Wer sich in Deutschland auf eine Stelle bewirbt, hat es in den allermeisten Unternehmen mit Menschen zu tun, vom Text der Anzeige bis zum Gespräch.

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Was die 602 befragten Unternehmen angeben

Bitkom Research hat für den Digitalverband 602 Unternehmen ab 3 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt, und zwar in den Kalenderwochen 18 bis 25 des Jahres 2026. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 28. September 2026 unter dem Titel „Führt künftig eine KI das Bewerbungsgespräch?“. Der Bitkom nennt die Umfrage repräsentativ. Zwischen dem Ende der Befragung und der Veröffentlichung liegen damit gut drei Monate, bei einem Thema, das sich so schnell bewegt wie KI, eine spürbare Lücke.

Gefragt wurde, welche digitalen Anwendungen ein Unternehmen im Bewerbungsprozess bereits einsetzt oder sich künftig vorstellen kann. Insgesamt 12 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI im Bewerbungsprozess ein, also fast jedes achte. So verteilen sich die einzelnen Einsatzfelder, jeweils in Prozent der befragten Unternehmen:

Beim Gespräch mit einer KI ist die Zurückhaltung am größten. Nur jedes sechste Unternehmen kann es sich überhaupt vorstellen.

Digital ist die Bewerbung längst, KI bleibt die Ausnahme

Deutlich weiter verbreitet sind digitale Verfahren ohne KI. Alle befragten Unternehmen nehmen Bewerbungsunterlagen digital an. 73 Prozent bieten einen Bewerberpool, 50 Prozent ermöglichen Bewerbungsgespräche per Videokonferenz, und weitere 34 Prozent können sich das vorstellen. Digitale Assessment-Center oder Online-Tests bieten 37 Prozent der Unternehmen an. Bei 32 Prozent lassen sich Arbeitsverträge digital unterzeichnen. Der Abstand zu den KI-Werten ist beträchtlich: Ein Gespräch per Video ist in der Hälfte der befragten Unternehmen möglich, ein Gespräch mit einer KI in 2 Prozent. Die digitale Bewerbung ist also Alltag. Das häufigste KI-Einsatzfeld liegt dagegen am Anfang des Ablaufs, beim Text der Anzeige.

Eine Einschränkung gehört zu diesen Zahlen dazu. Gefragt wurde, was sich ein Unternehmen vorstellen kann, und nicht, was es plant oder wofür es ein Budget vorgesehen hat.

Die 59 Prozent bei den Stellenanzeigen beschreiben deshalb eine Offenheit gegenüber dem Werkzeug. Ob daraus in den nächsten Monaten tatsächliche Nutzung wird, lässt sich aus der Umfrage nicht ablesen. Hinzu kommt der Zeitversatz: Die Antworten stammen aus dem Mai und Juni 2026, veröffentlicht wurden sie Ende September.

Wo der Bitkom Regeln verlangt

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder verbindet die Zahlen mit einer Forderung an die Politik. „Gerade im hochsensiblen Personalwesen braucht es für den KI-Einsatz klare und verständliche Regeln, an die sich auch alle halten.“ Und weiter: „Was Unternehmen jetzt brauchen, ist vor allem Rechtssicherheit bei der Umsetzung des AI Acts.“

Der AI Act lasse laut Bitkom viele Fragen offen, besonders beim Einsatz von Hochrisiko-KI, und der Verband fordert dringende Klarstellungen. Dass KI im Bewerbungsprozess in diese Kategorie fällt, ist die Sicht des Bitkom. Die einschlägigen Artikel des AI Act haben wir für diesen Beitrag nicht im Wortlaut ausgewertet, deshalb stehen hier weder Pflichten noch Fristen.

Was beim Vorsortieren von Bewerbungen mit KI zu beachten ist, haben wir im Beitrag Bewerbungen mit KI sichten: was erlaubt ist und was nicht zusammengetragen.

Unsere Einschätzung

Klein sind die Zahlen, und für kleinere Betriebe ist genau das die eigentliche Nachricht. Wer heute eine Stellenanzeige mit KI entwirft, hinkt niemandem hinterher.

Aus unserer Sicht unterscheiden sich die fünf abgefragten Einsatzfelder vor allem in ihrem Risiko. Eine Anzeige, die eine KI vorschlägt und ein Mensch anschließend liest und korrigiert, ist ein Schreibwerkzeug wie jedes andere. Bewerbungen vorsortieren, Punkte für Kompetenzen vergeben oder ein Gespräch führen lassen, das berührt dagegen die Entscheidung über Menschen. Genau an dieser Stelle verlangt selbst der Digitalverband klare Regeln, und das sollte jedem Betrieb zu denken geben, der mit einem Werkzeug zur automatischen Vorauswahl liebäugelt.

Wir würden deshalb vorn anfangen, bei den Texten der Stellenanzeige und bei der Terminabsprache. Die Auswahl selbst bliebe aus unserer Sicht in menschlicher Hand. Wer trotzdem eine Software vorsortieren lässt, sollte zumindest nachvollziehen können, nach welchen Kriterien sie das tut. Dazu gehört aus unserer Sicht auch, dass ein Mensch jede Absage gesehen hat, bevor sie den Betrieb verlässt.

Eile ist nach diesen Zahlen aus unserer Sicht nicht geboten.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 29. September 2026):

Häufige Fragen

Wie viele Unternehmen setzen laut Bitkom KI im Bewerbungsprozess ein?

Laut der am 28. September 2026 veröffentlichten Bitkom-Umfrage sind es 12 Prozent der befragten Unternehmen, also fast jedes achte. Am häufigsten wird KI genutzt, um Stellenanzeigen zu erstellen (9 Prozent). Ein Bewerbungsgespräch von einer KI führen lassen 2 Prozent der Unternehmen.

Wie wurde die Bitkom-Umfrage durchgeführt?

Bitkom Research hat 602 Unternehmen ab 3 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt, in den Kalenderwochen 18 bis 25, also im Mai und Juni 2026. Der Bitkom nennt die Umfrage repräsentativ. Gefragt wurde, welche digitalen Anwendungen ein Unternehmen im Bewerbungsprozess bereits einsetzt oder sich künftig vorstellen kann.

Was fordert der Bitkom beim Einsatz von KI im Personalwesen?

Der Verband verlangt klare und verständliche Regeln für den KI-Einsatz im Personalwesen und vor allem Rechtssicherheit bei der Umsetzung des AI Acts. Der AI Act lasse laut Bitkom viele Fragen offen, besonders beim Einsatz von Hochrisiko-KI, deshalb fordert er dringende Klarstellungen. Die Einstufung als Hochrisiko-KI ist dabei die Sicht des Bitkom.

Was sollte ein kleiner Betrieb jetzt regeln?

Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, mit KI Entwürfe für Stellenanzeigen zu schreiben, solange ein Mensch den Text vor der Veröffentlichung liest. Vorsortieren, Punkte vergeben oder Gespräche führen lassen berührt dagegen die Entscheidung über Menschen. Diese Schritte würden wir in menschlicher Hand lassen. Eine Rechtsberatung ersetzt diese Einschätzung nicht.

Welchen Schritt im Bewerbungsprozess darf im eigenen Betrieb eine KI übernehmen, und welchen nicht?

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Zuletzt aktualisiert: 29. September 2026. Stand der Recherche: 29. September 2026.