Auf die Schnelle

Am 22. Juli 2026 hat OpenAI Presence vorgestellt, eine Plattform, mit der große Unternehmen Sprach- und Chat-Agenten für den Kundenkontakt ausrollen und steuern. Der Zugang läuft nur über das OpenAI-Account-Team, es gibt keinen Self-Service und keine offene Anmeldung. Im Kern geht es um Kontrolle: hinterlegte Regeln, Berechtigungen, Eskalation an Menschen und Testläufe vor dem Livegang. OpenAI nennt für seine eigene englischsprachige Hotline eine Lösungsquote von 75 Prozent, das ist eine Eigenangabe und keine unabhängig geprüfte Zahl. Für einen kleinen Betrieb ist Presence heute kein Kaufobjekt, aber ein deutliches Signal, wohin sich der Markt bewegt.

OpenAI Presence ist eine Enterprise-Plattform, mit der Firmen KI-Agenten für Telefon und Chat aufsetzen, steuern und überwachen. Vorgestellt wurde sie am 22. Juli 2026 in einer limitierten allgemeinen Verfügbarkeit. Wer sie nutzen will, muss über das OpenAI-Account-Team gehen. Ein Formular ausfüllen und loslegen geht nicht.

Was Presence eigentlich ist

Presence bündelt das, was viele Unternehmen bisher selbst zusammenbauen mussten: einen Sprach- oder Chatbot, der mit Kunden spricht, dazu die ganze Steuerung darum herum. Dazu gehört die Schicht, die festlegt, was der Agent darf, worauf er zugreift und wann er an einen Menschen abgibt. Das Modell, das antwortet, ist dabei nur ein Teil.

Berichtet wird das durchgehend als Plattform für den Kundenkontakt. Genannte Einsatzfelder sind Support, Vertriebsentwicklung, Beschaffung, IT und HR. Der Agent nimmt also Anrufe von Kunden entgegen und deckt daneben interne Abläufe ab, etwa Anfragen aus der eigenen Belegschaft an die Personalabteilung oder die IT.

Für die Einordnung ist ein Punkt entscheidend. Das ist ein Werkzeug für große Organisationen mit eigenem OpenAI-Ansprechpartner. Nach den vorliegenden Berichten wird Presence eher wie ein Beratungsprodukt mit Begleitung vor Ort verkauft, nicht als Software von der Stange. Von einem Preismodell mit Beratungscharakter ist die Rede, harte Zahlen dazu sind bisher nicht belegt. Wer also auf einen Sticker mit Monatspreis wartet, wird ihn vorerst nicht finden.

Wie die Kontrolle funktioniert

Der interessante Teil steckt nicht im Sprechen, sondern im Zügeln. Presence bringt laut den Berichten Richtlinien und Standardarbeitsanweisungen mit, dazu eine Berechtigungssteuerung. Der Agent greift nur auf die Daten und Systeme zu, die er für die jeweilige Aufgabe wirklich braucht. Alles andere bleibt für ihn geschlossen.

Dazu kommen Leitplanken und feste Eskalationsregeln. Erreicht ein Gespräch eine vorher definierte Grenze, soll der Fall an einen Menschen übergeben werden. Vor dem Livegang lassen sich die Agenten in Simulationen testen und mit Bewertungswerkzeugen prüfen, statt sie ungetestet auf echte Kunden loszulassen.

Das klingt technisch, ist aber der eigentliche Kern der Sache. Ein Sprachbot, der freundlich klingt, ist einfach zu bauen. Ein Sprachbot, der zuverlässig weiß, was er nicht tun darf, wann er aufhört und an wen er abgibt, ist die schwierige Aufgabe. An dieser Stelle positioniert sich Presence, und das ist auch der Grund, warum das Produkt für Konzerne mit sensiblen Kundendaten überhaupt in Frage kommt.

Welche Rolle Codex spielt

Ein zweiter Baustein ist OpenAIs Coding-Agent Codex. Er schaut sich laufende Sessions aus dem Produktivbetrieb an, wertet Signale aus und schlägt Verbesserungen vor. Vorgeschlagene Änderungen werden getestet, bevor sie greifen.

Entscheidend ist, dass die Kontrolle beim Menschen bleibt. Codex optimiert sich nicht heimlich selbst und schiebt Änderungen unbemerkt in den Livebetrieb. Die finale Freigabe ist Teil des Governance-Rahmens, ein Mitarbeiter behält die Hand darauf. Wer diesen Unterschied verwischt, verkauft eine Autonomie, die so gar nicht angekündigt wurde. Für die Praxis heißt das: Der Agent lernt begleitet dazu, aber jemand muss das absegnen.

Die 75-Prozent-Zahl richtig lesen

OpenAI betreibt mit Presence die eigene englischsprachige Telefon-Hotline unter der Nummer 1-888-GPT-0090. Nach eigenen Angaben löst der Agent dort 75 Prozent der eingehenden Anliegen ohne einen Menschen. Zusätzlich meldet OpenAI, dass die Übergaben an Menschen binnen zehn Tagen um 15 Prozentpunkte gesunken seien.

Beide Werte stammen von OpenAI selbst. Keine der unabhängigen Quellen hat sie nachgemessen oder bestätigt. Das macht sie nicht automatisch falsch, aber es sind Herstellerzahlen aus einem selbst gebauten Anwendungsfall unter guten Bedingungen. In einem fremden Betrieb, mit dessen Datenlage und dessen Kunden, kann das Ergebnis deutlich anders ausfallen. Eine Lösungsquote ist außerdem nur die halbe Wahrheit, wenn niemand die Qualität der verbleibenden 25 Prozent kennt.

Wir sehen bei unseren Teilnehmern immer wieder, dass solche Prozentzahlen in der Praxis kippen, sobald die Fragen unsauber, die Systeme im Hintergrund veraltet oder die Abläufe nicht dokumentiert sind. Ein Agent ist nur so gut wie die Regeln und Daten, die er bekommt. Daran scheitern die meisten Projekte, nicht am Sprachmodell. Wer das unterschätzt, wundert sich nach ein paar Wochen, warum der Bot Kunden im Kreis schickt.

Wer Presence heute schon einsetzt

Als erste Kunden werden BBVA Mexiko und SoftBank genannt. Die Bank BBVA setzt Presence im Sprachsupport ein, SoftBank betreibt damit japanischsprachige Agenten. Auch der australische Versicherer Retail Insurance Australia, Teil der IAG-Gruppe, wird als früher Anwender aufgeführt. Das sind sehr unterschiedliche Branchen mit unterschiedlichen Sprachen und Regularien, was zeigt, dass die Plattform breit angelegt ist.

Das zeigt zwei Dinge. Erstens ist Presence von Anfang an mehrsprachig gedacht und nicht auf Englisch beschränkt, was für einen internationalen Konzern zählt. Zweitens sind die Referenzkunden Organisationen mit sehr großen Support-Volumen. Für diese Größenordnung rechnet sich die aufwändige Einrichtung samt Begleitung. Für den Fünf-Mann-Betrieb nebenan rechnet sie sich bisher nicht.

Was das für kleine Betriebe bedeutet

Für den deutschen Mittelstand, das Handwerk und kleine Firmen ist Presence heute kein Produkt zum Kaufen. Kein Self-Service, kein Onlineshop, kein Startpaket. Wer eine Handwerksfirma mit zehn Leuten führt, wird über das OpenAI-Account-Team so schnell keinen Vertrag bekommen und braucht ihn auch nicht.

Der Wert der Meldung liegt woanders. Sie markiert, dass Sprach-Agenten im Kundenkontakt aus der Bastelphase in eine kontrollierte, überwachbare Serienreife wandern. Was heute Konzerne einsetzen, kommt erfahrungsgemäß ein bis zwei Jahre später in abgespeckter Form auch für kleinere Betriebe. Praktikable Bausteine wie ein einfacher Telefonassistent gibt es schon jetzt. An anderer Stelle haben wir beschrieben, was ein KI-Telefonassistent für kleine und mittlere Firmen leisten kann und wo die Grenzen liegen.

Wer sich mit dem Thema befasst, sollte einen Punkt im Kopf behalten. Seit dem 2. Februar 2025 gilt die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 der EU-KI-Verordnung. Betriebe, die KI-Systeme einsetzen, müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter im Umgang damit ausreichend geschult sind. Das ersetzt keine juristische Beratung im Einzelfall, aber es zeigt, dass Kompetenz beim KI-Einsatz kein Nice-to-have mehr ist. Wer früh anfängt, das eigene Team fit zu machen, steht besser da als jemand, der einem fertigen Konzernwerkzeug hinterherläuft, das er ohnehin nicht kaufen kann.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. Juli 2026):

Häufige Fragen

Kann ich OpenAI Presence als kleiner Betrieb einfach buchen?

Nein. Presence ist ein Enterprise-Produkt in limitierter allgemeiner Verfügbarkeit, der Zugang läuft ausschließlich über das OpenAI-Account-Team. Es gibt keinen Self-Service und keine offene Anmeldung. Für eine kleine Firma ist es heute kein Kaufobjekt, sondern eher ein Signal, wohin sich der Markt entwickelt.

Stimmt es, dass Presence 75 Prozent der Anfragen ohne Menschen löst?

Diese Zahl bezieht sich auf OpenAIs eigene englischsprachige Hotline und ist eine Eigenangabe des Unternehmens. Keine der unabhängigen Quellen hat den Wert nachgemessen oder bestätigt. In einem anderen Betrieb mit anderer Datenlage und anderen Kunden kann das Ergebnis deutlich abweichen.

Steuert sich der KI-Agent bei Presence komplett selbst?

Nein. OpenAIs Codex-Agent prüft laufende Sessions und schlägt Verbesserungen vor, die vor dem Einsatz getestet werden. Die Freigabe bleibt jedoch beim Menschen, das ist Teil des Kontrollrahmens. Presence ist also kein vollautonomes System, das sich unbemerkt selbst optimiert.

Was hat die EU-KI-Verordnung mit dem Einsatz solcher Agenten zu tun?

Seit dem 2. Februar 2025 gilt die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 der EU-KI-Verordnung. Betriebe, die KI-Systeme einsetzen, müssen ihre Mitarbeiter ausreichend im Umgang damit schulen. Das ersetzt keine juristische Beratung im Einzelfall, macht aber deutlich, dass Kompetenz beim KI-Einsatz Pflicht wird.

KI im Betrieb praktisch einsetzen lernen?

Im kostenlosen KI-Schnupperkurs zeigen wir in fünf Lektionen, wie kleine und mittlere Firmen KI im Alltag nutzen. Tiefer und praxisnah geht es im Vollkurs Digitalisierungsmanager, DEKRA-zertifiziert und förderfähig über den Bildungsgutschein.


Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026. Stand der Recherche: 26. Juli 2026.