Nestlé schließt sein Werk in Neuss, in dem unter anderem die Marke Thomy hergestellt wird. Rund 145 Beschäftigte sind betroffen, ein großer Teil der Produktion wandert nach Lüdinghausen. Das teilt Nestlé selbst mit, darüber berichten auch die Lebensmittelpraxis und die IHK Nord Westfalen. Wenn du im Werk Neuss arbeitest, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu einem Sozialplan, deinem Arbeitsverhältnis oder einer Kündigung sind dein Betriebsrat, die Gewerkschaft NGG oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Nestlé schließt das Werk Neuss zur Mitte 2026, dort arbeiten rund 145 Menschen und stellen Thomy Öl, Mayonnaise und Senf her. Etwa 90 Prozent der Tubenproduktion werden ins Werk Lüdinghausen verlagert, dort entstehen 30 neue Stellen, die den Neusser Beschäftigten angeboten werden sollen. Für die übrigen sieht der Sozialplan Abfindungen, Vorruhestands- und Rentenlösungen sowie eine Transfergesellschaft vor.
Was bei Nestlé in Neuss passiert
Im Werk Neuss werden seit Jahren Produkte der Marke Thomy hergestellt, Öl, Mayonnaise und Senf in Glas, Flaschen und Tuben. Nestlé begründet die Schließung mit der gestiegenen Preissensibilität der Verbraucher und mit höheren Kosten, die zu sinkenden Mengen und Überkapazitäten am Standort geführt hätten. Rund 90 Prozent der Tubenproduktion verlagert der Konzern ins Werk Lüdinghausen, dort investiert Nestlé rund 13 Millionen Euro in Modernisierung und eine neue Produktionslinie und schafft 30 zusätzliche Arbeitsplätze.
Diese 30 Stellen sollen zuerst den Beschäftigten aus Neuss angeboten werden. Für alle, die nicht wechseln können oder wollen, kommt es auf den Sozialplan an. Der ist bereits ausgehandelt und sieht Abfindungen, Vorruhestandsregelungen und Rentenlösungen vor. Wer keine Altersregelung nutzen kann, soll in eine Transfergesellschaft wechseln.
Sozialplan und Transfergesellschaft
Weil Nestlé zahlungsfähig ist, geht es hier nicht um Insolvenzgeld, sondern um einen verhandelten Sozialplan. Das ist für dich eine deutlich bessere Ausgangslage. Prüfe mit deinem Betriebsrat und der Gewerkschaft NGG genau, welche Option für dich die richtige ist: der Wechsel nach Lüdinghausen, eine Altersregelung oder die Transfergesellschaft. In einer Transfergesellschaft bleibst du befristet angestellt und beziehst Transferkurzarbeitergeld nach Paragraf 111 SGB III, statt direkt arbeitslos zu werden. Diese Zeit ist ideal, um dich weiterzuqualifizieren.
Wenn du dich neu orientierst
Meldest du dich arbeitsuchend, gilt: innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Kündigungstermins bei der Agentur für Arbeit melden, sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline erreichst du unter 0800 4 5555 00. Das Arbeitslosengeld 1 beträgt 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind sind es 67 Prozent. Einen Aufhebungsvertrag prüfst du vorab mit der NGG oder einem Fachanwalt, er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen.
Lebensmittelproduktion als Startpunkt für Digitalisierung
In der Lebensmittelproduktion zählt jeder Handgriff, jede Charge, jede Kontrolle. Wer hier gearbeitet hat, kennt Prozesse, Hygienestandards und Dokumentation aus dem Effeff. Genau dieses Prozessdenken ist die Grundlage, auf der Digitalisierung aufsetzt. Was neu dazukommt, sind Werkzeuge, keine völlig neue Welt.
Der Digitalisierungsmanager macht daraus ein neues Berufsprofil: vier Monate, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse, mit Schwerpunkt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten. Läuft die Weiterbildung über eine Transfergesellschaft, lässt sie sich mit der Transferzeit verbinden. Bist du bereits arbeitslos, läuft dein Arbeitslosengeld 1 während einer abschlussorientierten Weiterbildung nach Paragraf 144 SGB III weiter, dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).
Häufige Fragen
Kann ich nach Lüdinghausen wechseln?
Durch die Verlagerung entstehen in Lüdinghausen 30 neue Arbeitsplätze, die zuerst den Neusser Beschäftigten angeboten werden sollen. Ob ein Wechsel für dich in Frage kommt, hängt von deiner Tätigkeit und deiner persönlichen Situation ab. Sprich früh mit deinem Betriebsrat darüber.
Was steht im Sozialplan?
Der Sozialplan sieht Abfindungen, Vorruhestands- und Rentenlösungen vor. Für Beschäftigte ohne Altersregelung ist eine Transfergesellschaft vorgesehen. Die Details für deinen Fall bekommst du über den Betriebsrat und die NGG.
Warum schließt Nestlé das Werk?
Nestlé nennt gestiegene Preissensibilität der Verbraucher, höhere Kosten, sinkende Mengen und Überkapazitäten am Standort. Der größte Teil der Tubenproduktion wird nach Lüdinghausen verlagert.
Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt die Lehrgangskosten. Der Kurs dauert vier Monate und läuft komplett online.
Quellen
- Nestlé: Werksschließung Neuss und Verlagerung nach Lüdinghausen
- Lebensmittelpraxis: Sozialplan für Nestlé-Werk in Neuss steht
- IHK Nord Westfalen: Nestlé verlagert Tubenproduktion nach Lüdinghausen
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