Der Haushaltswaren-Discounter Kodi ist erneut insolvent. Die Kodi Handels GmbH hat beim Amtsgericht Halle (Saale) ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, rund 50 der aktuell 150 Filialen sollen schließen. Betroffen sind etwa 1.200 Beschäftigte. Das berichten unter anderem t-online, die Rhein-Zeitung und leinetal24. Wenn du bei Kodi arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.

Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Insolvenzgeld, deinem Arbeitsverhältnis oder einer Filialschließung sind der Insolvenzverwalter, dein Betriebsrat, die Gewerkschaft ver.di oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Die Kodi Handels GmbH hat beim Amtsgericht Halle (Saale) Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, es ist bereits die zweite Insolvenz nach dem Schutzschirmverfahren von 2024. Rund 50 der aktuell 150 Filialen sollen schließen, etwa 1.200 Menschen arbeiten für das Unternehmen. Die Löhne sind über das Insolvenzgeld für Juli, August und September gesichert. Kodi wurde 1981 gegründet und verkauft Haushaltswaren und Drogerieartikel, der operative Sitz liegt in Oberhausen.

Was bei Kodi gerade passiert

Es ist nicht das erste Mal. Schon 2024 hatte Kodi ein Schutzschirmverfahren durchlaufen und sich von rund 240 auf 150 Filialen verkleinert, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Jetzt folgt der zweite Anlauf, diesmal als Insolvenz in Eigenverwaltung über das Amtsgericht Halle (Saale). Etwa 50 Standorte stehen auf der Streichliste.

Zur Begründung nennt das Unternehmen die bekannte Gemengelage im deutschen Einzelhandel: schwache Konsumstimmung, wachsender Druck durch digitale Wettbewerber, hohe Energiekosten, steigende Personalkosten und teure Mieten. Für dich als Beschäftigten heißt das zunächst, Ruhe zu bewahren und die kommenden Wochen aktiv zu nutzen. In der Eigenverwaltung läuft der Betrieb weiter, und welche Filialen erhalten bleiben, entscheidet sich erst im Verfahren.

Deine Löhne: drei Monate gesichert

Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Für die Kodi-Beschäftigten sind die Gehälter für Juli, August und September auf diesem Weg gedeckt. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, und zwar innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Bei den nötigen Bescheinigungen unterstützt die Verwaltung.

Diese drei Monate sind vor allem ein Zeitfenster. Wer es nutzt, um Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren, Fördermöglichkeiten zu klären und erste Gespräche zu führen, steht am Ende mit Optionen da statt mit Zeitdruck.

Falls die Kündigung kommt

Sobald du von einem Kündigungstermin erfährst, meldest du dich innerhalb von drei Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline erreichst du unter 0800 4 5555 00. Das Arbeitslosengeld 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind sind es 67 Prozent. Ob eine Kündigung sozial gerechtfertigt ist, prüfst du am besten mit deinem Betriebsrat oder einem Fachanwalt, gerade bei Filialschließungen kommt es auf Details wie die Sozialauswahl an.

Vom Verkaufsraum in die Prozessarbeit

Der Einzelhandel steckt seit Jahren im Umbruch, das spürt jeder, der täglich an der Kasse oder im Lager steht. Wer im Handel gearbeitet hat, bringt mehr mit, als auf den ersten Blick sichtbar ist: Warenwirtschaft, Disposition, Kassensysteme, Kundenkommunikation. Das ist Prozessarbeit, und Prozesse digitalisieren gerade in fast jeder Branche.

Genau hier setzt der Digitalisierungsmanager an. Er macht aus diesem Praxiswissen ein neues Berufsprofil: vier Monate, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse, mit Schwerpunkt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten. Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).

Häufige Fragen

Ist meine Filiale von der Schließung betroffen?

Welche der rund 50 Standorte schließen, wird im laufenden Insolvenzverfahren entschieden. Sichere Auskunft geben nur die Geschäftsführung, die Eigenverwaltung und dein Betriebsrat. Verlasse dich nicht auf Gerüchte, sondern frage direkt nach.

Bekomme ich mein Gehalt weiter?

Für Juli, August und September sind die Gehälter über das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III gesichert. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis.

Was passiert mit Kodi insgesamt?

Kodi läuft in der Eigenverwaltung zunächst weiter und versucht, sich mit einem kleineren Filialnetz zu sanieren. Ob und in welcher Form das gelingt, hängt vom Verlauf des Verfahrens ab. Es ist bereits die zweite Insolvenz nach 2024.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.

Quellen

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