Ein Text aus ChatGPT soll in der EU künftig ein Signal tragen, das kein Leser sieht.

Erst kostenlos reinschnuppern, dann entscheiden

Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, sieh dir kostenlos an, wie sie läuft, fünf Lektionen plus Live-Demo, ohne Verpflichtung. Passt es, ist der Digitalisierungsmanager bei bewilligtem Bildungsgutschein für dich kostenlos.

Kostenlos reinschnuppern

Der Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Was OpenAI angekündigt hat

Am Montag, 5. Oktober 2026, veröffentlichte OpenAI den Beitrag „Our approach to EU text provenance rules“. Darin kündigt die Firma an, in den kommenden Wochen ein unsichtbares Wasserzeichen in geeignete Textausgaben von ChatGPT und Codex in der Europäischen Union einzubauen. Gelten soll das laut OpenAI für berechtigte Nutzer in allen Tarifen, aber nur in der EU. Zum weltweiten Standard macht OpenAI das Text-Wasserzeichen zum Start ausdrücklich nicht.

Gestartet ist damit noch nichts. Ein Datum fehlt, und was das englische „eligible“ umfasst, also welche Ausgaben und welche Nutzer als geeignet gelten, erläutert der Beitrag nicht.

Anders liegt es bei der Programmierschnittstelle. API-Kunden können das Wasserzeichen seit dem 5. Oktober weltweit für ausgewählte Modelle freiwillig einschalten, standardmäßig bleibt es dort aus. Über Cloud-Partner soll es laut OpenAI in den kommenden Wochen ebenfalls verfügbar werden. Als Grund nennt OpenAI die KI-Verordnung der EU: Sie verlange von Anbietern generativer KI, erzeugten Text maschinenlesbar erkennbar zu machen. TechCrunch schreibt, die Transparenzregeln der Verordnung gälten seit dem 2. August, it-daily.net nennt Artikel 50 der KI-Verordnung als Hintergrund.

Zeitlich ordnet TechCrunch die Ankündigung so ein: Sie komme zwei Monate, nachdem Anthropic erklärt hatte, Texte von Claude zu markieren, und zwar weltweit. Über dieses Verfahren haben wir im Artikel Claude schreibt ab jetzt mit unsichtbarer Unterschrift berichtet.

Ein Muster in der Wortwahl

textGrain heißt das Verfahren. Nach Angaben von OpenAI legt es ein unsichtbares statistisches Signal in die Wortwahl des Modells, und ein Detektor sucht später danach. Ein sichtbares Zeichen gibt es laut TechCrunch nicht; weil das Muster in den Wörtern selbst steckt, wandert es beim Kopieren und Einfügen mit. Versteckte Zeichen werden laut Trending Topics nicht eingefügt.

Prüfen können das vorerst wenige. Den Detektor bekommen zunächst nur zugelassene Forscher und Fachorganisationen, der Zugang wird im Einzelfall vergeben, Anträge sind seit dem 5. Oktober möglich. Öffentlich stellt OpenAI ihn zum Start nicht bereit und begründet das mit dem Risiko übersehener Wasserzeichen und falscher Treffer. Einen Termin für einen öffentlichen Detektor gibt es nicht, OpenAI will den Zugang erst ausweiten, wenn sich Ergebnisse verantwortlich deuten lassen. Trending Topics folgert daraus, dass normale Nutzer nicht selbst prüfen können, ob ein Text markiert ist. Die Prüfwerkzeuge für Bilder und Audio bleiben laut OpenAI öffentlich zugänglich.

Zur Qualität der Antworten macht OpenAI eine eigene Angabe: In den Benchmarks, mit denen die Firma ihr Modell Astra bewertet, sehe sie mit und ohne Wasserzeichen keine nennenswerten Leistungsunterschiede. Ein technischer Bericht ist veröffentlicht und soll in den kommenden Wochen ergänzt werden. Außerdem plant OpenAI, die Technik als Open Source bereitzustellen.

Wie zuverlässig ist die Erkennung?

Alle Zahlen dazu stammen von OpenAI selbst, unabhängige Messungen fehlen. Bei einer angestrebten Falsch-Positiv-Rate von 1 Prozent erkannte der Detektor das Wasserzeichen laut OpenAI in rund 80 Prozent der Passagen mit 200 Tokens und in rund 95 Prozent der Passagen mit 400 Tokens. Getestet wurden dabei Antworten auf Psychologiefragen. Bei Mathematik lagen die Raten nach Angaben der Firma deutlich niedriger, weil die Wortwahl dort weniger Spielraum lässt. Auch Bearbeitung schwächt das Signal. Wurden in Passagen mit 400 Tokens 10 Prozent der Wörter durch Synonyme ersetzt, sank die Erkennung von rund 92 auf 66 Prozent, bei 25 Prozent ersetzten Wörtern auf 17 Prozent. Die veröffentlichten Messwerte stammen laut OpenAI aus englischen Antworten. Zu deutschen Texten nennt der Beitrag keine Zahlen, und übersetzter Text gilt laut OpenAI als schwerer erkennbar.

Wie gut das Verfahren bei deutschen Geschäftstexten greift, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben deshalb nicht ablesen.

Was das Wasserzeichen nicht aussagt

Die Grenzen zieht OpenAI in seinem Beitrag selbst. Nach Darstellung der Firma gilt für das Wasserzeichen:

Umgekehrt gilt dasselbe. Ein fehlendes Wasserzeichen beweist laut OpenAI nicht, dass ein Mensch den Text geschrieben hat. Der Text kann zu kurz, bearbeitet oder übersetzt sein, aus einem nicht unterstützten Modell stammen oder von einem anderen Anbieter.

Unsere Einschätzung

Aus unserer Sicht ändert sich im Büroalltag zunächst wenig. Das Signal ist unsichtbar, und ohne Zugang zum Detektor kann ein Betrieb es nicht prüfen.

Wichtiger finden wir die Liste dessen, was das Wasserzeichen nicht leistet. Die Entscheidung, ob ein Text als KI-gestützt gekennzeichnet wird, bleibt beim Betrieb, mit oder ohne Markierung. Ein fehlendes Wasserzeichen beweist nach OpenAIs eigener Darstellung nicht, dass ein Mensch geschrieben hat, und über Verantwortung oder Richtigkeit sagt ein vorhandenes nichts. Wir würden daraus zwei Dinge ableiten. Wer Entwürfe aus ChatGPT gründlich überarbeitet, sollte weder damit rechnen, dass die Markierung erhalten bleibt, noch damit, dass sie verschwunden ist. Und wer Bewerbungen, Angebote oder Hausarbeiten bewertet, sollte einen Detektorbefund, falls er je vorliegt, nicht als Urteil über die Person lesen.

Eine Regel dafür, wann KI-Unterstützung offen genannt wird, braucht ein Betrieb weiterhin selbst. Die nimmt ihm kein Wasserzeichen ab.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 10. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Ab wann will OpenAI Texte aus ChatGPT und Codex in der EU markieren?

OpenAI hat am 5. Oktober 2026 angekündigt, das Wasserzeichen in den kommenden Wochen in geeignete Textausgaben von ChatGPT und Codex in der Europäischen Union einzubauen. Ein Datum nennt die Firma nicht. Welche Ausgaben und welche Nutzer als geeignet gelten, erläutert der Beitrag ebenfalls nicht.

Kann ein Betrieb selbst prüfen, ob ein Text das Wasserzeichen trägt?

Zum Start nicht. Den Detektor bekommen laut OpenAI zunächst nur zugelassene Forscher und Fachorganisationen, der Zugang wird im Einzelfall vergeben. Einen Termin für einen öffentlichen Detektor nennt OpenAI nicht.

Beweist ein fehlendes Wasserzeichen, dass ein Mensch den Text geschrieben hat?

Nein, das sagt OpenAI ausdrücklich. Der Text kann zu kurz, bearbeitet oder übersetzt sein, aus einem nicht unterstützten Modell stammen oder von einem anderen Anbieter. Das Wasserzeichen misst nach Angaben von OpenAI auch nicht den menschlichen Anteil an einem Text und identifiziert keinen Nutzer.

Muss ein Betrieb wegen der Ankündigung jetzt etwas regeln?

Aus der Ankündigung selbst ergibt sich kein Handgriff, das Wasserzeichen ist für Betriebe weder sichtbar noch prüfbar. Aus unserer Sicht lohnt es sich trotzdem, im Betrieb festzulegen, wann KI-Unterstützung bei einem Text offen genannt wird. Diese Entscheidung nimmt das Wasserzeichen niemandem ab.

Wer im Betrieb entscheidet, wann ein Text als KI-gestützt gekennzeichnet wird?

Im kostenlosen KI-Schnupperkurs zeigen wir in fünf Lektionen, wie kleine und mittlere Firmen KI im Alltag einsetzen. Tiefer und praxisnah geht es im Vollkurs Digitalisierungsmanager, DEKRA-zertifiziert und förderfähig über den Bildungsgutschein.


Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2026. Stand der Recherche: 10. Oktober 2026.