Der Fund lag in Dateien, die ein Browser lädt, bevor irgendjemand ein Passwort eingegeben hat.
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Die Firma sagt, es habe nie einen Kunden erreicht
Clearview AI hat sich zu dem Bericht geäußert, und die Stellungnahme ist deutlich. InquiryIQ sei ein interner Prototyp. Kunden angeboten oder ausgeliefert worden sei er niemals. Strafverfolgungsbehörden hätten ihn ebenfalls nie genutzt. Pläne, das Werkzeug in seiner jetzigen Form zu veröffentlichen, bestünden derzeit nicht.
Es geht also um die Beschreibung eines Prototyps und um das, was Berichte darin gelesen haben. Ein Produkt im Einsatz ist InquiryIQ nach dieser Darstellung zu keinem Zeitpunkt gewesen, und Gegenteiliges ist nicht belegt.
Was in der Beschreibung steht
Ausgangspunkt ist nach der Beschreibung ein Treffer der Gesichtserkennung. Von dort arbeitet der Assistent im öffentlichen Web weiter. Er führt Web- und Bildsuchen aus und öffnet Webseiten. Fotos, die er dabei findet, gehen erneut durch die Gesichtserkennung. Aus dem, was zusammenkommt, entsteht ein sogenannter „Candidate Graph", ein Geflecht möglicher Identitäten mit Bekannten, Adressen, Telefonnummern, Arbeitgebern, Aliasnamen, Konten in sozialen Netzwerken und einer Festnahmehistorie. Hinter der Anreicherung steckt nach den Berichten ein Modell von xAI aus der Grok-Familie.
In der Oberfläche selbst steht eine bemerkenswerte Zeile. Sie warnt davor, dass automatisch erzeugte demografische Angaben und Angaben zu Festnahmen fehlerhaft sein können.
Ein Werkzeug, das eine Person beschreibt und im selben Bildschirm einräumt, dass Teile dieser Beschreibung falsch sein können, liefert einen Vorschlag und kein Ergebnis.
Zur Größe der Bilddatenbank gibt es zwei Zahlen
Ein Bericht spricht von einer Datenbank zwischen 60 und 70 Milliarden Bildern. Clearview AI selbst bewirbt sich als Suchmaschine für mehr als 70 Milliarden öffentlich verfügbare Bilder. Beide Zahlen stehen nebeneinander, und die höhere davon ist eine Auskunft des Unternehmens über sich selbst und keine Zählung durch einen Dritten. Wer sie weitergibt, gibt diese Herkunft mit weiter, sonst wird aus einer Eigenwerbung eine Tatsache.
Zehn Milliarden Bilder Unterschied wirken in dieser Größenordnung wie eine Rundungsfrage. Sie zeigen, wie wenig gesichert selbst die Grundzahl ist, auf der alles Weitere aufbaut.
Der Fundort ist der übertragbare Teil
Die Gesichtserkennung ist an dieser Meldung der spektakuläre Teil. Der lehrreiche ist die Stelle, an der der Prototyp aufgetaucht ist. Er lag in Dateien, die die Anmeldeseite jedem Besucher mitschickt, bevor irgendjemand angemeldet ist. Wer die Seite aufruft, bekommt diese Dateien in den Browser geliefert. Was der Browser lädt, ist damit öffentlich, auch die Teile, die erst nach dem Anmelden sichtbar werden sollen. Der Umstand, dass ein Bereich hinter einer Anmeldung liegt, macht die dazugehörigen Dateien nicht privat.
Das ist ein Fehler, den jede Firma mit einer eigenen Anwendung machen kann.
Wer eine Kundenoberfläche betreibt, ein Buchungsportal, einen Mitgliederbereich, ein Kundenkonto im Onlineshop, sollte deshalb einmal nachsehen lassen, was davon ohne Anmeldung ausgeliefert wird. Die Frage geht an den Dienstleister, der die Anwendung gebaut hat, und sie passt in einen Satz. Wer ohnehin gerade sortiert, welches Werkzeug im Betrieb welche Daten anfasst, hat den Rahmen dafür schon: Die Datenschutz-Folgenabschätzung für KI-Werkzeuge beschreibt, wie eine solche Bestandsaufnahme abläuft.
Unsere Einschätzung
In den Kursen kommt regelmäßig die Frage, ob ein KI-Werkzeug „die Daten sieht". Gemeint ist damit fast immer der Anbieter und das, was er mit einer Eingabe macht. Die unauffälligere Baustelle liegt daneben, nämlich bei dem, was die eigene Anwendung von sich aus herausgibt. Bei Clearview war es die Beschreibung eines Prototyps. In einem mittelständischen Betrieb sind es eher Preislisten, Adressen von Schnittstellen, Namen interner Funktionen oder ein Testzugang, den vor zwei Jahren jemand eingebaut und nie wieder angefasst hat. Der Aufwand für die Gegenprobe ist überschaubar, und niemand muss dafür selbst in den Quelltext schauen. Es reicht, den Auftrag zu erteilen und sich das Ergebnis erklären zu lassen.
Das zweite Mitbringsel ist unbequemer.
Ein System, das Angaben über eine Person zusammensetzt und selbst darauf hinweist, dass sie falsch sein können, erzeugt Vermutungen in ordentlicher Form. Die ordentliche Form ist dabei das eigentliche Problem. Eine Tabelle mit Adresse und Arbeitgeber liest sich wie ein Auszug aus einem Register, auch wenn ihr Inhalt zusammengesucht wurde. Dieselbe Mechanik steckt in jedem Werkzeug, das im Betrieb Kundendaten anreichert oder Bewerbungen vorsortiert, und dort trifft sie echte Menschen mit echten Folgen. Wer damit arbeitet, sollte den Warnhinweis eines Systems mindestens so ernst nehmen wie dessen Ergebnis. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein Werkzeug dieser Art in Europa betrieben werden dürfte, ist eine Frage für Juristen und keine, die sich in einem Nachrichtenartikel beantworten lässt.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 11. September 2026):
- Biometric Update: Clearview AI prototype points to next phase of facial recognition identity intelligence
- The Cryptonomist: Clearview AI and facial recognition
- USA Herald: Clearview AI tests police surveillance tool to profile you
Häufige Fragen
Was ist InquiryIQ?
InquiryIQ ist ein unveröffentlichter KI-Assistent der Firma Clearview AI, über den WIRED am Morgen des 10. September 2026 berichtet hat. Nach der Beschreibung geht er von einem Treffer der Gesichtserkennung aus, führt Web- und Bildsuchen aus, öffnet Webseiten und wendet die Gesichtserkennung erneut auf gefundene Fotos an. Daraus entsteht ein sogenannter Candidate Graph, ein Geflecht möglicher Identitäten. Hinter der Anreicherung steckt nach den Berichten ein Modell von xAI aus der Grok-Familie.
Ist das Werkzeug im Einsatz oder wird es verkauft?
Clearview AI erklärt, InquiryIQ sei ein interner Prototyp. Er sei niemals Kunden angeboten oder ausgeliefert und niemals von Strafverfolgungsbehörden genutzt worden, und es gebe keine aktuellen Pläne, ihn in seiner jetzigen Form zu veröffentlichen. Gegenteiliges ist nicht belegt.
Wie zuverlässig sind die Angaben, die ein solches Werkzeug erzeugt?
Die Oberfläche warnt nach der Beschreibung selbst davor, dass automatisch erzeugte demografische Angaben und Angaben zu Festnahmen fehlerhaft sein können. Auch die Größe der Bilddatenbank ist unscharf: Ein Bericht nennt zwischen 60 und 70 Milliarden Bilder, während Clearview AI sich selbst als Suchmaschine für mehr als 70 Milliarden öffentlich verfügbare Bilder bewirbt. Die höhere Zahl ist eine Auskunft des Unternehmens über sich selbst.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Der übertragbare Teil dieser Meldung ist der Fundort: Der Prototyp lag in Dateien, die Clearviews Anmeldeseite jedem Besucher ausliefert, bevor sich überhaupt jemand anmeldet. Wer eine eigene Kundenoberfläche betreibt, sollte deshalb einmal nachsehen lassen, was davon ohne Anmeldung an jeden Besucher geht. Die Frage geht an den Dienstleister, der die Anwendung gebaut hat.
Wer im Betrieb weiß, was die eigene Kundenoberfläche ohne Anmeldung an jeden Besucher ausliefert?
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Zuletzt aktualisiert: 11. September 2026. Stand der Recherche: 11. September 2026.