Am 22. September 2026, dem ersten Tag seines AI, Data and Quantum Summit (AIDAQ) in Berlin, hat der Bitkom eine Marktzahl veröffentlicht, die sich gut zitieren lässt und gerade deshalb einen zweiten Blick verdient.
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Woraus sich die 28,7 Milliarden zusammensetzen
Die Summe umfasst laut Bitkom den gesamten KI-Markt in Deutschland. Den größten Teil macht KI-Software aus, mit 16,0 Milliarden Euro und einem Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Dienstleistungen entfallen 6,8 Milliarden Euro (plus 30 Prozent), auf Hardware 5,8 Milliarden Euro (plus 32 Prozent). Für 2027 nennt die Mitteilung, gestützt auf IDC, 40,3 Milliarden Euro und damit ein weiteres Wachstum um 40 Prozent.
Generative KI weist der Verband eigens aus. Die Ausgaben dafür verdoppeln sich laut Bitkom voraussichtlich von 5,7 auf 11,5 Milliarden Euro und machen dann rund 40 Prozent aller KI-Ausgaben aus. Als Beispiele nennt die Mitteilung ChatGPT, Claude von Anthropic, Microsoft Copilot und Google Gemini.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst ordnet das so ein: „Bei KI erleben wir den Übergang von der Experimentierphase zu einem breiten Einsatz.“ Das gelte laut Mitteilung für Unternehmen jeder Größe und in allen Branchen.
Für das Lesen der Zahl ist ihre Herkunft entscheidend. Die Daten stammen aus dem „IDC Worldwide AI and Generative AI Spending Guide, August V2 2026“ des Marktforschungsunternehmens IDC. Es handelt sich um Marktzahlen und Prognosen, eine Befragung von Unternehmen liegt ihnen nicht zugrunde. Weil das Jahr 2026 noch läuft, sind die 28,7 Milliarden Euro ebenso eine Prognose wie die 40,3 Milliarden Euro für 2027, kein abgeschlossener Ist-Wert.
Drei Zahlen aus einem Jahr
Wer die Bitkom-Mitteilungen dieses Jahres nebeneinanderlegt, findet für 2026 drei Milliardenbeträge zum Thema KI. Am 22. Januar 2026 schrieb der Verband, die Umsätze mit KI-Plattformen stiegen 2026 nach Bitkom-Berechnungen um 61 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, nachdem sie 2025 um 62 Prozent gewachsen waren. Am 7. Juli 2026 hieß es, die Umsätze mit KI-Plattformen stiegen 2026 um 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, nach einem Wachstum von 50 Prozent im Jahr 2025. Am 22. September folgten die 28,7 Milliarden Euro. Die Prognose für KI-Plattformen wurde zwischen Januar und Juli also von 4,1 auf 3,1 Milliarden Euro gesenkt. Auch die Wachstumsrate für 2025 steht einmal mit 62 und einmal mit 50 Prozent in den Mitteilungen. Einen Grund für die Änderung nennen die Mitteilungen nicht.
Die Septemberzahl misst etwas anderes. Januar und Juli beziffern Umsätze mit KI-Plattformen, berechnet vom Bitkom selbst, der September beziffert die gesamten Ausgaben für KI-Software, KI-Dienstleistungen und KI-Hardware, ermittelt von IDC. Zwei verschiedene Größen aus zwei verschiedenen Rechnungen können gleichzeitig stimmen. Die Januar-Mitteilung, die für die Digitalwirtschaft insgesamt 245 Milliarden Euro Umsatz in 2026 erwartet, hält selbst fest, der KI-Markt habe „bislang ein sehr viel kleineres Volumen“.
Wer eine Bitkom-Zahl zum KI-Markt 2026 zitiert, sagt deshalb am besten dazu, welche gemeint ist.
Was die Summe über den Mittelstand verrät
Die 28,7 Milliarden Euro sind Ausgaben aller Käufer in Deutschland. Eine Aufteilung nach Betriebsgröße enthält die Mitteilung nicht, offen bleibt also, welcher Teil auf kleine und mittlere Betriebe entfällt.
Näher an den Betrieben liegt eine andere Bitkom-Veröffentlichung, die Befragung vom 14. September 2026. Laut Bitkom wurden dafür repräsentativ 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt, und 57 Prozent von ihnen setzen KI ein. Unter den Unternehmen ohne KI nennen 85 Prozent fehlendes technisches Know-how als Grund, 63 Prozent schwer kalkulierbare Kosten. Außerdem schätzen 66 Prozent der befragten Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein. Mehr dazu steht in unserem Artikel zur Bitkom-Befragung, nach der 57 Prozent der Unternehmen KI nutzen.
Beide Veröffentlichungen beantworten unterschiedliche Fragen. Die Marktzahl zeigt, wie viel Geld insgesamt fließt. Die Befragung zeigt, woran es in den Unternehmen hakt, und dort liegt das Know-how vor den Kosten.
Unsere Einschätzung
Große Marktzahlen erzeugen leicht das Gefühl, der eigene Betrieb hinke hinterher. Für eine Firma mit 30 Mitarbeitern sagt eine Summe von 28,7 Milliarden Euro wenig darüber, ob sich die eigene Ausgabe für ein KI-Werkzeug lohnt.
Aus unserer Sicht lohnt vor jeder Marktzahl der Blick auf die Definition. Geht es um Umsatz oder um Ausgaben, um Plattformen oder um den ganzen Markt, um einen Ist-Wert oder um eine Prognose? Die Bitkom-Mitteilungen dieses Jahres zeigen gut, warum diese Fragen mehr sind als Pedanterie: Drei Beträge zwischen 3,1 und 28,7 Milliarden Euro stehen im Raum, und jeder hat seine eigene Abgrenzung.
Für die Budgetplanung halten wir die Befragung vom 14. September für aufschlussreicher als die Marktzahl. Wenn 85 Prozent der Unternehmen ohne KI fehlendes Know-how nennen, liegt der Engpass bei den Fähigkeiten der eigenen Leute. Wir würden ein KI-Budget deshalb mit der Frage beginnen, wer im Betrieb die Werkzeuge bedienen und ihre Ergebnisse beurteilen kann, und erst danach über Lizenzen reden. Eine Lizenz, die niemand sinnvoll nutzt, erscheint in der Marktstatistik als Ausgabe und im Betrieb als Kostenstelle ohne Gegenwert.
Die 28,7 Milliarden beschreiben den Markt. Über den eigenen Betrieb sagt die eigene Rechnung mehr.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 23. September 2026):
- Bitkom: 28,7 Milliarden Euro für KI: Deutscher Markt wächst um 48 Prozent
- Bitkom: Digitalbranche zeigt sich weiterhin stabil
- Bitkom: Digitalwirtschaft bleibt Stabilitätsanker: 245 Milliarden Euro Umsatz in 2026
- CIO (dpa): Deutsche Unternehmen investieren Milliarden in Generative KI
Häufige Fragen
Was misst die Bitkom-Zahl von 28,7 Milliarden Euro?
Sie beziffert die Ausgaben für KI-Software, KI-Dienstleistungen und KI-Hardware in Deutschland im Jahr 2026. Grundlage ist der „IDC Worldwide AI and Generative AI Spending Guide, August V2 2026“ des Marktforschungsunternehmens IDC. Es handelt sich um eine Prognose, keine Befragung und keinen abgeschlossenen Ist-Wert.
Warum nannte Bitkom 2026 auch 4,1 und 3,1 Milliarden Euro?
Diese Zahlen aus den Mitteilungen vom 22. Januar und 7. Juli 2026 beziehen sich auf die Umsätze mit KI-Plattformen, nach Bitkom-Berechnungen. Die 28,7 Milliarden Euro vom 22. September umfassen dagegen die gesamten KI-Ausgaben laut IDC. Die Plattform-Prognose wurde zwischen Januar und Juli von 4,1 auf 3,1 Milliarden Euro gesenkt, einen Grund nennen die Mitteilungen nicht.
Wie viel davon entfällt auf generative KI?
Laut Bitkom verdoppeln sich die Ausgaben für generative KI voraussichtlich von 5,7 auf 11,5 Milliarden Euro. Das sind rund 40 Prozent aller KI-Ausgaben 2026. Als Beispiele nennt Bitkom ChatGPT, Claude von Anthropic, Microsoft Copilot und Google Gemini.
Was sollte ein Betrieb aus den Zahlen für sein KI-Budget mitnehmen?
Die Marktzahl enthält keine Aufteilung nach Betriebsgröße und sagt wenig über den einzelnen Betrieb. Aussagekräftiger ist die Bitkom-Befragung vom 14. September 2026: 85 Prozent der Unternehmen ohne KI nennen fehlendes technisches Know-how als Grund. Aus unserer Sicht beginnt ein KI-Budget deshalb bei den Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter und erst danach bei den Lizenzen.
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Zuletzt aktualisiert: 23. September 2026. Stand der Recherche: 23. September 2026.