Die deutsche Verpackungsindustrie steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck, mehrere Firmen mussten in den vergangenen Monaten den Betrieb einstellen oder Insolvenz anmelden. Manche Fälle gingen glimpflich aus, die über 400 Jahre alte Casimir Kast Verpackung und Display meldete im September 2025 Insolvenz an, konnte aber später gerettet werden. Wenn du in der Verpackungsindustrie arbeitest und die Verpackungsindustrie Krise 2026 dich betrifft, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zu Insolvenzgeld oder einem Aufhebungsvertrag sind je nach Fall der Insolvenzverwalter, dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege für Weiterbildung und Neuorientierung stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Die deutsche Verpackungsindustrie steht unter erheblichem Druck, betroffen sind Papier-, Wellpappen- und Kunststoffverpackung. Das Bild ist gemischt: Die über 400 Jahre alte Casimir Kast Verpackung und Display meldete im September 2025 Insolvenz an, wurde aber später gerettet. Röchling Industrial übernahm zum 1. März 2026 den Betrieb der Terbrack Kunststoff GmbH und Co. KG, alle rund 100 Arbeitsplätze blieben erhalten. Das Amtsgericht Chemnitz eröffnete dagegen am 9. Februar 2026 das Insolvenzverfahren über die RP Polymere GmbH. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft plant 2026 jedes dritte Unternehmen Personalabbau.
Ein gemischtes Bild in der Verpackungsbranche
Die Verpackungsindustrie ist unter Druck, aber sie ist nicht im freien Fall. Wer die konkreten Fälle anschaut, sieht Rettungen und Insolvenzen nebeneinander.
Auf der Habenseite stehen zwei Beispiele. Die über 400 Jahre alte Casimir Kast Verpackung und Display meldete im September 2025 Insolvenz an, konnte aber später gerettet werden. Röchling Industrial übernahm zum 1. März 2026 den operativen Geschäftsbetrieb der Terbrack Kunststoff GmbH und Co. KG, dabei blieben alle rund 100 Arbeitsplätze erhalten. Das zeigt, dass ein Insolvenzantrag nicht das automatische Ende bedeutet.
Es gibt aber auch klare Insolvenzfälle.
Das Amtsgericht Chemnitz eröffnete am 9. Februar 2026 das Insolvenzverfahren über die RP Polymere GmbH aus dem Bereich Kunststoffverpackung. Betroffen sind sowohl der Papier- und Wellpappen- als auch der Kunststoffverpackungssektor, und laut einer Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft plant 2026 jedes dritte Unternehmen Personalabbau. Verpackung und Papier hängen dabei eng zusammen, wie unser Beitrag zur Papierindustrie-Krise 2026 zeigt. Für dich heißt das, deine eigene Lage nüchtern einzuschätzen, statt dich von der allgemeinen Stimmung anstecken zu lassen.
Deine ersten Schritte
Ordne zuerst deine Unterlagen. Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen, Nachweise über Schichtzuschläge, Urlaub und Überstunden gehören griffbereit an einen Ort.
Der Betriebsrat und die zuständige Gewerkschaft kennen den Stand der Gespräche in deinem Betrieb und wissen, ob ein Sozialplan, ein Investorenprozess oder eine Übernahme im Raum steht. Gerade weil in der Branche einige Fälle gerettet wurden, lohnt es sich, informiert zu bleiben, bevor du selbst Entscheidungen triffst.
Wird dir ein Aufhebungsvertrag vorgelegt, unterschreibe ihn nicht ohne Prüfung. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld auslösen, in der kein Geld fließt und die deine Bezugsdauer verkürzt. Ob sich das abfedern lässt, hängt von der Formulierung ab. Lass den Vertrag deshalb vorher von Betriebsrat, Gewerkschaft oder einem Fachanwalt prüfen.
Insolvenzgeld, Arbeitslosengeld und Sperrzeit
Ob Insolvenzgeld für dich greift, hängt vom Einzelfall ab, denn manche Betriebe werden übernommen und fortgeführt, andere sind wirklich insolvent. Ist dein Arbeitgeber insolvent, wie im Fall RP Polymere, sichert das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Häufig wird die Zahlung über den Verwalter vorfinanziert.
Sobald ein Enddatum für dein Arbeitsverhältnis feststeht, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Versäumst du die Frist, droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline ist die 0800 4 5555 00.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Wird eine Transfergesellschaft eingerichtet, kann das Transfer-Kurzarbeitergeld nach Paragraf 111 SGB III den Übergang abfedern und dir Zeit für die Suche verschaffen.
Vom Verpackungs-Wissen zur Digitalisierung
In der Verpackungsproduktion steckt viel Prozesswissen. Maschinenführer und Verpackungstechnologen bedienen schnelle, hochautomatisierte Anlagen, Produktions- und Lagermitarbeiter kennen Materialfluss, Termindruck und Qualitätsanforderungen. Dieses Verständnis für Abläufe ist wertvoll, auch über die Branche hinaus.
Viele Betriebe automatisieren gerade ihre Prozesse in Produktion, Logistik und Verwaltung. Auftragsabwicklung, Materialdisposition, Qualitätsdokumentation und Kundenkommunikation laufen zunehmend über automatisierte Prozesse und KI-gestützte Systeme. Wer die Produktion aus der Praxis kennt und diese Werkzeuge beherrscht, wird an einer wichtigen Schnittstelle gebraucht.
Der Digitalisierungsmanager knüpft hier an. Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Bei Kindern wird die Betreuung mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).
Weiterbildung ist eine Option, kein Muss
Maschinenführer und Verpackungstechnologen sind gefragte Fachkräfte, viele finden bei stabileren Betrieben der Branche oder in verwandten Produktionsbereichen eine neue Aufgabe. Andere nutzen die Unsicherheit, um sich digital breiter aufzustellen. Eine Weiterbildung ist dabei eine Möglichkeit unter mehreren, kein Zwang.
Was wir in der Praxis sehen: Wer früh anfängt, sich digital breiter aufzustellen, hat später die Wahl zwischen mehreren Wegen, statt am Ende nur einen zu haben. Das gilt gerade in einer Branche, in der Rettung und Insolvenz so nah beieinanderliegen wie hier.
Der Weg zum Bildungsgutschein führt über deinen Vermittler bei der Agentur für Arbeit. Einen automatischen Anspruch gibt es nicht, es ist eine Ermessensentscheidung. Es hilft, im Gespräch klar zu benennen, warum die Weiterbildung zu deinem beruflichen Ziel passt.
Lass dir Zeit.
Sprich mit deinem Betriebsrat, mit der Agentur und mit Menschen aus dem Feld, das dich interessiert. Der Digitalisierungsmanager ist eine Möglichkeit unter mehreren.
Häufige Fragen
Steht die ganze Verpackungsindustrie vor dem Aus?
Nein. Das Bild ist gemischt. Einige Betriebe wurden gerettet, so wie Casimir Kast, oder übernommen und fortgeführt, so wie Terbrack durch Röchling Industrial mit allen rund 100 Arbeitsplätzen. Andere sind wirklich insolvent, etwa RP Polymere. Der Druck auf die Branche ist real, aber ein Insolvenzantrag bedeutet nicht automatisch das Ende.
Was passiert mit meinem Job, wenn mein Betrieb übernommen wird?
Bei einer Übernahme bleiben Arbeitsplätze oft erhalten, wie das Beispiel Terbrack zeigt. Verbindlich ist das aber nie im Voraus, entscheidend sind die Bedingungen des Übernehmers. Deinen aktuellen Stand erfährst du über den Betriebsrat und den Insolvenzverwalter beziehungsweise Sachwalter.
Bekomme ich Insolvenzgeld, wenn mein Arbeitgeber insolvent ist?
Ja. Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Häufig wird die Zahlung vorfinanziert.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt dann die kompletten Lehrgangskosten nach Paragraf 81 SGB III. Die Weiterbildung dauert vier Monate, läuft komplett online und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, prüft die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Quellen
- neue verpackung: Restrukturieren, bevor der Markt entscheidet
- neue verpackung: Papierfabrik Hainsberg ist erneut insolvent
- K-Zeitung: Ticker Insolvenzen von Unternehmen der Kunststoffbranche
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