Ab 02.08.2026 (vorbehaltlich Digital-Omnibus-Verschiebung) werden KI-Systeme im Personalbereich offiziell als Hochrisiko-KI nach Annex III der EU KI-Verordnung eingestuft. Bedeutet: Menschliche Aufsicht, Risikomanagement, technische Dokumentation und Diskriminierungsschutz werden zur formalen Pflicht. Was HR-Verantwortliche 2026 konkret tun müssen — auch wenn die Hochrisiko-Frist gerade im Trilog verschoben wird.

Was die Hochrisiko-Einstufung bedeutet

Annex III der KI-VO listet KI-Systeme im Beschäftigungskontext als Hochrisiko-Anwendungen. Dazu zählen:

Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Art. 6ff KI-VO umfassen:

Was DSGVO und AGG schon heute verlangen

Wichtig: Auch ohne KI-VO-Hochrisiko-Pflichten gelten heute bereits umfassende Anforderungen an HR-KI:

DSGVO Art. 22 (Automatisierte Einzelentscheidungen)

Vollständig automatisierte Entscheidungen mit rechtlichen oder erheblichen Auswirkungen sind verboten — es sei denn, der Betroffene hat eingewilligt oder es gibt eine Rechtsgrundlage. In der Praxis bedeutet das: KI darf vorbereiten, vorschlagen, vorklassifizieren — die Entscheidung muss ein Mensch treffen und verantworten.

AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)

KI-Systeme dürfen Bewerber nicht aufgrund geschützter Merkmale (Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung, sexuelle Identität) benachteiligen. Wenn ein KI-Tool nachweislich diskriminierend filtert, haftet das einsetzende Unternehmen — nicht der Anbieter.

BAG-Rechtsprechung 2026

Das Bundesarbeitsgericht hat Ende März 2026 die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats bei KI-Einsatz weiter gestärkt. Konkret nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG: Wenn ein KI-System "objektiv geeignet ist, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen", besteht Mitbestimmungsrecht. Das trifft auf praktisch alle HR-KI-Systeme zu.

Außerdem: Nach § 80 Abs. 3 BetrVG kann der Betriebsrat bei KI-Einführung Sachverständige hinzuziehen — der Arbeitgeber trägt die Kosten.

Konkrete HR-Anwendungsfälle und ihre Pflichten

AnwendungsfallHochrisiko nach KI-VO?DSGVO Art. 22BR-Mitbestimmung
CV-Vorklassifikation (KI macht Vorschlag)JaJa, falls letzte Entscheidung auch KIJa
Recruiting-Chatbot (FAQ-Beantwortung)EingeschränktNeinJa, falls Verhaltensdaten gespeichert
Mitarbeiter-Performance-Bewertung mit KI-UnterstützungJaJaJa
Schichtplanung mit KI-OptimierungJaJaJa
Stimmungs-Analyse aus Mitarbeiter-BefragungenEingeschränktEingeschränktJa
Lerninhalte-Empfehlung (Personalentwicklung)EingeschränktNeinEingeschränkt

Was HR jetzt konkret tun muss

1) KI-Inventur HR (Tag 1 bis 7)

Welche KI-Tools nutzt HR aktuell? Auch eingebaute KI-Funktionen in HR-Software (Personio, SAP SuccessFactors, Workday). Viele davon sind potenziell Hochrisiko.

2) Tool-Whitelist + Konfiguration (Tag 8 bis 30)

Pro Tool prüfen:

3) Betriebsrat einbinden (vor Implementation)

Bei KI-Einsatz mit Verhaltens-/Leistungs-Bezug: Betriebsrat informieren (§ 90 BetrVG, rechtzeitig vor Einführung), Mitbestimmungsverfahren starten (§ 87 Abs. 1 Nr. 6). Empfehlung: schriftliche Betriebsvereinbarung "KI-Einsatz im Personalbereich".

4) Schulung HR-Mitarbeiter (Art. 4 KI-VO seit 02.02.2025)

Die Schulungspflicht gilt schon seit über einem Jahr. HR-Mitarbeiter, die KI nutzen oder bewerten, müssen geschult sein. Inhalte:

Förderbar über das Qualifizierungschancengesetz (QCG): bis 100 % Kurskosten.

5) Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) bei Hochrisiko-Anwendungen

Pflicht nach DSGVO Art. 35. Inhalte:

Was bei Verstößen droht

VerstoßSanktion
DSGVO-Verstöße (Art. 22, Art. 30, Art. 35)Bis 20 Mio EUR oder 4 % Konzernumsatz
EU AI Act Hochrisiko-Verstöße (ab 02.08.2026 oder verschoben)Bis 15 Mio EUR oder 3 % Konzernumsatz
AGG-DiskriminierungSchadenersatz an Betroffene + öffentliche Sichtbarkeit
Fehlende Mitbestimmung BetriebsratUnterlassungsanspruch, ggf. Wiederrufung von Maßnahmen

Konkreter 90-Tage-Plan für HR

WannWas
Tage 1 bis 14HR-KI-Inventur. Welche Tools, welche Funktionen, welche Daten?
Tage 15 bis 30Konfiguration auf DSGVO-Konformität. Auftragsverarbeitungsverträge prüfen.
Tage 31 bis 45Betriebsrat-Gespräch + Entwurf Betriebsvereinbarung KI im Personalbereich
Tage 46 bis 60QCG-Antrag für HR-Schulung bei Agentur für Arbeit
Tage 61 bis 90Schulung läuft. DSFA für Hochrisiko-Anwendungen abschließen. Verarbeitungsverzeichnis aktualisieren.

Was diese Woche tun

  1. HR-KI-Tools auflisten: Welche Software hat KI-Funktionen, welche werden aktiv genutzt?
  2. Personio / SuccessFactors / Workday checken: KI-Funktionen oft per Default aktiviert
  3. Betriebsrat informieren: Stand der KI-Einführung. Sachverständige werden möglicherweise hinzugezogen
  4. QCG-Schulung beantragen: Für 1 bis 2 HR-Verantwortliche

Wir helfen bei der HR-Schulung

Die DigiMan-Weiterbildung deckt KI-Recruiting, AGG, DSGVO und Hochrisiko-Pflichten ab. Genau richtig für HR-Verantwortliche, die Compliance-fest werden wollen. 100 % über QCG förderfähig. 15 Minuten kostenloses Erstgespräch.

HR-Schulung für KI-Recruiting?

DigiMan-Weiterbildung deckt KI-Compliance, AGG, DSGVO ab. 100 % über QCG förderfähig. 15 Minuten kostenloses Erstgespräch.

DigiMan-Weiterbildung ansehen WhatsApp