Der Polstermöbelhersteller Himolla aus Taufkirchen an der Vils in Bayern ist in ein Schutzschirmverfahren gegangen. Nach den unten genannten Berichten sind rund 850 Beschäftigte betroffen, ihre Löhne sind für Juni, Juli und August 2026 über das Insolvenzgeld gesichert. Das Schutzschirmverfahren ist eine Form der Insolvenz in Eigenverwaltung, mit der sich das Unternehmen unter Gerichtsaufsicht sanieren will, ohne den Betrieb sofort einzustellen. Himolla zählt zu den größten Möbelherstellern Deutschlands. Wenn du dort arbeitest, hilft dir dieser Leitfaden weiter.

Vorab, damit das klar ist: Ein Schutzschirmverfahren bedeutet nicht, dass dein Job sofort weg ist. Der Betrieb läuft weiter, dein Lohn ist über das Insolvenzgeld gesichert. Dieser Artikel ist keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Sozialplan, Kündigung oder Abfindung sind der Betriebsrat, die IG Metall und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.

Auf einen Blick: Dein Lohn ist über das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III für bis zu drei Monate gesichert, der Antrag läuft in der Regel über den Betrieb und die Agentur. Sollte dein Arbeitsverhältnis enden, meldest du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend (0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent.

Was bei Himolla gerade passiert

Mit dem Schutzschirmverfahren will sich Himolla unter Gerichtsaufsicht in Eigenverwaltung neu aufstellen. Die gesamte Möbelbranche steht unter Druck, mehrere bekannte Hersteller mussten zuletzt Insolvenz anmelden. Für die rund 850 Beschäftigten ist das Einkommen für die Übergangsmonate gesichert, der Ausgang des Verfahrens ist aber offen.

Für dich heißt das praktisch: Solange dein Einkommen abgesichert ist, kannst du die Zeit nutzen, um dich abzusichern und bei Bedarf zu qualifizieren, statt nur auf den Ausgang des Verfahrens zu warten.

Eine ehrliche Einordnung: Erfahrung aus Polsterei, Näherei, Schreinerei und Produktion ist solides Handwerk. Die Möbelbranche ist aber konjunkturanfällig. Wer das handwerkliche und prozessuale Wissen um digitale Kompetenzen ergänzt, öffnet sich Branchen mit stabilerer Nachfrage.

Schritt 1: Insolvenzgeld und ALG 1 sichern

Zwei Dinge sind jetzt wichtig. Erstens das Insolvenzgeld: Es sichert nach Paragraf 165 SGB III bis zu drei Monatsentgelte. Im Schutzschirmverfahren wird das Insolvenzgeld in der Regel über den Betrieb und die Agentur für Arbeit organisiert. Der Sachwalter und der Betriebsrat informieren dazu meist von sich aus.

Zweitens das Arbeitslosengeld: Sollte dein Arbeitsverhältnis im Verlauf des Verfahrens enden, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Das ALG 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent.

Einen Aufhebungsvertrag solltest du vor der Unterschrift prüfen lassen. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen.

Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen

Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, du kannst ihn also schon im laufenden Verfahren ansprechen.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich 160 Euro pro Kind und Monat für die Kinderbetreuung.

Schritt 3: Welche Weiterbildung für Himolla-Beschäftigte passt

Du kommst aus Polsterei, Näherei, Schreinerei, Montage, Logistik oder Verwaltung. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also Themen, die in vielen Branchen gefragt sind.

Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle einzubinden. Wer aus der Fertigung kommt, denkt ohnehin in Prozessen.

Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Falls dein Hintergrund eher kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ein Weg sein, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.

Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen

Bewerbungen aus der Möbelproduktion zählen oft nur Stationen auf. Was zählt, ist das Ergebnis: Hast du eine Fertigung zuverlässiger gemacht, Material effizienter eingesetzt oder eine Schicht koordiniert?

In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, die Breite deiner Erfahrung und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" zeigt, dass du dich aktiv neu aufstellst. In Niederbayern und im Großraum München suchen Arbeitgeber erfahrene Produktionsleute.

Schritt 5: Wo du dich konkret meldest

Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat von Himolla und die IG Metall die erste Anlaufstelle. Sie begleiten das Schutzschirmverfahren und verhandeln einen möglichen Sozialplan.

Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sprich Insolvenzgeld und Bildungsgutschein an.

Wenn du erst einmal unverbindlich ausprobieren willst, ob eine KI-Weiterbildung zu dir passt, schau dir unseren kostenlosen Schnupperkurs an. Fünf Lektionen, eine Live-Demo pro Woche, keine Verpflichtung.

Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest

Mit dem Betriebsrat klären, wie das Insolvenzgeld läuft. Bei einer Beendigung deines Vertrags innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden. Einen eventuellen Aufhebungsvertrag prüfen lassen. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Eine passende Weiterbildung aussuchen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Schutzschirmverfahren für meinen Job?

Ein Schutzschirmverfahren ist eine Form der Insolvenz in Eigenverwaltung, mit der sich das Unternehmen sanieren will. Der Betrieb läuft weiter, und dein Lohn ist über das Insolvenzgeld für bis zu drei Monate gesichert. Ob und wo Stellen wegfallen, entscheidet sich erst im Verlauf.

Was ist Insolvenzgeld und wie bekomme ich es?

Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III ersetzt ausgefallenen Lohn für bis zu drei Monate. Im Schutzschirmverfahren wird es in der Regel über den Betrieb und die Agentur für Arbeit organisiert. Betriebsrat und Sachwalter informieren über den Ablauf.

Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?

Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.

Lohnt sich eine Weiterbildung, obwohl die Sanierung noch läuft?

Eine Qualifikation gibt dir Sicherheit für beide Fälle. Gelingt die Sanierung, bringst du mehr Kompetenz mit. Fällt deine Stelle weg, hast du bereits einen neuen Weg eingeschlagen.

Quellen

Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):

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