Europa soll das Rennen um die stärksten KI-Modelle anderen überlassen und die Technik zügig in der eigenen Wirtschaft einsetzen. So lautet laut Politico der Rat, den ein Berater der Kommission Anfang September gegeben hat.

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Was Snabe empfohlen haben soll

Berichtet hat das Brüsseler Magazin Politico, The Next Web am 27. September 2026 und heise online am 28. September 2026 geben den Bericht wieder. Laut The Next Web ging es um ein nicht öffentliches Seminar am 4. September 2026. Jim Hagemann Snabe, Sonderbeauftragter der EU für industrielle KI, habe dort den 27 Kommissaren empfohlen, dass Europa aufhört, den USA und China bei führenden Basis- und Spitzenmodellen nachzujagen, den sogenannten Frontier-Modellen. Die Technik solle möglichst schnell in der europäischen Wirtschaft ankommen und die Produktivität steigern. Eine Woche davor soll ein KI-Fachmann der Kommission die Kabinettschefs ähnlich unterrichtet haben.

Den Politico-Text selbst konnten wir nicht abrufen. Alles zum Seminar stammt damit aus zweiter Hand.

Politico beruft sich laut heise auf interne Dokumente, laut The Next Web auf zwei Beamte der Kommission und auf Folien, die das Magazin einsehen konnte. Snabe ist laut heise früherer Chef von SAP, laut The Next Web Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens. Er berät nach Angaben von The Next Web Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Digitalkommissarin Henna Virkkunen. Wann von der Leyen ihn ernannt hat, geben die beiden Berichte unterschiedlich an: heise nennt den Juli, The Next Web den Juni.

Auf den Folien standen laut heise und The Next Web Beispiele wie leichtere Testregeln für autonome Fahrzeuge, sichere Datenräume für personalisierte Medizin und digitale Assistenten für die Landwirtschaft. Gleichzeitig warnt Snabe laut heise vor Abhängigkeit von ausländischen Anbietern, ein erheblicher Teil der Wertschöpfung müsse in Europa bleiben. Kommissionssprecher Thomas Regnier sagte Politico laut The Next Web, es sei darum gegangen, wie Europa Unternehmen dazu bringt, KI schneller einzusetzen.

Die Rede vom 16. September weist in dieselbe Richtung

Öffentlich hat die Präsidentin diese Linie wenige Tage später selbst vertreten. Ihre Rede zur Lage der Union vom 16. September 2026 liegt uns im englischen Wortlaut vor, die Aussagen hier sind sinngemäß übersetzt. Von der Leyen nannte KI darin neben dem Klimawandel den zweiten Kipppunkt unserer Zeit. Um den größten Nutzen aus der Spitzentechnologie zu ziehen, müsse Europa sie nicht selbst entwickeln. KI gehöre vom Bildschirm in die reale Wirtschaft, in die Fabrikhalle, auf die Krankenstation, in die Präzisionslandwirtschaft und in Stromnetze. Fünf Sektoren mit dem größten Potenzial für industrielle KI stehen dabei für die Kommission im Mittelpunkt: Gesundheit, Verkehr, Agrar und Ernährung, fortgeschrittene Fertigung sowie Verteidigung und Raumfahrt. Europas Industrie sitze auf Daten höchster Qualität. Mit ihnen ließen sich maßgeschneiderte industrielle KI-Modelle antreiben.

Die Risiken blendet die Rede nicht aus. Mit leistungsfähigeren Spitzenmodellen rückten sie schärfer in den Blick, sagte von der Leyen sinngemäß. Sie kündigte an, die führenden Entwicklerlabore zu einem Gespräch einzuladen, und will mit Partnern wie Kanada und dem Vereinigten Königreich bei Modellbewertung, Frühwarnung und KI-Sicherheit zusammenarbeiten. Den AI Act nannte sie einen entscheidenden Baustein für Leitplanken.

Auch die Beschäftigten kommen vor. Der Nutzen von KI sei ungleich verteilt, zwischen Qualifikationen, Generationen und Regionen, und von der Bildung bis zur Beschäftigung müsse KI helfen, Fähigkeiten zu entwickeln und Beschäftigten eine faire Chance zu geben.

Beschlossen ist noch nichts

Auf dem Tisch liegt bislang die Empfehlung eines Beraters, und die Präsidentin stützt die Richtung in ihrer Rede. Bis Dezember will die Kommission laut heise erfassen, wie KI in den einzelnen Wirtschaftszweigen eingesetzt wird. Snabes Team prüft Pilotprojekte und Infrastruktur, um bis Jahresende ein Maßnahmenpaket vorzulegen. Ein endgültiger Strategieplan soll Anfang 2027 folgen.

Widerspruch gibt es schon jetzt. Der EU-Abgeordnete Axel Voss (CDU) wirft der Kommission laut heise vor, zu langsam auf die technische Entwicklung zu reagieren und den AI Act nicht energisch genug durchzusetzen, er fordert klare Haftungsregeln für KI-Schäden. Andere wollen laut The Next Web mehr eigene Rechenkapazität: Die frühere Kommissarin Margrethe Vestager und der Ökonom Philippe Aghion forderten, Europa solle bis 2030 15 Prozent der weltweiten Rechenleistung halten. Um diese Infrastrukturseite der europäischen KI-Politik geht es in unserem Beitrag KI-Gigafactories der EU: was eine KI-Fabrik ist und wer sich bewirbt.

Unsere Einschätzung

Für einen Mittelständler ist diese Meldung aus unserer Sicht wichtiger als die Vorstellung des nächsten großen Sprachmodells. Setzt Brüssel bei Fertigung, Verkehr, Landwirtschaft und Gesundheit an, trifft das genau die Betriebe, die heute zögern, weil sie zwar Daten haben, aber niemanden, der daraus eine brauchbare Anwendung baut. Fördergeld oder neue Pflichten für Betriebe nennen die Berichte nicht, und bis zum Maßnahmenpaket bleibt offen, was konkret kommt.

Wer mit eigenen Schritten wartet, bis Anfang 2027 feststeht, was aus Brüssel kommt, verliert ein Jahr.

Wir würden deshalb jetzt einen kleinen, klar abgegrenzten Anwendungsfall ausprobieren, und zwar mit Daten, die ohnehin im Betrieb liegen. Ein einzelner Ablauf reicht, solange man hinterher sagen kann, ob er schneller oder sauberer geworden ist. Die Mitarbeiter gehören von Anfang an dazu. Die Rede selbst stellt fest, dass der Nutzen von KI ungleich verteilt ist. Das gilt aus unserer Sicht auch innerhalb eines Betriebs: Wer mit dem Werkzeug umgehen kann, hat den Vorteil, und wer nie eingebunden wurde, bleibt zurück.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 28. September 2026):

Häufige Fragen

Was hat Jim Hagemann Snabe der EU-Kommission empfohlen?

Laut einem Bericht von Politico, den heise online und The Next Web wiedergeben, hat der Sonderbeauftragte der EU für industrielle KI den 27 Kommissaren geraten, den USA und China bei führenden Basis- und Spitzenmodellen nicht länger nachzujagen. KI soll möglichst schnell in der europäischen Wirtschaft eingesetzt werden, um die Produktivität zu steigern. Laut The Next Web geschah das in einem nicht öffentlichen Seminar am 4. September 2026.

Ist das schon die neue KI-Strategie der EU?

Nein. Es handelt sich um die Empfehlung eines Beraters, die von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union vom 16. September 2026 in der Richtung stützt. Laut heise soll bis Jahresende ein Maßnahmenpaket vorliegen, ein endgültiger Strategieplan ist für Anfang 2027 angekündigt.

Auf welche Branchen will sich die Kommission konzentrieren?

In ihrer Rede nannte von der Leyen fünf Sektoren mit dem größten Potenzial für industrielle KI: Gesundheit, Verkehr, Agrar und Ernährung, fortgeschrittene Fertigung sowie Verteidigung und Raumfahrt. Auf den Folien aus dem Seminar standen laut heise und The Next Web Beispiele wie leichtere Testregeln für autonome Fahrzeuge und digitale Assistenten für die Landwirtschaft.

Muss ein Betrieb wegen dieser Pläne jetzt etwas regeln?

Neue Pflichten oder Fördergelder für Betriebe nennen die Berichte nicht, und was das Maßnahmenpaket enthält, ist offen. Aus unserer Sicht lohnt es sich trotzdem, nicht bis 2027 zu warten: Ein kleiner, klar abgegrenzter Anwendungsfall mit eigenen Daten lässt sich schon heute ausprobieren, am besten mit den Mitarbeitern, die später damit arbeiten.

Welcher Ablauf im Betrieb hat heute schon die Daten für einen ersten KI-Versuch?

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Zuletzt aktualisiert: 28. September 2026. Stand der Recherche: 28. September 2026.