Wer bei Listen Labs an einer Studie teilnimmt, spricht per Audio oder Video mit einer KI, die die Fragen stellt.
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Gemeldet über anonyme Quellen, bestätigt von niemandem
Die Meldung stammt von Business Insider und stützt sich auf anonyme Quellen. Veröffentlicht wurde sie am 9. September 2026. Danach spricht Salesforce mit Listen Labs über eine Übernahme, im Raum stehen rund 2 Milliarden US-Dollar.
Auf Anfragen hat keines der beiden Unternehmen geantwortet.
Offen bleibt damit die Summe ebenso wie der Zeitpunkt, und offen bleibt vor allem, ob es überhaupt zu einem Abschluss kommt.
Gespräche sind Gespräche. Sie können platzen, und sie können sich über Monate ziehen. Alles, was weiter unten steht, gehört deshalb in diesen Rahmen: Beschrieben werden eine Plattform und ein möglicher Käufer, über deren Zusammenkommen bislang berichtet wurde und mehr nicht.
Was die Plattform macht
Listen Labs wurde 2023 gegründet, Mitgründer sind Florian Jüngermann und Alfred Wahlforss. Die Plattform automatisiert Kundenforschung: Sie entwirft die Studie, führt die Befragungen per Audio oder Video mit KI und wertet die Antworten zu Berichten aus. Den Zugang zu Befragten liefert sie mit, das Unternehmen nennt 50 Millionen Teilnehmer weltweit. Nach eigenen Angaben hat Listen Labs binnen neun Monaten nach der Gründung über eine Million Menschen befragt. Beide Zahlen stammen vom Unternehmen selbst und sind keine geprüften Werte. Als Ziel gibt der Anbieter an, Zeit und Kosten klassischer Marktforschung zu senken, auch das ist eine Beschreibung des Anbieters und keine gemessene Wirkung. Zu den genannten Kunden zählen Microsoft, Sweetgreen und Perplexity.
Was an dieser Beschreibung auffällt, ist ihre Reichweite. Sie umfasst die ganze Kette vom Entwurf der Studie bis zum fertigen Bericht, und damit auch die Auswahl derer, die antworten. Wer die Kette als Ganzes einkauft, kauft die Auswahl mit ein.
Die Finanzierung, die kurz vorher fallen gelassen wurde
Im Januar 2026 hatte Listen Labs eine Serie-B-Finanzierung über 100 Millionen US-Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung von 500 Millionen US-Dollar.
Kurz vor den Übernahmegesprächen lag eine Serie C bereit, eine schon unterzeichnete Absichtserklärung über 125 Millionen US-Dollar unter Führung von Menlo Ventures, die das Unternehmen mit 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet hätte. Diese Absichtserklärung hat Listen Labs fallen gelassen. Aus den Berichten geht nicht hervor, warum. Auch diese Zahlen stehen so in der Berichterstattung, eine Bestätigung der Beteiligten liegt an keiner Stelle vor.
Der dritte Zukauf in diesem Jahr
Im Juni 2026 übernahm Salesforce Fin, eine Plattform für KI-Kundenservice, für 3,6 Milliarden US-Dollar. Im selben Monat kam die Abrechnungsplattform m3ter dazu, deren Übernahme zum 1. Juli abgeschlossen wurde. Kundenservice und Abrechnung liegen damit im Haus.
Die Befragung der Kunden käme dazu, falls die Gespräche zu einem Abschluss führen. Ein zweiter Strang derselben Bewegung sind die Agenten, die im Kundenverwaltungssystem selbst arbeiten, nachzulesen in unserem Artikel über Salesforce, Anthropic und die Agenten im CRM. Für einen Betrieb, der ein solches System benutzt, ist das die praktische Seite der Meldung: Werkzeuge, die bisher einzeln eingekauft wurden, wandern in eine Oberfläche.
Unsere Einschätzung
Marktforschung war für kleine Betriebe bisher meistens zu teuer. Wer sich keine Studie leisten kann, rät eher, als dass er fragt.
Wird das Führen von Interviews billiger, rückt eine Frage in Reichweite, die vorher an den Kosten scheiterte: Warum kaufen die Leute bei uns, und warum kaufen die anderen woanders.
Für die Frage, ob ein solches Werkzeug in einem kleinen Betrieb etwas taugt, spielt der Kaufpreis keine Rolle. Es zählt, welche Frage man beantwortet haben will und ob die Menschen, die antworten, überhaupt zur eigenen Kundschaft gehören.
Der Haken liegt an einer anderen Stelle. Eine Befragung ist so gut wie die Auswahl der Befragten. Wer Antworten in großer Zahl bekommt, hält sie leicht für repräsentativ, obwohl sie es nicht sind. Rückmeldungen aus einem weltweiten Teilnehmerpool sagen wenig über die Handvoll Betriebe im eigenen Umkreis, die als Kunden überhaupt infrage kommen, und über die eigenen Bestandskunden sagen sie gar nichts. Für einen Betrieb mit überschaubarem Kundenstamm sind zehn ordentlich geführte Gespräche mit echten Kunden weiterhin mehr wert als tausend Antworten von Leuten, die nie gekauft haben. Diese zehn Gespräche kann der Inhaber selbst führen, am Telefon, ohne Plattform und ohne Budget.
Vorsicht ist bei der Übertragung geboten. Die Ersparnis an Zeit und Kosten, mit der die Plattform beschrieben wird, ist eine Aussage des Anbieters über sein eigenes Produkt. Ob ein von KI geführtes Interview dieselben Antworten hervorbringt wie ein Gespräch mit einem Menschen, ist damit nicht beantwortet, und eine belastbare Grundlage für ein Urteil darüber haben wir nicht.
Wer über ein Werkzeug dieser Art nachdenkt, legt deshalb zuerst fest, wen er fragen will, und erst danach, womit.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 11. September 2026):
- PYMNTS: Salesforce Eyes $2 Billion Acquisition of AI-Powered Platform Listen Labs
- The Next Web: Salesforce closes Fin acquisition as it enters talks over Listen Labs
- TechFundingNews: Salesforce in talks to acquire AI customer research startup Listen Labs for $2B
Häufige Fragen
Ist die Übernahme von Listen Labs durch Salesforce beschlossen?
Nein. Business Insider berichtete am 9. September 2026 unter Berufung auf anonyme Quellen über Gespräche, im Raum stehen rund 2 Milliarden US-Dollar. Weder Salesforce noch Listen Labs haben auf Anfragen geantwortet, und die Gespräche müssen zu keinem Abschluss führen.
Was macht die Plattform Listen Labs?
Sie automatisiert Kundenforschung. Nach der Beschreibung entwirft sie die Studie, führt die Befragungen per Audio oder Video mit KI und wertet die Antworten zu Berichten aus. Den Zugang zu Befragten liefert sie mit, das Unternehmen nennt 50 Millionen Teilnehmer weltweit. Gegründet wurde Listen Labs 2023, Mitgründer sind Florian Jüngermann und Alfred Wahlforss.
Welche Finanzierungsrunde hat Listen Labs fallen gelassen?
Eine bereits unterzeichnete Absichtserklärung für eine Serie C über 125 Millionen US-Dollar unter Führung von Menlo Ventures, die das Unternehmen mit 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet hätte. Sie wurde kurz vor den Übernahmegesprächen fallen gelassen. Im Januar 2026 hatte Listen Labs eine Serie B über 100 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 500 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Aus der Meldung selbst folgt kein Handlungsdruck. Wer über ein Befragungswerkzeug nachdenkt, klärt zuerst, wen er überhaupt fragen will. Antworten in großer Zahl wirken schnell repräsentativ, ohne es zu sein, wenn sie von Menschen kommen, die als Kunden nicht infrage kommen. Bei überschaubarem Kundenstamm sind wenige, ordentlich geführte Gespräche mit echten Kunden meist der aussagekräftigere Weg.
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Zuletzt aktualisiert: 11. September 2026. Stand der Recherche: 11. September 2026.