Die Fliesen-Zentrum Deutschland Insolvenz 2026 trifft rund 400 Beschäftigte an zwölf Standorten, keine dreizehn Monate nach dem Insolvenzplan, der die Sanierung eigentlich abschließen sollte. Dieser Leitfaden ordnet die beiden Verfahren sauber auseinander, sagt welches Geld bis wann gesichert ist und welche Wege danach offenstehen.
Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zu einem Sozialplan oder einem Aufhebungsvertrag sind dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren. Die Förderwege für Weiterbildung und Neuorientierung stehen dir aber offen.
Erst kostenlos reinschnuppern, dann entscheiden
Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, sieh dir kostenlos an, wie sie läuft, fünf Lektionen plus Live-Demo, ohne Verpflichtung. Passt es, ist der Digitalisierungsmanager bei bewilligtem Bildungsgutschein für dich kostenlos.
Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Zwei Verfahren, zwei Jahre, ein Unternehmen
Wer über dieses Unternehmen liest, stolpert schnell über zwei Insolvenzen und bringt sie durcheinander. Deshalb zuerst die Trennung.
Das erste Verfahren begann im November 2024 mit einem Insolvenzantrag. Es endete mit einem Insolvenzplan, dem die Gläubiger am 22. Juli 2025 vor dem Amtsgericht Wittlich zustimmten. Ein Insolvenzplan ist der Sanierungsweg innerhalb des Verfahrens: Die Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen, das Unternehmen bleibt bestehen und arbeitet weiter. Damals galt die Fortführung als gesichert.
Das zweite Verfahren ist das aktuelle. Am 31. Juli 2026 ordnete dasselbe Gericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren an, Aktenzeichen 7a IN 85/26.
Diese Unterscheidung ist mehr als eine Fußnote für Chronisten. Sie entscheidet darüber, welche Ansprüche wann entstanden sind, und sie erklärt, warum Beschäftigte, die 2024 und 2025 schon einmal durch ein Verfahren gegangen sind, jetzt zum zweiten Mal Insolvenzgeld beantragen. Ansprüche aus dem ersten Verfahren sind mit dem Insolvenzplan geregelt worden. Was jetzt läuft, ist ein neuer Vorgang mit eigenen Fristen.
Die Kanzlei ist dieselbe geblieben. Ingo Grünewald von Professor Schmidt, Grünewald und Partner hat schon das erste Verfahren begleitet und ist nun als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Das ist kein Zufall und auch kein schlechtes Zeichen, es spricht eher dafür, dass jemand den Betrieb bereits kennt.
Das Unternehmen und die Zahlen
Die Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH sitzt in Föhren im Landkreis Trier-Saarburg. Das Familienunternehmen geht auf das Jahr 1890 zurück und handelt mit Fliesen, Baustoffen, Natursteinen und Bodenbelägen, im Großhandel wie im Einzelhandel.
Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen rund 400 Menschen. Zum Standortnetz gehören ein Hauptlager im Industriepark Region Trier und elf weitere Niederlassungen, insgesamt also zwölf Standorte in Deutschland.
Eine Aufschlüsselung, wie sich die 400 Beschäftigten auf diese Standorte verteilen, hat bisher niemand veröffentlicht. Wer eine Zahl für einen einzelnen Standort liest, sollte fragen, woher sie kommt.
Zum wirtschaftlichen Hintergrund berichten Fachmedien von einem Einbruch, der die gesamte Branche trifft: Der Fliesenhandel verzeichnete demnach ab 2023 Umsatzrückgänge von rund 30 Prozent, 2024 kamen weitere rund 10 Prozent dazu. Diese Zahlen beschreiben den Markt, nicht das einzelne Unternehmen. Der Zusammenhang mit der Baukrise liegt trotzdem auf der Hand: Wer keine Wohnungen baut und keine Bäder saniert, kauft keine Fliesen.
Was bis Ende Oktober gesichert ist
Für die Beschäftigten ist die wichtigste Nachricht dieser Wochen eine Finanzierungszusage. Die Lohn- und Gehaltsansprüche für August, September und Oktober 2026 sind über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung abgesichert, die die Bundesagentur für Arbeit genehmigt hat.
Vorfinanzierung bedeutet: Eine Bank streckt das Geld vor, damit die Gehälter pünktlich auf dem Konto sind, und holt es sich später von der Agentur für Arbeit zurück. Für dich als Beschäftigten ändert sich am Zahltag nichts. Rechtlich handelt es sich um Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III, das bis zu drei Monate Nettoentgelt vor der Eröffnung des Verfahrens abdeckt.
Drei Punkte dazu, die in der Praxis immer wieder untergehen.
Erstens deckt das Insolvenzgeld drei Monate ab, nicht mehr. Nach dem Oktober müssen die Gehälter wieder aus dem laufenden Geschäft kommen oder von einem Investor. Deshalb ist der Zeitplan der Investorensuche für dich keine abstrakte Managementfrage.
Zweitens beträgt die Antragsfrist zwei Monate nach der Eröffnung des Verfahrens. Üblicherweise organisiert die Verwaltung das gebündelt für alle Beschäftigten. Ein versäumter Antrag lässt sich aber später nicht heilen. Frag nach und lass dir bestätigen, dass dein Antrag gestellt ist.
Drittens ist Insolvenzgeld Nettoentgelt. Wer regelmäßig Zuschläge, Provisionen oder Überstunden abrechnet, sollte prüfen, was genau in die Berechnung eingeflossen ist.
Wenn es doch zur Kündigung kommt
Der Betrieb läuft weiter, der Abverkauf soll wieder anlaufen, ein Investorenprozess ist eingeleitet. Das sind die Nachrichten, und sie sind besser als das Gegenteil. Trotzdem gilt: Ein vorläufiges Verfahren ist ein offener Ausgang, kein Ergebnis.
Kommt eine Kündigung, hast du drei Wochen Zeit für eine Kündigungsschutzklage, auch im Insolvenzverfahren. Die Frist läuft ab Zugang des Schreibens und ist hart, danach gilt die Kündigung als wirksam.
Steht ein Enddatum fest, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend. Die kostenfreie Hotline der Agentur für Arbeit ist 0800 4 5555 00. Versäumst du die Frist, droht eine Sperrzeit.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt danach rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.
Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, auch dann, wenn eine Abfindung dabei ist. Das überrascht regelmäßig Leute, die geglaubt haben, mit der Unterschrift alles geregelt zu haben. Lass so ein Papier prüfen, bevor du es unterschreibst, nicht danach.
Im Handel ist ver.di die zuständige Gewerkschaft. Für Mitglieder ist der Rechtsschutz eingeschlossen. Gibt es einen Betriebsrat, ist er bei Kündigungen anzuhören und bei einem Sozialplan der Verhandlungspartner.
Was Handel mit Baustoffen an Erfahrung hinterlässt
Im Fliesen- und Baustoffhandel arbeiten Leute mit einer Mischung, die in ihrem Wert oft unterschätzt wird: Beratung erklärungsbedürftiger Produkte, Kalkulation und Angebotserstellung, Disposition und Wareneingang, Kommissionierung schwerer Güter, Reklamations- und Gewährleistungsabwicklung, Pflege von Artikelstammdaten über zehntausende Positionen, Abstimmung mit Handwerksbetrieben und Bauleitern.
Der Großhandelsteil ist dabei näher an Logistik und Datenmanagement, als es die Ausstellung im Schauraum vermuten lässt. Wer Lieferantenabwicklung, Stücklisten und Artikelstammdaten im Griff hat, arbeitet faktisch mit Datenqualität.
Und genau dort verschiebt sich gerade viel. Bestellungen und Retouren automatisch verarbeiten, Artikeldaten und Beschreibungen pflegen, Bedarfe vorhersagen, Kundenanfragen vorsortieren, Lieferscheine und Rechnungen auslesen: Das läuft zunehmend über automatisierte und KI-gestützte Systeme. Die Software dafür gibt es längst zu kaufen. Was fehlt, sind Leute, die verstehen, was in den Daten eigentlich steht, und die einem Vertriebsleiter erklären können, warum eine Prognose danebenliegt.
Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz setzt dort an. Vier Monate, 720 Unterrichtseinheiten, komplett online, ohne Programmierkenntnisse als Voraussetzung, DEKRA-zertifiziert. Bei bewilligtem Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt die Agentur für Arbeit die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft das Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss nach Paragraf 87a SGB III. Für Kinderbetreuung gibt es 160 Euro je Kind und Monat nach Paragraf 87 SGB III.
Ob dieser Weg zu dir passt, entscheidest du. Wer seit zwanzig Jahren im Baustoffhandel steht und die Region kennt, findet auch im Handwerk, bei Herstellern und in der Industrie an Mosel und Saar Anschluss. Eine Weiterbildung lohnt sich vor allem dann, wenn du ohnehin über einen Wechsel nachgedacht hast und der jetzige Anlass nur der Auslöser ist. Wie sich die Lage insgesamt darstellt, steht in unserer Übersicht zum Stellenabbau, Grundsätzliches zu Rechten und Fristen in unserem Ratgeber zur Insolvenzwelle. Zur Lage am Bau haben wir eine eigene Übersicht zur Bauwirtschaft.
Häufige Fragen
Ist das Fliesen-Zentrum Deutschland geschlossen?
Nein. Das Amtsgericht Wittlich hat am 31. Juli 2026 ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat nach eigener Darstellung Maßnahmen zur Stabilisierung eingeleitet, der Abverkauf soll zeitnah wieder aufgenommen werden, damit Kunden bestellte Ware erhalten. Parallel läuft eine Investorensuche für den Geschäftsbetrieb oder wesentliche Teile davon.
Warum ist das Unternehmen zum zweiten Mal insolvent?
Das erste Verfahren begann im November 2024 und endete mit einem Insolvenzplan, dem die Gläubiger im Juli 2025 zustimmten. Das aktuelle Verfahren ist ein neuer, eigenständiger Vorgang vom 31. Juli 2026. Fachmedien verweisen auf die anhaltende Krise am Bau und deutliche Umsatzrückgänge im Fliesenhandel seit 2023. Eine offizielle Begründung des Unternehmens für das zweite Verfahren lag zum Recherchestand nicht vor.
Bis wann bekomme ich mein Gehalt?
Nach Angaben aus dem Verfahren sind die Lohn- und Gehaltsansprüche für August, September und Oktober 2026 über eine von der Bundesagentur für Arbeit genehmigte Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert. Rechtsgrundlage ist das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III, das bis zu drei Monate Nettoentgelt abdeckt. Die Antragsfrist beträgt zwei Monate nach Eröffnung des Verfahrens.
Soll ich jetzt selbst kündigen?
Diese Entscheidung hängt an deiner persönlichen Lage und lässt sich pauschal nicht beantworten. Wichtig ist die Nebenwirkung: Eine Eigenkündigung oder ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld von bis zu zwölf Wochen auslösen, auch bei einer Abfindung. Wer ein konkretes Angebot eines anderen Arbeitgebers hat, steht anders da als jemand, der ohne Anschluss geht. Lass dich vorher beraten.
Wo finde ich das Verfahren amtlich?
Das Aktenzeichen lautet 7a IN 85/26 beim Amtsgericht Wittlich, veröffentlicht über den Fachverlag INDat und die Fachpresse. Bekanntmachungen zu Insolvenzverfahren stehen grundsätzlich auf insolvenzbekanntmachungen.de. Eine eigene Abfrage dort blieb zum Recherchestand ohne Treffer zu dieser Firma, was die Pressemeldungen nicht widerlegt: Die Trefferlisten sind begrenzt, und die Veröffentlichungspflicht hängt von der angeordneten Sicherungsmaßnahme ab.
Quellen
- Wochenspiegel: Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH in vorläufigem Insolvenzverfahren
- Verlag INDat: Vorläufiges Insolvenzverfahren über das Vermögen der Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH, mit Aktenzeichen 7a IN 85/26
- baustoffmarkt-online: Fliesen-Zentrum Deutschland, vorläufiges Insolvenzverfahren, 06.08.2026
- t-online: Das Fliesen-Zentrum Deutschland ist erneut insolvent
- baustoffmarkt-online: Fliesen-Zentrum Deutschland, Zustimmung zum Insolvenzplan, 23.07.2025 (Vorgang von 2025, nicht 2026)
- Verlag INDat: Gläubiger stimmen Insolvenzplan der Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH zu, Juli 2025 (Vorgang von 2025)
- bau.bi: Fliesen-Zentrum Deutschland erneut insolvent, Investorensuche
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.