Mehr als die Hälfte der Beschäftigten rechnet damit, dass Berufsanfänger ohne KI-Kenntnisse in vielen Feldern schlechtere Karten haben, und ein großer Teil derselben Beschäftigten hat im vergangenen Jahr keine Arbeitsstunde in das Thema gesteckt.
Erst kostenlos reinschnuppern, dann entscheiden
Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, sieh dir kostenlos an, wie sie läuft, fünf Lektionen plus Live-Demo, ohne Verpflichtung. Passt es, ist der Digitalisierungsmanager bei bewilligtem Bildungsgutschein für dich kostenlos.
Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Was die Befragten vom Berufseinstieg erwarten
Die Studie trägt den Titel „KI in der Arbeitswelt: Wie gelingt der Change?“ und stammt von der IU Internationalen Hochschule mit Sitz in Erfurt. Befragt wurden 2.000 Arbeitnehmer in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren, repräsentativ nach Alter und Geschlecht. Laut dpa stimmen 54,9 Prozent von ihnen eher oder voll zu, dass KI-Kompetenzen für Berufsanfänger in vielen Berufsfeldern zur Grundvoraussetzung werden. Unter Führungskräften liegt der Wert bei 65,6 Prozent, unter Beschäftigten ohne Führungsverantwortung bei 51,5 Prozent. Weitere 18,7 Prozent aller Befragten können die Frage nicht beurteilen.
Wer Personal führt, sieht die Hürde also deutlich höher als der Rest der Belegschaft.
Welche Fähigkeiten gemeint sind, lässt sich an zwei Werten ablesen. Jeweils 41,3 Prozent der Befragten erwarten, dass Prompting wichtiger wird, also das gezielte Formulieren von Anweisungen an ein KI-Werkzeug, und ebenso viele erwarten das für die kritische Bewertung von KI-Ergebnissen.
Gespalten bei der Frage nach den Einstiegsaufgaben
Deutlich weniger einig sind sich die Befragten bei der Frage, ob KI Arbeit übernimmt, die früher typischerweise bei Berufsanfängern lag. 41,3 Prozent stimmen dem zu, genauso viele lehnen es ab, und gut jeder Sechste kann es nicht beurteilen. Ein klares Bild ergibt das nicht. Die Studie liefert damit keinen Beleg dafür, dass Einstiegsstellen wegfallen, sie zeigt eine Belegschaft, die sich in dieser Frage in zwei gleich große Lager teilt.
Prof. Dr. Anne Gfrerer, die an der IU Wirtschaftsinformatik lehrt, fasst das so zusammen: „Es ist paradox. KI kann den Berufseinstieg sowohl beschleunigen als auch erschweren.“ Als Beispiele für Einstiegsaufgaben, die wegfallen können, nennt sie Recherchen und Präsentationen. Die andere Seite zeigt ein weiterer Wert. 39,5 Prozent sehen die Chance, dass Berufsanfänger durch KI schneller anspruchsvollere Aufgaben übernehmen, unter Führungskräften sind es 47,9 Prozent.
Wie groß die Unsicherheit rund um KI und Arbeitsplätze insgesamt ist, zeigte zuvor schon eine andere Befragung, über die wir im Artikel zur Pew-Umfrage zu KI und Jobs in Deutschland berichtet haben.
Weiterbildung, die nicht stattfindet
Der zweite Teil der Studie betrifft die Beschäftigten selbst. 43,9 Prozent haben in den zwölf Monaten vor der Befragung keine Arbeitszeit für KI-Weiterbildung genutzt. Nach ihren Gründen gefragt, halten 47,4 Prozent dieser Gruppe eine solche Weiterbildung für nicht notwendig. 24,0 Prozent sagen, sie sei vom Unternehmen nicht gewünscht. 21,8 Prozent nennen fehlende Informationen, 21,6 Prozent kein passendes Angebot und 20,6 Prozent Zeitmangel. Mehrfachnennungen waren möglich, die Werte lassen sich deshalb nicht zu einer Summe zusammenzählen. Auffällig ist der Abstand innerhalb derselben Befragung: Eine Mehrheit hält KI-Kenntnisse beim Einstieg für nötig, und fast jeder Zweite hat im Jahr davor keine Arbeitszeit für das Thema aufgewendet. Und fast die Hälfte derer ohne Weiterbildung sieht dafür keinen Anlass.
Ähnlich ungleich fällt die Förderung durch den Arbeitgeber aus. Kritisches Denken wird laut 33,6 Prozent der Befragten vom Unternehmen sehr stark oder eher stark gefördert, fachliche Kompetenzen laut 51,6 Prozent. Gerade die kritische Bewertung von KI-Ergebnissen, die viele für wichtiger halten, hängt an genau dieser Fähigkeit.
Wie belastbar die Zahlen sind
Drei Einschränkungen gehören zur Einordnung. Die Befragung lief vom 31. März bis zum 14. April 2026, veröffentlicht wurde sie im September, die Werte beschreiben also einen Stand von vor rund einem halben Jahr. Es handelt sich um Einschätzungen von Beschäftigten und um keine Auswertung tatsächlicher Stellenanforderungen. Und die IU ist eine private Hochschule, die selbst Weiterbildung anbietet. Das macht die Zahlen nicht falsch, es gehört aber zur Einordnung, wer die Frage gestellt hat.
Unsere Einschätzung
Aus unserer Sicht steckt die wichtigste Zahl der Studie in einem Nebensatz: 24,0 Prozent derer, die keine Arbeitszeit in KI-Weiterbildung investiert haben, sagen, das sei im eigenen Unternehmen nicht gewünscht.
Diesen Grund kann kein Beschäftigter allein beheben. Er liegt beim Arbeitgeber, und damit auch in der Hand jedes Inhabers eines kleinen Betriebs. Wir würden dort ansetzen, weil es wenig kostet. Eine Stunde im Monat ausdrücklich für das Ausprobieren freigeben und schriftlich festhalten, welche Werkzeuge erlaubt sind: Das reicht für den Anfang.
Bei Auszubildenden würden wir genauer hinsehen. Recherchen und erste Präsentationen sind die Aufgaben, an denen Einsteiger lernen, wie ein Betrieb arbeitet. Wer sie komplett an ein KI-Werkzeug abgibt, spart kurzfristig Zeit und nimmt dem Nachwuchs das Übungsfeld. Sinnvoller finden wir, wenn der Auszubildende die Aufgabe mit KI erledigt und das Ergebnis anschließend selbst prüft und begründet.
Für Betreiber von KI-Systemen verlangt Artikel 4 des EU AI Act ohnehin, die KI-Kompetenz des Personals zu unterstützen, eine Nachweispflicht folgt daraus nicht.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 25. September 2026):
- nord24 (dpa): Umfrage: Rund die Hälfte erwartet KI-Kenntnisse für Jobstart
- ingenieur.de: Ohne KI-Kenntnisse kein Berufseinstieg? Mehr als die Hälfte der Beschäftigten glaubt das
Häufige Fragen
Wer hat die Umfrage zu KI-Kenntnissen beim Berufseinstieg durchgeführt?
Die Studie „KI in der Arbeitswelt: Wie gelingt der Change?“ stammt von der IU Internationalen Hochschule mit Sitz in Erfurt. Befragt wurden 2.000 Arbeitnehmer in Deutschland zwischen 16 und 65 Jahren, repräsentativ nach Alter und Geschlecht, im Zeitraum vom 31. März bis 14. April 2026. Die IU ist eine private Hochschule, die selbst Weiterbildung anbietet.
Wie viele Beschäftigte halten KI-Kompetenz für eine Einstiegsvoraussetzung?
54,9 Prozent der Befragten stimmen eher oder voll zu, dass KI-Kompetenzen für Berufsanfänger in vielen Berufsfeldern zur Grundvoraussetzung werden. Unter Führungskräften sind es 65,6 Prozent, unter Beschäftigten ohne Führungsverantwortung 51,5 Prozent. 18,7 Prozent können es nicht beurteilen.
Warum nutzen viele Beschäftigte keine Arbeitszeit für KI-Weiterbildung?
43,9 Prozent haben in den zwölf Monaten vor der Befragung keine Arbeitszeit dafür genutzt. Von ihnen halten 47,4 Prozent sie für nicht notwendig, 24,0 Prozent sagen, sie sei vom Unternehmen nicht gewünscht, 21,8 Prozent nennen fehlende Informationen, 21,6 Prozent kein passendes Angebot und 20,6 Prozent Zeitmangel. Mehrfachnennungen waren möglich, die Werte ergeben daher keine Summe.
Was sollte ein kleiner Betrieb jetzt regeln?
Aus unserer Sicht zuerst die Frage, ob Zeit für KI-Weiterbildung in der Arbeitszeit ausdrücklich erwünscht ist, und welche Werkzeuge im Betrieb verwendet werden dürfen. Bei Auszubildenden lohnt es sich, Aufgaben wie Recherchen, an denen sie lernen, nicht vollständig an ein KI-Werkzeug abzugeben. Artikel 4 des EU AI Act verlangt von Betreibern, die KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen, eine Nachweispflicht ergibt sich daraus nicht.
Hat im Betrieb schon jemand gesagt, dass KI-Weiterbildung in der Arbeitszeit erwünscht ist?
Im kostenlosen KI-Schnupperkurs zeigen wir in fünf Lektionen, wie kleine und mittlere Firmen KI im Alltag einsetzen. Tiefer und praxisnah geht es im Vollkurs Digitalisierungsmanager, DEKRA-zertifiziert und förderfähig über den Bildungsgutschein.
Zuletzt aktualisiert: 25. September 2026. Stand der Recherche: 25. September 2026.