Wenn eine Buchhaltung auf automatische Belegverarbeitung umstellt oder ein Kundenservice KI-Assistenten einführt, verändern sich die Arbeitsplätze meist schrittweise. Wer vorher Belege abgetippt hat, soll jetzt Ausnahmen prüfen, Regeln pflegen und Automatisierungen überwachen. Das Qualifizierungsgeld ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit solche Umbrüche begleitet: Beschäftigte lernen, der Betrieb zahlt den Kurs, die Agentur ersetzt einen Teil des Lohns. Dieser Beitrag betrachtet das Qualifizierungsgeld aus der Sicht eines Betriebs, der digital umbaut. Wer Anspruch hat, wie hoch die Leistung ist und wie der Antrag grundsätzlich abläuft, erklärt unser Beitrag zu Voraussetzungen, Höhe und Antragsweg des Qualifizierungsgeldes.
Erst kostenlos reinschnuppern, dann entscheiden
Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, sieh dir kostenlos an, wie sie läuft, fünf Lektionen plus Live-Demo, ohne Verpflichtung. Passt es, ist der Digitalisierungsmanager bei bewilligtem Bildungsgutschein für dich kostenlos.
Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Wann digitaler Umbau als Strukturwandel zählt
§ 82a SGB III verlangt einen strukturwandelbedingten Qualifizierungsbedarf. Das Gesetz nennt dafür keine Branche und keine Technik. Entscheidend ist, dass Tätigkeiten im Betrieb durch neue Technologien ersetzt werden könnten oder der Betrieb in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen ist, und dass die Qualifizierung den Verbleib der Beschäftigten im Betrieb sichern soll.
Digitalisierung und Automatisierung können genau das auslösen. Ein Lager, das auf fahrerlose Transportsysteme umstellt, eine Verwaltung, die Anträge digital bearbeitet, eine Versicherung, die Standardfälle von einer KI vorsortieren lässt: In allen drei Fällen entstehen neue Aufgaben für dieselben Menschen. Ob die Agentur für Arbeit einen konkreten Umbau als strukturwandelbedingt anerkennt, entscheidet sie im Einzelfall. Eine gute Dokumentation des Wandels ist deshalb die halbe Miete.
Welche Nachweise der Betrieb braucht
Das Qualifizierungsgeld ist an feste Schwellen gebunden. Mindestens 20 Prozent der Beschäftigten müssen vom Qualifizierungsbedarf betroffen sein. In Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten genügen 10 Prozent. Der ermittelte Anteil gilt drei Jahre ab Antragstellung.
| Betriebsgröße | Erforderlicher Anteil betroffener Beschäftigter | Grundlage für den Qualifizierungsbedarf |
|---|---|---|
| unter 10 Beschäftigte | 10 Prozent | schriftliche Erklärung des Arbeitgebers |
| 10 bis unter 250 Beschäftigte | 10 Prozent | Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag |
| ab 250 Beschäftigte | 20 Prozent | Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag |
Die Betriebsvereinbarung oder der Tarifvertrag muss Regelungen zu drei Punkten enthalten: zum Bestehen des strukturwandelbedingten Qualifizierungsbedarfs, zu den Perspektiven der Beschäftigten für eine nachhaltige Beschäftigung im Betrieb und zur Inanspruchnahme des Qualifizierungsgeldes (§ 82a Abs. 2 SGB III). Bei einem digitalen Umbau heißt das praktisch: Beschreibt, welche Tätigkeiten sich durch welche Technik verändern, welche Gruppen betroffen sind und welche Kenntnisse künftig gebraucht werden. Eine Liste der eingeführten Systeme allein reicht dafür nicht aus.
Anforderungen an die Weiterbildung
Die Maßnahme muss mehr als 120 Stunden dauern und darf höchstens dem Umfang einer Vollzeitmaßnahme entsprechen. Ein Tagesseminar zu KI-Werkzeugen erfüllt das nicht. Gefragt sind längere Qualifizierungen, die tatsächlich neue Aufgaben ermöglichen: Prozessanalyse, Automatisierung, Datenqualität, der sichere Umgang mit KI-Systemen.
Der Träger muss für die Förderung zugelassen sein. Anders als beim Bildungsgutschein braucht dafür nicht jede einzelne Maßnahme eine eigene Zulassung, die Zulassung des Trägers nach AZAV genügt. Das öffnet die Tür für Weiterbildungen, die auf den konkreten Umbau im Betrieb zugeschnitten sind.
Wer was bezahlt
Die Aufteilung ist klar geregelt. Der Arbeitgeber trägt die Lehrgangskosten selbst. Die Agentur für Arbeit zahlt den Beschäftigten während der Weiterbildung das Qualifizierungsgeld. Es beträgt nach § 82b SGB III 67 Prozent der Nettoentgeltdifferenz für Beschäftigte, die die Voraussetzungen für den erhöhten Leistungssatz erfüllen, in der Regel mit Kind, und 60 Prozent für alle anderen.
Qualifizierungsgeld und die Förderung nach dem Qualifizierungschancengesetz lassen sich für dieselbe Maßnahme nicht kombinieren. Sind für eine Weiterbildung bereits Leistungen nach § 82 SGB III beantragt, ist das Qualifizierungsgeld ausgeschlossen. Betriebe sollten deshalb vor dem ersten Antrag entscheiden, welcher Weg besser passt: Zuschüsse zu den Lehrgangskosten nach § 82 oder Lohnersatz nach § 82a.
Unsere Erfahrung mit digitalen Umbauten
Wir erleben in Gesprächen mit Betrieben immer wieder dieselbe Reihenfolge. Zuerst wird die Software gekauft, dann eingeführt, und erst wenn die Fehlerquote steigt, fragt jemand nach Schulung. Für das Qualifizierungsgeld ist das die ungünstigste Reihenfolge, weil die Betriebsvereinbarung den Bedarf festhalten soll, bevor die Weiterbildung beginnt. Wer den Umbau plant, sollte den Betriebsrat früh einbinden und die Qualifizierung als Teil des Projekts rechnen. Das kostet anfangs Zeit. Später spart es Nerven, weil die Beschäftigten den Wandel von Anfang an mittragen.
Beispiel aus einem Versorgungsbetrieb
Ein regionaler Energieversorger mit 180 Beschäftigten stellt seine Verbrauchsabrechnung auf eine digitale Fallbearbeitung mit automatischer Vorprüfung um. 22 Sachbearbeiter sind betroffen, das sind mehr als 10 Prozent der Belegschaft. Betriebsrat und Geschäftsführung halten den Qualifizierungsbedarf in einer Betriebsvereinbarung fest. Die Beschäftigten besuchen eine mehrmonatige Weiterbildung zu Prozessautomatisierung und KI-gestützter Sachbearbeitung, die der Arbeitgeber bezahlt. Während der Kurstage erhalten sie Qualifizierungsgeld. Das Beispiel ist erfunden, die Mechanik entspricht § 82a SGB III.
SkillSprinters ist als Bildungsträger nach AZAV zugelassen und entwickelt solche Qualifizierungen mit Betrieben. Einen Überblick über alle Förderinstrumente für Unternehmen findest du auf unserer Seite zu den Förderwegen für Weiterbildung.
Häufige Fragen
Zählt die Einführung von KI-Software als Strukturwandel für das Qualifizierungsgeld?
Das kann sie, wenn Tätigkeiten durch die Technik ersetzt werden könnten oder der Betrieb in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen ist. Die Betriebsparteien legen das in der Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag dar, die Agentur für Arbeit prüft es im Einzelfall.
Wie lang muss eine KI-Weiterbildung für das Qualifizierungsgeld sein?
Mehr als 120 Stunden und höchstens der Umfang einer Vollzeitmaßnahme. Kurze Seminare reichen nicht aus.
Muss die Weiterbildung einzeln zugelassen sein?
Nein, beim Qualifizierungsgeld genügt die Zulassung des Trägers nach AZAV. Eine eigene Maßnahmezulassung wie beim Bildungsgutschein ist nicht nötig.
Kann ein kleiner Betrieb ohne Betriebsrat Qualifizierungsgeld nutzen?
Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten können den Qualifizierungsbedarf durch eine schriftliche Erklärung des Arbeitgebers nachweisen. Größere Betriebe brauchen eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag.
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.