Die beiden Holo4-Modelle tragen denselben Namen und verschiedene Lizenzen, und so entscheidet eine Zeile in der Modellkarte, ob ein Betrieb die Gewichte auf eigenen Rechnern geschäftlich einsetzen darf.
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Ein Agent für jede Schnittstelle
Holo4 ist laut dem Hugging-Face-Blog von H vom 28. September 2026 eine neue Reihe von Agentenmodellen. Solche Modelle bedienen Software selbst. Sie klicken und tippen auf Bildschirmoberflächen, schreiben eigenen Code oder sprechen Programme über MCP und APIs an, je nachdem, welche Schnittstelle verfügbar ist. Laut AlphaSignal sitzt H Company in Paris.
Holo4-27B ist ein dichtes Modell. Holo4-35B-A3B arbeitet als Mixture of Experts und hat insgesamt mehr Parameter, von denen laut AlphaSignal rund 3 Milliarden je Schritt aktiv sind.
Beide laufen über die H Models API. Die Gewichte liegen zusätzlich auf Hugging Face, in den Formaten BF16, FP8 und NVFP4 sowie als 4-Bit-GGUF. Trainiert hat H nach eigenen Angaben mit überwachten Verfahren und Verstärkungslernen, und zwar auf rund 10.000 automatisch erzeugten Aufgaben aus Web-Apps, MCP-Servern und Desktop-Umgebungen.
Zwei Lizenzen unter einem Namen
Den eigentlichen Unterschied zwischen den beiden Modellen macht die Lizenz. Laut Modellkarte stehen die Gewichte von Holo4-27B unter CC BY-NC 4.0, also nicht kommerziell. Das Basismodell, auf dem Holo4-27B aufsetzt, heißt Qwen3.8-27B und steht unter Apache 2.0. Holo4-35B-A3B ist laut seiner Modellkarte unter der Apache License 2.0 veröffentlicht, ebenso wie sein Basismodell Qwen3.6-35B-A3B. Für den Geschäftsbetrieb mit eigenen Gewichten ist Holo4-27B nach seiner Lizenz damit nicht freigegeben. Wer Gewichte auf eigene Hardware lädt, muss deshalb genau wissen, welches der beiden Modelle er gerade herunterlädt. Die Namen unterscheiden sich nur in der Endung. Was „nicht kommerziell“ im Einzelfall erlaubt, ist eine Rechtsfrage, die dieser Artikel nicht beantwortet.
Über die API sieht es anders aus. Dort sind laut AlphaSignal beide Modelle kommerziell nutzbar, abgerechnet wird nach Verbrauch.
Was diese Nutzung kostet, steht in keiner der gelesenen Quellen. AlphaSignal rät ausdrücklich, die Preise in der API-Konsole zu prüfen. Ein Betrieb, der Holo4-27B geschäftlich nutzen will, landet also bei einem Bezahldienst mit unbekanntem Tarif.
Die Benchmark-Zahlen und wer sie gemessen hat
Sämtliche Leistungswerte stammen von H selbst. Auf OSWorld 2.0, einem Test mit Desktop-Aufgaben, erreicht Holo4-27B laut H 61,7 Prozent und Holo4-35B-A3B 30,9 Prozent. Für Opus 5.5 nennt H auf demselben Test 81,8 Prozent. Auf AutomationBench, wo Aufgaben über APIs gelöst werden, kommt Holo4-27B laut H auf 45,4 Prozent, Holo4-35B-A3B auf 34,5 Prozent.
Rechnerisch liegt das frei lizenzierte Modell auf OSWorld 2.0 damit bei rund der Hälfte des Werts von Holo4-27B (30,9 zu 61,7 Prozent).
Die Kosten je Aufgabe gibt die Modellkarte auf OSWorld 2.0 mit 1,22 US-Dollar für Holo4-27B und 0,61 US-Dollar für Holo4-35B-A3B an. Auf AutomationBench sind es 0,05 und 0,02 US-Dollar. Geschätzt hat H diese Beträge nach den Preisen der eigenen API, und genau diese Preise fehlen in den Quellen. Immerhin veröffentlicht H die Abläufe hinter allen Benchmark-Werten, sodass sie sich nachprüfen lassen.
Warum Oberflächen-Agenten für kleine Betriebe interessant sind
Manches ältere Branchenprogramm in kleinen Betrieben hat keine Schnittstelle. Ein Agent, der eine Bildschirmoberfläche bedient, könnte mit solchen Programmen arbeiten, ohne dass jemand eine Schnittstelle nachrüstet. Genau darin liegt der Reiz von Modellen wie Holo4. Wer die Gewichte selbst betreiben will, findet im Ratgeber Open-Source-KI im Self-Hosting einen Überblick zu Modellen, Kosten, RAG und dem EU AI Act.
Für diesen Weg kommt nach der Lizenzlage nur Holo4-35B-A3B in Frage, und das ist ausgerechnet das Modell, das laut H bei den Desktop-Aufgaben von OSWorld 2.0 deutlich schwächer abschneidet. Auf AutomationBench, also bei Aufgaben über APIs, liegen die beiden Modelle nach den Angaben von H näher beieinander.
Unsere Einschätzung
Aus unserer Sicht gehört bei offenen Modellen die Lizenz vor die Benchmark-Zahl. Holo4 zeigt das so deutlich wie selten. Das Modell mit dem besseren Wert auf OSWorld 2.0 darf ein Betrieb mit eigenen Gewichten nicht geschäftlich einsetzen, das frei lizenzierte schneidet dort deutlich schwächer ab, und über die API zahlt man einen Preis, den die Quellen nicht nennen. Offene Gewichte heißen also noch lange nicht freie Nutzung. Wer in einer Ankündigung das Wort „offen“ liest, sollte zuerst die Modellkarte öffnen und die Lizenzzeile suchen.
Für einen Test würden wir mit einer klar begrenzten Aufgabe auf einem Testrechner anfangen. Das Buchhaltungsprogramm im laufenden Betrieb gehört nicht an den Anfang. Erst wenn der Agent eine überschaubare Aufgabe zuverlässig erledigt und die Preise in der API-Konsole geprüft sind, lohnt der nächste Schritt. Die Kosten je Aufgabe aus der Modellkarte helfen bei dieser Rechnung nur bedingt, weil sie auf API-Preisen beruhen, die jeder Betrieb erst selbst nachschlagen muss.
Die Lizenzzeile ist schnell gelesen. Übersehen ist sie genauso schnell.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 29. September 2026):
- Hugging Face Blog (H Company): Holo4: powering generalist computer-use agents
- Hugging Face: Hcompany/Holo4-27B
- Hugging Face: Hcompany/Holo4-35B-A3B
- AlphaSignal: H Company's Holo4 Handles Screens, Code, and APIs With 79% Fewer Tokens
- DEV Community: H Company Ships Holo4, Open-Weight Agents That Work Any Software Interface
Häufige Fragen
Was ist Holo4?
Holo4 ist eine Reihe von Agentenmodellen, die H Company am 28. September 2026 veröffentlicht hat. Die Modelle bedienen Software über Bildschirmoberflächen, eigenen Code, MCP und APIs. Es gibt zwei Modelle, Holo4-27B und Holo4-35B-A3B.
Welches Holo4-Modell darf ein Betrieb mit eigenen Gewichten geschäftlich nutzen?
Laut Modellkarte stehen die Gewichte von Holo4-35B-A3B unter der Apache License 2.0. Die Gewichte von Holo4-27B stehen unter CC BY-NC 4.0, also nicht kommerziell, und sind für den Geschäftsbetrieb damit nicht freigegeben. Über die H Models API sind laut AlphaSignal beide Modelle kommerziell nutzbar.
Wie gut schneiden die Holo4-Modelle ab?
Nach Angaben von H erreicht Holo4-27B auf OSWorld 2.0 61,7 Prozent und Holo4-35B-A3B 30,9 Prozent, auf AutomationBench 45,4 und 34,5 Prozent. Die Werte stammen von H selbst, die Abläufe dahinter hat H zum Nachprüfen veröffentlicht.
Was sollte ein Betrieb vor einem Test mit Holo4 klären?
Zuerst die Lizenz des gewählten Modells in der Modellkarte und bei API-Nutzung die Preise, die AlphaSignal in der API-Konsole zu prüfen rät. Aus unserer Sicht beginnt ein Test mit einer klar begrenzten Aufgabe auf einem Testrechner, nie mit einem Programm im laufenden Betrieb.
Unter welcher Lizenz läuft das KI-Modell, das im Betrieb getestet wird?
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Zuletzt aktualisiert: 29. September 2026. Stand der Recherche: 29. September 2026.