Die Baumarktkette Hellweg und die BayWa Bau- und Gartenmärkte sind insolvent. Nach den unten genannten Berichten haben beide Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, das Amtsgericht Essen hat den Antrag zugelassen. Betroffen sind rund 4.000 Beschäftigte, etwa 2.900 bei Hellweg an rund 68 Märkten vor allem im Ruhrgebiet sowie in Berlin und Brandenburg und etwa 1.300 in den 46 BayWa-Märkten in Bayern und Baden-Württemberg. Branchenexperten rechnen mit weiteren Marktschließungen und einer Straffung des Filialnetzes im Herbst. Wenn du dort arbeitest, hilft dir dieser Leitfaden weiter.
Vorab, damit das klar ist: Eine Insolvenz bedeutet nicht automatisch, dass dein Job sofort weg ist. Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter, dein Lohn ist für eine Übergangszeit über das Insolvenzgeld gesichert. Dieser Artikel ist keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Sozialplan, Kündigung oder Abfindung sind der Betriebsrat, die Gewerkschaft ver.di und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren.
Auf einen Blick: Dein Lohn ist über das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III für bis zu drei Monate gesichert, der Antrag muss innerhalb von zwei Monaten nach Insolvenzeröffnung gestellt werden. Sobald eine Kündigung kommt, meldest du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend (0800 4 5555 00). ALG 1 ersetzt rund 60 Prozent deines letzten Nettos, mit Kind 67 Prozent. Über den Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III zahlt die Agentur eine Weiterbildung wie den Digitalisierungsmanager zu 100 Prozent.
Was bei Hellweg und BayWa gerade passiert
Als Gründe nennen die Unternehmen gestiegene Einkaufspreise, anhaltende Kaufzurückhaltung, hohe Mieten und den schwächelnden Wohnungsbau, der die Nachfrage nach Heimwerkerprodukten dämpft. Die Eigenverwaltung soll dem Management erlauben, die Sanierung unter Gerichtsaufsicht selbst zu steuern. Entscheidungen über einzelne Standorte werden erst im Herbst erwartet.
Für dich heißt das praktisch: Du hast jetzt eine Phase, in der dein Einkommen abgesichert ist. Diese Zeit lässt sich nutzen, um sich abzusichern und zu qualifizieren, statt nur auf die Entscheidung über deinen Markt zu warten.
Eine ehrliche Einordnung: Wer im Einzelhandel arbeitet, bringt Kundenkontakt, Organisationstalent und Warenkenntnis mit. Mit einer digitalen Zusatzqualifikation lässt sich das in Richtung Verwaltung, Vertrieb oder Prozessmanagement ausbauen, also in Felder, die weniger konjunkturanfällig sind.
Schritt 1: Insolvenzgeld und ALG 1 sichern
Zwei Dinge sind jetzt wichtig. Erstens das Insolvenzgeld: Bleiben Löhne aus, sichert das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III rückwirkend bis zu drei Monatsentgelte ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, in der Regel innerhalb von zwei Monaten nach Insolvenzeröffnung. Der Sachverwalter und der Betriebsrat informieren dazu meist von sich aus.
Zweitens das Arbeitslosengeld: Sobald du eine Kündigung erhältst oder von der Beendigung deines Arbeitsverhältnisses weißt, musst du dich innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden, telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder online. Das ALG 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent.
Unterschreibe einen Aufhebungsvertrag nicht ohne Prüfung. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass ihn vom Betriebsrat oder einem Fachanwalt prüfen.
Schritt 2: Den Bildungsgutschein verstehen
Der Bildungsgutschein ist das Instrument, mit dem die Agentur für Arbeit Weiterbildungen finanziert. Rechtsgrundlage ist Paragraf 81 SGB III. Verbessert die Weiterbildung deine Chancen am Arbeitsmarkt, übernimmt die Agentur die Lehrgangskosten zu 100 Prozent. Der Anspruch gilt auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, du kannst ihn also schon im laufenden Insolvenzverfahren ansprechen.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein ALG 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Mit Kindern gibt es nach Paragraf 87 SGB III zusätzlich 160 Euro pro Kind und Monat für die Kinderbetreuung.
Schritt 3: Welche Weiterbildung für Ex-Baumarkt-Beschäftigte passt
Du kommst aus Verkauf, Lager, Warenwirtschaft oder Marktleitung. Statt bei null anzufangen, erweiterst du dein Wissen um Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz, also Themen, die in vielen Branchen gefragt sind.
Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz dauert vier Monate, läuft komplett online, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist mit Bildungsgutschein für dich kostenlos. Du lernst, Geschäftsprozesse zu analysieren, mit Werkzeugen wie n8n zu automatisieren und Sprachmodelle einzubinden. Programmierkenntnisse brauchst du nicht.
Im Bereich Digitalisierung und KI sind bundesweit weit über 100.000 Stellen offen, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 60.000 Euro. Falls dein Hintergrund eher kaufmännisch ist, kann auch der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ein Weg sein, der über das Aufstiegs-BAföG läuft, nicht über den Bildungsgutschein.
Schritt 4: Bewerbung neu aufstellen
Bewerbungen aus dem Handel zählen oft nur Stationen auf. Was zählt, ist das Ergebnis: Hast du einen Umsatz gesteigert, ein Team geführt oder eine Inventur verschlankt?
In deine Unterlagen gehören messbare Ergebnisse, deine Erfahrung im Kundenkontakt und deine laufende Weiterbildung. Ein Satz wie "aktuell in Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt KI-Automatisierung" zeigt, dass du dich aktiv neu aufstellst.
Schritt 5: Wo du dich konkret meldest
Für die rechtliche Seite sind der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di die erste Anlaufstelle. Sie begleiten das Verfahren und verhandeln einen möglichen Sozialplan.
Für die Förderung gehst du zur Agentur für Arbeit, persönlich oder über die Hotline 0800 4 5555 00. Sprich Insolvenzgeld und Bildungsgutschein an.
Wenn du erst einmal unverbindlich ausprobieren willst, ob eine KI-Weiterbildung zu dir passt, schau dir unseren kostenlosen Schnupperkurs an. Fünf Lektionen, eine Live-Demo pro Woche, keine Verpflichtung.
Was du in den ersten 14 Tagen erledigen solltest
Mit dem Betriebsrat klären, wie das Insolvenzgeld beantragt wird. Bei einer Kündigung innerhalb von drei Tagen arbeitsuchend melden. Einen eventuellen Aufhebungsvertrag prüfen lassen. Termin bei der Agentur für Arbeit machen und Bildungsgutschein ansprechen. Eine passende Weiterbildung aussuchen.
Häufige Fragen
Ist mein Job sofort weg, weil das Unternehmen insolvent ist?
Nein. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung läuft der Geschäftsbetrieb zunächst weiter, und dein Lohn ist über das Insolvenzgeld für bis zu drei Monate gesichert. Welche Märkte tatsächlich schließen, wird erst im Verlauf des Verfahrens entschieden.
Was ist Insolvenzgeld und wie bekomme ich es?
Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III ersetzt ausgefallenen Lohn für bis zu drei Monate vor der Insolvenzeröffnung. Du beantragst es bei der Agentur für Arbeit, in der Regel innerhalb von zwei Monaten. Betriebsrat und Sachverwalter helfen beim Ablauf.
Verliere ich mein ALG 1, wenn ich eine Weiterbildung mache?
Nein. Während einer von der Agentur geförderten, abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter.
Kann ich den Bildungsgutschein schon vor einer Kündigung beantragen?
Ja. Der Anspruch nach Paragraf 81 SGB III gilt auch für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Im laufenden Insolvenzverfahren kannst du ihn also bereits ansprechen.
Quellen
Die genannten Zahlen stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: Juni 2026):
- WirtschaftsWoche: 4300 Mitarbeiter betroffen, BayWa und Hellweg Baumärkte melden Insolvenz an
- t-online: Hellweg-Insolvenz zieht weitere Baumarkt-Kette mit in die Pleite
- agrarheute: Hellweg und BayWa Bau und Garten pleite, 4.000 Beschäftigte betroffen
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