Der Landmaschinen-Hersteller Claas schickte rund 1.000 Beschäftigte in der Produktion von Mähdreschern, Feldhäckslern und Großtraktoren im Stammwerk Harsewinkel in Kurzarbeit. Auch andere Hersteller wie AGCO/Fendt, Krone und Lemken mussten ihre Mitarbeiter zeitweise in Kurzarbeit schicken. Wenn du in der Landmaschinen-Industrie arbeitest und die Landtechnik Krise 2026 dich betrifft, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte, ohne Panik zu machen.

Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zur Kurzarbeit oder einem Aufhebungsvertrag sind dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse, im seltenen Insolvenzfall zusätzlich der Insolvenzverwalter. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege für Weiterbildung und Neuorientierung stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Die deutsche Landtechnik-Branche steckt in einer Absatzkrise, es geht überwiegend um Kurzarbeit, nicht um eine akute Insolvenzwelle. Claas schickte rund 1.000 Beschäftigte im Stammwerk Harsewinkel in Kurzarbeit, auch AGCO/Fendt, Krone und Lemken nutzten zeitweise Kurzarbeit. Der Branchenverband VDMA rechnete für 2024 mit einem realen Produktionsminus von 8 Prozent und für 2025 von 2 Prozent, erstmals seit vielen Jahren droht laut VDMA wieder ein, wenn auch leichter, Stellenabbau. Ursachen sind das gestiegene Zinsniveau, gesunkene Erzeugerpreise und rückläufige Aufträge.

Was in der Landtechnik gerade los ist

Die Auftragsbücher der Landmaschinenhersteller haben sich spürbar geleert. Landwirte kaufen deutlich weniger Maschinen als noch 2023, das hat mehrere Gründe.

Das Zinsniveau ist gestiegen, was Investitionen in teure Maschinen bremst. Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise gesunken, sodass viele Höfe vorsichtiger planen. Der Branchenverband VDMA rechnete für 2024 mit einem realen Produktionsminus von 8 Prozent und für 2025 von 2 Prozent, und erstmals seit vielen Jahren droht laut VDMA wieder ein, wenn auch leichter, Stellenabbau.

Wichtig ist die Einordnung.

Was du gerade siehst, ist überwiegend Kurzarbeit, keine Insolvenzwelle. Claas hat rund 1.000 Beschäftigte in der Produktion von Mähdreschern, Feldhäckslern und Großtraktoren in Harsewinkel in Kurzarbeit geschickt, auch AGCO/Fendt, Krone und Lemken mussten zeitweise auf dieses Mittel zurückgreifen. Das ist ernst, aber es ist ein anderer Zustand als eine Kündigung. Die Landtechnik ist eng mit dem allgemeinen Maschinenbau verwandt, der unter ähnlichem Druck steht, wie unser Beitrag zur Maschinenbau-Krise und Stellenabbau 2026 zeigt.

Was Kurzarbeit für dich bedeutet

Kurzarbeit heißt, dass dein Arbeitsverhältnis weiterläuft. Du bist nicht gekündigt, deine Stelle besteht fort, nur die Arbeitszeit wird vorübergehend reduziert.

Für das ausgefallene Entgelt springt das Kurzarbeitergeld ein und ersetzt einen Teil des Verdienstausfalls. Der Betrieb nutzt dieses Instrument in der Regel, um eine schwache Phase zu überbrücken und die Stammbelegschaft zu halten, statt Fachkräfte zu verlieren, die er nach der Krise wieder braucht. Das ist auch der Grund, warum viele Landmaschinenhersteller lieber Kurzarbeit fahren als Personal abzubauen, denn gut ausgebildete Mechatroniker und Facharbeiter sind schwer zu ersetzen.

Ruhig bleiben lohnt sich hier.

Du musst in der Kurzarbeit nicht kündigen, und du solltest dich zu nichts drängen lassen. Nutze die Zeit, um dich zu informieren und dich für verschiedene Szenarien vorzubereiten. Frag deinen Betriebsrat, wie lange die Kurzarbeit geplant ist und wie die Auftragslage einzuschätzen ist.

Wenn aus Kurzarbeit doch eine Kündigung wird

Sollte sich die Lage verschlechtern und es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, gelten die üblichen Regeln. Du meldest dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline ist die 0800 4 5555 00.

Das Arbeitslosengeld 1 beträgt dann rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Sollte ein Arbeitgeber tatsächlich insolvent werden, was in der Landtechnik derzeit nicht das beherrschende Thema ist, greift zusätzlich das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III für bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt. Einen Aufhebungsvertrag solltest du nie ungeprüft unterschreiben, denn er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, lass ihn vorher von Betriebsrat, Gewerkschaft oder Fachanwalt prüfen.

Die ruhigere Zeit für Weiterbildung nutzen

In Kurzarbeit oder in einer Phase mit weniger Aufträgen entsteht Freiraum, den du sinnvoll nutzen kannst. Wer in der Landtechnik arbeitet, versteht komplexe Maschinen, Hydraulik, Elektronik und Montageprozesse. Dieses technische Wissen ist eine gute Grundlage, um digitale Fähigkeiten daraufzusetzen.

Aus der Praxis wissen wir: Die wenigsten nutzen eine Kurzarbeitsphase aktiv, die meisten warten sie einfach ab. Wer die Zeit dagegen für den Aufbau digitaler Fähigkeiten nutzt, steht hinterher besser da, egal ob die Kurzarbeit endet oder in einen Abbau übergeht. Verschenkte Monate holt man später nur schwer wieder auf.

In der Produktion und Verwaltung vieler Industriebetriebe verändern sich gerade die Abläufe. Wartungsplanung, Materialdisposition, Qualitätsdokumentation und Auftragsabwicklung laufen zunehmend über automatisierte Prozesse und KI-gestützte Systeme. Wer die Maschinen aus der Praxis kennt und diese Werkzeuge beherrscht, wird an einer wichtigen Schnittstelle gebraucht, im eigenen Betrieb oder anderswo.

Der Digitalisierungsmanager setzt hier an. Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Falls aus der Kurzarbeit doch eine Arbeitslosigkeit wird und du eine abschlussorientierte Weiterbildung beginnst, läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Bei Kindern wird die Betreuung mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).

Weiterbildung ist eine Option, kein Muss

Solange deine Stelle besteht, musst du nichts überstürzen. Kurzarbeit endet oft wieder, sobald die Aufträge zurückkommen, und viele Betriebe halten bewusst an ihren Facharbeitern fest. Eine Weiterbildung ist dann eine Möglichkeit für alle, die sich ohnehin verändern wollen, kein Zwang für alle anderen.

Falls du diesen Weg prüfen willst, führt er über deinen Vermittler bei der Agentur für Arbeit. Einen automatischen Anspruch auf einen Bildungsgutschein gibt es nicht, es ist eine Ermessensentscheidung. Es hilft, im Gespräch klar zu benennen, warum die Weiterbildung zu deinem Ziel passt.

Nimm dir Zeit.

Sprich mit deinem Betriebsrat, mit der Agentur und mit Menschen aus dem Feld, das dich interessiert. Der Digitalisierungsmanager ist eine Möglichkeit unter mehreren.

Häufige Fragen

Ist die Landtechnik-Branche insolvent?

Überwiegend nein. Das beherrschende Thema ist derzeit Kurzarbeit, nicht eine Insolvenzwelle. Hersteller wie Claas, AGCO/Fendt, Krone und Lemken nutzen Kurzarbeit, um eine Absatzschwäche zu überbrücken. Das ist ernst, unterscheidet sich aber deutlich von einer Kündigung oder einer Insolvenz.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzarbeit und Kündigung?

Bei Kurzarbeit läuft dein Arbeitsverhältnis weiter, nur die Arbeitszeit wird vorübergehend reduziert, und das Kurzarbeitergeld ersetzt einen Teil des ausgefallenen Entgelts. Eine Kündigung beendet dein Arbeitsverhältnis. Kurzarbeit ist also noch keine Kündigung, sondern ein Mittel, um Beschäftigte zu halten.

Muss ich wegen Kurzarbeit eine Weiterbildung machen?

Nein. Solange deine Stelle besteht, musst du nichts überstürzen. Eine Weiterbildung ist eine Option für alle, die sich ohnehin neu orientieren wollen oder deren Situation sich verschlechtert. Die ruhigere Zeit lässt sich dafür nutzen, ein Zwang ist es nicht.

Was kostet mich der Digitalisierungsmanager?

Bei bewilligtem Bildungsgutschein nichts. Die Agentur für Arbeit übernimmt dann die kompletten Lehrgangskosten nach Paragraf 81 SGB III. Die Weiterbildung dauert vier Monate, läuft komplett online und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, prüft die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Quellen

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