Nach Einschätzung ihrer Führungskräfte fehlt deutschen Unternehmen am häufigsten das Verständnis dafür, was KI ist und was sie leisten kann, und nur knapp dahinter die Fähigkeit, KI selbst zu entwickeln.

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1.001 Führungskräfte, fünf Kategorien

Vorgestellt hat der Stifterverband die Studie „Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen?“ am 22. September 2026. Partner ist die Haufe Akademie, laut Mitteilung erstmals ein Förderpartner aus der betrieblichen Weiterbildung. Befragt wurden 1.001 Führungskräfte aus privatwirtschaftlichen Unternehmen in Deutschland. Das Raster lieferte das Future-Skills-Framework 2030 mit seinen fünf Kategorien: grundlegende, transformative, gemeinschaftsorientierte, digitale und technologische Zukunftskompetenzen.

Rund 80 Prozent der Befragten bewerten solche Future Skills als wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens.

Die Lücke beginnt beim Verstehen

Bei den fehlenden Kompetenzen liegen zwei Felder fast gleichauf vorn. AI Literacy kommt laut Mitteilung auf 30,9 Prozent, AI Engineering auf 30,8 Prozent. Danach folgen Data Science & Analytics mit 26,3 Prozent und Change Management & AI mit 25,5 Prozent. Mit AI Literacy ist die Fähigkeit gemeint, grundlegende KI-Konzepte zu verstehen und kritisch zu bewerten. AI Engineering steht für die Fähigkeit, KI zu entwickeln und produktiv anzuwenden. Rechnerisch trennen die beiden Spitzenwerte 0,1 Prozentpunkte. Ein Grundlagenthema und ein Spezialthema landen damit praktisch auf derselben Stufe. Die vier Werte stehen jeweils für sich, eine Gesamtquote ergibt sich aus ihnen nicht.

Auffällig ist vor allem der erste Platz. Verstehen und Bewerten sind Fähigkeiten, die jeder braucht, der mit KI-Ergebnissen arbeitet, unabhängig von der Abteilung. Wer einen Vorschlag der KI nicht einordnen kann, übernimmt Fehler ungeprüft oder verwirft ein brauchbares Ergebnis.

Fachwissen gehört dazu

Die Kernaussage auf der Seite des Stifterverbandes geht über die Rangliste hinaus. Gesucht werden demnach vor allem Menschen, die technologische Möglichkeiten mit Fachwissen verbinden und in konkrete Anwendungen übersetzen. Auch das Gestalten von Veränderungen zählt die Seite dazu. Wer KI versteht, bringt damit also nur einen Teil dessen mit, was die Unternehmen suchen. Kritisches Denken, Kreativität und Lernkompetenz gewinnen laut Seite ebenfalls an Bedeutung, obwohl sie mit Technik zunächst wenig zu tun haben.

Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes, formuliert es so: „Die Debatte über fehlende KI-Kompetenzen greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist, technologische Möglichkeiten mit Fachwissen zu verbinden und in konkrete Anwendungen zu übersetzen.“

Auch zur Art der Vermittlung äußern sich die Unternehmen laut Mitteilung. Sie wünschen sich mehr Praxisbezug und konkrete Anwendungsfälle, dazu technische Inhalte, die mit weiteren Future Skills verknüpft sind. Zusätzliche Kurse und Pflichtmodule allein genügen ihnen demnach nicht, gefragt sind auch neue Formen der Vermittlung. Aus dem Blickwinkel des Berufseinstiegs hatten wir das Thema bereits bei der IU-Umfrage zu KI-Kenntnissen als Einstiegshürde aufgegriffen.

Was die Zahlen nicht hergeben

Einige Angaben fehlen in den Quellen, die für diesen Artikel gelesen wurden. Befragungszeitraum, Erhebungsinstitut und Methode stehen weder auf der Veranstaltungsseite noch in der Pressemitteilung. Die Studie selbst war zum Stand der Recherche nicht abrufbar. Offen bleibt damit auch, wie die Frage nach den Lücken im Wortlaut gestellt wurde. Wer die Werte weiterverwendet, etwa als Begründung für eine eigene Schulungsplanung, sollte diese Einschränkungen mitnennen.

Die Werte geben die Einschätzung von Führungskräften wieder. Gemessen wurden die Kompetenzen der Belegschaften nicht.

Zur Einordnung gehört außerdem, dass die Haufe Akademie als Förderpartner der Studie selbst Weiterbildung anbietet. Gegen die Zahlen spricht das nicht, es gehört aber zum Bild.

Unsere Einschätzung

Aus unserer Sicht lenkt die Befragung den Blick auf eine Rolle, die in Schulungsplänen leicht untergeht: jemand, der entscheidet, wofür ein KI-Werkzeug im eigenen Ablauf taugt.

Wer die Rangliste liest, könnte daraus einen reinen Techniklehrplan ableiten. Wir würden anders ansetzen und KI-Grundverständnis und Fachwissen gemeinsam schulen, am eigenen Arbeitsbeispiel. Eine Buchhaltung lernt an ihren eigenen Eingangsrechnungen mehr darüber, wo ein Sprachmodell hilft und wo es danebenliegt, als in einer allgemeinen Einführung in ein Werkzeug. Genau diese Verbindung von Technik und Fach beschreibt auch Andrea Frank. Sie passt zum Wunsch der befragten Unternehmen nach Praxisbezug und konkreten Anwendungsfällen. Für kleine Betriebe hat das aus unserer Sicht einen praktischen Vorteil: Das Fachwissen haben die eigenen Leute, geschult werden muss vor allem die Verbindung zur Technik. Wer diese Brücke an einem echten Vorgang baut, sieht nach kurzer Zeit, ob sich der Einsatz lohnt.

Den rechtlichen Rahmen setzt Artikel 4 der KI-Verordnung. Betreiber müssen die KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen, eine Nachweis- oder Zertifikatspflicht folgt daraus nicht. Ein gut gewähltes Beispiel aus dem eigenen Alltag, gründlich durchgearbeitet, bringt aus unserer Sicht mehr als eine Reihe abgehakter Pflichtmodule.

Welche Lücke im eigenen Betrieb die größte ist, beantwortet keine Befragung von 1.001 Führungskräften. Das lässt sich nur am eigenen Ablauf klären.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. September 2026):

Häufige Fragen

Was hat der Stifterverband am 22. September 2026 vorgestellt?

Die Studie „Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen?“, entstanden gemeinsam mit der Haufe Akademie. Befragt wurden 1.001 Führungskräfte aus privatwirtschaftlichen Unternehmen in Deutschland. Gefragt wurde nach den fünf Kategorien des Future-Skills-Framework 2030.

Wo sehen die befragten Führungskräfte die größten Kompetenzlücken?

Laut Mitteilung bei AI Literacy mit 30,9 Prozent und bei AI Engineering mit 30,8 Prozent. Es folgen Data Science & Analytics mit 26,3 Prozent sowie Change Management & AI mit 25,5 Prozent. Die Werte stehen jeweils für sich und lassen sich nicht addieren.

Wie belastbar sind die Ergebnisse der Studie?

Die Zahlen geben die Einschätzung von Führungskräften wieder, gemessen wurden die Kompetenzen der Belegschaften nicht. Befragungszeitraum, Erhebungsinstitut und Methode stehen weder auf der Veranstaltungsseite noch in der Pressemitteilung, die Studie selbst war zum Stand der Recherche nicht abrufbar. Förderpartner ist mit der Haufe Akademie ein Weiterbildungsanbieter.

Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?

Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt von Betreibern, die KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen, eine Nachweis- oder Zertifikatspflicht folgt daraus nicht. Aus unserer Sicht lohnt es, KI-Grundverständnis und Fachwissen gemeinsam an einem echten Vorgang aus dem eigenen Ablauf zu schulen. Das entspricht auch dem Wunsch der befragten Unternehmen nach Praxisbezug und konkreten Anwendungsfällen.

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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026. Stand der Recherche: 26. September 2026.