Die KOMPASS Förderung für Solo-Selbständige zahlt bis zu 4.500 Euro Zuschuss für eine Weiterbildung. Die meisten Freiberufler wissen nichts davon.
Finanziert wird das Programm aus dem Europäischen Sozialfonds Plus und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, laufen soll es noch bis mindestens Februar 2028. Auf dieser Seite stehen Voraussetzungen, Förderhöhe, der Ablauf und welche Qualifizierungen gefördert werden.
Was KOMPASS ist
KOMPASS steht für "Kompakte Hilfe für Solo-Selbständige". Das Programm wurde aufgelegt, weil Solo-Selbständige bei den klassischen Wegen wie Bildungsgutschein oder Qualifizierungschancengesetz durchs Raster fallen. Die richten sich an Arbeitnehmer oder an Unternehmen mit Beschäftigten.
KOMPASS füllt diese Lücke. Ausschließlich für Solo-Selbständige und Freiberufler, die ihr Geschäft durch gezielte Qualifizierung absichern und weiterentwickeln wollen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie verwundbar diese Gruppe ist, wenn Rücklagen fehlen und Weiterbildung unbezahlbar wird. Ob Digitalisierung, KI, neue Geschäftsmodelle oder fachliche Vertiefung, die geförderten Qualifizierungen sollen das Unternehmen auf ein stabileres Fundament stellen.
Wer wird gefördert
Um KOMPASS zu nutzen, musst du alle folgenden Kriterien erfüllen:
- Du arbeitest allein oder mit maximal einem Vollzeitäquivalent an Mitarbeitern. Zwei Teilzeitkräfte mit je 50 Prozent zählen als ein VZÄ.
- Deine Selbständigkeit ist Haupterwerb, keine Nebentätigkeit.
- Du bist seit mindestens zwei Jahren selbständig tätig. Gründer im ersten oder zweiten Jahr sind ausgeschlossen.
- Wohnsitz und Tätigkeit in Deutschland.
Nebenberuflich Selbständige, Unternehmen mit mehr als einem VZÄ Beschäftigten und Gründer in den ersten zwei Jahren fallen raus. Weiterbildungen unter 20 Stunden oder über sechs Monate Laufzeit werden nicht gefördert.
Wie viel Geld du bekommst
Die Förderung beträgt maximal 4.500 Euro pro Qualifizierung. Die Quote hängt von der Region ab.
| Region | Förderquote | Maximalbetrag |
|---|---|---|
| Alte Bundesländer (mit Berlin, Region Leipzig) | Bis zu 40 % | 4.500 EUR |
| Neue Bundesländer (mit Lüneburg, Trier) | Bis zu 60 % | 4.500 EUR |
In der Praxis berichten viele Teilnehmer von einer Erstattung von bis zu 90 Prozent der nachgewiesenen Qualifizierungskosten, was bis zu 5.000 Euro netto abdeckt und dem maximalen Zuschuss von 4.500 Euro entspricht. Die genaue Quote wird im Beratungsgespräch mit der KOMPASS-Anlaufstelle festgelegt.
Rechenbeispiel. Du buchst eine KI-Weiterbildung für 3.000 Euro netto. Bei 90 Prozent Förderquote bekommst du 2.700 Euro zurück. Eigenanteil: 300 Euro.
So läuft der Antrag
Der erste Schritt ist der Kontakt zur regionalen KOMPASS-Anlaufstelle. Die Adressen stehen auf kompass-programm.de, die Beratung ist kostenlos.
Im April und Mai 2026 gilt eine Einschränkung. Wegen extrem hoher Nachfrage nahmen die Anlaufstellen vom 1. März bis zunächst 3. Mai 2026 keine neuen Erstberatungen an. Wenn du gerade keinen Termin bekommst, bleib dran. Laufende Prozesse werden weitergeführt.
Im Erstgespräch wird gemeinsam ermittelt, wo dein Geschäft steht, welche Herausforderungen du siehst und welche Art von Qualifizierung dich am meisten weiterbringt. Danach bekommst du einen Qualifizierungsscheck. Der berechtigt dich, eine förderfähige Weiterbildung deiner Wahl zu buchen. Anbieter und Maßnahme wählst du selbst.
Du absolvierst die Weiterbildung innerhalb von sechs Monaten. Online-Formate sind zugelassen. Nach Abschluss reichst du Rechnung und Zahlungsnachweis bei der Anlaufstelle ein. Die Erstattung wird aufs Konto überwiesen.
Welche Weiterbildungen gefördert werden
KOMPASS ist bewusst breit aufgestellt. Gefördert wird, was die Selbständigkeit zukunftssicher macht: branchenspezifische Zertifizierungen, fachliche Vertiefungen, neue Technologien. Dazu digitale Kompetenzen wie KI und Automatisierung, Online-Marketing, Social Media, Webentwicklung, IT-Sicherheit, Datenschutz. Auch betriebswirtschaftliche Themen wie Buchhaltung und Steuern für Selbständige, Projektmanagement, Vertrieb und Akquise, Verhandlungsführung sind drin. Persönliche Kompetenzen wie Führung, Kommunikation, Resilienz und Präsentationstechniken ebenfalls.
Wer ins Thema KI reinschnuppern will, findet im kostenlosen KI-Schnupperkurs einen ersten Einstieg, um zu sehen, ob eine umfassende Weiterbildung für die eigene Selbständigkeit sinnvoll ist.
Die Qualifizierung muss mindestens 20 Stunden umfassen, innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein und einen erkennbaren Nutzen für deine Selbständigkeit haben. Ein AZAV-Zertifikat des Anbieters ist anders als beim Bildungsgutschein nicht erforderlich, der Anbieter muss aber qualifiziert sein.
KOMPASS gegen andere Förderwege
| Kriterium | KOMPASS | Bildungsgutschein | Aufstiegs-BAföG |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Solo-Selbständige | Arbeitsuchende, von Arbeitslosigkeit Bedrohte | Berufstätige mit Erstausbildung |
| Förderhöhe | Bis 4.500 EUR | 100 % der Kurskosten | 50 % Zuschuss + 50 % Darlehen |
| Voraussetzung | 2 Jahre selbständig | Beratung bei der Agentur für Arbeit | Abgeschlossene Erstausbildung |
| AZAV nötig? | Nein | Ja | Ja |
| Lebensunterhalt? | Nein | Ja (ALG I/II) | Ja (Unterhaltsbeitrag) |
| Online möglich? | Ja | Ja | Ja |
| Rückzahlung? | Nein (Zuschuss) | Nein | Teilweise (Darlehensanteil) |
Mehr zu den Unterschieden zwischen Aufstiegs-BAföG und Bildungsgutschein steht im Förder-Ratgeber.
Was wir in der Praxis sehen
Die hohe Nachfrage und die zeitweise Aufnahmesperre im Frühjahr 2026 sind ein starkes Signal. Das Programm wird genutzt. Wer jetzt überlegt, sollte sich früh in die Warteschlange setzen.
Typische Qualifizierungen reichen von dreimonatigen Digital-Marketing-Kursen über Programmier-Bootcamps bis zu branchenspezifischen Zertifizierungen. Die freie Wahl des Anbieters ist der grösste Vorteil gegenüber dem Bildungsgutschein, wo nur AZAV-Träger zugelassen sind. Was wir bei unseren Teilnehmern regelmäßig sehen: Wer das Beratungsgespräch gut vorbereitet mit konkretem Qualifizierungsziel reingeht, bekommt deutlich schneller den Scheck als jemand, der sich erst vor Ort überlegt, was er machen will. Die Anlaufstellen arbeiten am Limit und mögen Antragsteller, die schon wissen, wohin.
Steuerliche Behandlung
Die KOMPASS-Förderung ist ein Zuschuss aus öffentlichen Mitteln. Die Weiterbildungskosten bleiben als Betriebsausgabe absetzbar, der Zuschuss wird als Betriebseinnahme gewertet. Unter dem Strich reduziert sich deine steuerliche Belastung, weil der Eigenanteil als Betriebsausgabe wirkt. Details klärt der Steuerberater, der Artikel zu Steuerberater-Fragen bei Weiterbildung hilft bei der Vorbereitung auf das Gespräch.
Häufige Fragen
Kann ich KOMPASS mehrfach nutzen?
Eine Förderung ist einmal innerhalb von zwölf Monaten möglich. Nach Ablauf der Frist kannst du erneut einen Qualifizierungsscheck beantragen, solange das Programm läuft (bis Februar 2028).
Werden auch Fahrtkosten oder Übernachtungskosten gefördert?
Nein. KOMPASS fördert ausschließlich die direkten Kosten der Qualifizierungsmaßnahme. Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten trägst du selbst, kannst sie aber als Betriebsausgabe geltend machen.
Muss der Weiterbildungsanbieter zertifiziert sein?
Nicht im Sinne einer AZAV-Zertifizierung wie beim Bildungsgutschein. Der Anbieter muss aber qualifiziert sein und die Qualifizierung muss einen erkennbaren Nutzen für deine Selbständigkeit haben. Die KOMPASS-Anlaufstelle prüft das im Beratungsgespräch.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Von der Erstberatung bis zum Qualifizierungsscheck vergehen in der Regel zwei bis vier Wochen. Die Erstattung nach Einreichung der Unterlagen dauert weitere vier bis acht Wochen.
Was passiert, wenn ich die Weiterbildung abbreche?
Wenn du die Qualifizierung nicht abschließt, wird nur der anteilige Betrag für den tatsächlich absolvierten Teil erstattet. Ein vollständiger Abbruch kann dazu führen, dass keine Erstattung erfolgt.
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
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