Unterschrieben ist der Vertrag, vollzogen ist er noch nicht.
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Was am 16. September unterschrieben wurde
Cohere aus Toronto und Aleph Alpha aus Heidelberg haben am 16. September 2026 mitgeteilt, dass ein verbindlicher Zusammenschlussvertrag unterzeichnet ist. Angekündigt worden war die Verbindung bereits im April 2026, die Einordnung dieser Ankündigung steht in einem eigenen Artikel. Das gemeinsame Unternehmen soll weltweit unter dem Namen Cohere auftreten. In der Mitteilung wird es als erste transatlantische souveräne KI-Lösung bezeichnet, das ist die Formulierung der beteiligten Unternehmen. Abgeschlossen ist die Transaktion damit noch nicht.
Sie steht weiter unter dem Vorbehalt behördlicher Freigaben und soll laut Mitteilung später in diesem Jahr vollzogen werden. Bis dahin bleiben beide Firmen, was sie heute sind.
Berlin und Toronto, Heidelberg bleibt Forschung
Geplant ist ein doppelter Hauptsitz in Berlin und Toronto. Das Heidelberger Büro von Aleph Alpha bleibt nach Angaben der Unternehmen als Forschungszentrum bestehen, und die Mitarbeiterzahl von Cohere steigt durch die Transaktion auf mehr als 1.000 auf beiden Kontinenten. Cohere beschreibt sich in derselben Mitteilung als 2019 gegründet, mit Hauptsitzen in Toronto, San Francisco und Deutschland, weiteren Büros in London, New York, Montreal, Paris und Seoul und eingesammelten Mitteln von rund 1,6 Milliarden US-Dollar.
Die Führungsrollen sind verteilt, wirksam werden sie ausdrücklich erst mit dem Abschluss. Ilhan Scheer, derzeit Co-CEO von Aleph Alpha, wird Chief Operating Officer von Cohere, Mitgründer und Co-Chief Research Officer Samuel Weinbach wird Chief Research Officer. Aidan Gomez bleibt Mitgründer und CEO von Cohere.
Gomez wird sinngemäß mit dem Gedanken zitiert, kein Staat und kein Unternehmen solle zwischen leistungsfähiger KI und der Kontrolle über die eigene Technik wählen müssen. Scheer verweist darauf, dass Aleph Alpha den Fokus in den vergangenen zwölf Monaten auf spezialisierte Sprachmodelle für Behörden und regulierte Branchen geschärft habe, während Cohere globale Reichweite und Auslieferungsfähigkeit beisteuere.
Wie politisch der Vorgang gelesen wird, zeigt das Pressefoto der Mitteilung: Auf ihm stehen laut Bildunterschrift der kanadische Minister für Künstliche Intelligenz Evan Solomon, Aidan Gomez, Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und Samuel Weinbach.
Was in der Mitteilung nicht steht
Zahlen sucht man in der Pressemitteilung vergeblich. Die viel zitierte Bewertung von rund 20 Milliarden US-Dollar für das kombinierte Unternehmen stammt aus Berichten, laut BetaKit geht sie auf einen Bericht der Financial Times aus dem April zurück. Auch zum Einstieg der Schwarz Gruppe in die Series E nennt die Mitteilung keine Summe, BetaKit und SiliconANGLE nennen übereinstimmend 500 Millionen Euro. Laut BetaKit soll die Series E insgesamt 2 bis 3 Milliarden US-Dollar umfassen, das berichtet The Globe and Mail. SiliconANGLE führt außerdem an, dass die Bewertung von Cohere im September 2025 bei 7 Milliarden US-Dollar lag und Cohere im Vorjahr laut CNBC 240 Millionen US-Dollar umsetzte. Bekannt gegeben wurde der Abschluss laut BetaKit auf der Konferenz ALL IN in Montreal. Die Mitteilung selbst spricht von einem Zusammenschluss, Berichte ordnen Cohere als den größeren Teil ein.
Für die Einordnung ist der Unterschied zwischen beiden Quellenarten nicht nebensächlich. Eine Pressemitteilung ist eine Aussage der Beteiligten, eine Bewertung aus einem Zeitungsbericht ist eine Angabe Dritter, und wer solche Zahlen weitergibt, sollte die Herkunft mitgeben.
Der Weg führt über die Cloud
Praktisch greifbar für Betriebe in Deutschland ist ein anderer Teil der Mitteilung. Das gemeinsame Unternehmen will die Partnerschaft mit den Firmen der Schwarz Gruppe ausbauen und souveräne KI auf STACKIT anbieten, dem souveränen Cloud-Dienst von Schwarz Digits. Christian Müller, CEO von Schwarz Digits, wird sinngemäß mit dem Gedanken zitiert, digitale Souveränität bedeute strategisches Zusammengehen und keinen Alleingang. Laut SiliconANGLE betreibt die Schwarz Gruppe mit STACKIT eine eigene Cloud-Sparte und hat Investitionen von 11 Milliarden Euro in neue Rechenzentren angekündigt.
Am Tag der Unterschrift ändert sich für einen deutschen Betrieb im Alltag nichts.
Unsere Einschätzung
Interessant an dem Vorgang ist die Richtung. Souveräne KI, also die Zusage, dass Daten in einer bestimmten Rechtsordnung bleiben, kommt zunehmend von Anbietern, die selbst über Kontinente hinweg aufgestellt sind. Ein doppelter Hauptsitz in Berlin und Toronto ist dafür ein deutliches Beispiel.
Aus unserer Sicht folgt daraus eine sehr praktische Konsequenz für die Auswahl von Werkzeugen. Wer in einem Angebot etwas zur Datenhaltung liest, sollte nach dem konkreten Betriebsort der Daten fragen und sich dabei nicht am Firmensitz des Anbieters orientieren. Der Weg über STACKIT zeigt zugleich, dass diese Frage für viele Betriebe über die Cloud entschieden wird, auf der ein Modell läuft, und erst in zweiter Linie über das Modell selbst. Wir würden die Vertragsfrage, wo die eigenen Daten liegen und wer darauf zugreifen darf, deshalb schriftlich beantwortet haben wollen, unabhängig davon, welche Fahne im Namen eines Anbieters steht.
Bis zur behördlichen Freigabe bleibt ohnehin offen, wie das gemeinsame Angebot am Ende zugeschnitten ist. Was ein Anbieter zusagt, gehört in den Vertrag und nicht in eine Pressemappe.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 17. September 2026):
- PR Newswire: Cohere and Aleph Alpha Sign Agreement to Become the First Transatlantic Sovereign AI Solution
- BetaKit: Cohere reaches terms with German peer Aleph Alpha to take on AI giants
- SiliconANGLE: Cohere and Aleph Alpha agree to merge in reported $20B deal
Häufige Fragen
Ist der Zusammenschluss von Cohere und Aleph Alpha bereits vollzogen?
Nein. Am 16. September 2026 wurde die Unterzeichnung eines verbindlichen Zusammenschlussvertrags bekannt gegeben, die Transaktion steht aber weiter unter dem Vorbehalt behördlicher Freigaben und soll laut Mitteilung später in diesem Jahr abgeschlossen werden. Auch die neuen Führungsrollen greifen ausdrücklich erst mit dem Abschluss. Angekündigt worden war die Verbindung im April 2026.
Wo sitzt das gemeinsame Unternehmen künftig und wie heißt es?
Das gemeinsame Unternehmen soll weltweit als Cohere auftreten. Geplant ist ein doppelter Hauptsitz in Berlin und Toronto, das Heidelberger Büro von Aleph Alpha bleibt nach Angaben der Unternehmen als Forschungszentrum bestehen. Die Mitarbeiterzahl von Cohere steigt durch die Transaktion auf mehr als 1.000 auf beiden Kontinenten.
Welche Zahlen zu Bewertung und Einstieg der Schwarz Gruppe sind belegt?
Die Pressemitteilung nennt keine Bewertung und keine Summe. Die Bewertung von rund 20 Milliarden US-Dollar für das kombinierte Unternehmen stammt aus Berichten, laut BetaKit geht sie auf einen Bericht der Financial Times aus dem April zurück. Zum Einstieg der Schwarz Gruppe in die Series E nennen BetaKit und SiliconANGLE übereinstimmend 500 Millionen Euro. Cohere selbst nennt in der Mitteilung eingesammelte Mittel von rund 1,6 Milliarden US-Dollar.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Am Tag der Unterschrift ändert sich für einen Betrieb in Deutschland im Alltag nichts. Aus unserer Sicht lohnt trotzdem eine Frage bei jeder Werkzeugauswahl: An welchem konkreten Betriebsort liegen die eigenen Daten und wer darf darauf zugreifen, schriftlich beantwortet und unabhängig vom Firmensitz des Anbieters. Der geplante Weg über STACKIT, den souveränen Cloud-Dienst von Schwarz Digits, zeigt, dass diese Frage oft über die Cloud entschieden wird, auf der ein Modell läuft.
Wer im Betrieb kann aus dem Vertrag vorlesen, wo die eigenen Daten beim KI-Werkzeug liegen?
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Zuletzt aktualisiert: 17. September 2026. Stand der Recherche: 17. September 2026.