Wer GPT-6 Sol aus der AWS-Region Frankfurt aufruft, nimmt in Kauf, dass die Anfrage in einer AWS-Region irgendwo auf der Welt gerechnet werden kann.
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Zwei Modelle, zwei Arten von Arbeit
Laut der Ankündigung von AWS vom 22. September 2026 sind GPT-6 Sol und GPT-6 Luna von OpenAI auf Amazon Bedrock allgemein verfügbar (generally available) und ergänzen die GPT-6-Familie neben Astra. Beide verarbeiten laut Ankündigung bis zu 1 Million Tokens Kontext, die Modellkarten nennen genauer 1.050.000 Tokens.
Sol ist laut AWS für wiederkehrende komplexe Aufgaben und für Softwareentwicklung gedacht: Funktionen umsetzen, Fehler suchen, Code prüfen und umbauen, Daten analysieren, mehrstufige Abläufe über mehrere Werkzeuge hinweg abarbeiten. Luna beschreibt AWS als das effizienteste Modell der Familie, gebaut für Aufgaben in großer Menge wie Zusammenfassen, Extrahieren, Klassifizieren und Weiterleiten. Wie viel Denkaufwand Luna betreibt, lässt sich einstellen.
Zur Qualität gibt es genau eine Zahl, und sie stammt vom Hersteller. In einer internen Faktentreue-Auswertung von OpenAI macht Sol laut AWS ungefähr halb so viele Fehler wie GPT-5.6 Sol; eine unabhängige Messung liegt dazu nicht vor.
Die Tabelle, auf die es ankommt
Der entscheidende Satz steht in der Tabelle „Supported Regions“ der beiden Modellkarten. Für den Endpunkt bedrock-runtime ist dort in allen acht europäischen Regionen mit dem Kürzel „eu“ weder die Verarbeitung in der eigenen Region noch ein geografisch begrenztes Routing vorgesehen. Übrig bleibt Global CRIS, die globale regionsübergreifende Inferenz. Das gilt auch für eu-central-1, laut der AWS-Regionsliste die Region Europe (Frankfurt). Ein geografisches Routing bietet AWS nur als US Geo CRIS an, und zwar für Regionen in den USA und in Kanada. Der zweite Endpunkt, bedrock-mantle, läuft ausschließlich in us-east-1 (US East, N. Virginia). Für Sol und Luna sieht die Tabelle gleich aus. Auch AWSInsider weist darauf hin, dass die Verfügbarkeit von der AWS-Region und den unterstützten Inferenz-Konfigurationen abhängt.
Was Global CRIS bedeutet, beschreibt die Bedrock-Dokumentation. Anfragen können an unterstützte kommerzielle AWS-Regionen weltweit geleitet und dort von Rechenkapazität außerhalb einer einzelnen Region verarbeitet werden. Die Protokolle in CloudWatch und CloudTrail entstehen weiter in der Ausgangsregion, und auch der Preis richtet sich nach der Region, aus der die Anfrage kommt.
Protokoll und Preis richten sich also nach Frankfurt. Die Rechenarbeit muss nicht dort stattfinden.
Preise laut Modellkarte
Die Modellkarten nennen Preise in US-Dollar je 1 Million Tokens für die Standard-Stufe und weisen darauf hin, dass sie sich ändern können. Sol kostet über Global CRIS 2,00 US-Dollar für Eingabe und 10,00 US-Dollar für Ausgabe, solange die Anfrage höchstens 272.000 Eingabetokens umfasst. Das Lesen aus dem Cache liegt bei 0,20, das Schreiben in den Cache bei 2,50 US-Dollar. Oberhalb von 272.000 Eingabetokens gilt der Langkontext-Preis von 4,00 und 15,00 US-Dollar, und zwar für die ganze Anfrage. Luna liegt über Global CRIS bei 0,10 US-Dollar Eingabe und 0,50 US-Dollar Ausgabe.
Laut Modellkarte entsprechen die Grundpreise den Standardpreisen von OpenAI selbst, Global CRIS kostet keinen Aufschlag. In-Region auf bedrock-mantle und US Geo CRIS liegen jeweils 10 % darüber, also bei 2,20 und 11,00 US-Dollar für Sol und bei 0,11 und 0,55 US-Dollar für Luna. Aus EU-Regionen stehen diese beiden Wege laut Tabelle ohnehin nicht zur Wahl. Priority, Flex und Reserved werden für die Modelle nicht unterstützt, und auf bedrock-runtime zählen Ausgabetokens zehnfach gegen das Kontingent. Wie wir die Preisrunde rund um GPT-6 Sol eingeordnet haben, steht im Beitrag Opus 5.5 und GPT-6 Sol: Was die neuen KI-Preise bedeuten.
Was AWS zum Datenschutz zusagt
Im AWS Machine Learning Blog vom 22. September 2026 stehen mehrere Zusagen, die als Anbieterangaben zu lesen sind. Eingaben werden laut AWS nicht zum Training genutzt, und die Nutzung verlangt keine Einwilligung in eine Weitergabe von Daten an OpenAI. Die Inferenz läuft auf hardware-isolierter Infrastruktur ohne Betreiberzugriff; auch Mitarbeiter von AWS sehen Eingaben und Antworten während der Verarbeitung nicht. Den Zugriff steuert man über IAM, Aufrufe lassen sich über CloudTrail prüfen, und PrivateLink hält den Verkehr im eigenen Netz.
Eine Einschränkung nennt AWS selbst. Verkehr, den Klassifikatoren markieren, bewahrt AWS zur Missbrauchserkennung bis zu 30 Tage auf. Zero Data Retention lässt sich über das Account-Team von AWS beantragen.
Wo eine Anfrage gerechnet wird, regeln diese Zusagen nicht. Das steht allein in der Routing-Tabelle.
Unsere Einschätzung
Wer seine IT schon bei AWS betreibt, kommt über den bestehenden Vertrag an die neuen OpenAI-Modelle, ohne ein weiteres Konto bei OpenAI anzulegen. Das ist bequem, verdient aber einen zweiten Blick.
Aus unserer Sicht gehört die Tabelle „Supported Regions“ vor jede Einführungsentscheidung. Aus Frankfurt und den übrigen EU-Regionen laufen Sol und Luna nur über das weltweite Routing. Ob das für einen Betrieb zulässig ist, hängt an seinen Verträgen und Datenschutzvorgaben, und diese Frage beantwortet keine der Quellen. Sie gehört auf den Tisch des Datenschutzbeauftragten, und zwar mit der Frage, ob weltweite Verarbeitung für genau die Daten in Ordnung ist, die das Modell sehen soll.
Für unkritische Aufgaben kann Luna ein günstiger Einstieg sein. Bei Kundendaten würden wir erst klären, wo sie verarbeitet werden dürfen, und die Aufbewahrung von bis zu 30 Tagen bei markiertem Verkehr ebenso aktiv beim Account-Team ansprechen wie Zero Data Retention auf Antrag. Die halbierte Fehlerzahl behandeln wir bis zu einer unabhängigen Messung als das, was sie ist: eine Angabe von OpenAI.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 28. September 2026):
- AWS What's New: OpenAI GPT-6 Sol and GPT-6 Luna are now generally available on Amazon Bedrock
- AWS Machine Learning Blog: Bring more intelligence to everyday work with GPT-6 Sol and GPT-6 Luna on Amazon Bedrock
- Amazon Bedrock Dokumentation: GPT-6 Sol - Amazon Bedrock
- Amazon Bedrock Dokumentation: Global cross-Region inference
- AWSInsider: AWS Adds OpenAI GPT-6 Sol and Luna to Amazon Bedrock
Häufige Fragen
Seit wann gibt es GPT-6 Sol und GPT-6 Luna auf Amazon Bedrock?
AWS hat am 22. September 2026 bekanntgegeben, dass beide OpenAI-Modelle auf Amazon Bedrock allgemein verfügbar sind. Sie ergänzen die GPT-6-Familie neben Astra. Laut Ankündigung verarbeiten beide bis zu 1 Million Tokens, die Modellkarten nennen 1.050.000 Tokens.
Kann man GPT-6 Sol aus der Region Frankfurt nutzen, ohne dass Daten die EU verlassen?
Laut den Modellkarten gibt es auf dem Endpunkt bedrock-runtime für alle EU-Regionen, darunter eu-central-1 (Frankfurt), ausschließlich Global CRIS; In-Region und geografisches Routing sind dort nicht vorgesehen. Dabei können Anfragen laut Bedrock-Dokumentation an unterstützte kommerzielle AWS-Regionen weltweit geleitet werden. Protokolliert wird in CloudWatch und CloudTrail weiter in der Ausgangsregion.
Was kosten GPT-6 Sol und GPT-6 Luna auf Bedrock?
Laut Modellkarte kostet Sol über Global CRIS 2,00 US-Dollar Eingabe und 10,00 US-Dollar Ausgabe je 1 Million Tokens, bis 272.000 Eingabetokens. Luna kostet 0,10 und 0,50 US-Dollar. In-Region auf bedrock-mantle und US Geo CRIS liegen 10 % darüber, und die Preise können sich laut Modellkarte ändern.
Was sollte ein Betrieb klären, bevor er die Modelle über AWS einsetzt?
Zuerst, ob eine weltweite Verarbeitung für die geplanten Daten nach den eigenen Verträgen und Datenschutzvorgaben in Ordnung ist; das beantwortet keine der Quellen, die Frage gehört zum Datenschutzbeauftragten. Außerdem lohnt es sich, beim AWS-Account-Team die Aufbewahrung markierten Verkehrs für bis zu 30 Tage und die beantragbare Zero Data Retention anzusprechen.
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Zuletzt aktualisiert: 28. September 2026. Stand der Recherche: 28. September 2026.