Microsoft hat am 21. April 2026 die Beta-Phase für die Prüfung AI-901 gestartet. Das alte AI-900 (Azure AI Fundamentals) wird zum 30. Juni 2026 endgültig eingestellt. Wer in den nächsten Wochen eine Microsoft-Zertifizierung für KI-Grundlagen plant, steht vor einer einfachen Entscheidung: AI-900 noch schnell mitnehmen oder direkt auf AI-901 setzen. Dieser Artikel rechnet beide Optionen sauber durch und zeigt, was Microsoft inhaltlich verschoben hat.

Auf einen Blick: AI-900 endet am 30.06.2026. Nachfolger AI-901 läuft seit 21.04.2026 als Beta. Beide führen zum gleichen Zertifikat (Azure AI Fundamentals). Prüfungsgebühr 165 EUR, Beta rund 50 Prozent günstiger. Inhaltlicher Schwerpunkt verschiebt sich von einzelnen Azure-Diensten zu Microsoft Foundry. Stand: April 2026.

Was ist AI-901 überhaupt

AI-901 ist die neue Prüfung, die AI-900 ablöst. Beide sind Microsofts Einstiegszertifizierung für KI-Grundlagen auf Azure. Wer die Prüfung besteht, bekommt das Zertifikat mit dem Titel "Microsoft Certified: Azure AI Fundamentals". Der Titel bleibt identisch. Microsoft tauscht intern nur den Prüfungs-Code aus, weil der Inhalt sich deutlich verändert hat.

Die alte AI-900 fragte vor allem ab, was die einzelnen Azure-Dienste machen. Welcher Dienst ist für Computer Vision zuständig, was tut Azure OpenAI, wie funktioniert Cognitive Search. Praktisch: ein Wissenstest über das Azure-Service-Portfolio, mit etwas KI-Theorie drumherum.

AI-901 verschiebt den Fokus auf Microsoft Foundry. Foundry ist die im Frühjahr 2025 vorgestellte einheitliche Plattform, auf der Microsoft seine KI-Werkzeuge bündelt. Agent-Builder, Content Understanding, Model Catalog, Evaluation-Tools. Wer mit Foundry arbeitet, kann KI-Anwendungen schneller bauen, ohne sich durch zwölf einzelne Azure-Resource-Typen zu klicken. AI-901 testet, ob du das Plattform-Konzept verstanden hast.

Wer AI-900 schon hat, ist fertig

Eine wichtige Sache vorab. Wer AI-900 in den letzten Jahren bestanden hat, muss nichts tun. Microsoft-Zertifikate für Fundamentals-Prüfungen laufen nicht ab. Das Zertifikat bleibt lebenslang gültig. Auf LinkedIn, im CV oder in der Compliance-Dokumentation steht weiter "Azure AI Fundamentals", und das ist auch nach dem 30. Juni 2026 noch genau dieselbe Information.

Was sich ändert: Du kannst AI-900 nach dem Stichtag nicht mehr ablegen. Wer noch keinen Termin gebucht hat und vor dem 30. Juni Zeit für die Vorbereitung findet, kann AI-900 noch nehmen. Das Vorbereitungsmaterial ist jahrelang erprobt, Übungstests gibt es zuhauf, Microsoft Learn deckt jede einzelne Skill-Domain ab.

Für AI-901 ist das anders. Beta-Prüfungen sind erfahrungsgemäß strenger gewichtet, das Material ist noch in Bewegung, Übungstests sind dünn gesät.

Inhaltliche Verschiebung im Detail

Die alten AI-900-Module hatten fünf Skill-Domains. Künstliche-Intelligenz-Workloads beschreiben, fundamentale ML-Prinzipien, Computer Vision, Natural Language Processing, generative KI. AI-901 bündelt das anders. Foundry steht im Mittelpunkt, die einzelnen Cognitive Services tauchen nur noch als Sub-Module auf.

Konkret heißt das: AI-901 fragt häufiger ab, wie du eine Aufgabe mit Foundry löst, statt welcher einzelne Service verantwortlich ist. Beispiel-Frage könnte sein, wie du einen Agent baust, der Kundenanfragen klassifiziert, an die richtige Abteilung routet und gleichzeitig den Kundenstammdatensatz aktualisiert. Drei Schritte, eine Plattform-Konfiguration, mehrere Foundry-Komponenten im Zusammenspiel.

Praktisch sinnvoll ist die Verschiebung. Microsoft bewegt seine gesamten Enterprise-Kunden in Richtung Foundry, weil die Pflege von zwanzig einzelnen Cognitive-Services-Endpoints in einem mittelgroßen Unternehmen aus dem Ruder läuft. Wer in zwei oder drei Jahren mit Microsoft KI arbeitet, wird Foundry sehen, nicht Cognitive Services im klassischen Sinne.

Was die Prüfung kostet

Die regulären Prüfungsgebühren liegen bei rund 165 Euro für AI-901 in Deutschland. Das entspricht der Höhe von AI-900. Wer die Beta-Prüfung ablegt, zahlt deutlich weniger, im Bereich von 50 Prozent Rabatt, also etwa 80 bis 85 Euro. Der Haken: Beta-Ergebnisse kommen nicht sofort. Microsoft sammelt zuerst genug Daten, um die Bewertung zu kalibrieren. Erst nach vier bis sechs Wochen erhältst du Bestanden oder Nicht-Bestanden. Wer das Zertifikat zu einem festen Termin braucht, etwa für eine Bewerbung Anfang Juli, sollte deshalb die reguläre Prüfung wählen, sobald sie verfügbar ist.

Vorbereitungsmaterial: Microsoft Learn ist kostenlos, bietet aktuell aber noch nicht den vollständigen AI-901-Lernpfad in der Tiefe, wie es bei AI-900 der Fall war. Wer im April oder Mai 2026 antritt, arbeitet teilweise noch mit AI-900-Material und stopft die Foundry-Lücken über Microsoft-Blog-Posts und Foundry-Dokumentation.

Voraussetzungen, die früher fehlten

AI-900 war eine reine Wissensprüfung. Du musstest nichts können, du musstest nur wissen, dass es bestimmte Services gibt und wofür sie da sind.

AI-901 ändert das leicht. Microsoft listet "grundlegende Python-Kenntnisse" und "Azure-Resource-Verwaltung" als erwartete Voraussetzungen. Das heißt nicht, dass du in der Prüfung Python-Code schreibst. Aber Foundry-Workflows enthalten Code-Snippets, und wer noch nie eine Resource-Group im Azure-Portal gesehen hat, kommt an einigen Aufgaben ins Stocken.

Wer aus einer reinen Office- oder Marketing-Rolle kommt und null Cloud-Hintergrund hat, sollte vor AI-901 ein bis zwei Wochenenden mit dem Microsoft Learn Azure-Fundamentals-Pfad verbringen. Nicht zwingend mit Zertifikat-Anspruch, aber zur Orientierung.

Wann zu AI-901 wechseln

Drei Szenarien, in denen AI-901 die richtige Wahl ist:

Du hast vier oder mehr Monate Vorbereitungszeit. Foundry-Wissen wird in den nächsten Jahren die wertvollere Investition sein. Wer früh damit arbeitet, hat im Bewerbungsgespräch oder im Projekt einen Vorteil.

Du arbeitest in einem Unternehmen, das aktiv auf Microsoft Foundry migriert. Dann ist AI-901 nicht nur ein Zertifikat, sondern direkt Berufsalltag.

Du nimmst die Prüfung als Beta-Prüfung mit, weil das Risiko eines verspäteten Ergebnisses für dich überschaubar ist und du die Ersparnis mitnimmst.

In allen anderen Fällen ist AI-900 vor dem 30. Juni 2026 die unauffälligere Wahl. Vorbereitungsmaterial reichlich, Ergebnis sofort, Inhalt erprobt.

Was AI-901 nicht ist

Microsoft AI-901 ist ein Industrie-Zertifikat, kein behördliches Zertifikat. Das heißt: es ersetzt keine AZAV-Schulung, es ersetzt keine TÜV-Schulung, und es ist auch kein vollständiger Nachweis nach Art. 4 EU AI Act.

Art. 4 verlangt, dass Mitarbeiter, die KI-Systeme bedienen, ausreichend KI-Kompetenz nachweisen können. Was als Nachweis akzeptiert wird, ist nicht behördlich genormt. AI-900 oder AI-901 kann ein Baustein sein, aber sie decken nur Microsoft-spezifische Themen ab. Wer im Unternehmen einen vollständigen Kompetenz-Nachweis aufbauen muss, kombiniert das typischerweise mit einer rollenspezifischen Schulung. Dazu gehören Themen wie Datenschutz, Bias, menschliche Aufsicht, branchenspezifische Anwendungsfälle.

Wer Microsoft Foundry produktiv im Mittelstand einsetzt und gleichzeitig eine geförderte Komplettausbildung sucht, schaut sich die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager an. Die Maßnahme ist AZAV-zertifiziert, läuft 16 Wochen Vollzeit und deckt KI-Grundlagen, Tool-Auswahl, Prozessautomatisierung und Recht in einem durchgehenden Curriculum ab. Microsoft AI-900-Inhalte sind Teil des Lehrplans. Wer auf der Suche nach einem niederschwelligen Einstieg ist, testet vorher den kostenlosen KI-Schnupperkurs.

Praxis aus der Schulung

Wir sehen bei Teilnehmern unserer KI-Weiterbildungen regelmäßig den gleichen Reflex. Die Microsoft-Zertifizierung wird als Statussymbol gesucht. Im Gespräch mit dem Personaler ist sie aber nur ein Punkt unter vielen. Wer auf eine Stelle als KI-Beauftragter, Digitalisierungsmanager oder Junior-Data-Analyst zielt, braucht etwas anderes, das er vorzeigen kann. Ein eigenes Projekt. Ein Portfolio. Eine konkrete Implementierung, die Probleme im Unternehmen gelöst hat.

AI-901 ist deshalb das richtige Tool, wenn du es zusätzlich zu echten Praxisartefakten machst. Als alleinige Qualifikation in einem Lebenslauf ist es zu dünn. Das war bei AI-900 nicht anders, wird bei AI-901 aber wegen des stärkeren Praxis-Fokus von Foundry sogar sichtbarer. Personaler erkennen mittlerweile, ob jemand das Thema wirklich kann oder nur einen Multiple-Choice-Test bestanden hat.

Datenschutz und Microsoft Foundry

Ein Hinweis, der in der Aufregung um AI-901 oft untergeht. Wer Microsoft Foundry produktiv einsetzt, muss klären, ob die Verarbeitung über EU-Region läuft, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit Microsoft besteht und ob die Daten ohne Zustimmung in Trainings einfließen. Standardmäßig ist Foundry über mehrere Azure-Regionen verteilt, EU-Region ist konfigurierbar, aber kein automatischer Default. Wer mit personenbezogenen Daten arbeitet, lässt das Setup vom Datenschutzbeauftragten freigeben und führt eine Datenschutz-Folgenabschätzung, wenn die Anwendung sensitiv ist. Das ist nicht Inhalt der Prüfung, aber Inhalt der Realität.

Vorbereitung in zwei Stufen

Wer AI-901 ernsthaft anpeilt, sollte die Vorbereitung in zwei klar getrennte Phasen aufteilen. Die erste Phase ist Theorie. Microsoft Learn liefert kostenlos die Lernpfade, die offiziell zur Prüfung gehören, sowohl die noch verfügbaren AI-900-Module als auch die wachsende AI-901-Sammlung. Diese Module ehrlich durchzuarbeiten dauert für jemanden ohne Cloud-Hintergrund etwa 30 bis 50 Stunden. Wer schon mit Azure gearbeitet hat, kommt schneller durch.

Die zweite Phase ist Praxis. Hier entstehen die meisten Bewerber-Profile, die später überzeugen. Microsoft bietet kostenlose Sandbox-Umgebungen, in denen sich Foundry-Workflows ohne echte Kreditkarte testen lassen. Wer drei oder vier kleine Anwendungen baut, etwa einen Klassifikations-Agent, einen Dokumenten-Extraktor und einen Multi-Step-Workflow, hat mehr in der Hand als ein bloßes Zertifikat. Diese Praxis-Artefakte sind im Bewerbungsgespräch deutlich überzeugender als die Aussage, einen Multiple-Choice-Test bestanden zu haben.

Wer beide Phasen kombiniert, braucht insgesamt sechs bis zehn Wochen, bei zwei bis drei Stunden Übungszeit pro Woche. Wer es eiliger hat, schafft es in vier Wochen, opfert dafür aber Tiefe.

Was nach AI-901 kommt

Microsoft hat in den letzten zwei Jahren die KI-Zertifizierungs-Landkarte mehrfach umgebaut. Über AI-901 hinaus gibt es weiterführende Spezialisierungen, etwa AI-102 (Azure AI Engineer Associate) und in der Pipeline weitere rollenspezifische Zertifikate. Wer KI-Engineer werden will, braucht den Associate-Stack, nicht den Fundamentals-Stack. AI-901 ist der Einstieg, nicht das Ziel.

Für deutsche Bewerber gilt: Personaler in Mittelstand und Konzern interpretieren Microsoft-Zertifikate nüchtern. Sie sehen, dass jemand sich strukturiert mit dem Thema auseinandergesetzt hat, mehr nicht. Welche konkreten Aufgaben jemand wirklich kann, zeigt sich erst im Vorstellungsgespräch oder im Probearbeitstag. Das Zertifikat öffnet die Tür, gewinnt aber nicht das Spiel.

Häufige Fragen

Wann genau endet AI-900?

Microsoft hat den 30. Juni 2026 als finalen Stichtag kommuniziert. Nach diesem Datum kannst du die Prüfung nicht mehr ablegen. Bestehende Zertifikate bleiben gültig, sie laufen nicht ab. Wer noch im Mai oder Juni 2026 antritt, hat Zeit. Wer im Juli plant, muss auf AI-901 wechseln.

Was kostet die AI-901 Beta-Prüfung?

Die reguläre AI-901-Prüfung liegt bei rund 165 Euro in Deutschland. Die Beta-Variante kostet rund 50 Prozent weniger, also etwa 80 bis 85 Euro. Der Nachteil: das Ergebnis kommt erst nach vier bis sechs Wochen, weil Microsoft die Beta-Daten zur Kalibrierung sammelt. Wer das Zertifikat zu einem festen Termin braucht, wartet bis zur regulären Prüfung.

Brauche ich AI-901, wenn ich AI-900 schon habe?

Nein. AI-900-Zertifikate sind unbefristet gültig. Du musst nichts tun. Auf LinkedIn und im Lebenslauf bleibt das Zertifikat "Azure AI Fundamentals" stehen, der zugrunde liegende Prüfungs-Code ist für Personaler kein Unterschied. Inhaltlich ist AI-901 aktueller, aber nur dann nötig, wenn du Foundry-Wissen für deinen Job aktiv brauchst.

Reicht AI-901 als Nachweis nach Art. 4 EU AI Act?

Als alleiniger Nachweis ist es zu schmal. Art. 4 verlangt rollen-angemessene KI-Kompetenz. Microsoft AI-901 deckt KI-Grundlagen auf der Microsoft-Plattform ab. Datenschutz, Bias, menschliche Aufsicht, branchenspezifische Anwendungsfälle fehlen oder werden nur am Rand behandelt. Sinnvoll ist die Kombination mit einer rollenspezifischen Compliance-Schulung. Eine vollständige AZAV-zertifizierte Maßnahme deckt das Thema in einem Stück ab.

Quellen

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