Für KI-Kenntnisse legen Personalverantwortliche im Rechnungswesen häufiger etwas drauf als ihre Kollegen in der IT, jedenfalls nach der Gehaltsübersicht, die Robert Half am 8. Oktober 2026 vorgelegt hat.
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Was die Übersicht zum KI-Aufschlag sagt
Robert Half vermittelt Personal und hat die „Gehaltsübersicht 2027“ am 8. Oktober 2026 mit einer Pressemitteilung aus Frankfurt vorgestellt. Sie enthält nach Angaben des Unternehmens prognostizierte Grundgehälter und Vergütungstrends in vier Fachbereichen: Finanz- und Rechnungswesen, IT und Technologie, Administration, HR und Office Support sowie Banking und Financial Services. Deutschlandweit zahlen laut Robert Half 39 Prozent der Personalverantwortlichen mehr für Fachkräfte mit relevanten Kompetenzen im Bereich generativer KI.
Aufgeschlüsselt nach Fachbereich liegt Banking und Financial Services mit 45 Prozent vorn. Es folgen Finanz- und Rechnungswesen mit 43 Prozent und der Bereich Administration, HR und Office Support mit 38 Prozent. In IT und Technologie sind es 36 Prozent.
Die IT steht damit am Ende dieser Reihe.
39 Prozent sind kein Gehaltsplus
Die Zahl lädt zu einem Missverständnis ein, das sich leicht ausräumen lässt. 39 Prozent ist der Anteil der Personalverantwortlichen, die für solche Kenntnisse mehr zahlen. Ein Gehalt, das um 39 Prozent höher liegt, beschreibt sie nicht. Wie hoch der Aufschlag ausfällt, steht weder in der Pressemitteilung noch im Bericht von Golem.de vom selben Tag.
Wer aus der Überschrift eine Gehaltsforderung ableitet, rechnet also mit einer Größe, die die Übersicht in den gelesenen Texten gar nicht nennt.
Was mit KI-Kompetenz gemeint ist, erläutert Philipp Weingart, Managing Director Strategic Accounts bei Robert Half Deutschland, in der Pressemitteilung. Arbeitgeber suchten demnach über technisches Wissen hinaus Fachkräfte, die KI-Technologien so einsetzen können, dass sie konkrete Geschäftsergebnisse unterstützen. Golem.de zitiert Weingart mit den Worten: „Bei KI geht es nicht nur darum, ein Tool bedienen zu können. Entscheidend ist, ob jemand KI sinnvoll im eigenen Fachgebiet einsetzen kann und die Ergebnisse richtig einordnet.“
Fast die Hälfte geht über die geplante Bandbreite
Der KI-Aufschlag ist Teil eines größeren Bildes. 49 Prozent der Personalverantwortlichen bieten laut Robert Half Gehälter oberhalb ihrer ursprünglich geplanten Bandbreite an, um „Top-Talente“ zu gewinnen, wie das Unternehmen es nennt. 58 Prozent nennen spezialisierte Fähigkeiten als einen wesentlichen Grund dafür. Auch hier unterscheiden sich die Fachbereiche: In Banking und Financial Services gehen 57 Prozent über die Bandbreite, in Administration, HR und Office Support 50 Prozent, in IT und Technologie 46 Prozent, im Finanz- und Rechnungswesen 43 Prozent. Dass die Vergütungsbudgets im kommenden Jahr steigen, erwarten 44 Prozent der Personalverantwortlichen.
Geld allein entscheidet nach der Übersicht allerdings nicht. Bei vergleichbarem Grundgehalt nennen Fachkräfte als wichtigste Wechselgründe Work-Life-Balance und Flexibilität (52 Prozent), finanzielle Anreize (50 Prozent), Gesundheit und Wohlbefinden (42 Prozent) und Altersvorsorge (41 Prozent). 62 Prozent der Personalverantwortlichen geben an, dass ihr Unternehmen Zusatzleistungen mit Kandidaten verhandelt.
Wer befragt wurde und wer fehlt
Gelesen werden sollte die Übersicht als das, was sie ist. Robert Half verdient an der Besetzung von Stellen, und eine Gehaltsübersicht dieses Hauses ist auch Vertriebsmaterial. Die Gehaltsbenchmarks beruhen nach Angaben des Unternehmens auf einem mehrstufigen Prozess mit Einschätzungen der eigenen Niederlassungen. Die übrigen Daten stammen aus Online-Befragungen, die Robert Half entwickelt und ein unabhängiges Marktforschungsinstitut durchgeführt hat. Befragt wurden Personalverantwortliche und Beschäftigte in kleinen und mittelständischen Unternehmen mit 20 bis 249 Beschäftigten sowie in großen Organisationen ab 250 Beschäftigten in Deutschland. Wie viele es waren, sagt die Pressemitteilung nicht. Sie nennt auch keinen Befragungszeitraum und nicht den Namen des Instituts. Die vier Fachbereiche entsprechen den Geschäftsfeldern von Robert Half; Handwerk, Produktion, Pflege und Handel kommen in den gelesenen Texten nicht vor.
Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten wurden nicht befragt. Über sie sagt die Übersicht demnach nichts aus.
Um KI-Kenntnisse beim Berufseinstieg ging es in unserem früheren Artikel zur IU-Umfrage über KI-Kompetenz beim Berufseinstieg. Die Gehaltsübersicht von Robert Half betrifft dagegen Fachkräfte in den vier genannten Fachbereichen.
Unsere Einschätzung
Bemerkenswert finden wir die Reihenfolge der Fachbereiche. Den Aufschlag zahlen laut dieser Übersicht eher Personalverantwortliche im Finanz- und Rechnungswesen (43 Prozent) als in der IT (36 Prozent). Gesucht ist aus unserer Sicht demnach weniger der KI-Spezialist als der Buchhalter oder Sachbearbeiter, der sein Fach kennt und KI darin sinnvoll einsetzt. Das deckt sich mit dem, was Weingart beschreibt.
Für einen Betrieb mit 20 oder 50 Leuten folgt daraus nach unserer Einschätzung zweierlei. Wer solche Fachkräfte von außen holen will, konkurriert mit Arbeitgebern, die dafür ihre geplante Bandbreite verlassen. Günstiger ist es aus unserer Sicht meist, die eigenen Fachleute an KI heranzuführen, bevor ein anderer ihnen den Aufschlag anbietet.
Wer das tut, sollte es beim nächsten Gehaltsgespräch auf dem Zettel haben.
Als Grundlage für das eigene Gehaltsgefüge würden wir eine Übersicht ohne genannte Stichprobe nur mit Vorsicht verwenden, zumal sie von einem Haus stammt, das an Besetzungen verdient. Als Hinweis darauf, in welchen Fachbereichen KI-Kenntnisse gefragt sind, ist sie brauchbar.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 9. Oktober 2026):
- Robert Half: Robert Half Gehaltsübersicht 2027 für Deutschland zeigt: Fast die Hälfte der Arbeitgeber überschreitet geplante Gehaltsbudgets, um Top-Talente zu gewinnen
- Golem.de: Robert Half Gehaltsübersicht 2027: Wer KI gut kann, verdient mehr
Häufige Fragen
Bedeuten die 39 Prozent, dass Fachkräfte mit KI-Kenntnissen 39 Prozent mehr verdienen?
Nein. Laut Robert Half zahlen 39 Prozent der Personalverantwortlichen mehr für Fachkräfte mit relevanten Kompetenzen im Bereich generativer KI. Die Zahl ist also ein Anteil der Personalverantwortlichen und kein Gehaltsplus. Wie hoch der Aufschlag ausfällt, steht weder in der Pressemitteilung vom 8. Oktober 2026 noch im Bericht von Golem.de.
In welchen Fachbereichen wird laut Robert Half am häufigsten mehr für KI-Kenntnisse gezahlt?
In Banking und Financial Services sind es 45 Prozent der Personalverantwortlichen, im Finanz- und Rechnungswesen 43 Prozent. Im Bereich Administration, HR und Office Support sind es 38 Prozent, in IT und Technologie 36 Prozent. Die Übersicht umfasst nur diese vier Fachbereiche, die den Geschäftsfeldern von Robert Half entsprechen.
Wie belastbar sind die Zahlen der Gehaltsübersicht 2027?
Robert Half ist ein Personaldienstleister und verdient an Besetzungen, die Übersicht ist auch Vertriebsmaterial. Die Pressemitteilung nennt keine Stichprobengröße, keinen Befragungszeitraum und nicht das Marktforschungsinstitut, das die Online-Befragungen durchgeführt hat. Befragt wurden Personalverantwortliche und Beschäftigte in Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland, kleinere Betriebe nicht.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Eine Pflicht ergibt sich aus der Übersicht nicht, sie ist eine Veröffentlichung eines Personaldienstleisters. Aus unserer Sicht lohnt es sich, zu klären, welche eigenen Fachleute KI in ihrem Fachgebiet einsetzen können, und das im nächsten Gehaltsgespräch zu berücksichtigen. Laut Robert Half bieten 49 Prozent der Personalverantwortlichen Gehälter oberhalb ihrer ursprünglich geplanten Bandbreite an, wer von außen sucht, trifft also auf solche Angebote.
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Zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026. Stand der Recherche: 9. Oktober 2026.