Zwischen den beiden Ankündigungen lagen laut TechCrunch rund 90 Minuten.
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Opus 5.5: zwei Prozentzahlen, die Verschiedenes messen
Für Claude Opus 5.5 nennen Mitteilung und Dokumentation von Anthropic einen Listenpreis von 4 US-Dollar je Million Token Eingabe und 20 US-Dollar je Million Token Ausgabe. Beim Vorgänger Claude Opus 5 waren es laut Mitteilung 5 und 25 US-Dollar. Gerechnet aus den beiden Listenpreisen ergibt das ein Minus von 20 Prozent, bei der Eingabe wie bei der Ausgabe.
Anthropic selbst nennt eine doppelt so hohe Zahl.
Laut Mitteilung koste Opus 5.5 bei typischen Arbeitslasten rund 40 Prozent weniger als Opus 5. In diese Angabe fließen der niedrigere Listenpreis und ein geringerer Tokenverbrauch ein, das Modell soll also für dieselbe Aufgabe weniger Token erzeugen. Wie typisch die eigene Arbeitslast ist, weiß nur der Betrieb, der sie hat. Die 20 Prozent sind gerechnet, die 40 Prozent sind eine Anbieterangabe.
Günstiger werden auch Nebenposten. Das Lesen aus dem Cache kostet laut Anthropic 0,20 US-Dollar je Million Token, bei Opus 5 waren es 0,50 US-Dollar, nach Anbieterangabe 60 Prozent weniger. Für Batch-Verarbeitung nennt die Dokumentation 50 Prozent Rabatt auf Eingabe und Ausgabe. Wie stark der Cache-Preis bei wiederkehrenden Anfragen zählt, haben wir im Artikel über gesenkte Cache-Preise bei Claude Fable 5.1 beschrieben.
Die Ausgabe soll laut Anthropic mehr als 30 Prozent schneller sein. Das Kontextfenster umfasst laut Dokumentation 1 Million Token, eine einzelne Antwort darf bis zu 128.000 Token lang werden. Erreichbar ist das Modell über die Claude API, Amazon Bedrock, Google Cloud, Microsoft Foundry und Claude Platform on AWS, in claude.ai laut Mitteilung für die Tarife Pro, Max, Team und Enterprise. In eigenen Tests sieht Anthropic Opus 5.5 vor Fable 5.1, und die Mitteilung zitiert Kunden, die von Einsparungen berichten. Beides stammt vom Anbieter. Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 sollen laut Anthropic in den kommenden Wochen folgen.
Was beim Umstieg von Opus 5 brechen kann
Für Betriebe, die Opus 5 bereits in eigene Abläufe eingebunden haben, steht der wichtigere Teil in der Dokumentation. Anthropic listet dort vier Änderungen, die bestehenden Code für Opus 5 brechen können. Das Denken des Modells lässt sich nicht mehr abschalten. Wer das Modell zwingt, ein bestimmtes Werkzeug zu benutzen, bekommt einen Fehler zurück. Denkblöcke sind an Modell und Unterhaltung gebunden. Ein älteres Werkzeug zur Computersteuerung nimmt die Claude API ebenso wenig an wie Google Cloud. Dazu kommt der Hinweis, dass Text zwischen Werkzeugaufrufen anders zurückkommt. Für eine Automation, die Rechnungen ausliest oder Anfragen sortiert, kann jede dieser Stellen den Unterschied zwischen laufendem und stehendem Ablauf ausmachen.
Eine zweite Angabe gehört in den Kalender: Opus 5.5 wird laut Dokumentation frühestens am 22. September 2027 abgelöst (im Original „Not sooner than“). Das ist eine Untergrenze, kein fester Termin.
GPT-6 Sol und Luna: halber Listenpreis, kaum Leistungssprung
OpenAI teilt die neue Generation in zwei Modelle auf. Sol ist laut OpenAI für anspruchsvolle Aufgaben wie Programmierung gedacht. Luna soll große Mengen gleichartiger Aufgaben mit klarem Ziel übernehmen, sinngemäß laut TechCrunch etwa Dokumente zusammenfassen, Informationen herausziehen oder kurze Fragen beantworten.
Die Preise nennt The Decoder. GPT-6 Sol kostet 2 US-Dollar Eingabe und 10 US-Dollar Ausgabe je Million Token, der Vorgänger GPT-5.6 Sol lag bei 4 und 20 US-Dollar. Für GPT-6 Luna sind es 0,10 und 0,50 US-Dollar, beim Vorgänger GPT-5.6 Luna 0,20 und 1,20 US-Dollar. Als Grund nennt OpenAI laut TechCrunch Verbesserungen bei Caching und Inferenz. In ChatGPT Work und Codex stehen die Modelle laut The Decoder für Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bereit, in der API werden sie schrittweise als gpt-6-sol und gpt-6-luna ausgerollt. Luna läuft laut TechCrunch auch in der Desktop-App für die Tarife Free und Go.
Bei der Leistung stehen Eigenangaben gegen eine unabhängige Messung. Laut TechCrunch sagt OpenAI, Sol mache in einer internen Prüfung der Faktentreue etwa halb so viele Fehler wie der Vorgänger, und beide Modelle erledigten Aufgaben deutlich besser als die Spitzenmodelle von Anthropic. Beides ist intern gemessen und in unseren Quellen nicht unabhängig bestätigt. Im Intelligenzindex von Artificial Analysis steigt Sol laut The Decoder von 47 auf 48 Punkte, Luna bleibt bei 37. Bei GDPval-AA v2.1, einem Test für Wissensarbeit, verlor Sol rund 100 Elo-Punkte, vor allem wegen schwächerer Aufbereitung und unvollständiger Ergebnisse. Die Ersparnis entsteht laut The Decoder vor allem durch niedrigere Kosten je Aufgabe.
Unsere Einschätzung
Auf dem Papier kostet GPT-6 Sol je Million Token die Hälfte von Opus 5.5, gerechnet aus den Listenpreisen. Über die Kosten im Betrieb sagt das wenig. Wer KI über eine Schnittstelle nutzt, zahlt Preis mal Menge, und die Menge hängt davon ab, wie viele Token ein Modell für dieselbe Aufgabe verbraucht. Genau diese Größe steckt in Anthropics 40 Prozent und in OpenAIs Kosten je Aufgabe, und keiner der beiden Anbieter misst sie an den Aufgaben eines bestimmten Betriebs.
Wir würden vor jedem Wechsel einen kleinen eigenen Vergleich machen. Zwanzig echte Aufgaben aus dem Tagesgeschäft, einmal durch das bisherige Modell und einmal durch das neue, danach Rechnung und Ergebnis nebeneinanderlegen. Das kostet einen Nachmittag. Bei Opus 5.5 kommt die Reihenfolge dazu: erst testen, dann umstellen, weil die vier Änderungen laufende Automationen stoppen können.
Und die Ablösedaten der genutzten Modelle gehören in denselben Kalender wie Vertragslaufzeiten.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 23. September 2026):
- Anthropic: Introducing Claude Opus 5.5
- Claude Platform Docs: Claude Opus 5.5
- TechCrunch: OpenAI launches GPT-6 Sol and Luna, boasting lower cost and fewer mistakes
- The Decoder: OpenAI's GPT-6 Sol and Luna cut prices in half but barely move the needle on performance
Häufige Fragen
Was kostet Claude Opus 5.5?
Laut Anthropic kostet Claude Opus 5.5 je Million Token 4 US-Dollar Eingabe und 20 US-Dollar Ausgabe. Das Lesen aus dem Cache kostet 0,20 US-Dollar je Million Token. Für Batch-Verarbeitung nennt die Dokumentation 50 Prozent Rabatt auf Eingabe und Ausgabe.
Ist Opus 5.5 nun 20 oder 40 Prozent günstiger als Opus 5?
Beim Listenpreis sind es 20 Prozent, gerechnet aus 5 und 25 US-Dollar bei Opus 5 gegenüber 4 und 20 US-Dollar bei Opus 5.5. Die rund 40 Prozent nennt Anthropic für typische Arbeitslasten, weil dort zusätzlich ein geringerer Tokenverbrauch eingerechnet ist. Das ist eine Anbieterangabe.
Was kosten GPT-6 Sol und GPT-6 Luna?
Laut The Decoder kostet GPT-6 Sol je Million Token 2 US-Dollar Eingabe und 10 US-Dollar Ausgabe, GPT-6 Luna 0,10 und 0,50 US-Dollar. Die Vorgänger GPT-5.6 Sol und GPT-5.6 Luna lagen bei 4 und 20 beziehungsweise 0,20 und 1,20 US-Dollar. Im Intelligenzindex von Artificial Analysis stieg Sol laut The Decoder nur von 47 auf 48 Punkte.
Sollte ein Betrieb jetzt sofort auf ein neues Modell umstellen?
Aus unserer Sicht erst nach einem eigenen Test mit echten Aufgaben aus dem Betrieb, bei dem Kosten und Ergebnis von altem und neuem Modell verglichen werden. Bei Opus 5.5 nennt die Dokumentation vier Änderungen, die bestehenden Code für Opus 5 brechen können. Außerdem lohnt es sich, die Ablösedaten der genutzten Modelle festzuhalten, für Opus 5.5 laut Dokumentation frühestens der 22. September 2027.
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Zuletzt aktualisiert: 23. September 2026. Stand der Recherche: 23. September 2026.