Kurzarbeit
Unternehmen in Kurzarbeit können die Ausfallzeiten für Weiterbildung nutzen. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten vollständig, sofern die Weiterbildung bei einem AZAV-zertifizierten Träger stattfindet.
4. KfW-Förderkredite für Digitalisierung
Seit Juli 2025 können Unternehmen und Freiberufler die zinsgünstigen ERP-Förderkredite der KfW für Digitalisierungsmaßnahmen nutzen. Hierunter fallen:
- Einführung neuer IT-Systeme und Software
- Digitalisierung von Geschäftsprozessen
- IT-Sicherheitsmaßnahmen
- Schulungen im Kontext der Digitalisierung
Konditionen:
- Zinsgünstige Kredite (unter Marktkonditionen)
- Beantragung über die Hausbank
- Keine direkte Zuschusskomponente, aber deutlich günstigere Finanzierung als herkömmliche Kredite
5. BAFA-Förderung Unternehmensberatung
Die BAFA-Förderung für Unternehmensberatung läuft noch bis zum 31.12.2026. Sie bezuschusst professionelle Beratungsleistungen für KMU, darunter auch Digitalisierungsberatung.
Förderhöhe:
- Bis zu 80 % der Beratungskosten (in den neuen Bundesländern)
- Bis zu 50 % in den alten Bundesländern
- Maximaler Zuschuss: 3.500 EUR für Einzelberatungen
6. Förderprogramm "Entwicklung digitaler Technologien"
Dieses BMWK-Programm ist bis zum 30. Juni 2026 befristet und fördert Projekte in KI, Cybersicherheit, Blockchain und 5G/6G. KMU erhalten bis zu 50 % der Projektkosten als Zuschuss.
Länderprogramme: Die wichtigsten Digitalfördermittel nach Bundesland
Neben den Bundesprogrammen bieten die meisten Bundesländer eigene Förderprogramme für Digitalisierung. Die Programme ändern sich häufig. Prüfen Sie daher immer den aktuellen Stand bei der jeweiligen Landesförderbank.
Bayern: Digitalbonus
- Förderhöhe: Bis zu 10.000 EUR (Standard) oder bis zu 50.000 EUR (Digitalbonus Plus)
- Förderquote: Bis zu 50 %
- Zielgruppe: Gewerbliche Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und Sitz in Bayern
- Förderfähig: Einführung neuer IT-Systeme, IT-Sicherheit, Digitalisierung von Geschäftsprozessen
- Besonderheit: Kontingentbasierte Antragstellung (festes monatliches Kontingent, Antragsstart am 1. Werktag des Monats um 10:00 Uhr)
- Status 2026: Aktiv, Programmlaufzeit bis 31.12.2027
- Info: digitalbonus.bayern
Nordrhein-Westfalen: Mittelstand Innovativ & Digital (MID)
- Förderhöhe: Bis zu 15.000 EUR (Digitalisierung), bis zu 70.000 EUR (Innovation)
- Zielgruppe: KMU mit Sitz in NRW
- Info: NRW.BANK oder EFRE-Programm NRW
Baden-Württemberg: Digitalisierungsprämie
- Förderhöhe: Zinsgünstige Darlehen bis 100.000 EUR mit Tilgungszuschuss
- Zielgruppe: KMU mit bis zu 500 Mitarbeitern
- Info: L-Bank Baden-Württemberg
Hessen: Digitalbonus Hessen (Distr@l)
- Förderhöhe: Zuschüsse für Digitalisierungsprojekte
- Info: Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank)
Sachsen: Digitalisierung in KMU
- Förderhöhe: Bis zu 50.000 EUR Zuschuss
- Förderquote: Bis zu 50 %
- Info: Sächsische Aufbaubank (SAB)
Berlin: Transferbonus
- Förderhöhe: Bis zu 45.000 EUR
- Zielgruppe: KMU mit Sitz in Berlin
- Info: IBB (Investitionsbank Berlin)
Niedersachsen: Digitalbonus.Niedersachsen
- Info: NBank
Weitere Bundesländer
Jedes Bundesland hat eine eigene Förderbank, die eine aktuelle Übersicht aller Digitalisierungsprogramme bereithält. Eine gute Einstiegsrecherche bietet die Förderdatenbank des Bundes, in der Sie nach Bundesland und Förderbereich filtern können.
ESF-Förderung (Europäischer Sozialfonds)
Der ESF+ kofinanziert zahlreiche Weiterbildungsprogramme auf Bundes- und Länderebene. Unternehmen profitieren davon indirekt: Viele der oben genannten Programme (QCG, Länderprogramme) werden aus ESF-Mitteln mitfinanziert. Ein direkter Zugang zum ESF als Einzelunternehmen ist in der Regel nicht möglich.
Welches Programm passt zu Ihrem Vorhaben?
| Ihr Vorhaben | Empfohlenes Programm | Förderquote |
|---|---|---|
| Mitarbeiter in KI/Digitalisierung schulen | QCG | Bis zu 100 % |
| Arbeitssuchenden Mitarbeiter umschulen | Bildungsgutschein | 100 % |
| Kurzarbeit für Weiterbildung nutzen | Weiterbildung in Kurzarbeit | 100 % |
| Neue Software oder IT-Systeme einführen | Digitalbonus (Landesebene) | 30-50 % |
| IT-Sicherheit verbessern | Digitalbonus + KfW | 30-50 % + günstige Kredite |
| Externe Beratung Digitalisierung | BAFA Unternehmensberatung | Bis zu 80 % |
| Digitale Produkte/Services entwickeln | Entwicklung digitaler Technologien | Bis zu 50 % |
So gehen Sie vor: 4 Schritte zum Förderantrag
Schritt 1: Bedarf klären
Was wollen Sie digitalisieren? Mitarbeiter schulen, Software einführen, Prozesse automatisieren? Die Antwort bestimmt, welches Programm in Frage kommt.
Schritt 2: Förderprogramm identifizieren
Nutzen Sie die Förderdatenbank des Bundes und die Website Ihrer Landesförderbank. Für Weiterbildung: Prüfen Sie als erstes das QCG, weil es die höchsten Förderquoten bietet.
Schritt 3: Kontakt aufnehmen
- QCG: Arbeitgeber-Service Ihrer lokalen Agentur für Arbeit (Telefon: 0800 4 555520, kostenlos)
- KfW: Über Ihre Hausbank
- BAFA: Online-Antrag auf bafa.de
- Landesförderung: Jeweilige Landesförderbank
Schritt 4: Antrag vor Maßnahmenbeginn stellen
Bei fast allen Förderprogrammen gilt: Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Wer erst die Software kauft und danach den Förderantrag einreicht, geht leer aus.
Kombination mehrerer Programme
Förderprogramme lassen sich teilweise kombinieren. Beispiel: Sie nutzen das QCG für die Schulung Ihrer Mitarbeiter (Bund zahlt Lehrgangskosten) und den Digitalbonus Bayern für die Einführung der zugehörigen Software. Achten Sie dabei auf die Kumulierungsregeln: Die Gesamtförderung darf in der Regel 80 % der Gesamtkosten nicht überschreiten.
KI-Weiterbildung: 0 EUR mit der richtigen Förderung
Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters ist AZAV-zertifiziert und damit über das QCG und den Bildungsgutschein förderfähig. 720 Unterrichtseinheiten, 4 Monate, komplett online, DEKRA-zertifiziert.
Für Unternehmen unter 10 Mitarbeitern: Die Agentur für Arbeit übernimmt bis zu 100 % der Lehrgangskosten plus bis zu 75 % des Lohnkostenzuschusses.
Lassen Sie uns in 10 Minuten klären, welche Förderung für Ihr Unternehmen in Frage kommt:
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