Am Tag der Deutschen Einheit, Samstag, 3. Oktober 2026, hat Aleph Alpha aus Heidelberg ein Sprachmodell veröffentlicht, das jeder Betrieb herunterladen und im eigenen Haus betreiben darf.

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Was Aleph Alpha veröffentlicht hat

Das Modell heißt Kolibri. Seine vollständigen Gewichte liegen auf Hugging Face und stehen unter der Apache-2.0-Lizenz, zu deren Bedingungen sie genutzt werden dürfen. Für Einführung und Anpassung im Unternehmen verweist Aleph Alpha auf seinen Vertrieb. Einen gehosteten Zugang mit Preis nennen die Quellen nicht. Wer Kolibri nutzen will, betreibt es also selbst oder fragt beim Vertrieb nach.

Die technischen Eckdaten stammen allesamt vom Anbieter.

Demnach ist Kolibri ein Mixture-of-Experts-Modell für Englisch und Deutsch mit 78 Milliarden Parametern, von denen rund 3 Milliarden aktiv sind. Der Kontext reicht bis zu 1 Million Tokens. In vier Stufen lässt sich einstellen, wie stark das Modell vor der Antwort „nachdenkt“: keine, niedrig, mittel und hoch. So sollen sich Kosten und Qualität gegeneinander abwägen lassen. Den Wissensstand gibt Aleph Alpha mit dem 18. Juni 2026 an.

Deutsch als erklärter Schwerpunkt

Für Betriebe in Deutschland ist die Zusammensetzung der Trainingsdaten die aufschlussreichste Angabe. Laut Aleph Alpha sind 21,3 Prozent der Vortrainingsdaten deutsch, Übersetzungen wurden nur sparsam eingesetzt. Dazu kommt ein eigener zweisprachiger Tokenizer. Gedacht ist das Modell nach Darstellung des Anbieters für regulierte Bereiche wie öffentliche Verwaltung, Industrie und Luftfahrt.

Wegen der geringen Größe lasse sich Kolibri effizient On-Premise betreiben, ohne interne Daten an fremde Inferenzdienste zu schicken, schreibt Aleph Alpha. Trainiert sei es außerdem darauf, offen zu sagen, dass es etwas nicht weiß, wenn die Antwort nicht im mitgegebenen Kontext steht. Entwickelt wurde Kolibri laut Anbieter in Deutschland, trainiert auf Infrastruktur in Deutschland und Finnland mit 768 B200-GPUs. Von Anfang an habe man den EU AI Act, den Verhaltenskodex für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck und die DSGVO im Blick gehabt.

Was der Selbstbetrieb verlangt

Kolibri läuft mit dem Paket aleph-alpha-inference, das ein vLLM-Plugin mitbringt. Kontexte über 262.144 Tokens erfordern eine Zusatzeinstellung. Als Größenbeispiel nennt Aleph Alpha, dass das 78B-Modell 18 parallele lange Anfragen auf zwei H100-Grafikkarten bedient.

Das ist ein Rechenbeispiel des Anbieters. Eine Mindestausstattung oder eine Kaufempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Wer den Betrieb nicht selbst stemmen will, hat laut den Quellen nur einen zweiten Weg, den Vertrieb von Aleph Alpha, der bei Einführung und Anpassung im Unternehmen helfen soll. Zu Konditionen oder Preisen dieses Weges steht in den Quellen nichts. Für eine Kalkulation fehlen damit die Zahlen.

Unabhängige Messungen fehlen noch

Trending Topics ordnet die Angaben deutlich kritischer ein. Aleph Alpha vergleicht Kolibri demnach nur mit drei Modellen, Qwen3.6-35B-A3B, Nemotron 3 Super und Mistral Small 4, und alle drei stammen aus dem Frühjahr. Bei Agenten-Aufgaben und langen Kontexten liegt laut Trending Topics Qwen3.6 vorn. Ein unabhängiges Ranking gibt es noch nicht, bei Artificial Analysis ist Kolibri nicht gelistet. Jede Leistungsangabe zu Kolibri ist damit bis auf Weiteres eine Angabe von Aleph Alpha selbst.

Offen ist zudem, wie es mit dem Modell weitergeht. Laut Trending Topics hat Aleph Alpha die verbindliche Vereinbarung zur Fusion mit Cohere unterschrieben; das fusionierte Unternehmen soll unter dem Namen Cohere auftreten, Heidelberg bleibt Forschungszentrum. Ob die Marke Aleph Alpha diesen Weg lange weitergeht, lässt Trending Topics ausdrücklich offen. Was die Fusion für souveräne KI bedeutet, haben wir im Beitrag Cohere und Aleph Alpha unterschreiben beschrieben. Ob Kolibri nach der Fusion gepflegt wird und neue Versionen bekommt, sagen die Quellen nicht.

Unsere Einschätzung

Ein frei lizenziertes Modell aus Deutschland, das Deutsch als erklärten Schwerpunkt hat, ist für Betriebe mit sensiblen Unterlagen ein interessantes Signal.

Den eigenen Server im Keller halten wir für die meisten kleinen Firmen trotzdem für den falschen Weg dorthin. Selbstbetrieb verlangt passende Grafikkarten. Er verlangt jemanden, der den Dienst einrichtet und pflegt, auch in der Urlaubswoche des einzigen IT-Verantwortlichen. Und er verlangt Tests mit eigenen Dokumenten, bevor sich irgendein Mitarbeiter auf eine Antwort verlässt. Realistischer ist aus unserer Sicht ein IT-Dienstleister oder ein Rechenzentrum in Deutschland, das Kolibri betreibt und den Zugang bereitstellt. Ob es solche Angebote schon gibt, beantworten die Quellen nicht. Wer mit einem solchen Partner spricht, sollte vorab mit echten Fällen prüfen, wie das Modell mit den Texten des eigenen Hauses umgeht, etwa mit Angeboten und Schriftverkehr. Die angekündigte Fähigkeit, bei fehlender Grundlage zu passen, verdient dabei einen eigenen Test.

Aus unserer Sicht bleibt die Apache-Lizenz ein Vorteil, auch nach der Fusion: Einmal veröffentlichte Gewichte lassen sich weiter nutzen.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 7. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Was ist Kolibri von Aleph Alpha?

Kolibri ist ein Sprachmodell für Englisch und Deutsch, das Aleph Alpha aus Heidelberg am 3. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Nach Angaben des Anbieters handelt es sich um ein Mixture-of-Experts-Modell mit 78 Milliarden Parametern, davon rund 3 Milliarden aktiv, und einem Kontext von bis zu 1 Million Tokens.

Unter welcher Lizenz steht Kolibri, und gibt es einen gehosteten Zugang?

Die vollständigen Gewichte liegen auf Hugging Face und dürfen unter der Apache-2.0-Lizenz genutzt werden. Einen gehosteten Zugang mit Preis nennen die Quellen nicht. Für Einführung und Anpassung im Unternehmen verweist Aleph Alpha auf seinen Vertrieb.

Wie gut ist Kolibri im Vergleich zu anderen Modellen?

Unabhängige Messungen gibt es noch nicht, alle Leistungsangaben stammen von Aleph Alpha. Laut Trending Topics vergleicht der Anbieter Kolibri nur mit Qwen3.6-35B-A3B, Nemotron 3 Super und Mistral Small 4, die alle aus dem Frühjahr stammen. Bei Agenten-Aufgaben und langen Kontexten liegt demnach Qwen3.6 vorn, bei Artificial Analysis ist Kolibri nicht gelistet.

Was sollte ein Betrieb jetzt klären, der Kolibri einsetzen möchte?

Zuerst die Frage, wer das Modell betreibt, denn ohne gehosteten Zugang läuft Kolibri auf eigener oder gemieteter Hardware mit dem Paket aleph-alpha-inference. Aus unserer Sicht ist für die meisten kleinen Firmen ein Dienstleister oder Rechenzentrum in Deutschland realistischer als ein eigener Server. Vor dem Einsatz würden wir das Modell mit echten Dokumenten aus dem eigenen Haus testen, weil unabhängige Messungen fehlen.

Mit welchen eigenen Dokumenten würde der Betrieb ein KI-Modell prüfen, bevor er sich darauf verlässt?

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Zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2026. Stand der Recherche: 7. Oktober 2026.