Absender war dem Anschein nach der eigene Geschäftsführer, im Text stand eine knappe Freigabe, und darunter hing eine Rechnung, die niemand gestellt hatte.

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Eine Freigabe vom Chef, darunter die Rechnung

Den Bericht hat Microsoft Security Research am 10. September 2026 im Microsoft Security Blog veröffentlicht. Entdeckt wurde die Kampagne zwischen dem 3. und 5. August 2026, verschickt wurde sie über mehrere Konten bei E-Mail-Versanddiensten Dritter. Unter den Zielbranchen nennt Microsoft unter anderem IT-Dienstleistungen und Unternehmensberatung sowie Konsumgüter.

87,7 Prozent der Mails gingen an Nutzer in den USA. Wie sich der Rest auf andere Länder verteilt, schlüsselt Microsoft nicht auf, ob Firmen in Deutschland darunter waren, lässt sich dem Bericht also nicht entnehmen.

Jede Mail war auf die Firma zugeschnitten, die sie erreichen sollte. Der Angreifer trat als Geschäftsführer, Finanzvorstand oder Präsident genau dieser Firma auf, bis hinein in die Signatur. Adressat war die Buchhaltung desselben Hauses. Im Text stand eine knappe Freigabe der „Rechnung unten“, dazu das Angebot, bei Bedarf eine PDF-Fassung anzufordern. Unter der Signatur folgte eine Rechnung im Stil von ServiceNow, mit allem, was eine echte Rechnung ausmacht, von der Rechnungsnummer bis zu den Positionen. Im Feld „Rechnung an“ standen der Name der angegriffenen Firma und der ihres Geschäftsführers. Gefordert waren knapp 50.000 US-Dollar, in den USA per ACH, dem dortigen Überweisungsverfahren, auf Konten des Angreifers bei wechselnden Banken. Ganz unten hing ein angeblich weitergeleiteter Mailverlauf, in dem der vermeintliche Geschäftsführer mit dem vermeintlichen ServiceNow-Präsidenten über Kauf und Einführung bis hin zur Rechnung schrieb.

Ein bekannter Markenname als Tarnung

Die gefälschte Rechnung trug die Bezeichnung „ServiceNow Platform, Annual Subscription“. Von ServiceNow stammt sie nicht. Microsoft stellt ausdrücklich klar, dass es keine Hinweise gibt, dass ServiceNow oder andere in den Mails genannte echte Organisationen kompromittiert oder beteiligt waren.

Vorbereitet wurde der Auftritt kurz vor der Kampagne. Die Domain für die gefälschte ServiceNow-Adresse ist laut Microsoft am 31. Juli 2026 registriert worden, am selben Tag eine zweite für die Antwortadresse.

Woran die Fälschung zu erkennen war

Microsoft nennt Merkmale, an denen sich die Mails hätten entlarven lassen:

Die Empfehlungen im Bericht betreffen überwiegend Produkte von Microsoft selbst: die automatische Angriffsunterbrechung in Defender XDR, Zero-hour Auto Purge in Office 365, das bereits zugestellte Mails nachträglich entfernt, Anti-Phishing-Lösungen und korrekt eingerichtete Mail-Connectors. Dazu kommt die Absender-Authentifizierung über SPF, DKIM und DMARC. Wie viele Empfänger gezahlt haben oder welcher Schaden entstanden ist, nennt Microsoft nicht.

Spuren von KI, mit Vorbehalt des Entdeckers

In der Vorlage selbst findet Microsoft Merkmale, die auf generative KI hindeuten. Im Code der Mails standen ausführliche HTML-Kommentare, die Abschnitte trugen strukturierte Beschriftungen mit großgeschriebenen Titeln. Der Aufbau war sehr gleichförmig. Trennbalken bestanden aus Gleichheitszeichen, und im Text tauchten lange Gedankenstriche auf. Über die untersuchten Proben blieben Rechnungsnummern und Erzählstruktur weitgehend gleich, nur die firmenbezogenen Angaben wechselten.

Microsoft schränkt das selbst ein: Diese Indikatoren deuten auf generative KI hin, belegen aber für sich nicht, in welchem Umfang KI die Inhalte erzeugt hat.

Auch der lange Gedankenstrich ist nur ein Hinweis unter mehreren und für sich kein Beweis. Wie viel von der Vorlage ein Sprachmodell geschrieben hat, bleibt damit offen.

Unsere Einschätzung

Die Grundidee ist alt: Ein falscher Chef gibt eine Zahlung frei. Neu an dieser Kampagne ist aus unserer Sicht, wie geschlossen das Paket wirkt. Freigabe und Rechnung stützen sich gegenseitig, der erfundene Verlauf liefert die passende Vorgeschichte. Dazu trägt jede Mail den Namen der Firma, die sie bekommt. Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein gewöhnlicher Geschäftsvorgang.

In kleinen Betrieben sitzt die Buchhaltung häufig allein, und sie kennt den Chef gut genug, um eine knappe Freigabe ohne Rückfrage abzuarbeiten. Auf genau dieses Vertrauen zielt eine solche Mail. Microsoft zeigt zwar, dass sich die Fälschung erkennen lässt, aber nur bei genauem Hinsehen, und kein Filter ersetzt eine klare Regel im Haus.

Wir würden deshalb eine Regel festlegen, die im Microsoft-Bericht nicht vorkommt und ausdrücklich unsere eigene Empfehlung ist. Neue Zahlungsempfänger und geänderte Kontoverbindungen werden erst bezahlt, wenn sie über einen zweiten, bekannten Weg bestätigt sind, etwa durch einen Rückruf unter der Nummer aus den eigenen Stammdaten. Eine Mail reicht dafür nie, auch wenn sie vom Chef zu kommen scheint, und eine Telefonnummer aus der verdächtigen Mail ist kein bekannter Weg. Entscheidend ist die Richtung: Der Betrieb ruft selbst an. Dass auch ein eingehender Anruf vom Chef gefälscht sein kann, beschreibt der Artikel Der Chef ruft an, doch es ist eine Stimme aus dem Computer.

Wer die Regel vorher ausspricht, nimmt der Buchhaltung außerdem die Sorge, den Chef mit einer Rückfrage zu verärgern. Die Rückfrage folgt dann einer Vorgabe, die alle kennen.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 13. September 2026):

Häufige Fragen

Was hat Microsoft über die Betrugskampagne mit gefälschten Chef-Mails berichtet?

Microsoft hat am 10. September 2026 im Microsoft Security Blog eine Kampagne beschrieben, die zwischen dem 3. und 5. August 2026 entdeckt wurde und mehr als eine Million E-Mails umfasste. Die Mails gaben sich als Nachricht der Firmenleitung der angeschriebenen Firma aus und sollten die Buchhaltung dazu bringen, knapp 50.000 US-Dollar auf Konten des Angreifers zu überweisen. 87,7 Prozent der Mails gingen an Nutzer in den USA, eine Aufschlüsselung der übrigen Länder nennt Microsoft nicht.

War ServiceNow an dem Rechnungsbetrug beteiligt?

Der Angreifer verwendete eine gefälschte Rechnung im Stil von ServiceNow, die nicht von ServiceNow stammt. Microsoft stellt ausdrücklich klar, dass es keine Hinweise gibt, dass ServiceNow oder andere in den Mails genannte echte Organisationen kompromittiert oder beteiligt waren.

Ist belegt, dass die Betrugsmails mit KI erstellt wurden?

Nein. Microsoft nennt Merkmale in der Vorlage, die auf generative KI hindeuten, etwa ausführliche HTML-Kommentare im Mailcode und einen sehr gleichförmigen Aufbau. Nach Microsofts eigener Einschränkung belegen diese Indikatoren für sich aber nicht, in welchem Umfang KI die Inhalte erzeugt hat.

Was sollte ein Betrieb nach diesem Bericht jetzt regeln?

Die Empfehlungen im Microsoft-Bericht betreffen überwiegend eigene Produkte von Microsoft sowie die Absender-Authentifizierung über SPF, DKIM und DMARC. Aus unserer Sicht gehört zusätzlich eine feste Regel ins Haus, die nicht aus dem Bericht stammt: Neue Zahlungsempfänger und geänderte Kontoverbindungen werden erst bezahlt, wenn sie über einen zweiten, bekannten Weg bestätigt sind, etwa per Rückruf unter der Nummer aus den eigenen Stammdaten. Eine Mail allein reicht dafür nie, auch wenn sie vom Chef zu kommen scheint.

Wer im Betrieb darf eine neue Kontoverbindung freigeben, und auf welchem Weg wird sie bestätigt?

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Zuletzt aktualisiert: 13. September 2026. Stand der Recherche: 13. September 2026.