Auf einen Blick: KOMPASS läuft 2026 weiter. Es gibt keinen Aufnahmestopp und keinen Förderstopp. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist bundesweit die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt, damit die vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden. Erstberatungen laufen weiter, Qualifizierungsschecks werden weiter ausgegeben, eine zeitnahe Ausstellung ist in diesem Zeitraum aber nicht in allen Fällen garantiert. Wer schneller starten will, kann zusätzlich auf ESF-Plus-Landesprogramme, Vorsteuerabzug und Aufstiegs-BAföG zurückgreifen.

KOMPASS ist das starke Förderinstrument für Solo-Selbstständige in der Weiterbildung. Bis 4.500 Euro pro Person, rund 90 Prozent Erstattung der Weiterbildungskosten, niedrigschwellig beantragbar. Das Programm läuft 2026 weiter. Neu ist: Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist die Ausgabe der Qualifizierungsschecks bundesweit begrenzt, damit die eingegangenen Anträge zügiger bearbeitet werden. Wer in dieser Phase zeitkritisch fördern lassen will, tut gut daran, parallel einen Plan B zu prüfen.

Wir bekommen die Frage gerade fast täglich. Hier ist der aktuelle Stand, ehrlich eingeordnet, mit den Alternativen die wirklich funktionieren.

Wo KOMPASS gerade steht

KOMPASS (Kompakte Hilfe für Solo-Selbstständige) läuft als Programm des Bundesarbeitsministeriums mit ESF-Plus-Kofinanzierung und läuft 2026 weiter. Solo-Selbstständige können bis zu 4.500 Euro Förderung erhalten, üblich sind rund 90 Prozent Erstattung der Weiterbildungskosten. Die Erstberatung läuft über die regionalen KOMPASS-Anlaufstellen, die Erstattung erfolgt auf Antrag über die DRV Knappschaft-Bahn-See.

Neu ist die Kontingentierung: Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist bundesweit die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt, damit die vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden können. Erstberatungen werden weiterhin angeboten, und es werden weiterhin Qualifizierungsschecks ausgegeben. Es gibt keinen Aufnahmestopp und keinen Förderstopp. Wichtig zu wissen: In diesem Zeitraum kann eine zeitnahe Ausstellung eines Qualifizierungsschecks nicht in allen Fällen garantiert werden, auch mit Termin und vollständigen Unterlagen.

Für dich heißt das: Vereinbare früh eine Erstberatung bei einer KOMPASS-Anlaufstelle und prüfe den aktuellen Stand auf kompass-foerderung.de. Wenn deine Weiterbildung zeitkritisch ist, halte parallel eine der Alternativen bereit, damit du nicht vom Ausstellungszeitpunkt abhängig bist.

Wer das unterschätzt, verliert unter Umständen Zeit. Wir sehen es gerade bei Soloberatern und Coaches, die ihre Weiterbildung aufschieben, bis der Scheck vorliegt. Klüger ist, die Erstberatung jetzt zu machen und gleichzeitig zu prüfen, welcher Weg am schnellsten trägt.

Welche Alternativen jetzt funktionieren

Vier Wege sind im Mai 2026 nutzbar. Sie ersetzen KOMPASS nicht eins zu eins, decken aber unterschiedliche Konstellationen ab.

ESF-Plus-Landesprogramme sind der direkteste Ersatz für KOMPASS. Sie laufen unabhängig vom Bundestopf, weil sie über die Länder kofinanziert werden, und sie funktionieren regional unterschiedlich. Baden-Württemberg fördert über die L-Bank typischerweise 30 bis 50 Prozent der Lehrgangskosten für Selbstständige. NRW geht über die Bezirksregierungen mit Quoten von 50 bis 80 Prozent. Bayern hat das "Bildungsscheck Bayern"-Programm, das auch Solo-Selbstständige adressiert. Hessen, Berlin und Sachsen-Anhalt haben eigene Linien. Welche Quote du bekommst, hängt vom Bundesland, vom Berufsfeld und vom Einkommen ab.

Vorsteuerabzug ist der pragmatische Weg, falls du umsatzsteuerpflichtig bist. Eine Weiterbildung von 3.000 Euro netto kostet dich effektiv 3.570 Euro brutto, du holst dir aber 570 Euro Umsatzsteuer als Vorsteuer zurück. Plus die 3.000 Euro netto sind als Betriebsausgabe abziehbar, was bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent weitere 900 Euro reduziert. Effektive Nettobelastung liegt dann bei 2.100 Euro. Das ist keine Förderung im klassischen Sinn, aber für Solos mit normalem Einkommen oft die schnellste Variante, weil keine Antragstellung mit 6 Wochen Vorlauf nötig ist.

Aufstiegs-BAföG funktioniert für Solo-Selbstständige weiterhin, wenn die Weiterbildung abschlussorientiert ist. Wirtschaftsfachwirt, Bilanzbuchhalter, Meister, geprüfter Berufspädagoge. Hier zahlt der Bund 50 Prozent Zuschuss plus 50 Prozent zinsloses Darlehen, und das Darlehen wird zur Hälfte erlassen, wenn die Prüfung bestanden ist. Für kurze Seminare oder reine Tool-Schulungen ist das nicht möglich, für eine 11-monatige Fortbildung mit IHK-Abschluss aber sehr wohl. Mit der Aufstiegs-BAföG-Reform zum 1. Oktober 2026 wird der Zuschussanteil weiter ausgeweitet, hier haben wir die Reform im Detail eingeordnet.

BAFA-Beratungsförderung ist der kleinste, aber praktikabelste Weg für strategische Beratung. Bis zu 3.500 Euro Zuschuss für externe Beratungsleistungen, 50 bis 80 Prozent Quote je nach Region. Das ist keine Weiterbildung im engeren Sinn, aber wenn du als Solo-Selbstständige deine Digitalisierungsstrategie, Marketing-Aufstellung oder KI-Einführung extern begleiten lässt, kann das ein Hebel sein.

Vergleichstabelle der vier Wege

Förderweg Max. Förderung Quote Antrag bei Bearbeitungsdauer Für wen
ESF Plus Landesprogramme je nach Land 2.000-8.000 EUR 30-80 % Landesförderbank / Bezirksregierung 4-10 Wochen Solo-Selbstständige mit Wohnsitz im fördernden Bundesland
Vorsteuerabzug + Betriebsausgabe Steuereffekt, keine Direktförderung bis ca. 30 % effektive Entlastung Eigene Buchhaltung, keine Antrag Sofort wirksam Umsatzsteuerpflichtige Solos mit normalem Einkommen
Aufstiegs-BAföG bis 15.000 EUR Gesamtsumme 50 % Zuschuss + 50 % Darlehen, davon 50 % Erlass bei Bestehen Landesamt für Ausbildungsförderung 6-12 Wochen Solos die abschlussorientierte Fortbildung machen (Fachwirt, Meister)
BAFA-Beratungsförderung bis 3.500 EUR 50-80 % BAFA online 4-8 Wochen Solos die externe strategische Beratung einkaufen

Praxis: Wie eine Hamburger UX-Beraterin ihre Förderung gerettet hat

Eine selbstständige UX-Beraterin aus Hamburg hatte im Februar 2026 mit der Planung ihrer KI-Weiterbildung begonnen. KOMPASS-Erstberatung war terminiert, Lehrgang zum KI-Manager und ein Vertiefungskurs zur Prompt-Engineering-Methodik geplant, Gesamtkosten 4.200 Euro. Weil ihr Kursstart zeitkritisch war und in der Kontingent-Phase ab Mai eine zeitnahe Scheck-Ausstellung nicht garantiert ist, wollte sie sich nicht allein auf den Ausstellungszeitpunkt verlassen.

Sie hat parallel geplant. Den Vertiefungskurs hat sie über die ESF-Plus-Liste für Selbstständige ihrer Hamburger Volkshochschule laufen lassen und dort 60 Prozent der 1.400 Euro Lehrgangskosten zurückbekommen. Den KI-Manager-Kurs hat sie privat finanziert, aber als Betriebsausgabe abgesetzt. Bei ihrem Grenzsteuersatz von 35 Prozent plus Vorsteuerabzug auf den umsatzsteuerpflichtigen Teil hat sich das auf rund 1.800 Euro effektive Nettobelastung reduziert.

Wirtschaftlich liegt sie bei dieser Kombination etwas über dem KOMPASS-Idealfall, aber die Weiterbildung lief pünktlich an, ohne vom Scheck-Zeitpunkt abhängig zu sein. Ihre Einschätzung nach Abschluss: "Die KOMPASS-Erstberatung mache ich trotzdem, aber ich wollte meinen Kursstart nicht an den Ausstellungstermin hängen."

Wann sich das Warten auf den Qualifizierungsscheck trotzdem lohnt

In zwei Fällen ist es vertretbar, gezielt auf den KOMPASS-Qualifizierungsscheck zu warten. Erstens, wenn deine geplante Weiterbildung nicht zeitkritisch ist. Dann machst du früh die Erstberatung bei der KOMPASS-Anlaufstelle und startest, sobald der Scheck vorliegt. Weil das Programm weiterläuft und weiter Schecks ausgegeben werden, ist das ein realistischer Weg, nur der genaue Ausstellungszeitpunkt kann in der Kontingent-Phase bis voraussichtlich Oktober 2026 schwanken.

Zweitens, wenn deine Weiterbildung 6.000 Euro oder mehr kostet und keiner der alternativen Wege das auffangen kann. Wer einen umfangreichen 12-Monats-Lehrgang plant und in einem Bundesland ohne starkes ESF-Plus-Programm sitzt, sollte den realen Förderbetrag und das Zeitfenster gegen die Eigenkapitalkosten halten. In manchen Fällen ist es dann sinnvoll, den Scheck abzuwarten, in anderen nicht.

Was nicht sinnvoll ist: Die Weiterbildung ein halbes Jahr aufzuschieben, ohne die Erstberatung gemacht und die Alternativen geprüft zu haben. Solo-Selbstständige verlieren in dieser Zeit potenzielles Umsatzpotenzial, das mit einer abgeschlossenen Qualifizierung früher hätte greifen können.

Was die ESF-Plus-Landesförderung praktisch verlangt

Die meisten Landesprogramme haben ähnliche Voraussetzungen. Du musst in dem Bundesland ansässig sein, die Maßnahme muss in einer anerkannten Liste oder beim regionalen Bildungsträger geführt sein, und der Bildungsträger muss AZAV-zertifiziert sein. Bei den meisten Programmen brauchst du keine Vorgespräche mit der Arbeitsagentur, sondern reichst direkt bei der Förderstelle ein.

Die Wartezeit zwischen Antragstellung und Bewilligung liegt typischerweise bei 4 bis 10 Wochen. Wichtig: Bei vielen Landesprogrammen darfst du die Maßnahme nicht vor Bewilligung begonnen haben. Wer in der Zwischenzeit auf eigene Rechnung startet, fliegt aus der Förderung. Plane also Vorlauf ein.

Wer einen größeren Lehrgang plant, etwa einen Digitalisierungsmanager oder einen abschlussorientierten Fachwirt, sollte parallel prüfen, ob Aufstiegs-BAföG der bessere Hebel ist. Die Quoten sind höher, die Beträge größer, und die Förderung ist nicht von ausgeschöpften Jahres-Töpfen abhängig.

Häufige Fragen

Läuft KOMPASS 2026 noch, und was bedeutet die begrenzte Ausgabe der Qualifizierungsschecks?

Ja, KOMPASS läuft weiter. Es gibt keinen Aufnahmestopp und keinen Förderstopp. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist bundesweit die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt, damit die vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden können. Erstberatungen werden weiterhin angeboten und es werden weiterhin Qualifizierungsschecks ausgegeben. In diesem Zeitraum kann eine zeitnahe Ausstellung eines Schecks aber nicht in allen Fällen garantiert werden. Vereinbare eine Erstberatung bei einer KOMPASS-Anlaufstelle und prüfe den aktuellen Stand auf kompass-foerderung.de.

Lohnt es sich, jetzt schon einen Aufstiegs-BAföG-Antrag vorzubereiten?

Wenn deine Weiterbildung abschlussorientiert ist (Fachwirt, Meister, Bilanzbuchhalter), ja. Die Bearbeitungszeit liegt bei 6 bis 12 Wochen, und der Antrag muss vor Maßnahmenbeginn gestellt sein. Wer im Herbst 2026 starten will, sollte spätestens im Juli den Antrag einreichen. Die Reform zum 1. Oktober 2026 verbessert die Konditionen weiter, gilt aber nur für Anträge nach diesem Stichtag.

Kann ich ESF-Plus-Landesförderung mit Aufstiegs-BAföG kombinieren?

In der Regel nein. Beide Programme decken Lehrgangskosten ab, und eine Doppelförderung derselben Kostenpositionen ist ausgeschlossen. Was geht: Aufstiegs-BAföG für die Lehrgangskosten plus parallel BAFA-Beratungsförderung für externe strategische Beratung. Das sind unterschiedliche Kostenpositionen und damit kombinierbar.

Was mache ich, wenn ich schon einen KOMPASS-Antrag laufen hatte und noch keine Antwort habe?

Frag aktiv bei deiner KOMPASS-Anlaufstelle nach dem Bearbeitungsstand. Wegen der begrenzten Ausgabe der Qualifizierungsschecks von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 kann die Ausstellung länger dauern, das Programm läuft aber weiter. Die Erstattung von bis zu 4.500 Euro, rund 90 Prozent der Weiterbildungskosten, erfolgt auf Antrag über die DRV Knappschaft-Bahn-See. Den aktuellen Stand findest du auf kompass-foerderung.de.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist promovierter Wirtschaftspädagoge, Erwachsenenbildner und Geschäftsführer von SkillSprinters by Dr. Aichinger. Er bildet seit über 15 Jahren Berufstätige, Fachkräfte und Quereinsteiger weiter, hat über 70 Fachbücher zu Prüfungsvorbereitung und Karrierethemen veröffentlicht und betreibt mit SkillSprinters einen der digital am stärksten wachsenden Bildungsträger im DACH-Raum.

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Zuletzt geprüft am 19. Mai 2026.

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