Der Lederwarenhersteller Picard hat Mitte Juni 2026 erneut ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Offenbach beantragt. Rund 90 Beschäftigte sind betroffen, der Geschäftsbetrieb läuft während des Verfahrens weiter. Das berichten unter anderem Textilwirtschaft, Schuhkurier und Retail News. Wenn du bei Picard arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Insolvenzgeld, deinem Arbeitsverhältnis oder einem Aufhebungsvertrag ist der Sachwalter, die Mitarbeitervertretung oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Picard aus Obertshausen hat Mitte Juni 2026 ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt, rund 90 Beschäftigte sind betroffen. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, die Verantwortlichen rechnen damit, das Verfahren bis Herbst 2026 abzuschließen. Das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III sichert bis zu drei Monate Nettoentgelt. Wer die Stelle verliert, sichert ALG 1 und kann eine geförderte Weiterbildung nutzen.
Was bei Picard gerade passiert
Picard wurde 1928 in Obertshausen gegründet und stellt seit fast einem Jahrhundert Lederwaren her. Bereits während der Corona-Pandemie durchlief das Unternehmen ein Insolvenzverfahren, das 2021 abgeschlossen wurde. Mitte Juni 2026 haben die Picard Lederwaren GmbH & Co KG und die Picard Leathergoods Retail GmbH & Co KG erneut ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Offenbach beantragt.
Im Unterschied zu einer regulären Insolvenz bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und steuert die Sanierung eigenständig, unterstützt von externen Restrukturierungsexperten und einem gerichtlich bestellten Sachwalter. Als Grund nennt das Unternehmen die allgemeine wirtschaftliche Lage und eine zunehmende Kaufzurückhaltung der Kundschaft. Die rund 90 Beschäftigten in beiden Geschäftsbereichen arbeiten trotz Verfahren weiter, die Verantwortlichen gehen aktuell davon aus, das gerichtlich begleitete Verfahren bis Herbst 2026 abschließen zu können.
Für dich als Beschäftigten heißt das: Solange das Sanierungsverfahren läuft, ist noch nichts final entschieden. Trotzdem lohnt es sich, jetzt schon die eigenen Ansprüche zu kennen, falls sich die Lage doch anders entwickelt als geplant.
Deine Gehälter sind über das Insolvenzgeld gesichert
Für die Zeit rund um das Insolvenzereignis greift das Insolvenzgeld nach § 165 SGB III. Es sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Sachwalter und die Geschäftsführung unterstützen bei den nötigen Bescheinigungen.
Solltest du im Zuge der Sanierung eine Kündigung oder ein Angebot für einen Aufhebungsvertrag erhalten, lass es vor der Unterschrift prüfen. Eine selbst herbeigeführte Beendigung kann eine Sperrzeit beim ALG 1 von bis zu zwölf Wochen auslösen.
Falls es zur Beendigung kommt: ALG 1 absichern
Endet dein Arbeitsverhältnis, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend, sonst droht eine Sperre. Die Agentur für Arbeit erreichst du kostenlos unter 0800 4 5555 00.
ALG 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent, gezahlt bis zu 24 Monate je nach Alter und Einzahldauer.
Die Zeit für eine geförderte Weiterbildung nutzen
Wer im Handel, in der Produktion oder in der Verwaltung eines Lederwarenherstellers gearbeitet hat, bringt organisatorisches und kaufmännisches Verständnis mit, das sich gut auf digitale Rollen übertragen lässt, gerade weil auch im Einzelhandel und Onlinehandel Prozessautomatisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Bedeutung gewinnen. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten einer zugelassenen Weiterbildung.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach § 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (§ 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (§ 87 SGB III).
Der Digitalisierungsmanager ist ein möglicher Weg: vier Monate, komplett online, mit Bildungsgutschein 0 Euro Eigenanteil, mit Fokus auf Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von KI in Geschäftsprozessen. Wer eher in die kaufmännische Führung will, findet im Wirtschaftsfachwirt (IHK) eine Alternative über das Aufstiegs-BAföG.
Häufige Fragen
Wie viele Beschäftigte sind bei Picard betroffen?
Rund 90 Beschäftigte arbeiten in beiden Geschäftsbereichen von Picard. Der Betrieb läuft während des Sanierungsverfahrens weiter.
Wird Picard geschlossen?
Nach den vorliegenden Berichten nicht. Ziel des Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung ist der Erhalt des Unternehmens, die Verantwortlichen rechnen mit einem Abschluss des Verfahrens bis Herbst 2026.
War das schon einmal so bei Picard?
Ja, während der Corona-Pandemie durchlief Picard bereits ein Insolvenzverfahren, das 2021 abgeschlossen wurde. Das aktuelle Verfahren ist die zweite Sanierung seit damals.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- Textilwirtschaft: Picard, erneute Sanierung in Eigenverwaltung
- Schuhkurier: Picard saniert sich über Eigenverwaltung
- Retail News: Picard startet Sanierung in Eigenverwaltung
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