Nach dem Start der eigentlichen Kampagne waren laut GreyNoise binnen 26 Sekunden mindestens 11 Organisationen kompromittiert.
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Ein Druckserver mit weitreichenden Rechten
PaperCut verwaltet Druck-, Kopier- und Scanaufträge. NG und MF sind die Varianten, die Organisationen selbst betreiben. Unter Windows laufen diese laut GreyNoise standardmäßig mit SYSTEM-Rechten, meist sind sie in die Windows-Domäne eingebunden und mit dem Active Directory verbunden.
Ausgenutzt wurden zwei Schwachstellen. CVE-2026-81578 (laut PaperCut CVSS 8,8, hoch) umgeht die Anmeldung in der Web-Verwaltung; ein nicht angemeldeter Angreifer kann darüber bestimmte Systemeinstellungen ändern. CVE-2026-82078 (CVSS 9,4, kritisch) betrifft das unsichere dynamische Laden von Klassen im Datenbank-Connector und erlaubt bei manipulierten Einstellungen das Ausführen von Java-Code im Sicherheitskontext des Servers.
Knapp sechs Stunden bis zum Domänen-Administrator
Im Bericht „Agents Gone Wild“ beschreibt GreyNoise, wie ein Angreifer am 31. August 2026 KI nutzte, um Angriffe auf beide Lücken zu entwickeln und einzusetzen. Zuerst baute er eine eigene Testumgebung mit einer verwundbaren PaperCut-Installation und einem Active Directory. Parallel stellte er über einen Internet-Scandienst Ziellisten zusammen. Danach liefen laut GreyNoise „Hunderte KI-Agenten“. Als Agenten-Umgebung diente OpenAIs Codex, angetrieben wurden die Agenten von einem DeepSeek-Modell, und GreyNoise betont, dass keine OpenAI-Modelle im Einsatz waren.
Das Tempo ist der eigentliche Befund. Vom leeren Arbeitsbereich bis zur ersten Codeausführung bei einem echten Opfer vergingen laut GreyNoise knapp vier Stunden, bis zum ersten Domänen-Administrator zwei weitere. Ähnlich schnell war der Angreifer, der mit einem Code-Chatbot in unter sechs Stunden eine Maschine zum Einsammeln tausender Zugangsdaten baute, über den wir am 9. September 2026 berichtet haben.
Dass der Angreifer wahrscheinlich russischsprachig ist, bleibt eine Einschätzung von GreyNoise.
Wie weit die Agenten in die Netze kamen
Alle folgenden Zahlen stammen allein aus dem GreyNoise-Bericht. Mindestens 440 PaperCut-Installationen bei 395 identifizierten Organisationen in 48 Ländern wurden demnach kompromittiert, dazu weitere echte Opfer ohne zuordenbare Organisation. Zugangsdaten griff der Angreifer laut Tabelle in 280 Fällen ab, Betriebssystem- oder Domänengeheimnisse erbeutete er in 147. Volle Domänen-Administratorrechte erreichte er nur bei 12, und wo das gelang, dauerte es zwischen 5 und 144 Minuten. Verzögerungen von mehreren Tagen lagen laut GreyNoise allein daran, dass er nicht sofort weitermachte.
Für Deutschland führt die Tabelle 15 Opfer. Bei 8 davon wurden Zugangsdaten abgegriffen, bei 2 Betriebssystem- oder Domänengeheimnisse. Bis zu Domänen-Administratorrechten kam der Angreifer in einem Fall. In der Schweiz sind es 14 Opfer, in Österreich eines, und die meisten entfallen auf die USA mit 98 und Großbritannien mit 59.
Nach Branchen liegt Bildung mit 204 Opfern weit vorn, was GreyNoise eher für eine Folge des Kundenstamms von PaperCut hält. Unter den übrigen Branchen nennt GreyNoise etwa „Einzelhandel, Gewerbe, freie Berufe“ mit 38 Opfern und „IT, Systemhäuser, Druck-Wiederverkäufer“ mit 25.
Die Kampagne wirkte laut GreyNoise opportunistisch, also ohne gezielte Auswahl einzelner Opfer. Seinen Agenten gab der Angreifer eine Liste von 28 Ländern mit, die nicht angegriffen werden sollten, darunter Russland, China, Iran und Belarus. In einigen Fällen hielten sich die Agenten nicht daran. Warum, ist laut GreyNoise unklar.
Ebenso offen ist, ob der Angreifer die Zugänge selbst weiter nutzt, etwa für Datendiebstahl oder Erpressungssoftware, oder an andere weitergibt. Frühere Angriffe über PaperCut haben laut GreyNoise zu Erpressung geführt.
Was PaperCut den Betreibern rät
In seinem fortlaufend aktualisierten Sicherheitsbulletin, zuletzt am 10. September 2026, nennt PaperCut reguläre, voll getestete Wartungsversionen: NG/MF 26.0.5, 25.0.13 und 24.1.10. Sie enthalten alle Korrekturen der drei vorherigen Notfall-Patches und ersetzen diese. Empfohlen wird das Update allen Kunden, unabhängig davon, ob der Server aus dem Internet erreichbar ist, und wer noch auf Notfall-Patch 1 oder 2 steht, soll sofort aktualisieren.
Für Anwendungsserver, die aus dem öffentlichen Internet erreichbar sind, rät PaperCut, den Webzugriff sofort per Firewall oder Netzwerk-Zugriffsregeln auf vertrauenswürdige IP-Adressen zu beschränken, etwa auf interne. Aktualisiert werden müssen laut Hersteller neben dem Hauptserver auch Site-Server und sekundäre Druckserver.
Die Meldungen neuer Kompromittierungen haben laut PaperCut in der Woche vor dem 10. September deutlich nachgelassen. Öffentlich erreichbare, ungepatchte Server würden aber weiter angegriffen, und eine zweite Welle sei ausgefeilter vorgegangen als die ersten Tage. Als mögliche Einbruchsspuren nennt der Hersteller unter anderem fehlende oder abgeschnittene Protokolldateien und unerwartet installierte Fernwartungssoftware. Fehlen solche Spuren, ist das laut PaperCut keine Bestätigung, dass ein System nicht betroffen ist.
PaperCut verweist im Bulletin auf den GreyNoise-Bericht, hat die dort genannten Indikatoren nach eigener Aussage aber nicht selbst geprüft.
Unsere Einschätzung
Aus unserer Sicht ist der Druckserver in vielen Betrieben das Gerät, an das niemand denkt. Eingerichtet hat ihn einmal das Systemhaus, und welche Rechte er im Netz hat, weiß im Haus oft keiner mehr. Ein Angreifer mit Hunderten Agenten muss gar nicht auswählen, er grast ab, was erreichbar ist.
Beruhigend ist, was im selben Bericht steht. Domänen-Administrator wurde der Angreifer nur bei 12 von 395 Organisationen, und in mindestens einem Fall hat ihn laut GreyNoise eine vorgeschaltete Web Application Firewall gestoppt. Sinngemäß schreibt GreyNoise dazu, grundlegende Härtung von Umgebungen zähle auch gegen KI-gestützte Bedrohungen weiterhin.
Wir würden deshalb bei den Grundlagen anfangen: Verwaltungsoberflächen nicht offen ins Internet hängen und Updates auch auf Randsystemen einspielen. Dienstkonten sollten aus unserer Sicht keine Domänen-Administratorrechte haben, solange ihre Aufgabe das nicht verlangt.
Der erste Schritt ist eine Liste. Wir würden beim Systemhaus schriftlich erfragen, welche Verwaltungsoberflächen von außen erreichbar sind, den Druckserver ausdrücklich eingeschlossen.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 13. September 2026):
- GreyNoise: Agents Gone Wild: An AI-Orchestrated Global Campaign Against PaperCut NG/MF
- PaperCut: Security Bulletin, Urgent Security Advisory
- The Register: Hundreds of AI agents helped PaperCut attacker hit 395+ orgs
Häufige Fragen
Was ist bei dem Angriff auf PaperCut NG und MF passiert?
Laut einem Bericht des US-Sicherheitsunternehmens GreyNoise vom 9. September 2026 nutzte ein Angreifer Hunderte KI-Agenten, um die Schwachstellen CVE-2026-81578 und CVE-2026-82078 in den selbst betriebenen PaperCut-Varianten auszunutzen. Kompromittiert wurden demnach mindestens 440 Installationen bei 395 identifizierten Organisationen in 48 Ländern. Die Zuordnung zu einem wahrscheinlich russischsprachigen Täter ist eine Einschätzung von GreyNoise.
Sind auch Organisationen in Deutschland betroffen?
Die Tabelle im GreyNoise-Bericht nennt 15 Opfer in Deutschland. Bei 8 davon griff der Angreifer Zugangsdaten ab, bei 2 Betriebssystem- oder Domänengeheimnisse, bei einem erlangte er Domänen-Administratorrechte. Für die Schweiz führt GreyNoise 14 Opfer, für Österreich eines. Alle Opferzahlen stammen allein aus diesem Bericht.
Welche PaperCut-Versionen empfiehlt der Hersteller?
PaperCut nennt in seinem Sicherheitsbulletin, zuletzt aktualisiert am 10. September 2026, die regulären Wartungsversionen NG/MF 26.0.5, 25.0.13 und 24.1.10. Sie enthalten alle Korrekturen der drei vorherigen Notfall-Patches und ersetzen diese. Das Update empfiehlt PaperCut allen Kunden, unabhängig davon, ob der Server aus dem Internet erreichbar ist.
Was sollte ein Betrieb mit PaperCut NG oder MF jetzt tun?
Laut PaperCut gehört das Update auf eine der Wartungsversionen dazu, und zwar auch auf Site-Servern und sekundären Druckservern. Ist der Anwendungsserver aus dem öffentlichen Internet erreichbar, soll der Webzugriff sofort auf vertrauenswürdige IP-Adressen beschränkt werden. Fehlende Hinweise auf einen Einbruch sind laut PaperCut keine Bestätigung, dass ein System nicht betroffen ist. Aus unserer Sicht lohnt sich zusätzlich eine schriftliche Liste aller Verwaltungsoberflächen, die von außen erreichbar sind.
Wann hat im Betrieb zuletzt jemand geprüft, mit welchen Rechten der Druckserver im Netz läuft?
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Zuletzt aktualisiert: 13. September 2026. Stand der Recherche: 13. September 2026.