Die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, dass der Datenschutz im eigenen Haus den Einsatz von KI behindert.
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Wie der Bitkom gefragt hat
Befragt wurde telefonisch, in den Kalenderwochen 28 bis 33 des Jahres 2026. Bitkom Research hat dafür im Auftrag des Verbands 605 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten erreicht, und laut Bitkom ist das Ergebnis repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Die Presseinformation „Wirtschaft will Entlastung beim Datenschutz“ trägt das Datum des 25. September 2026, den Tag der Pressekonferenz. heise online hatte bereits am 24. September 2026 unter Berufung auf dpa darüber berichtet.
Datenschutz ist das Hauptthema der Umfrage. KI ist ein eigener Block darin.
Der KI-Teil in Zahlen
Innerhalb dieses Blocks fällt die Bilanz deutlich aus. 50 Prozent der befragten Unternehmen sagen, der Datenschutz behindere bei ihnen den Einsatz von KI. 78 Prozent berichten, die Datenschutzprüfung von KI-Projekten werde immer aufwendiger. Für 72 Prozent ist Datenschutz beim KI-Einsatz ein großes Thema im eigenen Haus. Bemerkenswert offen ist die vierte Antwort: 56 Prozent räumen ein, bei Datenschutzfragen zu KI häufig überfordert zu sein. Dazu passt eine Zahl aus dem allgemeinen Teil der Umfrage, die gar nicht nach KI fragt, aber jeden Betrieb trifft, der KI-Werkzeuge einführt. 70 Prozent sagen, das Ausrollen neuer Tools setze die Datenschutzprüfung immer wieder neu in Gang. Wer im Frühjahr ein Schreibwerkzeug geprüft hat, fängt im Herbst beim Transkriptionsdienst wieder an.
Bei den Forderungen verlangen die Unternehmen vor allem Anpassung. Laut Bitkom wünschen 69 Prozent eine bessere Abstimmung des Datenschutzes mit anderen Regulierungen wie dem AI Act. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht in KI-Chatbots eine Hilfe für Beschäftigte bei Datenschutzfragen, also genau in dem Feld, in dem sich so viele überfordert fühlen.
Dokumentation als größter Posten
Gefragt nach dem größten Aufwand, nennen 84 Prozent die Dokumentation von Verarbeitungstätigkeiten, im Vorjahr waren es 73 Prozent. Die Benennung eines Datenschutzbeauftragten steht in derselben Liste ganz am Ende.
Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, fasst die Lage aus Sicht des Verbands in einem längeren Zitat zusammen, darin der Satz: „Der Aufwand wächst weiter, die Rechtsunsicherheit bleibt, und die Aufsicht bietet wenig Unterstützung“. 90 Prozent der Befragten halten eine gezielte Reform der DS-GVO für notwendig. Ein Vorschlag auf EU-Ebene liegt laut Bitkom auf dem Tisch.
Eine weitere Zahl betrifft die Wahl der Anbieter. 42 Prozent der Unternehmen haben wegen Datenschutzbedenken schon auf Produkte oder Lösungen aus Ländern außerhalb der EU verzichtet.
Wer hier spricht und wer fehlt
Der Bitkom ist ein Wirtschaftsverband. Die Umfrage erscheint zusammen mit seinen Reformforderungen und wenige Tage vor seiner eigenen Privacy Conference am 29. und 30. September. Das macht die Zahlen nicht falsch, es erklärt aber die Auswahl der Fragen und die Richtung, in die die Presseinformation zielt. Ob die DS-GVO reformiert werden sollte, bewerten wir hier nicht.
Wichtiger für viele Leser ist eine Lücke in der Stichprobe. Befragt wurden nur Unternehmen ab 20 Beschäftigten, für Kleinstbetriebe sagt die Umfrage nichts aus. Gerade die kleinen Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, die ohne eigene Rechtsabteilung arbeiten, tauchen in den Zahlen also nicht auf. Ob sie sich stärker oder schwächer gebremst fühlen, lässt sich daraus nicht ablesen.
Unsere Einschätzung
Die interessanteste Zahl für einen Betrieb ist aus unserer Sicht nicht die 50, sondern die 56.
Wenn mehr als die Hälfte der Befragten sich bei Datenschutzfragen zu KI häufig überfordert fühlt, liegt ein Teil der Bremse im eigenen Haus, und diesen Teil kann ein Betrieb lösen, ohne auf eine Reform aus Brüssel oder Berlin zu warten. Wir würden bei den gängigen KI-Werkzeugen ansetzen, die ohnehin schon genutzt werden. Für jedes davon wird einmal festgehalten, welche Daten hineindürfen und welche nicht, welcher Anbieter mit welchem Vertrag dahintersteht und wer im Betrieb die Freigabe erteilt. Das kostet beim ersten Mal Zeit. Beim nächsten Werkzeug muss aber niemand von vorn anfangen, und genau dieses Von-vorn-Anfangen nennen 70 Prozent der Befragten als Belastung.
Die Dokumentation, die so viele Unternehmen als größten Aufwand sehen, ist dabei zugleich das Werkzeug. Ein gepflegtes Verzeichnis macht die nächste Prüfung kürzer, weil die Grundfragen schon beantwortet sind. Wie das mit KI-Anwendungen aussieht, beschreibt unser Beitrag zum Verarbeitungsverzeichnis mit KI, einer Pflicht, die viele übersehen. Eine Rechtsberatung ersetzt das nicht, im Zweifel gehört die Frage zum Datenschutzbeauftragten.
Für einen kleinen Betrieb reicht oft eine Tabelle mit einer Zeile je Werkzeug. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass jemand namentlich dafür zuständig ist und sie nachzieht, sobald ein neues Werkzeug dazukommt oder ein Anbieter seine Bedingungen ändert. Ohne diese Zuständigkeit veraltet die Liste leise, und beim nächsten Tool beginnt die Überforderung von neuem.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 25. September 2026):
- Bitkom: Wirtschaft will Entlastung beim Datenschutz
- heise online: Wirtschaft fordert radikale Datenschutz-Reform
Häufige Fragen
Wen hat der Bitkom für die Datenschutz-Umfrage 2026 befragt?
Bitkom Research hat im Auftrag des Bitkom 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt, von Kalenderwoche 28 bis 33 des Jahres 2026. Laut Bitkom ist die Umfrage repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten sind nicht erfasst.
Wie viele Unternehmen sehen ihren KI-Einsatz durch den Datenschutz behindert?
50 Prozent der befragten Unternehmen sagen, der Datenschutz behindere im eigenen Unternehmen den Einsatz von KI. 78 Prozent berichten, die Datenschutzprüfung von KI-Projekten werde immer aufwendiger, und 56 Prozent räumen ein, bei Datenschutzfragen zu KI häufig überfordert zu sein.
Was verursacht beim Datenschutz den größten Aufwand?
Laut Umfrage ist das die Dokumentation von Verarbeitungstätigkeiten, die 84 Prozent der Befragten nennen, nach 73 Prozent im Vorjahr. 70 Prozent sagen außerdem, dass das Ausrollen neuer Tools die Datenschutzprüfung immer wieder neu in Gang setzt.
Was kann ein Betrieb jetzt selbst regeln, ohne auf eine Reform zu warten?
Aus unserer Sicht lohnt es sich, für die genutzten KI-Werkzeuge einmal festzuhalten, welche Daten hineindürfen, welcher Anbieter mit welchem Vertrag dahintersteht und wer die Freigabe erteilt. Ein gepflegtes Verarbeitungsverzeichnis verkürzt dann die Prüfung beim nächsten Werkzeug. Im Einzelfall gehört die Frage zum Datenschutzbeauftragten, eine Rechtsberatung ersetzt dieser Hinweis nicht.
Wer im Betrieb entscheidet, welche Daten in welches KI-Werkzeug dürfen?
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Zuletzt aktualisiert: 25. September 2026. Stand der Recherche: 25. September 2026.