Die auffälligste Zahl der Umfrage, die Alibaba.com und der bevh am 24. September 2026 in München vorgestellt haben, steht bei den Gründen, warum Betriebe zögern.

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Wer gefragt hat und wer geantwortet hat

Durchgeführt hat die Studie YouGov, bezahlt haben sie zwei Auftraggeber mit eigenem Interesse am Ergebnis. Alibaba.com verkauft mit Accio selbst eine Plattform für KI-Agenten und bewirbt sie in derselben Pressemitteilung. Der bevh ist der Branchenverband des Onlinehandels. Zur Einordnung der Zahlen gehört beides dazu.

Laut Methodikangabe der Mitteilung liefen Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels. Zwischen dem 8. und 15. September 2026 wurden 438 Eigentümer, Geschäftsinhaber und Entscheider aus den Bereichen E-Commerce/Internet Services und Beschaffung/Einkauf in Deutschland befragt, die Prozentangaben sind redaktionell gerundet. Handwerksbetriebe, Industrie und Gesundheitswesen kommen in dieser Stichprobe nicht vor.

Die Mitteilung spricht trotzdem vom Mittelstand. Die Zahlen gelten für diese 438 Befragten, für den Mittelstand insgesamt reicht die Stichprobe nicht aus.

Zwei weitere Lücken bleiben offen. Wie viele Befragte zur Gruppe der Unternehmen ab zehn Mitarbeitern und zur Gruppe der unter 35-Jährigen gehören, steht nicht in der Mitteilung. Ebenso wenig, wie der Begriff Agentic AI im Fragebogen erklärt wurde. Ob alle Befragten unter einem KI-Agenten dasselbe verstanden haben, lässt sich damit nicht beurteilen.

Die Zahlen im Einzelnen

Generative KI ist in der Befragung weit verbreitet. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen setzen entsprechende Werkzeuge zumindest gelegentlich ein. Bei KI-Agenten, also Software, die Aufgaben über mehrere Schritte selbstständig abarbeitet, sieht es anders aus: Rund ein Viertel der Befragten, genau 24 Prozent, nutzt sie.

Deutlich höher liegt der Wert in Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitern. Dort sind es laut Mitteilung rund 45 Prozent, regelmäßig im Einsatz haben KI-Agenten in dieser Gruppe 21 Prozent. Rund 30 Prozent dieser Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten gezielt in KI-Agenten investieren, im Gesamtschnitt aller Befragten sind es 13 Prozent.

Unter den Befragten unter 35 Jahren nutzen 33 Prozent Agentic AI. In derselben Gruppe investieren 22 Prozent gezielt in KI-Weiterbildung, und 28 Prozent sehen ohne KI-Agenten mittelfristig Risiken für die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Nach ihren Belastungen gefragt, nennen rund 40 Prozent der Befragten Auftragsabwicklung und Kundenservice. Administrative Überlastung geben 32 Prozent an, Innovationsdruck knapp 30 Prozent. Beim erwarteten Nutzen nennen 24 Prozent die Unterstützung des Teams als wichtigen Vorteil, 18 Prozent erwarten konkrete Zeitersparnis. Von den Befragten aus Unternehmen ab zehn Mitarbeitern sehen 52 Prozent die Möglichkeit, mit KI-Agenten zwischen zehn und über 30 Prozent der operativen Routineaufgaben einzusparen. Das ist eine Einschätzung der Befragten, gemessen wurde es nicht.

Addieren lassen sich die Werte nicht, weil offen bleibt, ob Mehrfachnennungen möglich waren.

Ein Drittel traut der Technik nicht

Bei den Hürden liegen zwei Antworten fast gleichauf. 32 Prozent der Befragten nennen mangelndes Vertrauen in die Technologie, 31 Prozent einen Business Case, der noch nicht klar erkennbar ist. Datenschutz- und Compliance-Bedenken werden laut Mitteilung ebenfalls genannt, eine Prozentzahl dazu fehlt.

Zu Wort kommen in der Mitteilung Patrick Sostmann, General Manager Alibaba.com Europe, und Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim bevh. Groß-Albenhausen verweist sinngemäß darauf, dass Grundlagen wie Governance-Strukturen und Qualitätssicherung gerade erst geschaffen werden. Aus dem Mund eines Verbandsvertreters, der an der Studie beteiligt ist, ist das eine bemerkenswert nüchterne Aussage.

Ein ähnliches Muster zwischen verbreiteter Nutzung und begrenzter Wirkung beschreibt die Bitkom-Erhebung, über die wir im Artikel Bitkom: 57 Prozent der Unternehmen setzen KI ein, kaum eines schöpft sie aus berichtet haben.

Unsere Einschätzung

Wir halten die Hürden für den ehrlichsten Teil dieser Umfrage. Wer einem Agenten nicht traut und keinen klaren Business Case sieht, hat meist schlicht noch keine Aufgabe gefunden, die sich prüfen lässt. Aus unserer Sicht ist diese Zurückhaltung vernünftig. Ein Agent, der Bestellungen abwickelt oder Lieferanten bewertet, handelt im Namen des Betriebs. Vor dem Einsatz braucht es deshalb zwei Antworten: welche Aufgabe genau er übernimmt, und woran jemand merkt, dass er sie falsch erledigt. Fehlt die zweite Antwort, fällt ein Fehler erst beim Kunden auf. Dass der bevh selbst von Governance und Qualitätssicherung spricht, die gerade erst entstehen, passt dazu. Die Befragten beschreiben damit weniger ein Technikproblem als eine offene Organisationsfrage.

Wir würden klein anfangen, mit einem eng umrissenen Ablauf, dessen Ergebnis sich zählen lässt. Die Vorsortierung eingehender Kundenanfragen ist so ein Fall: Nach einigen Wochen steht fest, wie oft der Agent richtig lag und wie viel Zeit das Team dadurch gewonnen hat. Das ergibt eine belastbarere Rechnung als die Einführung einer großen Plattform.

Die hohen Nutzungswerte in den größeren Unternehmen der Stichprobe sollten kleinere Betriebe nicht unter Druck setzen. Sie stammen aus einem Ausschnitt des Handels und des Einkaufs, erhoben im Auftrag eines Anbieters.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 27. September 2026):

Häufige Fragen

Wer hat die Umfrage zu KI-Agenten in Auftrag gegeben?

Die Studie hat YouGov im Auftrag von Alibaba.com und dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) durchgeführt, die Pressemitteilung erschien am 24. September 2026. Alibaba.com bietet mit Accio selbst eine Plattform für KI-Agenten an, der bevh ist der Branchenverband des Onlinehandels.

Wie viele Unternehmen nutzen laut der Umfrage bereits KI-Agenten?

24 Prozent der 438 Befragten nutzen KI-Agenten. In Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitern sind es rund 45 Prozent, regelmäßig setzen sie dort 21 Prozent ein. Generative KI nutzen fast zwei Drittel der befragten Unternehmen zumindest gelegentlich.

Gelten die Ergebnisse für den gesamten Mittelstand?

Nein. Befragt wurden zwischen dem 8. und 15. September 2026 nur Eigentümer, Geschäftsinhaber und Entscheider aus E-Commerce/Internet Services und Beschaffung/Einkauf. Handwerk, Industrie und Gesundheitswesen sind nicht vertreten, und die Größe der Teilgruppen nennt die Mitteilung nicht.

Was sollte ein Betrieb tun, bevor er einen KI-Agenten einsetzt?

Aus unserer Sicht zuerst festlegen, welche Aufgabe der Agent genau übernimmt und woran ein Fehler erkennbar wird. Ein eng umrissener, messbarer Ablauf wie die Vorsortierung von Kundenanfragen liefert schneller eine belastbare Rechnung als eine große Plattform. In der Umfrage nennen 32 Prozent mangelndes Vertrauen und 31 Prozent einen unklaren Business Case als Hürde.

Welcher Ablauf im Betrieb ließe sich so eng fassen, dass ein KI-Agent daran messbar wird?

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Zuletzt aktualisiert: 27. September 2026. Stand der Recherche: 27. September 2026.