Auf die Schnelle

Perplexitys Comet ist ein KI-Browser, der im Auftrag der Nutzer Produktseiten liest und Käufe abschließt. Rund 2 Millionen Menschen kaufen darüber schon jeden Monat ein, hochgerechnet bewegt der Dienst Ware im Wert von etwa 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Für jeden vermittelten Kauf behält Perplexity je nach Kategorie 8 bis 12 Prozent ein. Für kleine Online-Händler schiebt sich damit eine neue Zwischenschicht zwischen Laden und Kunde. Wer früh versteht, wie diese Agenten Produkte auswählen, kann sich darauf einstellen.

Ein KI-Einkaufsagent sammelt nicht nur Vorschläge, er schließt den Kauf selbst ab. Perplexitys Browser Comet erledigt das über eine Funktion namens "Buy Now", bei zahlenden Nutzern "Buy with Pro". Er öffnet die Produktseite, vergleicht, legt in den Warenkorb und gibt die Bestellung auf. Anfang Juli 2026 zählte der Dienst rund 2 Millionen aktive Käufer pro Monat. Für einen Kanal, den es vor Kurzem noch nicht gab, ist das eine Menge.

Wie der Agent einkauft

Comet arbeitet wie ein flinker Assistent, der für dich durchs Netz zieht. Du beschreibst, was du suchst, und der Agent übernimmt Recherche, Vergleich und Bestellung. Er ruft Produktseiten auf, liest Beschreibung, Preis und Verfügbarkeit, wählt aus und kauft.

Ein Beispiel macht es greifbar. Du bittest um kabellose Kopfhörer bis 80 Euro mit ordentlicher Akkulaufzeit. Der Agent durchforstet Angebote, gleicht sie ab und schlägt am Ende ein Modell vor, meist mit der Möglichkeit, es sofort zu bestellen. Der ganze Vorgang, der dich früher durch mehrere Shops und Vergleichsseiten geführt hätte, schrumpft auf eine einzige Anfrage.

Der Kunde sieht am Ende nur ein Ergebnis. Den Shop dahinter bekommt er kaum noch zu Gesicht.

Das ist der Bruch mit dem bisherigen Online-Handel. Früher landete ein Interessent auf deiner Seite, sah dein Sortiment, deine Bilder, deine Bewertungen und entschied selbst. Jetzt trifft eine Software die Vorauswahl und legt dem Menschen oft nur noch ein oder zwei Optionen vor. Ob dein Produkt in diese engere Wahl kommt, hängt davon ab, wie gut ein Programm deine Produktdaten lesen und einordnen kann. Der erste Eindruck entsteht damit nicht mehr im Kopf eines Menschen, sondern in der Auswertung einer Maschine.

Acht bis zwölf Prozent für die Vermittlung

Diese Bequemlichkeit hat einen Preis, und den zahlt der Händler. Für jeden über Comet vermittelten Kauf behält Perplexity je nach Warenkategorie 8 bis 12 Prozent des Umsatzes ein, dazu kommen die Zahlungsgebühren des Abwicklers Stripe. Diese Umsatzbeteiligung nennt man Take-Rate.

Welchen Strom der Dienst bewegt, zeigt eine zweite Zahl. Hochgerechnet auf ein Jahr kommt Comet auf einen Bruttowarenwert von rund 2 Milliarden US-Dollar. Bruttowarenwert, im Fachjargon GMV, meint den Gesamtwert aller vermittelten Käufe, bevor Kosten und Retouren abgezogen werden. Gemeint ist also der Umsatz, der durch den Agenten läuft, bevor irgendein Abzug anfällt.

Acht bis zwölf Prozent klingen überschaubar. Im Onlinehandel mit seinen oft dünnen Margen können sie über Ertrag oder Nullsummenspiel entscheiden. Wer seine Kalkulation kennt, sollte vorher durchrechnen, ob ein über den Agenten vermittelter Verkauf am Ende noch etwas übrig lässt. Bei einem Artikel mit 15 Prozent Rohmarge bleibt nach der Take-Rate rechnerisch kaum noch Luft.

Was der Fall Amazon zeigt

Wie schnell sich die Verhältnisse verschieben, zeigte das Frühjahr 2026. Im April schränkte Amazon den Zugriff von Perplexity auf seine Echtzeit-Preise und Bestände ein. Der Agent konnte die Amazon-Angebote danach schlechter erfassen.

Die Folge ließ sich messen. Der Teil des Bruttowarenwerts, der auf Amazon entfiel, sackte binnen 60 Tagen um rund 30 Prozent ab.

Der Vorgang lehrt zwei Dinge auf einmal. Ein Einkaufsagent hängt davon ab, dass Händler und Plattformen ihn an ihre Daten lassen. Und eine große Plattform kann diesen Zugang drosseln, sobald sie ihr eigenes Geschäft bedroht sieht. Für kleine Händler ist beides aufschlussreich, denn sie sitzen in einer ähnlichen Abhängigkeit, nur von der anderen Seite. Wer sein Geschäft stark auf einen einzelnen Vermittler stützt, übernimmt dessen Konditionen, und die können sich über Nacht ändern.

Zu behaupten, Amazon habe hier gezielt gegen einen Rivalen gehandelt, geht über das hinaus, was öffentlich belegt ist. Sichtbar ist der Zusammenhang aus engerem Zugang und einbrechendem Umsatz. Für die eigene Planung reicht diese Beobachtung schon, denn sie zeigt, wie fragil ein Kanal ist, den ein anderer kontrolliert.

Wenn die Software die Vorauswahl trifft

Noch läuft der deutsche Online-Handel überwiegend über klassische Shops und Marktplätze. Die Richtung ist trotzdem erkennbar und einen nüchternen Blick wert.

Sobald ein wachsender Teil der Kaufentscheidungen maschinell vorsortiert wird, verschiebt sich, worauf es ankommt. Saubere, vollständige Produktdaten gewinnen an Gewicht. Ein Agent, der zwischen zwei Angeboten wählt, stützt sich auf das, was maschinell lesbar ist: Titel, Beschreibung, Preis, Verfügbarkeit, technische Merkmale. Ein schönes Foto, das einen Menschen überzeugt, sagt dem Programm wenig.

Das heißt für dich, dass die Pflege deiner Artikeldaten wichtiger wird, als sie vielen heute erscheint. Was der Agent nicht sauber lesen kann, taucht in seiner Auswahl schlicht nicht auf. Sichtbarkeit richtet sich also zunehmend an Maschinen, die im Auftrag von Menschen lesen.

Ein kleiner Haushaltswaren-Händler kann das genauso gut machen wie ein großer. Wer seine Artikel mit sauberen Maßen, Materialangaben und ehrlichen Beschreibungen versieht, gibt dem Agenten die Grundlage, ihn überhaupt zu berücksichtigen. Wer nur ein knappes Stichwort und ein Foto hinterlegt, hofft darauf, dass ihn kein Programm aussortiert. Die Größe der Firma spielt dabei weniger eine Rolle als die Ordnung in den Daten.

Wem gehört der Kunde

Unter der Provision liegt ein zweiter, leiserer Effekt. Wer über einen Agenten kauft, merkt sich selten, bei wem er gekauft hat. Die Bindung entsteht zum Agenten, während der Shop im Hintergrund verschwindet.

Für einen kleinen Händler, dessen Stärke oft in Beratung, Service und wiederkehrenden Kunden liegt, ist das der heikle Punkt. Die Provision tut einmal weh, der verlorene Draht zum Kunden wirkt länger nach.

Das ist in der Praxis oft ein größeres Thema als auf dem Papier. Wir sehen bei Betrieben, die wir begleiten, dass die reine Prozentzahl schnell verstanden ist. Der schleichende Verlust der direkten Kundenbeziehung fällt erst später auf, wenn die Stammkundschaft dünner wird und keiner recht sagen kann, warum. Wer den eigenen Kanal und den eigenen Kundenkontakt pflegt, hält sich diese Tür offen.

Was Händler jetzt tun können

Panik ist der falsche Ratgeber, ein wacher Blick der richtige. Der Trend trägt einen Namen, agentic commerce, also Software, die Produktsuche und Kaufabschluss für den Nutzer übernimmt. Wann er den deutschen Markt in der Breite erreicht, weiß niemand sicher. Sich darauf einstellen kann man heute schon.

Der erste Schritt kostet wenig. Bring deine Produktdaten in eine Form, die eine Maschine zweifelsfrei lesen kann: klare Titel, ehrliche Beschreibungen, korrekte Preise und Bestände. Das nützt schon jetzt der Sichtbarkeit bei Google und später den Einkaufsagenten.

Der zweite Schritt ist strategisch. Streue deine Kanäle, damit kein einzelner Vermittler dich in der Hand hat, und pflege den direkten Draht zu deinen Kunden dort, wo er dir gehört, über einen eigenen Newsletter oder guten Service. Wie sich diese Verschiebung im Alltag eines Onlineshops anfühlt, haben wir im Beitrag zu agentic commerce im Onlineshop genauer beschrieben. Wer die Mechanik dahinter versteht, entscheidet ruhiger als jemand, der erst aufwacht, wenn der erste Agent an die Ladentür klopft.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 22. Juli 2026):

Häufige Fragen

Was ist ein KI-Einkaufsagent?

Ein KI-Einkaufsagent ist eine Software, die im Auftrag eines Nutzers Produkte sucht, vergleicht und den Kauf selbst abschließt. Perplexitys Browser Comet macht das über die Funktion "Buy Now": Er liest Produktseiten, wählt aus und gibt die Bestellung auf. Anfang Juli 2026 nutzten das rund 2 Millionen Menschen pro Monat.

Wie viel Provision nimmt Perplexitys Comet?

Für jeden über Comet vermittelten Kauf behält Perplexity je nach Warenkategorie 8 bis 12 Prozent des Umsatzes ein, dazu kommen die Zahlungsgebühren des Abwicklers Stripe. Diese Umsatzbeteiligung nennt man Take-Rate. Bei dünnen Margen im Onlinehandel sollte man vorher durchrechnen, ob ein solcher Verkauf noch etwas übrig lässt.

Was bedeutet agentic commerce?

Agentic commerce ist der Oberbegriff für den Trend, dass KI-Agenten die Produktsuche und den Kaufabschluss für den Nutzer übernehmen. Statt selbst durch Shops zu klicken, überlässt der Kunde die Auswahl einer Software. Für Händler entsteht damit eine neue Zwischenschicht zwischen ihnen und dem Kunden.

Wie können sich kleine Online-Händler auf Einkaufsagenten vorbereiten?

Der wichtigste Schritt ist, die eigenen Produktdaten so zu pflegen, dass eine Maschine sie zweifelsfrei lesen kann: klare Titel, ehrliche Beschreibungen, korrekte Preise und Bestände. Daneben lohnt es sich, die Kanäle zu streuen und den direkten Draht zum Kunden über einen eigenen Newsletter oder guten Service zu pflegen. So bleibt man unabhängiger von einem einzelnen Vermittler.

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Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2026. Stand der Recherche: 22. Juli 2026.