Der Mubea Stellenabbau in Daaden und Weitefeld ist seit Montag, 21. September 2026, angekündigt: Nach Angaben des Unternehmens braucht der Standort im Landkreis Altenkirchen Ende 2028 nur noch rund 400 statt derzeit rund 600 Beschäftigte. Dieser Leitfaden ordnet ein, was die Mitteilung sagt und was sie offen lässt, welche Fristen für dich gelten und wie sich die lange Zeit bis 2028 nutzen lässt.

Eine arbeitsrechtliche Beratung ersetzt dieser Text nicht. Verbindlich beraten dich der Betriebsrat, die IG Metall als zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.

Was Mubea angekündigt hat

Die Mubea-Gruppe mit Sitz in Attendorn hat ihre Pläne am Montag, 21. September 2026, per Pressemitteilung öffentlich gemacht, LokalPlus und der SauerlandKurier gaben sie am 22. September 2026 in weiten Teilen wörtlich wieder. Der Kernsatz: „Für den Standort Daaden/Weitefeld ergebe sich aufgrund aller erforderlichen Änderungen nach aktueller Planung zum Ende des Jahres 2028 ein Personalbedarf von rund 400 Mitarbeitern. Derzeit sind dort rund 600 Beschäftigte tätig. Der damit verbundene Personalabbau soll schrittweise über mehrere Jahre erfolgen.“

Eine Abbauzahl nennt das Unternehmen selbst nicht. Rechnerisch ergeben sich aus den beiden Planwerten rund 200 Stellen, wie mehrere Zeitungen schreiben. Wie viele Menschen am Ende tatsächlich ihren Arbeitsplatz bei Mubea verlieren, sagt diese Differenz nicht, denn ein Teil soll nach Unternehmensangabe wechseln oder über ein Rentenüberbrückungsprogramm ausscheiden können. Ob Köpfe oder Vollzeitstellen gemeint sind und wie sich die Zahlen auf Daaden und Weitefeld verteilen, sagt keine Quelle.

Zum Standort: Das Werk in Daaden im Westerwald wurde laut LokalPlus 1960 als erstes Zweigwerk von Mubea eröffnet, das Werk im benachbarten Weitefeld ist seit 2001 in Betrieb. Beide werden als ein Standort geführt.

Die Gründe liefert die Mitteilung selbst. Treiber seien „veränderte Kundeneinkaufsentscheidungen, zunehmender internationaler Kostendruck, kostensteigernde europäische Regulierung sowie die Auswirkungen der aktuellen US-Zollpolitik“. Das führe nach Unternehmensangabe zu deutlich reduzierten Produktionsmengen.

Schon im September 2024 hatte Mubea angekündigt, bis Ende 2025 rund 300 Stellen in Deutschland abzubauen, damals war auch Daaden betroffen.

Wie weit der Plan ist

Die Stufe ist eine Ankündigung. Mubea will nach eigenen Angaben „ab sofort mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen über sozialverträgliche Lösungen beraten“, so gibt es der SauerlandKurier wieder. Aus Unternehmenssicht zählen dazu Beschäftigungsmöglichkeiten an anderen Mubea-Standorten, insbesondere an den „wachsenden Luftfahrtstandorten“, sowie Angebote für ein „Austritts- und Rentenüberbrückungsprogramm“. Welche Luftfahrtstandorte gemeint sind, nennt keine Quelle. Weiter heißt es: „Konkrete Umsetzungsschritte werden im Rahmen der Gespräche mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen abgestimmt.“

Einen Sozialplan, eine Transfergesellschaft oder den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen beschreiben die Berichte nicht. Eine eigene Stellungnahme von Betriebsrat oder IG Metall zum Plan von 2026 enthalten die frei lesbaren Berichte ebenfalls nicht.

Parallel kündigt Mubea ein Zukunftskonzept für das Werk Daaden an. In den Jahren 2027 und 2028 will das Unternehmen in den Produktionsbereich für Tellerfedern investieren, die Mitteilung nennt „neue Anlagen, Automatisierung und Digitalisierung sowie den Einsatz KI-unterstützter Geschäftsprozesse“. Für neue Produktbereiche, etwa für die Wasserstoffproduktion, heißt es: „Diese Marktfelder könnten mittelfristig in Daaden etabliert werden.“ Eine Zusage ist das nicht.

Wer dein Gehalt zahlt und welche Regeln gelten

Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft.

Ein Insolvenzverfahren oder ein anderes gerichtliches Verfahren gibt es nicht, deshalb greifen auch keine Sonderregeln für solche Verfahren. Für dein Arbeitsverhältnis gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist. Nach Paragraf 622 BGB beträgt die Grundfrist vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende. Kündigt der Arbeitgeber, verlängert sie sich je nach Betriebszugehörigkeit, von einem Monat zum Monatsende ab zwei Jahren bis zu sieben Monaten ab 20 Jahren. Tarifverträge können abweichen.

Die Mitteilung spricht nur von „Mubea“. Nach Angaben auf der Unternehmensseite gehört das Werk Daaden zur Mubea Tellerfedern GmbH und das Werk Weitefeld zur Muhr und Bender KG, der Dachgesellschaft der Gruppe. Verbindlich für dich sind dein Arbeitsvertrag und deine Gehaltsabrechnung.

Fristen, die du kennen solltest

Arbeitsuchend melden musst du dich nach Paragraf 38 Absatz 1 SGB III spätestens drei Monate vor dem Ende deines Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit. Erfährst du dein Enddatum kürzer vorher, bleiben dir drei Tage ab Kenntnis. Maßgeblich ist dein eigenes Enddatum, individuelle Termine nennt bisher keine Quelle. Die Pflicht gilt auch dann, wenn du gegen eine Kündigung klagst oder der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung in Aussicht stellt. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit von einer Woche (Paragraf 159 Absatz 6 SGB III). Die kostenfreie Servicenummer für Arbeitnehmer lautet 0800 4 5555 00.

Erhältst du eine schriftliche Kündigung, hast du drei Wochen ab Zugang Zeit für eine Kündigungsschutzklage (Paragraf 4 KSchG). Verstreicht die Frist, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.

Besonders genau hinsehen solltest du bei Angeboten zum freiwilligen Ausscheiden. Falls dir im Rahmen des angekündigten Austrittsprogramms ein Aufhebungsvertrag vorgelegt wird, bedenke: Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen (Paragraf 159 Absatz 3 SGB III). Lass ein solches Angebot vor der Unterschrift vom Betriebsrat, von der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag zusätzlich die Agentur für Arbeit. Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent (Paragraf 149 SGB III).

Nach der Kündigung: Weiterbildung über den Bildungsgutschein

Wer seinen Job verliert oder verlieren wird, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung beantragen. Das ist eine Möglichkeit unter mehreren, ob sie zu dir passt, hängt von deiner Lage ab. Der Fördercheck zeigt dir in einer Minute, welcher Förderweg für dich in Frage kommt, ohne Anmeldung.

Fördercheck starten Oder erst den Schnupperkurs ansehen

Fördercheck und Schnupperkurs sind kostenlos. Ob eine Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit können wir nicht garantieren.

Zwei Jahre Vorlauf sind Planungszeit

Der auffälligste Satz der Mitteilung steht im Abschnitt über die Zukunft. Mubea will in Daaden in neue Anlagen, Automatisierung und KI-gestützte Abläufe investieren, und dieselbe Mitteilung sagt, dass der Standort Ende 2028 deutlich weniger Menschen braucht. Beides zusammen beschreibt, was wir in vielen Zuliefererwerken beobachten. Ein Teil der Arbeit wandert in Anlagen und Software, und dort entstehen Aufgaben, die jemand einrichten, betreuen und verbessern muss. Ob du dazu gehören willst, entscheidest du, und über die Pläne von Mubea mit einzelnen Beschäftigten sagt das nichts. Aus unserer Sicht ist der größte Fehler in solchen Lagen, die Frist bis 2028 als Wartezeit zu behandeln. Wer weder an einen Luftfahrtstandort wechseln kann noch für eine Rentenüberbrückung infrage kommt, hat am meisten davon, früh mit der Agentur für Arbeit zu sprechen, bevor ein Aufhebungsvertrag auf dem Tisch liegt.

Für manche ist ein Wechsel innerhalb der Gruppe genau der richtige Weg. Für andere nicht.

Was aus der Federnfertigung mitkommt

Das Werk Daaden fertigt nach Darstellung des Unternehmens Tellerfedern, Getriebe-Tellerfedern, Trennfedern und Feinschneidteile, also Präzisionsbauteile aus Federstahl in hohen Stückzahlen. Was sich daraus übertragen lässt, ist eine Ableitung über typische Profile eines solchen Standorts, keine Aussage über einzelne Beschäftigte:

Für den Schritt zu Geschäftsprozessen bieten wir den Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz an: vier Monate in Vollzeit, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert. Finanzieren lässt er sich über einen Bildungsgutschein nach Paragraf 81 Absatz 4 SGB III, den die Agentur für Arbeit ausstellt. Bei bewilligtem Bildungsgutschein liegt dein Eigenanteil bei 0 Euro, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III kann eine Weiterbildung auch gefördert werden, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn. Neben einer laufenden Vollzeitstelle lässt sich der Kurs nicht belegen. Details stehen im Beitrag zum Bildungsgutschein für Beschäftigte.

Wer bereits Arbeitslosengeld bezieht, kann es während einer mit Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung weiter erhalten (Paragraf 144 SGB III). Je zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung mindern dabei die Anspruchsdauer um einen Tag (Paragraf 148 Absatz 1 Nummer 7 SGB III). Kinderbetreuungskosten können pauschal mit 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden (Paragraf 87 SGB III).

Ob dieser Weg zu dir passt, entscheidest du selbst, er ist eine Möglichkeit unter mehreren. Mehr Einordnung bietet unser Beitrag zum Stellenabbau in der Industrie.

Häufige Fragen

Wer zahlt mein Gehalt, solange der Abbau geplant ist?

Dein Gehalt zahlt weiterhin dein Arbeitgeber, aus dem laufenden Geschäft. Es gelten die normalen arbeitsrechtlichen Regeln mit deiner vertraglichen, tariflichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist.

Wie viele Arbeitsplätze in Daaden und Weitefeld sind betroffen?

Eine Abbauzahl nennt das Unternehmen selbst nicht. Nach seiner Planung hat der Standort Ende 2028 einen Personalbedarf von rund 400 Beschäftigten, derzeit sind es nach Unternehmensangaben rund 600. Wie viele Menschen tatsächlich ausscheiden, ist offen, denn das Unternehmen bietet Wechsel an andere Mubea-Standorte und ein Austritts- und Rentenüberbrückungsprogramm an.

Welche Standorte umfasst der aktuelle Plan?

Die Mitteilung vom 21. September 2026 bezieht sich auf den Standort Daaden/Weitefeld im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz. Attendorn in Nordrhein-Westfalen ist der Sitz der Gruppe, als Ort des aktuellen Abbaus nennen die Berichte es nicht.

Was sollte ich tun, bevor ich ein Angebot zum Ausscheiden annehme?

Lass es vorher vom Betriebsrat, von der IG Metall oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen und frag die Agentur für Arbeit. Wer sein Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst aufgibt, auch per Aufhebungsvertrag, riskiert eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen.

Kann eine Weiterbildung gefördert werden, solange ich noch bei Mubea arbeite?

Nach Paragraf 81 Absatz 1 SGB III ist eine Förderung auch möglich, um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Voraussetzung ist eine Beratung durch die Agentur für Arbeit vor Beginn, sie entscheidet im Einzelfall. Der Digitalisierungsmanager läuft in Vollzeit und lässt sich nicht neben einer Vollzeitstelle belegen.

Quellen

Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?

Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.

Weiterbildung ansehen WhatsApp