Der Chemiestandort Leuna verliert weiter an Substanz. Nach den unten genannten Berichten hat die Leuna-Polyamid GmbH am 17. Juni 2026 beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind rund 436 Beschäftigte, der Betrieb läuft zunächst im vollen Umfang weiter. Das Unternehmen hatte erst zum 1. April 2026 das Vermögen der insolventen DOMO Caproleuna übernommen und fortgeführt. Als Grund nennt es drastisch gestiegene Rohstoffpreise, wichtige Vorprodukte verteuerten sich binnen kurzer Zeit um 40 bis 100 Prozent. Wenn du bei Leuna-Polyamid arbeitest, hilft dir dieser Leitfaden weiter.
Vorab, damit das klar ist: Dieser Artikel ist keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Sozialplan, Kündigung oder Abfindung sind der Betriebsrat, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren. Die Förderwege dagegen sind klar geregelt.
Auf einen Blick: Bleibt Lohn aus, sichert das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III bis zu drei Monatsentgelte, Antrag binnen zwei Monaten. Sobald du gekündigt wirst, meldest du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend (0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent.
Was bei Leuna-Polyamid gerade passiert
Das Verfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung das Unternehmen weiter selbst steuert und parallel einen Investor für die Produktionsanlagen sucht. Anteilseigner sind die Leuna-Harze GmbH und die Infraleuna GmbH. Der Betrieb am Standort Leuna geht erst einmal weiter, die Kundenversorgung bleibt aufrecht.
Die Ursache liegt im Markt. Wichtige Vorprodukte für die Polyamid-Herstellung sind durch geopolitische Spannungen stark teurer geworden, in einer Größenordnung, die ein Unternehmen mit knappen Margen schnell in Schieflage bringt. Für dich heißt das praktisch: Die Lage ist offen, ein Investor kann den Standort retten, sicher ist das aber nicht. Wer früh die eigenen Ansprüche klärt, steht in jedem Fall besser da.
Eine ehrliche Einordnung: Die Chemieregion rund um Leuna steht unter Druck, gleichzeitig sind Fachkräfte aus der Prozessindustrie gefragt. Wer seine Erfahrung aus Produktion, Anlagenfahren oder Technik um digitale Kompetenzen ergänzt, hat einen breiteren Arbeitsmarkt vor sich.
Schritt 1: Insolvenzgeld und ALG 1 sichern
Zwei Dinge sind jetzt wichtig. Erstens das Insolvenzgeld: Bleiben Löhne aus, sichert das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III rückwirkend bis zu drei Monatsentgelte. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, in der Regel innerhalb von zwei Monaten. Der Sachwalter und der Betriebsrat informieren dazu meist von sich aus.
Zweitens das Arbeitslosengeld: Sobald du gekündigt wirst oder von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Das ALG 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent.
Einen Aufhebungsvertrag solltest du vor der Unterschrift prüfen lassen. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Eine Abfindung kürzt das ALG 1 in der Regel nicht, kann aber den Beginn verschieben.
Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen
Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich 160 Euro pro Kind und Monat für die Kinderbetreuung.
Schritt 3: Welche Weiterbildung für Ex-Leuna-Beschäftigte passt
Du kommst aus der Produktion, der Anlagenfahrweise, dem Labor, der Instandhaltung oder der Verwaltung. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also die Themen, die quer durch alle Branchen gefragt sind.
Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle einzubinden. Wer aus der Prozessindustrie kommt, denkt ohnehin in Abläufen und Steuerungen.
Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Falls dein Hintergrund eher kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ein Weg sein, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.
Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen
Bewerbungen aus der Industrie zählen oft nur Stationen und Anlagen auf. Was zählt, ist das Ergebnis: Hast du einen Prozess sicherer, eine Anlage zuverlässiger oder eine Produktion günstiger gemacht?
In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, die Breite deiner Erfahrung und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" zeigt, dass du dich aktiv neu aufstellst. In Mitteldeutschland suchen Arbeitgeber erfahrene Leute mit Technik- und Prozesshintergrund.
Schritt 5: Wo du dich konkret meldest
Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat von Leuna-Polyamid und die IGBCE die erste Anlaufstelle. Sie begleiten das Insolvenzverfahren und verhandeln einen möglichen Sozialplan.
Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sprich Insolvenzgeld und Bildungsgutschein an.
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Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest
Mit dem Betriebsrat klären, wie das Insolvenzgeld beantragt wird. Bei einer Kündigung innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden. Einen eventuellen Aufhebungsvertrag prüfen lassen. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Eine passende Weiterbildung aussuchen.
Häufige Fragen
Mein Betrieb läuft doch weiter, muss ich überhaupt etwas tun?
In der Eigenverwaltung läuft der Betrieb zunächst weiter, das ist beruhigend, aber keine Garantie. Ob ein Investor den Standort übernimmt, ist offen. Es schadet nicht, die eigenen Ansprüche und Optionen früh zu kennen, damit du im Fall der Fälle keine Fristen verpasst.
Was ist Insolvenzgeld und wie bekomme ich es?
Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III ersetzt ausgefallenen Lohn für bis zu drei Monate vor der Insolvenzeröffnung. Du beantragst es bei der Agentur für Arbeit, in der Regel innerhalb von zwei Monaten. Betriebsrat und Sachwalter helfen beim Ablauf.
Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?
Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.
Lohnt sich eine digitale Weiterbildung mit meinem Chemie-Hintergrund?
Ja. Wer aus der Prozessindustrie kommt, bringt Verständnis für Abläufe, Steuerung und Qualität mit. Diese Denkweise ist in der Prozessautomatisierung viel wert. Du baust auf dem auf, was du kannst, statt von vorne anzufangen.
Quellen
Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):
- CHEManager: Leuna-Polyamid beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung
- K-Zeitung: Polyamid Leuna meldet nach Rettung erneut Insolvenz an
- Du bist Halle: Nach DOMO-Pleite hat auch Leuna Polyamid Insolvenz angemeldet
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