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Viele Arbeitslose wissen gar nicht, dass ihnen während einer Umschulung monatlich 150 EUR extra zustehen. Die Bundesagentur zahlt das Geld automatisch, vorausgesetzt, der Kurs ist richtig eingestuft. In diesem Ratgeber bekommst du die vollständige Anleitung: Voraussetzungen, Antragsweg, Prämienstruktur, Gesetzestext, Rechenbeispiel.


Was ist das Weiterbildungsgeld?

Das Weiterbildungsgeld ist ein monatlicher Bonus von 150 EUR, den du während einer geförderten Umschulung bekommst. Es wurde zum 1. Juli 2023 mit dem Bürgergeld-Gesetz eingeführt und ersetzt den alten Weiterbildungsbonus, den es bis 2021 gab.

Die Idee dahinter ist einfach. Wer einen Berufsabschluss nachholt oder sich komplett umschulen lässt, investiert Zeit, Nerven und Lebensqualität. Die Bundesagentur für Arbeit will diese Mühe honorieren und gleichzeitig Anreize schaffen, dass Menschen aus der Arbeitslosigkeit nicht in Hilfsjobs gehen, sondern eine qualifizierte Ausbildung nachholen.

Geregelt ist das Ganze in § 87a SGB III. Wichtig: Das Weiterbildungsgeld ist keine neue Sozialleistung, sondern ein Zuschuss zusätzlich zu deinem ALG 1 oder Grundsicherungsgeld. Dein normaler Regelbedarf bleibt unberührt.

Und klar, verwechsel das Weiterbildungsgeld nicht mit dem Bildungsgutschein. Der Bildungsgutschein zahlt die Kursgebühren an den Bildungsträger. Das Weiterbildungsgeld fließt auf dein Konto. Zwei verschiedene Töpfe, gleicher Antragsweg.

Ein kurzer Einschub, weil das oft verwechselt wird: In einzelnen Bundesländern gibt es eigene Programme mit ähnlichem Namen, zum Beispiel den Hamburger Weiterbildungsbonus (im Regelfall 40 Prozent der Lehrgangskosten, höchstens 1.000 Euro). Das Weiterbildungsgeld nach § 87a SGB III ist etwas völlig anderes. Es ist eine Bundesleistung, läuft über die Arbeitsagentur, und es ist unbefristet.

Frag im Beratungsgespräch ausdrücklich danach, ob deine Weiterbildung das Weiterbildungsgeld auslöst.


Weiterbildungsgeld 150 Euro Voraussetzungen

Nicht jede Weiterbildung löst das Weiterbildungsgeld aus. Die Bundesagentur prüft streng, ob der Kurs in die richtige Kategorie fällt. Diese Punkte müssen alle erfüllt sein:

Erst das Ziel klären, dann den Förderweg

Welche Förderung passt, hängt davon ab, welche Weiterbildung du machen willst. Im KI-Schnupperkurs lernst du in fünf Lektionen den Digitalisierungsmanager kennen, der über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden kann. So gehst du mit einem konkreten Ziel in das Beratungsgespräch.

Kostenlos reinschnuppern

Der Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Beispiele für Weiterbildungen mit Weiterbildungsgeld: Umschulungen in einen anerkannten Ausbildungsberuf, etwa zum Kaufmann für Büromanagement oder zum Fachinformatiker. Zertifikatskurse wie der Digitalisierungsmanager oder der Social Media Manager mit KI werden zwar über den Bildungsgutschein gefördert, lösen aber kein Weiterbildungsgeld aus.

Nicht förderfähig: Zwei-Tages-Seminare, Sprachkurse ohne Zertifikat, "KI-Crashkurs in 2 Wochen", Coaching-Programme ohne Prüfung.

Praxistipp aus der Beratung: Viele Vermittler erwähnen das Weiterbildungsgeld nicht von selbst. Wenn du eine Umschulung planst, frag im Beratungsgespräch explizit: "Führt die Weiterbildung zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf im Sinne von § 87a SGB III?" Bei einer Umschulung macht diese eine Frage am Ende mehrere Tausend Euro aus.

Weiterbildungsgeld 150 Euro beantragen: geht das automatisch?

Ja. Einen separaten Antrag gibt es nicht.

Sobald dein Bildungsgutschein bewilligt ist und der Kurs in die Kategorie "abschlussorientiert" fällt, prüft dein Vermittler automatisch den Anspruch auf Weiterbildungsgeld. Die Zahlung läuft dann monatlich parallel zum ALG 1 oder Grundsicherungsgeld.

In der Realität funktioniert das aber nicht immer so sauber. Es gibt zwei Stolperfallen.

Erstens: Dein Vermittler ordnet den Kurs falsch ein. Abschlussorientiert heißt nicht "hat irgendein Zertifikat". Der Kurs muss zu einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf führen, also zu einer Abschlussprüfung vor der IHK oder einer anderen Kammer. Ein Trägerzertifikat reicht nicht, auch nicht bei einer AZAV-zugelassenen Maßnahme. Wenn der Vermittler den Kurs als "Anpassungsqualifizierung" bucht, fällt das Weiterbildungsgeld weg.

Zweitens: Die Info geht in der Sachbearbeitung verloren. Manche Sachbearbeiter kennen § 87a SGB III schlicht nicht. Dann schreibst du eine kurze Mail oder bringst beim nächsten Termin einen Ausdruck des Paragrafen mit.

Frag in jedem Fall schriftlich (am besten per Postfach in der BA-App): "Ist in meinem Fall der Anspruch auf Weiterbildungsgeld nach § 87a SGB III geprüft worden?" Schriftlich heißt: du hast einen Beweis.

Zeitlich läuft das so: Sobald der Kurs offiziell startet und du als Teilnehmer eingeschrieben bist, beginnt der Anspruch. Die erste Zahlung kommt typischerweise mit der ersten vollen Monatsabrechnung, also zum Beispiel Ende Oktober für einen Kurs, der Mitte Oktober startet. In der BA-App siehst du unter "Leistungen" die laufenden Zahlungen. Dort taucht das Weiterbildungsgeld als separater Posten neben dem ALG 1 oder Grundsicherungsgeld auf.


1.000 EUR Zwischenprüfung + 1.500 EUR Abschlussprämie

Zusätzlich zu den monatlichen 150 EUR gibt es zwei Einmalzahlungen. Diese heißen "Weiterbildungsprämie" und sind ebenfalls in § 87a SGB III geregelt.

1.000 EUR bekommst du nach bestandener Zwischenprüfung. Bei einer Umschulung ist das zum Beispiel die gestreckte IHK-Teilprüfung nach dem ersten Ausbildungsabschnitt. Gemeint ist eine Zwischenprüfung, die in den Ausbildungsvorschriften des Berufs geregelt ist. AZAV-Kurse ohne Berufsabschluss wie der Digitalisierungsmanager lösen die Prämien nicht aus, weil § 87a SGB III nur Weiterbildungen erfasst, die zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit mindestens zwei Jahren Ausbildungsdauer führen.

1.500 EUR gibt es nach bestandener Abschlussprüfung. Zeugnis oder Zertifikat einreichen, ein paar Wochen warten, Geld landet auf dem Konto.

Beide Prämien sind steuerfrei und müssen nicht in der Einkommensteuererklärung auftauchen. Sie werden auch nicht auf ALG 1 oder Grundsicherungsgeld angerechnet. Die Bundesagentur zahlt sie zusätzlich.

Wichtig zu wissen: Die Prämien waren ursprünglich bis Ende 2023 befristet. Das Bürgergeld-Gesetz hat die Befristung aufgehoben. Sie gelten jetzt unbefristet weiter.

Was zählt als Zwischenprüfung? § 87a Abs. 1 SGB III nennt die in den Ausbildungsvorschriften geregelte Zwischenprüfung oder den ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung. Ein Modultest oder ein Teilleistungsnachweis eines Bildungsträgers zählt nicht.

Praxis-Tipp: Lass dir vom Bildungsträger eine schriftliche Bestätigung über die Zwischenprüfung ausstellen, sobald du sie bestanden hast. Diese Bestätigung reichst du bei der AfA ein, zusammen mit einem kurzen formlosen Antrag "Antrag auf Weiterbildungsprämie nach § 87a SGB III". Ein Formular gibt es nicht zwingend. Mail oder Postfachnachricht reicht aus.


§ 87a SGB III im Wortlaut

Der Paragraf ist kurz und eindeutig. Absatz 1 gewährt die Prämien von 1.000 und 1.500 EUR für eine nach § 81 SGB III geförderte Weiterbildung, "die zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf führt, für den nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften eine Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren festgelegt ist". Absatz 2 gibt arbeitslosen Teilnehmern einer solchen Weiterbildung zusätzlich 150 EUR im Monat (Weiterbildungsgeld).

Entscheidend ist also die Ausbildungsdauer des Berufs, nicht die Länge des Kurses: Auch eine verkürzte Umschulung zählt, wenn sie in einen Ausbildungsberuf mit mindestens zwei Jahren regulärer Ausbildungsdauer führt. Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirt oder Meister und Zertifikatskurse zählen nicht.

Den vollständigen Gesetzestext findest du beim Bundesjustizministerium unter gesetze-im-internet.de/sgb_3/__87a.html. Seit Juli 2023 unverändert in Kraft.


Rechnung: Was bleibt dir am Ende?

Rechnen wir zwei Fälle durch. Markus ist 38, seit 4 Monaten arbeitslos, bezieht ALG 1. Sein Vermittler bewilligt einen Bildungsgutschein für die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager (AZAV, 4 Monate Vollzeit) bei einem AZAV-Träger.

Die Weiterbildung läuft 4 Monate und endet mit einem Abschlussprojekt und einem Trägerzertifikat. Ein Abschluss in einem Ausbildungsberuf ist das nicht, deshalb greift § 87a SGB III hier nicht.

PostenBetrag
Weiterbildungsgeld0 EUR
Prämie Zwischenprüfung0 EUR
Prämie Abschlussprüfung0 EUR
Gesamt nach § 87a SGB III0 EUR

Dafür übernimmt der Bildungsgutschein die Kursgebühr komplett, und das ALG 1 läuft während der ganzen Weiterbildung unverändert weiter.

Unterm Strich bekommt Markus also keinen Bonus nach § 87a SGB III. Er macht eine kostenfreie Weiterbildung und ist nach 4 Monaten fertig.

Anders bei einer Umschulung, bei der § 87a greift. Lisa macht eine dreijährige Umschulung zur Fachinformatikerin in Teilzeit (30 Monate, inklusive Betriebsphasen). Ihre Rechnung: 30 × 150 = 4.500 EUR Weiterbildungsgeld, plus 1.000 EUR für die IHK-Teilprüfung nach Monat 18, plus 1.500 EUR für die Abschlussprüfung. Gesamt: 7.000 EUR Bonus, steuerfrei, on top. Bei einer längeren Umschulung rechnet sich das also noch deutlicher.


Weiterbildungsgeld vs Ausbildungsgeld vs Grundsicherungsgeld-Prämien

Drei Begriffe, die sich ähnlich anhören und gern verwechselt werden.

Weiterbildungsgeld (§ 87a SGB III): Die 150 EUR pro Monat, um die es in diesem Artikel geht. Für Arbeitslose in abschlussorientierter Weiterbildung.

Ausbildungsgeld (§ 122 SGB III): Eine Leistung für Menschen mit Behinderung, die an einer beruflichen Erstausbildung oder einer Maßnahme im Eingangsverfahren einer Werkstatt teilnehmen. Komplett andere Zielgruppe.

Weiterbildungsbonus (Land): Eigene Landesförderung einzelner Bundesländer, zum Beispiel der Hamburger Weiterbildungsbonus, der weiterhin läuft. Nicht zu verwechseln mit dem Weiterbildungsgeld des Bundes.

Wenn jemand von "dem Bonus von der Arbeitsagentur" spricht, meint er fast immer das Weiterbildungsgeld oder die Weiterbildungsprämie nach § 87a SGB III. Bei Lisas Umschulung macht beides zusammen die 7.000 EUR aus, die wir oben ausgerechnet haben.


Erst das Ziel klären, dann den Förderweg

Welche Förderung passt, hängt davon ab, welche Weiterbildung du machen willst. Im KI-Schnupperkurs lernst du in fünf Lektionen den Digitalisierungsmanager kennen, der über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden kann. So gehst du mit einem konkreten Ziel in das Beratungsgespräch.

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Der Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Weiterbildungsgeld (§ 87a SGB III)
150 Euro pro Monat zusätzlich zum Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld während einer abschlussorientierten beruflichen Weiterbildung.
Weiterbildungsprämie (§ 87a SGB III)
1.000 Euro bei bestandener Zwischenprüfung und 1.500 Euro bei bestandener Abschlussprüfung der geförderten Weiterbildung.
Bildungsgutschein (§ 81 SGB III)
Übernimmt zusätzlich 100 Prozent der Lehrgangskosten der AZAV-zertifizierten Weiterbildung.

Häufige Fragen

Bekomme ich die 150 EUR während des gesamten Kurses?
Ja, solange du in einer abschlussorientierten Weiterbildung nach § 81 SGB III bist. Die 150 EUR fließen jeden Monat zusätzlich zum ALG 1 oder Grundsicherungsgeld, auch in Ferien oder Prüfungsphasen, bis der Kurs offiziell endet.
Wird das Weiterbildungsgeld auf das Grundsicherungsgeld angerechnet?
Nein. Die Bundesagentur für Arbeit zählt das Weiterbildungsgeld als zweckgebundene Leistung. Es wird nicht auf das Grundsicherungsgeld und nicht auf ALG 1 angerechnet. Du behältst es komplett.
Bekommen auch Selbstständige das Weiterbildungsgeld?
Nein. Das Weiterbildungsgeld gibt es nur für Arbeitslose im Bezug von ALG 1 oder Grundsicherungsgeld. Selbstständige schauen sich das KOMPASS-Programm, AVGS oder Landesprogramme an, das ist ein komplett anderer Förderweg.
Zahlt die AfA auch 150 EUR während Praktikum oder Betriebsphase?
Ja, solange das Praktikum Teil des geförderten Kurses ist. Sobald du in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechselst, endet der Anspruch, weil du dann aus dem Leistungsbezug raus bist.
Was passiert wenn ich den Kurs abbreche?
Dann endet das Weiterbildungsgeld mit dem Abbruchdatum. Die Prämien für Zwischen- und Abschlussprüfung bekommst du logischerweise nicht. Schon gezahltes Monatsgeld musst du normalerweise nicht zurückerstatten, außer bei Missbrauch oder Abbruch ohne wichtigen Grund. Sprich vorher mit deinem Vermittler, wenn es Probleme gibt.
Wann genau wird die 1.500 EUR Abschlussprämie überwiesen?
Nach Bestehen der Abschlussprüfung, sobald du dein Zertifikat oder Prüfungszeugnis bei der AfA einreichst. In der Regel ist das Geld innerhalb von 4 bis 8 Wochen auf deinem Konto. Die Prämie ist steuerfrei.

Dein nächster Schritt

Wenn du arbeitslos gemeldet bist oder Grundsicherungsgeld beziehst, ist der erste Weg zu deinem Vermittler. Ruf die Bundesagentur für Arbeit unter 0800 4 5555 00 an (Mo bis Fr 8 bis 18 Uhr, kostenfrei). Jobcenter-Kunden wenden sich direkt an ihre zuständige Stelle. Frag konkret nach einem Bildungsgutschein für eine abschlussorientierte Weiterbildung und erwähn § 87a SGB III.

Wenn du dir erstmal einen Überblick verschaffen willst, welche Weiterbildung überhaupt zu dir passt, ohne gleich einen Termin beim Arbeitsamt zu machen: probier unseren kostenlosen KI-Schnupperkurs aus. Fünf Lektionen, eine Live-Demo pro Woche, null Verbindlichkeiten.

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Wichtig für deine Planung: Der Digitalisierungsmanager (AZAV, 4 Monate, online) läuft über den Bildungsgutschein und ist für dich kostenfrei, er ist aber kein abschlussorientierter Kurs im Sinne von § 87a SGB III. Weiterbildungsgeld und Prämien gibt es dafür nicht. Dafür bist du nach 4 Monaten fertig statt nach 2 Jahren.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026. Rechtsstand § 87a SGB III: unverändert seit 01.07.2023.