Eine Lünendonk-Studie vom 10. Juni 2026 zeigt, wie stark KI die IT-Branche umbaut. 54 Prozent der befragten IT-Dienstleister erwarten bis 2028 weniger Bedarf an Softwareentwicklern, 44 Prozent rechnen mit weniger Personal im IT-Betrieb. Gleichzeitig wächst der Markt: 2025 um 2,9 Prozent, für 2026 erwarten die Anbieter im Schnitt 7,5 Prozent. Das Bild ist also kein Kahlschlag, sondern ein Umbau der Aufgaben. Wer die neuen Werkzeuge beherrscht und Prozesse versteht, bleibt gefragt.
54 Prozent. So viele der befragten IT-Dienstleister erwarten, dass die Nachfrage nach Softwareentwicklern bis 2028 sinkt. Die Zahl stammt aus einer Lünendonk-Studie zu KI und IT-Jobs, veröffentlicht am 10. Juni 2026. Sie klingt bedrohlich, und sie wird auch so zitiert. Wer weiterliest, findet ein Bild, das weniger nach Kahlschlag aussieht und mehr nach einem tiefen Umbau der Berufe.
Was die Studie erhoben hat
Die Marktforschung Lünendonk & Hossenfelder untersucht seit Jahren den deutschen Markt für IT-Dienstleistungen. Am 10. Juni 2026 legte sie ihre aktuelle Studie vor, für die sie IT-Entscheider und IT-Dienstleister befragt hat. Die Befunde treffen einen Nerv, weil sie eine Branche betreffen, die lange als sicherer Hafen galt.
Zwei Zahlen stehen im Mittelpunkt der Schlagzeilen. 54 Prozent der befragten IT-Dienstleister rechnen bis 2028 mit einer sinkenden Nachfrage nach Softwareentwicklern. 44 Prozent erwarten weniger Personal im Anwendungsmanagement und im IT-Betrieb.
Das sind deutliche Werte, und man sollte sie nicht kleinreden. Wenn rund die Hälfte der Anbieter einer ganzen Branche mit weniger Bedarf an einer Kernrolle rechnet, ist das ein Signal. Die Frage ist, was dahintersteckt und ob daraus wirklich folgt, dass Menschen überflüssig werden.
Wichtig ist die Perspektive der Befragten. Es sind die Anbieter selbst, die ihren künftigen Personalbedarf einschätzen, also Menschen mit gutem Blick auf ihr Geschäft, aber auch mit eigenen Interessen. Eine solche Erwartung ist eine Prognose, kein gemessener Rückgang. Sie sagt, wohin die Branche blickt, und noch nicht, was 2028 tatsächlich eintritt.
Wo KI die Arbeit effizienter macht
Warum die Anbieter mit weniger Bedarf rechnen, zeigen die Effizienz-Erwartungen aus derselben Studie. 70 Prozent der befragten IT-Entscheider sehen enorme KI-bedingte Effizienzpotenziale im IT-Betrieb. 52 Prozent erwarten sie in der Anwendungsmodernisierung.
Am deutlichsten fällt der Wert in der Softwareentwicklung aus. 83 Prozent der befragten IT-Anwenderunternehmen erwarten hier spürbare Effizienzgewinne durch KI. Das ist der Bereich, in dem KI-Werkzeuge heute am sichtbarsten mitarbeiten.
Übersetzt heißt das: KI schlägt Code-Bausteine vor, findet Fehler schneller, erledigt Routineanteile der Entwicklung. Ein Entwickler, der früher einen Tag für eine Standardaufgabe brauchte, ist mit guter Unterstützung schneller fertig. Wenn jeder Einzelne mehr schafft, sinkt rechnerisch der Bedarf an zusätzlichen Händen für dieselbe Menge Arbeit. Die sinkende Nachfrage ist damit weniger ein Zeichen von Krise als von gestiegener Produktivität.
Ob jede Prognose so eintrifft, steht auf einem anderen Blatt. Effizienzpotenzial auf dem Papier ist noch kein eingespartes Personal. Viele Betriebe stellen fest, dass die frei gewordene Zeit in Projekte fließt, die vorher liegen geblieben sind. Weniger Stellen sind längst nicht die zwingende Folge, sie hängen davon ab, wie ein Unternehmen mit dem Zeitgewinn umgeht.
Und trotzdem wächst der Markt
Die Studie enthält eine zweite Botschaft, die zur ersten quer steht. Der Gesamtmarkt für IT-Dienstleistungen schrumpft nicht. Er wächst.
2025 legte er um 2,9 Prozent zu, nach 2,6 Prozent im Jahr davor. Für 2026 erwarten die Anbieter im Schnitt sogar 7,5 Prozent Umsatzwachstum. Eine Branche, die vor dem Abgrund steht, sieht anders aus.
Ein wachsender Markt und zugleich weniger Bedarf an klassischen Entwicklern, das passt nur auf den ersten Blick nicht zusammen. Es heißt, dass mehr Arbeit von weniger Menschen mit besseren Werkzeugen erledigt wird und dass sich die gefragten Tätigkeiten verschieben. Die Branche wächst, aber sie verändert, wofür sie Menschen braucht.
Für die einzelnen Beschäftigten ist diese Verschiebung die eigentliche Nachricht. Die Menge der Arbeit geht kaum zurück, doch ihre Art ändert sich. Wer heute vor allem Routineaufgaben abarbeitet, spürt den Wandel früher als jemand, der komplexe Systeme entwirft und Kunden berät. An dieser Routine setzt KI zuerst an.
Umbau statt Kahlschlag
Das ist der Punkt, den die Schlagzeilen verkürzen. KI ersetzt selten einen ganzen Beruf. Sie verschiebt Aufgaben innerhalb des Berufs.
Der Entwickler von morgen tippt weniger Standardcode und verbringt mehr Zeit damit, Anforderungen zu klären, KI-Ergebnisse zu prüfen, Architektur zu entwerfen und die Teile zusammenzufügen. Die Rolle bleibt, ihr Inhalt wandert. Wer diese neuen Anteile beherrscht, wird gebraucht, in manchen Häusern dringender als zuvor.
Dieses Muster deckt sich mit anderen Erhebungen. Auch der Anthropic Economic Index kommt zu dem Schluss, dass KI Aufgabenprofile umbaut, während die Stelle meist bestehen bleibt. Zwei sehr unterschiedliche Studien, ein ähnliches Bild. Das macht die Aussage belastbarer als eine einzelne Momentaufnahme.
Wer jetzt gebraucht wird
Aus unserer Arbeit mit Weiterbildungsteilnehmern kennen wir die Sorge, die hinter solchen Zahlen steht. Die Frage ist selten, ob es die eigene Branche noch gibt, sondern ob man selbst mithält.
Wer die neuen Werkzeuge beherrscht und die Prozesse dahinter versteht, gehört zu den Gefragten. Ein IT-Fachmann, der KI-Assistenten sinnvoll einsetzt, ihre Ergebnisse einordnet und weiß, wo sie versagen, ist wertvoller als jemand, der stur nach altem Muster arbeitet. Das ist in der Praxis oft ein größeres Thema als auf dem Papier, weil die Bereitschaft zum Umlernen mindestens so zählt wie das vorhandene Fachwissen.
Wer das unterschätzt, steht am Ende mit denselben Fähigkeiten da, die vor fünf Jahren gefragt waren, während die Branche längst weitergezogen ist. Über die eigene Zukunft entscheidet dann weniger die Technik selbst als die Frage, ob man mit ihr wächst.
Ein Bild aus dem Alltag. Zwei Entwickler mit demselben Ausgangswissen driften auseinander, sobald KI-Werkzeuge dazukommen. Der eine probiert sie aus, lernt ihre Stärken und Schwächen und wird schneller. Der andere winkt ab und arbeitet weiter wie bisher. Nach einem Jahr trennt die beiden eine Kluft, die kein Zeugnis erklärt, nur die Praxis.
Weiterbildung als naheliegende Antwort
Für Betriebe und Beschäftigte führt das zu einer nüchternen Schlussfolgerung. Wenn sich Aufgaben verschieben, ist Weiterbildung der Hebel, der aus einer Bedrohung eine Perspektive macht.
Das gilt nicht nur für die IT-Branche selbst. Auch in anderen Bereichen wandelt KI die Arbeit, und überall zählt, ob die Menschen die Werkzeuge verstehen. Seit dem 2. Februar 2025 verlangt die KI-Kompetenzpflicht der EU-KI-Verordnung ohnehin, dass Beschäftigte, die KI im Betrieb einsetzen, grundlegend verstehen, was das System tut.
Für Betriebe lohnt der Gedanke doppelt. Wer die eigenen Leute schult, statt auf teure externe Spezialisten zu warten, hält Wissen im Haus und bindet Mitarbeiter ans Unternehmen. Im anhaltenden Fachkräftemangel ist ein Beschäftigter, der mit dem Wandel geht, oft wertvoller als eine offene Stelle, die monatelang unbesetzt bleibt.
Panikmache hilft dabei niemandem, und ein Versprechen auf sichere Jobs kann seriös auch niemand geben. Was bleibt, ist der handfeste Rat, den Wandel früh anzunehmen. Wer heute lernt, mit den neuen Werkzeugen umzugehen, steht in zwei Jahren besser da als jemand, der gewartet hat, bis der Druck von außen kommt. Und dass dieser Druck kommt, zeigen die Zahlen der Studie recht deutlich.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 22. Juli 2026):
- Lünendonk & Hossenfelder: Studienbefunde zum IT-Dienstleistungsmarkt 2026
- IT-Matchmaker: Marktkontext zu Data- und AI-Services in Deutschland
Häufige Fragen
Was besagt die Lünendonk-Studie zu KI und IT-Jobs?
Die am 10. Juni 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass 54 Prozent der befragten IT-Dienstleister bis 2028 mit einer sinkenden Nachfrage nach Softwareentwicklern rechnen. 44 Prozent erwarten weniger Personal im Anwendungsmanagement und im IT-Betrieb. Hintergrund sind hohe Effizienzerwartungen an KI, etwa 83 Prozent in der Softwareentwicklung.
Verschwinden durch KI die IT-Berufe?
Die Studie deutet eher auf einen Umbau als auf einen Kahlschlag hin. KI ersetzt selten einen ganzen Beruf, sie verschiebt Aufgaben innerhalb der Rolle. Der Entwickler von morgen tippt weniger Standardcode und klärt mehr Anforderungen, prüft KI-Ergebnisse und entwirft Architektur.
Wächst der IT-Dienstleistungsmarkt trotz KI?
Ja. Der Gesamtmarkt wuchs 2025 um 2,9 Prozent, nach 2,6 Prozent im Jahr davor. Für 2026 erwarten die Anbieter im Schnitt sogar 7,5 Prozent Umsatzwachstum. Ein wachsender Markt bei zugleich sinkendem Bedarf an klassischen Entwicklern zeigt, dass mehr Arbeit von weniger Menschen mit besseren Werkzeugen erledigt wird.
Was bedeutet das für die Weiterbildung in der IT?
Wer die neuen Werkzeuge beherrscht und die Prozesse dahinter versteht, bleibt gefragt. Ein Fachmann, der KI-Assistenten sinnvoll einsetzt und ihre Ergebnisse einordnet, ist wertvoller als jemand, der nach altem Muster arbeitet. Seit dem 2. Februar 2025 verlangt die EU-KI-Verordnung zudem ein Grundverständnis von allen, die KI im Betrieb nutzen.
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Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2026. Stand der Recherche: 22. Juli 2026.