Die Überschrift der neuen Bitkom-Mitteilung meldet eine Mehrheit, die Antworten der KI-Nutzer weiter unten beschreiben einen Anfang.

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Von 20 auf 57 Prozent in zwei Jahren

Bitkom Research hat im Auftrag des Bitkom 603 Unternehmen in Deutschland telefonisch befragt, in der 28. bis 33. Kalenderwoche 2026. Erfasst sind ausschließlich Unternehmen ab 20 Beschäftigten, laut Bitkom repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Über kleinere Betriebe sagt die Befragung nichts. Die Bezugsgröße wechselt je nach Frage: Manche gingen an alle 603 Unternehmen, andere nur an die KI-Nutzer. Alle Angaben sind Selbsteinschätzungen, gemessene Kennzahlen liefert die Studie nicht.

Inzwischen setzen 57 Prozent KI ein, vor einem Jahr waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz, und nur noch 4 Prozent nennen KI kein Thema, nach 17 Prozent im Vorjahr und 41 Prozent vor zwei Jahren. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sagt dazu: „Künstliche Intelligenz ist keine Sache einzelner Vorreiter, sie ist in der Breite der Wirtschaft angekommen.“

Zugleich zeigt die Befragung Verunsicherung: 34 Prozent der Unternehmen sorgen sich, dass KI ihre Existenz gefährdet, im Vorjahr waren es 23 Prozent. Von den KI-Nutzern geben 33 Prozent an, KI vor allem aus Angst zu nutzen, sonst den Anschluss zu verlieren.

Kaum ein Nutzer sieht sich weit

Aufschlussreicher ist eine Frage an die 343 Unternehmen, die KI bereits nutzen: Wie weit schöpfen sie das Potenzial aus? Vollständig tut es nach eigener Angabe kein einziges. Eher stark schöpfen es 3 Prozent aus, eher wenig 28 Prozent, überhaupt nicht 59 Prozent. Laut Bitkom ist dieser Anteil über alle Unternehmensgrößen fast identisch. Unter den KI-Nutzern mit 20 bis 99 Beschäftigten schöpfen 4 Prozent das Potenzial vollständig oder eher stark aus, 87 Prozent eher wenig oder überhaupt nicht. Bei 100 bis 499 Beschäftigten lauten die Werte 1 und 84 Prozent, ab 500 Beschäftigten 8 und 87 Prozent.

Eingesetzt wird KI bei den Nutzern vor allem im Kundenkontakt, etwa bei der Bearbeitung von Anfragen (72 Prozent), und in Marketing und Kommunikation (54 Prozent). Deutlich zugelegt haben Controlling und Rechnungswesen (von 17 auf 25 Prozent) sowie das interne Wissensmanagement (von 11 auf 22 Prozent). Ihre Wettbewerbsposition sehen 66 Prozent der KI-Nutzer verbessert, auch das eine Selbsteinschätzung.

Teuer sind Daten und Schnittstellen

Gefragt, was beim KI-Einsatz ein großer Kostenpunkt ist, nennen die KI-Anwender Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung (51 Prozent) und die Aufbereitung von Daten (50 Prozent) am häufigsten. Die Integration in bestehende Systeme folgt mit 41 Prozent. Abos und Lizenzen kommen auf 21 Prozent, gleichauf mit externer Beratung, die Schulung der Beschäftigten auf 19 Prozent und der Token-Verbrauch auf 8 Prozent. Wintergerst sagt dazu: „Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert.“

Das Budget wächst bei 45 Prozent aller Unternehmen: Sie geben 2026 mehr für KI aus als im Vorjahr, 13 Prozent deutlich und 32 Prozent eher mehr. Die Hälfte gibt gleich viel aus, 3 Prozent eher weniger.

Wo es hakt, hängt davon ab, ob ein Unternehmen KI schon nutzt. Ohne KI steht fehlendes technisches Know-how zur Implementierung mit 85 Prozent an der Spitze, gefolgt von rechtlichen Hürden und Unklarheiten mit 66 Prozent. Bei den Nutzern führen Datenschutzanforderungen mit 66 Prozent vor rechtlicher Verunsicherung mit 56 Prozent.

Schulungen holen auf

Die deutlichste Bewegung zeigt die Befragung bei der Weiterbildung. Im Umgang mit KI schulen inzwischen 70 Prozent der Unternehmen ihre Beschäftigten, 11 Prozent alle, 22 Prozent einen Großteil und 37 Prozent ausgewählte Mitarbeiter. Keinerlei Schulung bieten 25 Prozent an, im Vorjahr waren es 43 Prozent. Unter den KI-Nutzern schulen 91 Prozent.

Als gering schätzen 66 Prozent der Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten ein, als hoch 28 Prozent; unter den KI-Nutzern halten 40 Prozent sie für hoch, ohne KI 14 Prozent. „Kompetenz entsteht mit dem KI-Einsatz, aber sie entsteht nicht von allein“, sagt Wintergerst.

Die Schulungslücke, die wir im Juni beschrieben hatten, ist nach diesen Zahlen deutlich kleiner geworden, geschlossen ist sie nicht.

Unsere Einschätzung

Für kleinere Betriebe ist eine Zahl aus der Präsentation lehrreicher als die 57 Prozent. In der Größenklasse von 20 bis 99 Beschäftigten sagen 87 Prozent der KI-Nutzer, sie schöpften das Potenzial eher wenig oder überhaupt nicht aus. Angefangen haben viele, weit gekommen sind nach eigener Auskunft die wenigsten.

Für Betriebe unter 20 Beschäftigten liefert die Befragung keine Zahlen. Wir würden die 57 Prozent deshalb nicht als Maßstab lesen, an dem ein Kleinbetrieb seinen eigenen Rückstand misst.

Am nützlichsten finden wir die Antworten zu den Kosten. Die Lizenz ist der Betrag, den man vor dem Kauf sieht. Ein großer Kostenpunkt ist sie laut Befragung aber für deutlich weniger Anwender als Datenaufbereitung und Integration. Wer ein KI-Budget plant, sollte aus unserer Sicht deshalb zuerst dort rechnen. Wo liegen die Kundendaten, die Preislisten, die Vorlagen? In welchem Zustand sind sie, und welche Programme müssten miteinander verbunden werden? Von dieser Vorarbeit hängt nach unserer Einschätzung ab, ob eine Lizenz im Betrieb überhaupt etwas verändert.

Bei der Schulung stimmt die Richtung, trotzdem bietet jedes vierte Unternehmen weiterhin nichts an. Dass fehlendes Know-how bei Unternehmen ohne KI die meistgenannte Hürde ist, passt aus unserer Sicht dazu; diese Verbindung ziehen wir, in der Bitkom-Mitteilung steht sie nicht. Wer niemanden schult, wartet auf Know-how, das von selbst kaum entsteht.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 16. September 2026):

Häufige Fragen

Wie viele Unternehmen setzen laut Bitkom im Jahr 2026 KI ein?

Laut der Bitkom-Befragung vom 14. September 2026 setzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland KI ein. Vor einem Jahr lag der Anteil bei 36 Prozent, vor zwei Jahren bei 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz.

Wie wurde die Bitkom-Studie erhoben und für welche Betriebe gilt sie?

Bitkom Research hat im Auftrag des Bitkom 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch befragt, in der 28. bis 33. Kalenderwoche 2026. Laut Bitkom sind die Ergebnisse repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sind nicht erfasst, und alle Werte beruhen auf Selbsteinschätzungen der befragten Unternehmen.

Schöpfen die Unternehmen das Potenzial von KI aus?

Nach eigener Einschätzung kaum. Von den 343 befragten Unternehmen, die KI nutzen, gibt keines an, das Potenzial vollständig auszuschöpfen; 3 Prozent schöpfen es eher stark aus, 28 Prozent eher wenig und 59 Prozent überhaupt nicht. Laut Bitkom ist dieser Anteil über alle Unternehmensgrößen fast identisch.

Was sollte ein kleiner Betrieb aus den Zahlen jetzt ableiten?

Für Betriebe unter 20 Beschäftigten enthält die Befragung keine Werte, die 57 Prozent taugen dort nur bedingt als Vergleich. Aus unserer Sicht lohnt es sich, vor einer KI-Lizenz zu klären, wo die benötigten Daten liegen und welche Programme verbunden werden müssten, denn Datenaufbereitung und Integration nennen KI-Anwender laut Befragung deutlich häufiger als großen Kostenpunkt als Abos und Lizenzen. Dazu gehört die Frage, wer im Betrieb geschult wird: 25 Prozent der befragten Unternehmen bieten keinerlei KI-Schulung an.

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Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026. Stand der Recherche: 16. September 2026.