SAP und Oxford Economics haben Mitte Juli 2026 den Value of AI Report 2026 veröffentlicht. Führungskräfte erwarten deutlich höhere Renditen aus ihren KI-Projekten, in Deutschland im Schnitt 24 Prozent nach 17 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig hinkt die Steuerung von KI-Agenten hinterher. Global setzen 38 Prozent der Betriebe Agenten ohne menschliche Kontrolle ein, nur 12 Prozent halten sich bei der Governance für voll bereit. Die Zahlen stammen aus einer Umfrage unter 2.600 Führungskräften und sind Erwartungswerte, keine gemessene Rendite.
Der SAP Value of AI Report 2026, gemeinsam mit Oxford Economics erstellt, zeichnet ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite klettern die Renditeerwartungen für KI kräftig nach oben. Auf der anderen Seite räumen die befragten Führungskräfte ein, dass sie autonome KI-Agenten schneller in Betrieb nehmen, als sie sie kontrollieren können.
Was der Report misst
Für die Studie befragte Oxford Economics 2.600 Führungskräfte in 13 Ländern, davon 200 aus Deutschland. Berichtet wird über Investitionsvolumen, erwartete Rendite und den Reifegrad bei der Steuerung von KI. Ein Punkt vorweg, der den Rest einordnet: Es geht hier um Selbstauskünfte. Die Befragten schätzen, was ihre KI bringen soll, nicht was sie am Ende gebracht hat.
Der Kundenkreis von SAP besteht überwiegend aus großen Unternehmen. Die Zahlen bilden also die Enterprise-Welt ab, nicht den Handwerksbetrieb um die Ecke. Das ändert nichts an der Richtung des Trends, aber es ändert die Größenordnung. Wer die Millionenbeträge liest, sollte sie als Konzern-Budgets verstehen und nicht als Zielmarke für den eigenen Laden.
Deutschland zieht bei der Rendite an
Deutsche Unternehmen erwarten für 2026 im Schnitt 24 Prozent Rendite aus ihren KI-Investitionen, nach 17 Prozent im Vorjahr. Das ist ein spürbarer Sprung innerhalb eines Jahres. Zum Vergleich der globale Wert: Dort liegt die erwartete Rendite 2026 bei 21 Prozent nach zuvor 16 Prozent. Deutschland liegt also über dem internationalen Durchschnitt, sowohl beim Optimismus als auch beim Zuwachs.
Auch beim Geld liegt Deutschland vorn. Deutsche Firmen planen im Schnitt rund 35 Millionen Euro für KI ein und damit deutlich mehr als der Länderschnitt von rund 24 Millionen Euro. Das sind Durchschnittswerte großer Organisationen, keine Beträge, die sich auf einen einzelnen Standort oder gar einen Mittelständler herunterbrechen lassen.
Steigende Erwartungen sind kein Beweis für steigende Ergebnisse. Sie zeigen, dass die Chefetagen inzwischen mehr zutrauen und mehr Budget freimachen. Ob die 24 Prozent am Jahresende wirklich in der Bilanz stehen, wird der nächste Report zeigen, nicht dieser. Genau darin liegt die Krux jeder Erwartungsumfrage: Sie misst, was Menschen glauben, nicht was am Ende passiert.
Agentische KI: hohe Hoffnung, wenig Aufsicht
Am stärksten wächst die Erwartung an sogenannte agentische KI, also Systeme, die Aufgaben eigenständig planen und ausführen. Global soll die Rendite aus agentischer KI binnen zwei Jahren auf rund 17,6 Millionen US-Dollar steigen. Das ist mehr als eine Vervierfachung gegenüber zuletzt 4,3 Millionen US-Dollar. Der Wert ist ausdrücklich in US-Dollar angegeben und bezieht sich auf den globalen Schnitt.
Hier klafft die Lücke. Global setzen 38 Prozent der Betriebe KI-Agenten ohne Human-in-the-Loop ein, also ohne einen Menschen, der Entscheidungen prüft oder abbricht. Nur 12 Prozent halten sich bei der KI-Governance für voll bereit. Und nur 3 Prozent fühlen sich global voll auf den Einsatz von KI-Agenten vorbereitet. In Deutschland sind es 4 Prozent. Die Zahlen für den Reifegrad sind also niedrig, egal ob man auf die Welt oder auf Deutschland schaut.
Wer eine autonome KI ohne Kontrollpunkt laufen lässt, verlagert Verantwortung an ein System, das keine Verantwortung tragen kann. Das ist in der Praxis oft ein größeres Thema als auf dem Papier, weil ein Agent mehr tut als einen Text zu formulieren. Er löst Bestellungen aus, erteilt Freigaben oder verarbeitet Kundendaten. Ein falsch konfigurierter Agent macht seinen Fehler dann hundertfach, bevor jemand ihn bemerkt. Kontrolle nachzurüsten ist dann teurer, als sie von Anfang an einzubauen.
Warum die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind
Alle genannten Werte sind Erwartungen und Selbsteinschätzungen von Führungskräften. Eine erwartete Rendite von 24 Prozent ist eine Prognose, kein Kontoauszug. Das ist keine Kritik am Report. So funktioniert eine Umfrage nun einmal. Studien dieser Art messen Stimmung und Absicht, und beides ist wertvoll, solange man es nicht mit realisierten Ergebnissen verwechselt.
Wichtig ist auch die saubere Trennung von globalen und deutschen Zahlen. Die 24 Prozent Rendite, die rund 35 Millionen Euro Investition und die 4 Prozent Vorbereitung beziehen sich auf Deutschland. Die Governance-Quoten von 38, 12 und 3 Prozent sowie die 17,6 Millionen US-Dollar aus agentischer KI sind globale Werte. Wer diese Zahlen durcheinanderwirft, bekommt schnell ein verzerrtes Bild.
Und noch ein Detail lohnt den zweiten Blick. Die Investitionssumme ist in Euro angegeben, der agentische Renditewert von 17,6 Millionen dagegen in US-Dollar. Beide Größen gehören nicht in dieselbe Rechnung, auch wenn Schlagzeilen sie gern nebeneinanderstellen. Wer aus dem Report Argumente für die eigene Planung zieht, sollte zuerst klären, welche Kennzahl sich auf welchen Markt und welche Währung bezieht. Das klingt nach Kleinigkeit, entscheidet aber darüber, ob eine Zahl trägt oder in sich zusammenfällt, sobald jemand nachrechnet.
Was das für kleine Betriebe bedeutet
Für einen Handwerksbetrieb oder ein kleines Dienstleistungsunternehmen sind 35 Millionen Euro keine Orientierungsgröße. Die eigentliche Botschaft steckt nicht in den Budgets, sondern im Verhältnis von Tempo und Kontrolle. Wenn schon Konzerne mit eigenen IT-Abteilungen bei der Steuerung hinterherhinken, sollte ein kleiner Betrieb umso genauer hinschauen, bevor er ein KI-System unbeaufsichtigt arbeiten lässt. Ein kleiner Betrieb hat dabei sogar einen Vorteil: Er kann jeden Vorgang persönlich nachvollziehen, weil die Wege kurz sind und niemand in einer Kette aus Abteilungen die Verantwortung weiterreicht. Diese Übersicht ist ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt.
Praktisch heißt das: klein anfangen, jeden KI-Vorgang zunächst von einem Menschen gegenprüfen lassen und erst dann Verantwortung abgeben, wenn das System sich über Wochen bewährt hat. Wir sehen bei unseren Teilnehmern regelmäßig, dass der Nutzen von KI meistens am fehlenden Wissen darüber scheitert, wo ein Mensch im Prozess bleiben muss, und nur selten am Werkzeug selbst.
Dazu kommt der rechtliche Rahmen. Die EU-KI-Verordnung verlangt seit dem 2. Februar 2025 eine ausreichende KI-Kompetenz bei allen, die KI-Systeme betreiben oder einsetzen (Artikel 4). Das ersetzt keine juristische Beratung und ist im Einzelfall zu prüfen, aber es unterstreicht, worum es im SAP-Report indirekt auch geht. Ohne Menschen, die verstehen, was das System tut, bleibt jede Renditeerwartung ein Risiko. Wer sich in das Thema einarbeiten will, findet einen praktischen Einstieg in unserem Ratgeber zur KI-Rendite im Mittelstand.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. Juli 2026):
- SAP News Center: Primärquelle zum Value of AI Report 2026 mit den globalen Kernzahlen zu Rendite, agentischer KI und Governance
- heise online: Deutschland-Auswertung der Studie (24 Prozent Rendite nach 17 Prozent, rund 35 Millionen Euro Investition, 200 deutsche Befragte)
- CIO.com: unabhängige Einordnung der Governance-Lücke und der Investitionszahlen
Häufige Fragen
Was ist der SAP Value of AI Report 2026?
Es ist eine Studie, die SAP gemeinsam mit Oxford Economics erstellt und Mitte Juli 2026 veröffentlicht hat. Befragt wurden 2.600 Führungskräfte in 13 Ländern, davon 200 aus Deutschland. Der Report misst, wie viel Unternehmen in KI investieren, welche Rendite sie erwarten und wie gut sie den Einsatz von KI-Agenten steuern.
Wie hoch ist die erwartete KI-Rendite laut der Studie?
Deutsche Unternehmen erwarten für 2026 im Schnitt 24 Prozent Rendite aus ihren KI-Investitionen, nach 17 Prozent im Vorjahr. Global liegt der Wert bei 21 Prozent nach zuvor 16 Prozent. Es handelt sich um Erwartungswerte aus einer Umfrage, nicht um bereits realisierte Renditen.
Was bedeutet die Governance-Lücke bei KI-Agenten?
Global setzen 38 Prozent der befragten Betriebe KI-Agenten ohne Human-in-the-Loop ein, also ohne einen Menschen, der Entscheidungen prüft oder stoppt. Nur 12 Prozent halten sich bei der KI-Governance für voll bereit, und nur 3 Prozent fühlen sich global voll auf den Einsatz von Agenten vorbereitet. Die Systeme werden also schneller genutzt, als sie kontrolliert werden.
Sind diese Zahlen auch für kleine Betriebe relevant?
Die Investitionssummen von rund 35 Millionen Euro stammen aus dem Umfeld großer Unternehmen und taugen für einen kleinen Betrieb nicht als Maßstab. Übertragbar ist aber die Lehre: Wenn schon Konzerne bei der Kontrolle hinterherhinken, sollte ein kleiner Betrieb KI erst dann unbeaufsichtigt arbeiten lassen, wenn sich das System bewährt hat. Klein anfangen und jeden Vorgang zunächst gegenprüfen lassen ist der sicherere Weg.
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Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026. Stand der Recherche: 26. Juli 2026.