Der KOMPASS-Aufnahmestopp 2026 trifft Solo-Selbstständige, die ihre Weiterbildung lange auf dieses Förderprogramm aufgebaut hatten. Seit dem 1. März gibt es bundesweit keine neuen Erstberatungen mehr, die Verlängerung des Stopps reicht nach aktueller Information bis voraussichtlich Ende Oktober 2026. Wer einen Qualifizierungscheck haben wollte, wird vertroestet. Wer schon gebucht hat, wartet darauf, dass der Zuschuss später freigegeben wird. Beides macht das Planen schwer.

Auf einen Blick: Stand Mai 2026 ist KOMPASS bundesweit für neue Fälle eingefroren, voraussichtlich bis 31.10.2026. Bis zu 4.500 EUR pro Jahr Zuschuss fallen damit für Solo-Selbstständige aktuell weg. Das Programm läuft offiziell bis 29.02.2028 weiter. Realistische Alternativen: Bildungsgutschein nur bei drohender Erwerbslosigkeit, AVGS für Coaching, Qualifizierungschancengesetz nur bei Anstellung, sonst private Finanzierung als Betriebsausgabe.

KOMPASS heißt voll ausgeschrieben "Kontakt- und Beratungsstelle für Selbstständige" und ist ein Programm des Bundesarbeitsministeriums für Solo-Selbstständige ohne Angestellte. Die Förderquote betraegt 90 Prozent der Lehrgangskosten, gedeckelt bei 4.500 EUR pro Jahr. Drei Anlaufstellen organisieren die Beratungen regional, eine davon in Bayern. Das Programm war seit dem Start im März 2024 stark nachgefragt. Die Mittel wurden früher als geplant vergeben.

Der Stopp kam nicht ohne Vorwarnung. Schon im Dezember 2025 hatten die regionalen Anlaufstellen darauf hingewiesen, dass die Mittel knapp werden. Im Februar 2026 stoppte die erste Region die Annahme, ab dem 1. März war es bundesweit. Die Verlängerung bis Ende Oktober wurde Ende April 2026 kommuniziert, mit dem Hinweis, dass eine fruehere Wiederaufnahme möglich ist, falls der Bundeshaushalt 2026 zusätzliche Mittel freigibt. Garantieren tut das niemand.

Wer jetzt einen Plan B braucht

Drei Gruppen sind unterschiedlich getroffen.

Die erste Gruppe: Solo-Selbstständige, die bereits einen Qualifizierungscheck in der Hand haben und einen Kurs gebucht haben. Hier läuft die Förderung weiter, der Zuschuss wird ausgezahlt wie zugesagt. Wer schon im System ist, ist auf der sicheren Seite.

Die zweite Gruppe: Selbstständige, die in der Erstberatung waren, aber noch keinen Qualifizierungscheck. Diese Fälle sind eingefroren. Sobald die Mittel wieder freigegeben werden, kommen sie zuerst dran. Realistisch heißt das: ab November 2026, vielleicht später.

Die dritte Gruppe: Selbstständige, die noch nie mit KOMPASS Kontakt hatten. Diese können aktuell nicht in das Programm einsteigen. Erstberatungen finden nicht mehr statt.

Wer in Gruppe zwei oder drei sitzt und seine Weiterbildung für 2026 geplant hatte, braucht eine andere Lösung. Die folgenden Wege funktionieren in der Praxis, allerdings mit klaren Voraussetzungen.

Bildungsgutschein: nur in einer ganz bestimmten Lage

Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III wird oft als Allzweckinstrument missverstanden. Er ist es nicht. Bildungsgutschein bekommt, wer entweder arbeitslos ist oder von Arbeitslosigkeit unmittelbar bedroht. Beides trifft auf laufend taetige Solo-Selbstständige normalerweise nicht zu.

Es gibt aber zwei Konstellationen, in denen es doch geht.

Wer aus der Selbstständigkeit aussteigen will und in Anstellung wechseln möchte, kann sich arbeitssuchend melden. Das gleiche gilt, wenn Aufträge wegbrechen und der Lebensunterhalt nicht mehr gesichert ist. In beiden Fällen prüfen die Vermittler der Bundesagentur für Arbeit, ob die Weiterbildung notwendig für eine Anstellung ist. Bei dem Berufsbild Digitalisierungsmanager gibt es eine relativ klare Argumentationslinie: 109.000 offene Stellen im Bereich IT und Digitalisierung, AZAV-Maßnahmenzertifikat 723/0097/2026 vorhanden, Vollzeit möglich.

Seit dem 1. Januar 2026 bewilligt nur noch die Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein. Das Jobcenter ist raus. Wer Bürgergeld bezieht (ab 1. Juli 2026 dann Grundsicherung), bekommt zwar Förderinstrumente, aber nicht den klassischen BG mehr. Solo-Selbstständige in der Krise sollten sich früh arbeitssuchend melden, nicht erst, wenn alle Reserven weg sind.

Mehr zum Antrag findest du in unserer detaillierten Bildungsgutschein-Anleitung. Pflichtinfo: Eine Vermittlung in Anstellung kann auch nach Weiterbildung nicht garantiert werden.

AVGS Coaching: das einzige bundesweite Tool ohne Stopp

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ist die unterschaetzte Alternative. Bis zu 60 Stunden Einzelcoaching werden gefördert, individuell zugeschnitten auf Branche, Tempo und Wissensluecken. AVGS gibt es sowohl von der Agentur für Arbeit als auch vom Jobcenter. Beides bleibt 2026 aktiv, ohne Aufnahmestopp.

Was bringt das einem Solo-Selbstständigen, der eine Weiterbildung sucht? Direkt erst mal nichts, denn AVGS finanziert kein Modul-Curriculum. Indirekt aber sehr viel, wenn das Coaching genau die Wissensluecken adressiert, die du sonst in einem Kurs schliessen wolltest. Beispiel KI-Tools: 60 Stunden mit einem Coach, der dir Prompt-Engineering, Workflow-Aufbau in n8n und Auswahl der richtigen Modelle beibringt, ist nicht weit weg von einer kompakten KI-Weiterbildung.

Voraussetzung beim AVGS ist aber, dass du dich auch hier arbeitssuchend meldest oder im Bezug von Arbeitslosengeld 1 oder Bürgergeld bist. Reine Solo-Selbstständige im laufenden Geschäft bekommen den AVGS in der Regel nicht. Wer als Selbstständiger gerade in einer Auftragsflaute steckt und ohnehin neu sortiert, hat aber realistische Chancen.

Qualifizierungschancengesetz nur bei Anstellung

Das Qualifizierungschancengesetz nach § 82 SGB III ist 2026 weiter gestärkt worden. Kleinbetriebe unter 10 Mitarbeitern bekommen bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten plus bis zu 100 Prozent Lohnzuschuss während der Weiterbildung. Klingt gut. Greift für Solo-Selbstständige aber nicht, weil ein Anstellungsverhaeltnis Voraussetzung ist.

Eine Schiene gibt es trotzdem. Wer parallel zur Selbstständigkeit angestellt ist (Teilzeit-Anstellung plus Selbstständigkeit), kann das QCG über den Arbeitgeber beantragen. Der Antrag läuft komplett über die Personalabteilung. Im Beratungsgespräch mit unserer KMU-Hotline kommt das mehrfach pro Woche vor. Solo-Selbstständige, die Mini- oder Teilzeitjobs haben, denken oft nicht daran, dass diese Anstellung das QCG-Tor öffnet.

Mehr Detail dazu unter Qualifizierungschancengesetz.

Private Finanzierung als Betriebsausgabe

Die unbequeme Wahrheit ist: Wenn keine staatliche Förderung greift, finanzieren viele Solo-Selbstständige ihre Weiterbildung am Ende selbst. Das ist nicht so schlimm, wie es klingt. Der gesamte Kursbetrag plus Reisekosten, Unterbringung und Pruefungsgebuehren sind als Betriebsausgaben abzugsfaehig.

Bei einem Steuersatz von 30 Prozent reduziert sich die effektive Belastung um genau diesen Anteil. Eine Weiterbildung für 5.000 EUR kostet netto 3.500 EUR. Wer Soli und Kirchensteuer dazu rechnet, kommt nochmal etwas tiefer.

Bei größeren Investitionen lohnt der Blick auf zwei zusätzliche Hebel. Erstens: Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG. Bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten lassen sich vorab steuermindernd ansetzen, sofern die Weiterbildung sich klar einem Investitionsplan zuordnen lässt. Zweitens: Verteilung auf zwei Steuerjahre. Wer im Dezember bucht und im Januar zahlt, kann den Abzug in beiden Jahren nutzen. Steuerberater einbeziehen ist Pflicht, weil die Konstellationen je nach Rechtsform unterschiedlich sind.

Was heißt das für KI-Weiterbildung in 2026

Konkret zur KI-Weiterbildung beim DigiMan: Der Kurs dauert 16 Wochen, 720 UE, Vollzeit, komplett online. Mit AZAV-Maßnahmenzertifikat 723/0097/2026 (DEKRA) ist er für Bildungsgutschein zugelassen. Wer als Solo-Selbstständiger unter den oben beschriebenen Voraussetzungen Bildungsgutschein bekommt, zahlt 0 EUR. Wer privat finanziert, hat den vollen Betriebsausgabenabzug.

Eine Vermittlung in eine Anstellung nach dem Kurs kann nicht garantiert werden. Die Berufsperspektiven sind aber dokumentiert: Bitkom-Daten 2026 zeigen 109.000 offene Stellen im Bereich IT und Digitalisierung, das Berufsbild Digitalisierungsmanager wurde 2024 in den DQR aufgenommen. Mehr Details unter Digitalisierungsmanager.

Für einen unverbindlichen ersten Eindruck gibt es den kostenlosen KI-Schnupperkurs. Fünf Lektionen, etwa 90 Minuten Aufwand, kein Bildungsgutschein nötig. Wer nach den fünf Lektionen das Gefühl hat, dass es passt, kann im Anschluss den Foerderweg klären.

Wann KOMPASS wahrscheinlich wieder öffnet

Verlässlich vorhersagen kann das niemand. Der Stopp wurde im April 2026 bis Ende Oktober verlängert. Eine zweite Verlängerung in den Januar 2027 ist nicht ausgeschlossen, falls der Bundeshaushalt 2026 keine zusaetzlichen Mittel bereitstellt. Das Programm selbst läuft offiziell noch bis 29.02.2028. Solo-Selbstständige sollten den Status alle paar Wochen über die regionalen Anlaufstellen oder direkt beim Bundesarbeitsministerium prüfen.

Wer 2026 Weiterbildung machen will, sollte aber nicht nur auf KOMPASS warten. Die anderen Wege sind weniger komfortabel, aber sie funktionieren.

Häufige Fragen

Kann ich KOMPASS auch nach Oktober 2026 noch beantragen?

Ja, sofern das Programm verlängert wird oder neue Mittel zugewiesen werden. Das Programm läuft offiziell bis 29.02.2028. Aktuell ist aber nur die Abwicklung bestehender Fälle möglich, keine neuen Erstberatungen. Eine garantierte Wiederaufnahme im November 2026 gibt es nicht.

Welche Förderung greift für Solo-Selbstständige sofort?

Sofort und ohne Wartezeit nur AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein), wenn du dich arbeitssuchend meldest oder im Bezug von ALG 1 / Bürgergeld bist. Bildungsgutschein nur bei drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit. QCG nur über eine parallele Teilzeit-Anstellung.

Lohnt sich eine private Finanzierung der Weiterbildung steuerlich?

Ja, der gesamte Kursbetrag inklusive Reisekosten und Pruefungsgebuehren ist als Betriebsausgabe abzugsfaehig. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent reduziert sich die effektive Belastung um diesen Anteil. Steuerberater einbeziehen ist Pflicht, je nach Rechtsform und Höhe der Investition.

Kann ich Bildungsgutschein bekommen, wenn ich noch laufende Aufträge habe?

In der Regel nicht. Bildungsgutschein setzt voraus, dass Arbeitslosigkeit besteht oder unmittelbar droht. Wer als Solo-Selbstständiger laufende Aufträge hat, erfüllt das nicht. Die Ausnahme: drohender Verlust der Existenzgrundlage. Diese Prüfung macht der Vermittler bei der Agentur für Arbeit.

Wo melde ich mich, wenn ich aus der Selbstständigkeit aussteigen will?

Bei der Agentur für Arbeit unter der Hotline 0800 4 5555 00. Du meldest dich arbeitssuchend, ohne sofort die Selbstständigkeit aufgeben zu müssen. Im Beratungsgespräch wird der Status geklaert. Früh handeln ist besser als spät, weil die Bearbeitung mehrere Wochen dauern kann.

Solo-Selbstständige, die unsicher sind, welcher Weg zu ihrer Lage passt, können sich unter skill-sprinters.de/termin einen kurzen Telefontermin holen.

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