Die Papierfabrik Schleipen ist insolvent. Betroffen sind rund 73 Arbeitsplätze in der Verwaltung in Kappelrodeck und in der Produktion in Bad Dürkheim. Das berichten unter anderem EUWID Papier und Zellstoff, agrarheute und das Insolvenz-Portal. Wenn du bei Schleipen Paper arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Insolvenzgeld, deinem Arbeitsverhältnis oder dem Verfahren sind der vorläufige Insolvenzverwalter, dein Betriebsrat, die Gewerkschaft IG BCE oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Die Schleipen Paper GmbH hat ein Insolvenzverfahren beantragt, betroffen sind rund 73 Arbeitsplätze in der Verwaltung in Kappelrodeck und in der Produktion in Bad Dürkheim. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde André Berbuer bestellt. Schleipen gehört zur Lenk Paper, die die Papierfabrik zuvor übernommen hatte. Als Grund gilt die Kostenexplosion in der Papierbranche.
Was bei Schleipen Paper gerade passiert
Die Papierindustrie ist energieintensiv wie kaum eine andere, und genau das ist ihr Problem geworden. Hohe Energie- und Rohstoffkosten setzen den Herstellern seit Jahren zu, Schleipen Paper ist der nächste Fall. Das Unternehmen mit Verwaltung in Kappelrodeck und Produktion in Bad Dürkheim hat einen Insolvenzantrag gestellt, rund 73 Menschen arbeiten für den Betrieb. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde André Berbuer bestellt.
Schleipen gehört zur Lenk Paper, die die Fabrik zuvor von einem anderen Papierhersteller übernommen hatte. Für dich als Beschäftigten ist jetzt entscheidend, die eigenen Ansprüche zu kennen und die kommenden Wochen zu nutzen. In einem Insolvenzverfahren wird geprüft, ob und wie der Betrieb fortgeführt oder verkauft werden kann. Halte über deinen Betriebsrat und die IG BCE Kontakt, damit du früh erfährst, wie es weitergeht.
Deine Löhne: das Insolvenzgeld
Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Bei den nötigen Bescheinigungen unterstützt die Verwaltung. Kläre früh, für welchen Zeitraum dein Entgelt gesichert ist, damit keine Lücke entsteht. Wie Insolvenzgeld und Antragsfristen in einem weiteren Verfahren laufen, beschreiben wir auch im Beitrag zur Insolvenz bei Meilenstein in Neuwied.
Nach der Kündigung: Weiterbildung über den Bildungsgutschein
Wer seinen Job verliert oder verlieren wird, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. Das ist eine Möglichkeit unter mehreren, ob sie zu dir passt, hängt von deiner Lage ab. Der Fördercheck zeigt dir in einer Minute, welcher Förderweg für dich in Frage kommt, ohne Anmeldung.
Fördercheck starten Oder erst den Schnupperkurs ansehen
Fördercheck und Schnupperkurs sind kostenlos. Ob eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit können wir nicht garantieren.
Falls die Kündigung kommt
Sobald du von einem Kündigungstermin erfährst, meldest du dich innerhalb von drei Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Diese Drei-Tage-Frist gilt, wenn zwischen der Kenntnis vom Ende und dem Ende selbst weniger als drei Monate liegen. Steht das Enddatum früher fest, ist die Meldung nach Paragraf 38 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende fällig. Die kostenlose Hotline erreichst du unter 0800 4 5555 00. Das Arbeitslosengeld 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind sind es 67 Prozent. In einem Insolvenzverfahren gelten teils verkürzte Kündigungsfristen, deshalb lohnt sich die Prüfung mit der IG BCE oder einem Fachanwalt.
Papier-Know-how und die nächste Stufe
Eine Papierfabrik ist ein durchgetakteter Produktionsbetrieb: Maschinen, Chargen, Qualitätssicherung, Instandhaltung. Wer hier gearbeitet hat, versteht Prozesse und Anlagen, und dieses Verständnis ist die Grundlage, auf der Digitalisierung aufsetzt. Die Papierbranche schrumpft in Deutschland, deshalb kann sich ein Blick über den Tellerrand lohnen.
Der Digitalisierungsmanager macht aus deinem Praxiswissen ein neues Berufsprofil: vier Monate, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse, mit Schwerpunkt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten. Während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung kannst du weiter Arbeitslosengeld beziehen (Paragraf 144 SGB III). Die Weiterbildungszeit verbraucht deinen Anspruch allerdings zur Hälfte: Je zwei Tage mindern die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kosten für die Kinderbetreuung können mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).
Häufige Fragen
Wie viele Beschäftigte sind betroffen?
Nach übereinstimmenden Berichten geht es um rund 73 Arbeitsplätze, verteilt auf die Verwaltung in Kappelrodeck und die Produktion in Bad Dürkheim.
Bekomme ich mein Gehalt weiter?
Rückständiges Nettoentgelt ist bis zu drei Monate über das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III gesichert. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis.
Wird die Fabrik weiter betrieben?
Das entscheidet sich im Insolvenzverfahren. Geprüft wird, ob der Betrieb fortgeführt oder verkauft werden kann. Sichere Auskunft geben der Insolvenzverwalter und dein Betriebsrat.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- EUWID Papier: Lenk-Tochter Schleipen Paper beantragt Insolvenzverfahren
- agrarheute: Papierfabrik pleite wegen Kostenexplosion
- Insolvenz-Portal: Lenk Paper übernimmt die Papierfabrik Schleipen
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