Microsoft hat Ende Juni 2026 angekündigt, dass Copilot in Excel über eine neue Funktion namens "Skills" Live-Daten direkt aus Unternehmenssystemen zieht. Angebunden sind unter anderem SAP S/4HANA, Oracle NetSuite, Microsoft Dynamics 365 und Workday, dazu Marktdatenanbieter wie FactSet und Morningstar. Der manuelle Export aus dem ERP ins Tabellenblatt fällt damit weg. Das spart im Controlling und in der Buchhaltung viel Fleißarbeit. Die Verantwortung dafür, dass die Zahlen stimmen, bleibt trotzdem beim Menschen.
Wer im Controlling arbeitet, kennt den Ablauf: Zahlen aus SAP exportieren, in Excel kopieren, formatieren, auswerten, beim nächsten Monatsabschluss von vorn. Microsoft will diesen Umweg verkürzen. Ende Juni 2026 kündigte der Konzern an, dass Copilot in Excel über eine neue Funktion namens "Skills" Live-Daten direkt aus Unternehmenssystemen zieht, darunter SAP. Excel Copilot und SAP reden damit miteinander, ohne dass jemand die Zahlen von Hand hin und her schiebt.
Was Microsoft angekündigt hat
Am 25. und 26. Juni 2026 machte Microsoft die Neuerung öffentlich. Copilot, der KI-Assistent in den Office-Programmen, kann in Excel jetzt auf Live-Daten aus angebundenen Unternehmenssystemen zugreifen. Möglich macht das die Funktion Skills.
Der Rollout begann Ende Juni 2026 für Windows, für Mac und für die Webversion von Excel. Die Funktion läuft damit auf allen wichtigen Plattformen, dort wo ohnehin gearbeitet wird.
Der Kern der Ankündigung ist die Verbindung zwischen zwei Welten, die bisher getrennt liefen. Auf der einen Seite die Tabellenkalkulation, in der ausgewertet wird. Auf der anderen das ERP-System, in dem die Zahlen des Betriebs entstehen. ERP steht für Enterprise Resource Planning, also die Software, die Einkauf, Lager, Buchhaltung und vieles mehr zusammenführt. Zwischen beiden lag bisher der manuelle Export. Der Live-Zugriff schließt diese Lücke.
Welche Systeme angebunden sind
Die Liste der angebundenen Systeme liest sich wie das Who-is-who der Unternehmenssoftware. Dazu gehören SAP S/4HANA, Oracle NetSuite, Microsoft Dynamics 365 und Workday.
Für den deutschen Mittelstand ist vor allem SAP S/4HANA relevant, weil viele größere Betriebe darauf laufen. Wer seine Buchhaltung und sein Warenwirtschaftssystem in SAP hat, kann diese Zahlen künftig direkt in der Tabelle aufrufen, statt sie zu exportieren.
Zusätzlich hat Microsoft Marktdatenanbieter angebunden, darunter FactSet, Morningstar und S&P Global. Damit lassen sich externe Finanz- und Marktdaten in dieselbe Tabelle holen wie die internen Zahlen aus dem ERP. Für eine Auswertung, die interne Kennzahlen mit Marktvergleichen verbindet, entfällt das mühsame Sammeln aus mehreren Quellen.
Kleinere Betriebe ohne großes ERP haben von der Neuerung zunächst weniger. Wer seine Zahlen in einer einfachen Buchhaltungssoftware oder gar in eigenen Tabellen führt, ist auf die Live-Anbindung nicht angewiesen. Copilot bleibt für sie trotzdem nützlich, nur eben für das Auswerten der Daten, die ohnehin schon in der Tabelle stehen.
Was Skills eigentlich sind
Hinter dem Wort Skills steckt ein einfacher Gedanke. Ein Skill ist ein wiederverwendbarer KI-Arbeitsablauf, den du einmal einrichtest und danach immer wieder abrufst.
Nimm den monatlichen Abgleich von Ist-Kosten gegen den Plan. Dieser Ablauf lässt sich als Skill hinterlegen. Statt jeden Monat die gleichen Schritte von Hand zu wiederholen, rufst du den Skill auf, und er holt die aktuellen Zahlen und baut die Auswertung.
Skills werden in OneDrive gespeichert und lassen sich im Team teilen. Ein Kollege richtet den Ablauf einmal sauber ein, die anderen nutzen ihn, ohne ihn neu zu bauen. Für kleine Controlling-Teams ist das ein handfester Vorteil, weil das Wissen nicht mehr in einer einzelnen Tabelle auf einem einzelnen Rechner steckt.
Dieser Punkt wird oft unterschätzt. In vielen Betrieben hängt eine wichtige Auswertung an einem einzigen Menschen, der die verschachtelte Tabelle gebaut hat und als Einziger versteht. Fällt er aus, steht die Auswertung still. Ein geteilter, dokumentierter Ablauf verteilt dieses Wissen und macht den Betrieb ein Stück unabhängiger von einzelnen Personen.
Was das im Controlling spart
Der Zeitgewinn liegt auf der Hand. Das ewige Exportieren, Kopieren und Formatieren frisst im Monatsabschluss Stunden, und es ist fehleranfällig. Eine Zahl in der falschen Spalte, ein veralteter Export, ein vergessener Filter, und die Auswertung stimmt nicht mehr.
Zieht Excel die Daten live aus dem System, fällt dieser Zwischenschritt weg. Die Zahlen sind aktuell, und die Quelle ist für alle dieselbe, die damit arbeiten.
Ein Bild aus dem Alltag macht es greifbar. Die Controllerin eines mittelständischen Zulieferers baut jeden Monat einen Bericht über offene Posten und Zahlungsziele. Bisher zog sie die Daten aus dem ERP, spielte sie in Excel ein und rechnete von Hand nach. Mit dem Live-Zugriff aktualisiert sich derselbe Bericht auf Knopfdruck, mit den Zahlen von heute Morgen statt von letzter Woche.
Für eine Buchhaltung oder ein Controlling im Mittelstand heißt das weniger stumpfe Fleißarbeit und mehr Zeit für die eigentliche Frage, nämlich was die Zahlen aussagen. Wie ähnlich sich dieser Wandel im Steuerbüro anfühlt, haben wir am Beispiel von Copilot in Steuerkanzleien beschrieben.
Wo die Grenzen liegen
Bei aller Bequemlichkeit lohnt ein nüchterner Blick auf das, was der Assistent nicht abnimmt. Eine KI, die Zahlen zieht und auswertet, kann sich irren, eine Formel falsch anwenden oder eine Frage anders verstehen, als sie gemeint war.
Ein simples Beispiel. Fragst du nach dem Umsatz eines Quartals, muss die KI wissen, ob du Brutto oder Netto meinst, welche Gesellschaft, welche Währung und ob Gutschriften schon abgezogen sind. Versteht sie eine dieser Vorgaben anders als du, kommt eine Zahl heraus, die auf den ersten Blick sauber aussieht und trotzdem falsch ist.
Microsoft hat dafür zwei Hilfen eingebaut. Ein "Plan with Copilot"-Modus zeigt vorab, welche Schritte der Assistent gehen will, und eine "Show Changes"-Funktion protokolliert, was er geändert hat, eine Art Änderungsprotokoll zum Nachvollziehen.
Diese Werkzeuge sind nützlich, aber sie ersetzen die Prüfung nicht. Sie machen sie erst möglich. Wer eine automatisch erzeugte Auswertung ungeprüft in den Monatsbericht übernimmt, verlässt sich darauf, dass die Maschine alles richtig verstanden hat. Bei Finanzzahlen ist das ein Risiko, das niemand leichtfertig eingehen sollte.
Warum das Prüfen wichtiger wird
KI liefert die Zahl schnell. Die Verantwortung für ihre Richtigkeit bleibt beim Menschen. Das klingt selbstverständlich und ist doch der praktische Kern der ganzen Entwicklung.
Wir sehen bei unseren Teilnehmern regelmäßig, dass der eigentliche Sprung nicht im Bedienen des Werkzeugs liegt, sondern im Beurteilen der Ergebnisse. Wer eine Kennzahl auf den ersten Blick als plausibel oder unplausibel einordnen kann, holt aus so einem Assistenten viel heraus. Wer die Zahl nur abnickt, weil sie aus dem Computer kommt, baut sich ein Problem ein, das erst im nächsten Quartal auffällt.
Das lässt sich lernen. Wer die Logik hinter einer Kennzahl versteht, erkennt einen Ausreißer, bevor er im Bericht landet. Diese Fähigkeit wird durch die neue Technik nicht überflüssig, im Gegenteil, sie gewinnt an Gewicht, weil die Zahlen jetzt schneller und in größerer Menge auf den Tisch kommen. Der Mensch rückt vom Zahlensammler zum Prüfer, und das ist die anspruchsvollere Rolle.
Seit dem 2. Februar 2025 verlangt die KI-Kompetenzpflicht der EU-KI-Verordnung ohnehin, dass Beschäftigte, die KI im Betrieb einsetzen, grundlegend verstehen, was das System tut. Bei einer Software, die eigenständig Finanzdaten zieht und verrechnet, ist dieses Verständnis mehr als eine rechtliche Pflicht. Es ist die Voraussetzung dafür, dass am Ende die richtige Zahl im Bericht steht.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 22. Juli 2026):
- Borns IT- und Windows-Blog: Copilot in Excel mit Live-Zugriff auf SAP und Oracle (Ankündigung)
- IT-BOLTWISE: Excel Copilot knüpft Live-Verbindungen zu SAP und Oracle für Finanzdaten (Details)
Häufige Fragen
Was kann Excel Copilot mit SAP-Daten machen?
Copilot in Excel kann über die neue Funktion Skills Live-Daten direkt aus SAP S/4HANA und anderen Unternehmenssystemen ziehen. Der manuelle Export aus dem ERP ins Tabellenblatt fällt damit weg, die Zahlen sind aktuell und stammen für alle aus derselben Quelle. Microsoft hat den Rollout Ende Juni 2026 gestartet.
Welche Systeme sind an Excel Copilot angebunden?
Angebunden sind unter anderem SAP S/4HANA, Oracle NetSuite, Microsoft Dynamics 365 und Workday. Dazu kommen Marktdatenanbieter wie FactSet, Morningstar und S&P Global. Damit lassen sich interne ERP-Zahlen und externe Marktdaten in derselben Tabelle zusammenführen.
Was sind Skills in Excel Copilot?
Ein Skill ist ein wiederverwendbarer KI-Arbeitsablauf, den man einmal einrichtet und danach immer wieder abruft, etwa den monatlichen Abgleich von Ist-Kosten gegen den Plan. Skills werden in OneDrive gespeichert und lassen sich im Team teilen. So richtet ein Kollege den Ablauf einmal ein, und die anderen nutzen ihn.
Muss man die von Copilot erzeugten Zahlen noch prüfen?
Ja. Eine KI, die Zahlen zieht und auswertet, kann sich irren oder eine Frage anders verstehen als gemeint. Microsoft hat mit dem Modus "Plan with Copilot" und der Funktion "Show Changes" zwei Hilfen zum Nachvollziehen eingebaut, doch die ersetzen die Prüfung nicht. Bei Finanzzahlen bleibt die Verantwortung für die Richtigkeit beim Menschen.
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Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2026. Stand der Recherche: 22. Juli 2026.