KOMPASS läuft 2026 weiter. Es gibt keinen Aufnahme- und keinen Förderstopp. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist bundesweit aber die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt (Kontingentierung), damit die bereits vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden können. Erstberatungen werden weiterhin angeboten, und es werden weiterhin Qualifizierungsschecks ausgegeben. Die Folge für dich: Eine zeitnahe Ausstellung eines Schecks lässt sich in diesem Zeitraum nicht in allen Fällen garantieren, auch mit Termin und vollständigen Unterlagen. Wer seine Weiterbildung fest auf KOMPASS aufgebaut hatte, sollte das beim Planen einkalkulieren.
KOMPASS heißt voll ausgeschrieben "Kontakt- und Beratungsstelle für Selbstständige" und ist ein Programm des Bundesarbeitsministeriums für Solo-Selbstständige ohne Angestellte. Die Förderquote beträgt 90 Prozent der Lehrgangskosten, gedeckelt bei 4.500 EUR pro Jahr. Drei Anlaufstellen organisieren die Beratungen regional, eine davon in Bayern. Das Programm war seit dem Start im März 2024 stark nachgefragt. Die Mittel wurden früher als geplant vergeben.
Die Kontingentierung kam nicht ohne Vorwarnung. Schon Ende 2025 zeichnete sich ab, dass die Nachfrage sehr hoch ist. Um die vorliegenden Anträge zügig abzuarbeiten, wurde die Ausgabe der Qualifizierungsschecks ab Mai 2026 bundesweit begrenzt, voraussichtlich bis Oktober 2026. Erstberatungen und Scheck-Ausgabe laufen dabei weiter. Wie lange die Begrenzung genau gilt, hängt vom Bearbeitungsstand ab. Den aktuellen Stand findest du auf kompass-foerderung.de.
Wer jetzt einen Plan B braucht
Drei Gruppen sind unterschiedlich getroffen.
Die erste Gruppe: Solo-Selbstständige, die bereits einen Qualifizierungscheck in der Hand haben und einen Kurs gebucht haben. Hier läuft die Förderung weiter, der Zuschuss wird ausgezahlt wie zugesagt. Wer schon im System ist, ist auf der sicheren Seite.
Die zweite Gruppe: Selbstständige, die in der Erstberatung waren, aber noch keinen Qualifizierungscheck haben. Diese Fälle werden weiter bearbeitet. Wegen der begrenzten Kontingente kann die Ausstellung des Schecks bis voraussichtlich Oktober 2026 aber länger dauern, eine zeitnahe Zusage lässt sich derzeit nicht in allen Fällen garantieren.
Die dritte Gruppe: Selbstständige, die noch nie mit KOMPASS Kontakt hatten. Für sie gibt es weiterhin Erstberatungen bei den Anlaufstellen, und es werden weiterhin Qualifizierungsschecks ausgegeben. Wegen der Kontingentierung kann in diesem Zeitraum aber nicht garantiert werden, dass ein Scheck sofort ausgestellt wird.
Wer in Gruppe zwei oder drei sitzt und seine Weiterbildung fest für 2026 eingeplant hat, sollte parallel eine andere Lösung prüfen, damit der Zeitplan nicht an der Wartezeit hängt. Die folgenden Wege funktionieren in der Praxis, allerdings mit klaren Voraussetzungen.
Bildungsgutschein: nur in einer ganz bestimmten Lage
Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III wird oft als Allzweckinstrument missverstanden. Er ist es nicht. Bildungsgutschein bekommt, wer entweder arbeitslos ist oder von Arbeitslosigkeit unmittelbar bedroht. Beides trifft auf laufend tätige Solo-Selbstständige normalerweise nicht zu.
Es gibt aber zwei Konstellationen, in denen es doch geht.
Wer aus der Selbstständigkeit aussteigen will und in Anstellung wechseln möchte, kann sich arbeitssuchend melden. Das gleiche gilt, wenn Aufträge wegbrechen und der Lebensunterhalt nicht mehr gesichert ist. In beiden Fällen prüfen die Vermittler der Bundesagentur für Arbeit, ob die Weiterbildung notwendig für eine Anstellung ist. Bei dem Berufsbild Digitalisierungsmanager gibt es eine relativ klare Argumentationslinie: 109.000 offene Stellen im Bereich IT und Digitalisierung, AZAV-Maßnahmenzertifikat 723/0097/2026 vorhanden, Vollzeit möglich.
Seit dem 1. Januar 2026 bewilligt nur noch die Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein. Das Jobcenter ist raus. Wer Bürgergeld bezieht (ab 1. Juli 2026 dann Grundsicherung), bekommt zwar Förderinstrumente, aber nicht den klassischen BG mehr. Solo-Selbstständige in der Krise sollten sich früh arbeitssuchend melden, nicht erst, wenn alle Reserven weg sind.
Mehr zum Antrag findest du in unserer detaillierten Bildungsgutschein-Anleitung. Pflichtinfo: Eine Vermittlung in Anstellung kann auch nach Weiterbildung nicht garantiert werden.
AVGS Coaching: bundesweit ohne Wartezeit verfügbar
Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ist die unterschätzte Alternative. Bis zu 60 Stunden Einzelcoaching werden gefördert, individuell zugeschnitten auf Branche, Tempo und Wissenslücken. AVGS gibt es sowohl von der Agentur für Arbeit als auch vom Jobcenter. Beides bleibt 2026 aktiv und kennt keine Kontingentierung.
Was bringt das einem Solo-Selbstständigen, der eine Weiterbildung sucht? Direkt erst mal nichts, denn AVGS finanziert kein Modul-Curriculum. Indirekt aber sehr viel, wenn das Coaching genau die Wissenslücken adressiert, die du sonst in einem Kurs schließen wolltest. Beispiel KI-Tools: 60 Stunden mit einem Coach, der dir Prompt-Engineering, Workflow-Aufbau in n8n und Auswahl der richtigen Modelle beibringt, ist nicht weit weg von einer kompakten KI-Weiterbildung.
Voraussetzung beim AVGS ist aber, dass du dich auch hier arbeitssuchend meldest oder im Bezug von Arbeitslosengeld 1 oder Bürgergeld bist. Reine Solo-Selbstständige im laufenden Geschäft bekommen den AVGS in der Regel nicht. Wer als Selbstständiger gerade in einer Auftragsflaute steckt und ohnehin neu sortiert, hat aber realistische Chancen.
Qualifizierungschancengesetz nur bei Anstellung
Das Qualifizierungschancengesetz nach § 82 SGB III ist 2026 weiter gestärkt worden. Kleinbetriebe unter 50 Mitarbeitern bekommen bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten plus bis zu 100 Prozent Lohnzuschuss während der Weiterbildung. Klingt gut. Greift für Solo-Selbstständige aber nicht, weil ein Anstellungsverhältnis Voraussetzung ist.
Eine Schiene gibt es trotzdem. Wer parallel zur Selbstständigkeit angestellt ist (Teilzeit-Anstellung plus Selbstständigkeit), kann das QCG über den Arbeitgeber beantragen. Der Antrag läuft komplett über die Personalabteilung. Im Beratungsgespräch mit unserer KMU-Hotline kommt das mehrfach pro Woche vor. Solo-Selbstständige, die Mini- oder Teilzeitjobs haben, denken oft nicht daran, dass diese Anstellung das QCG-Tor öffnet.
Mehr Detail dazu unter Qualifizierungschancengesetz.
Private Finanzierung als Betriebsausgabe
Die unbequeme Wahrheit ist: Wenn keine staatliche Förderung greift, finanzieren viele Solo-Selbstständige ihre Weiterbildung am Ende selbst. Das ist nicht so schlimm, wie es klingt. Der gesamte Kursbetrag plus Reisekosten, Unterbringung und Prüfungsgebühren sind als Betriebsausgaben abzugsfähig.
Bei einem Steuersatz von 30 Prozent reduziert sich die effektive Belastung um genau diesen Anteil. Eine Weiterbildung für 5.000 EUR kostet netto 3.500 EUR. Wer Soli und Kirchensteuer dazu rechnet, kommt nochmal etwas tiefer.
Bei größeren Investitionen lohnt der Blick auf zwei zusätzliche Hebel. Erstens: Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG. Bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten lassen sich vorab steuermindernd ansetzen, sofern die Weiterbildung sich klar einem Investitionsplan zuordnen lässt. Zweitens: Verteilung auf zwei Steuerjahre. Wer im Dezember bucht und im Januar zahlt, kann den Abzug in beiden Jahren nutzen. Steuerberater einbeziehen ist Pflicht, weil die Konstellationen je nach Rechtsform unterschiedlich sind.
Was heißt das für KI-Weiterbildung in 2026
Konkret zur KI-Weiterbildung beim DigiMan: Der Kurs dauert 16 Wochen, 720 UE, Vollzeit, komplett online. Mit AZAV-Maßnahmenzertifikat 723/0097/2026 (DEKRA) ist er für Bildungsgutschein zugelassen. Wer als Solo-Selbstständiger unter den oben beschriebenen Voraussetzungen Bildungsgutschein bekommt, zahlt 0 EUR. Wer privat finanziert, hat den vollen Betriebsausgabenabzug.
Eine Vermittlung in eine Anstellung nach dem Kurs kann nicht garantiert werden. Die Berufsperspektiven sind aber dokumentiert: Bitkom-Daten 2026 zeigen 109.000 offene Stellen im Bereich IT und Digitalisierung, das Berufsbild Digitalisierungsmanager wurde 2024 in den DQR aufgenommen. Mehr Details unter Digitalisierungsmanager.
Für einen unverbindlichen ersten Eindruck gibt es den kostenlosen KI-Schnupperkurs. Fünf Lektionen, etwa 90 Minuten Aufwand, kein Bildungsgutschein nötig. Wer nach den fünf Lektionen das Gefühl hat, dass es passt, kann im Anschluss den Foerderweg klären.
Wie es mit KOMPASS 2026 weitergeht
KOMPASS läuft weiter. Die begrenzte Ausgabe der Qualifizierungsschecks gilt voraussichtlich von Mai bis Oktober 2026, danach soll die reguläre Ausgabe wieder anlaufen. Wie schnell das geht, hängt vom Bearbeitungsstand der vorliegenden Anträge ab. Das Programm läuft offiziell bis 29.02.2028. Solo-Selbstständige sollten den aktuellen Stand alle paar Wochen auf kompass-foerderung.de oder direkt bei ihrer KOMPASS-Anlaufstelle prüfen.
Wer 2026 Weiterbildung machen will, sollte aber nicht nur auf KOMPASS warten. Die anderen Wege sind weniger komfortabel, aber sie funktionieren.
Häufige Fragen
Kann ich KOMPASS 2026 noch beantragen?
Ja. KOMPASS läuft weiter, es gibt keinen Aufnahme- oder Förderstopp. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist nur die Ausgabe der Qualifizierungsschecks bundesweit begrenzt, damit die vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden können. Erstberatungen werden weiterhin angeboten und es werden weiterhin Qualifizierungsschecks ausgegeben. In diesem Zeitraum lässt sich eine zeitnahe Ausstellung aber nicht in allen Fällen garantieren. Das Programm läuft offiziell bis 29.02.2028.
Welche Förderung greift für Solo-Selbstständige sofort?
Sofort und ohne Wartezeit nur AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein), wenn du dich arbeitssuchend meldest oder im Bezug von ALG 1 / Bürgergeld bist. Bildungsgutschein nur bei drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit. QCG nur über eine parallele Teilzeit-Anstellung.
Lohnt sich eine private Finanzierung der Weiterbildung steuerlich?
Ja, der gesamte Kursbetrag inklusive Reisekosten und Prüfungsgebühren ist als Betriebsausgabe abzugsfähig. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent reduziert sich die effektive Belastung um diesen Anteil. Steuerberater einbeziehen ist Pflicht, je nach Rechtsform und Höhe der Investition.
Kann ich Bildungsgutschein bekommen, wenn ich noch laufende Aufträge habe?
In der Regel nicht. Bildungsgutschein setzt voraus, dass Arbeitslosigkeit besteht oder unmittelbar droht. Wer als Solo-Selbstständiger laufende Aufträge hat, erfüllt das nicht. Die Ausnahme: drohender Verlust der Existenzgrundlage. Diese Prüfung macht der Vermittler bei der Agentur für Arbeit.
Wo melde ich mich, wenn ich aus der Selbstständigkeit aussteigen will?
Bei der Agentur für Arbeit unter der Hotline 0800 4 5555 00. Du meldest dich arbeitssuchend, ohne sofort die Selbstständigkeit aufgeben zu müssen. Im Beratungsgespräch wird der Status geklärt. Früh handeln ist besser als spät, weil die Bearbeitung mehrere Wochen dauern kann.
Solo-Selbstständige, die unsicher sind, welcher Weg zu ihrer Lage passt, können sich unter skill-sprinters.de/termin einen kurzen Telefontermin holen.
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.