Zwischen dem Grafikprozessor in einem Rechenzentrum und der Monatsrechnung eines Handwerksbetriebs für sein KI-Werkzeug liegen mehrere Firmen, die alle eigene Preise machen.
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Was der Bericht vom 26. August ausweist
Die Zahlen selbst sind schnell erzählt. Laut NVIDIA lag der Umsatz des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2027 bei 96,2 Milliarden US-Dollar, 18 Prozent über dem Vorquartal und 106 Prozent über dem Vorjahreswert. Auf das Segment Rechenzentrum entfielen 89,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 117 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was laut Bericht 92 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Das Ergebnis je verwässerter Aktie gibt das Unternehmen mit 2,46 US-Dollar nach GAAP und 2,22 US-Dollar nach non-GAAP an. Der Umsatz lag laut Bericht 5,7 Prozent über der Mitte der eigenen Prognose von 91,0 Milliarden US-Dollar, das vierzehnte Quartal in Folge über der eigenen Vorhersage. Bemerkenswerter als die Serie ist ihr schrumpfender Abstand: Er ging laut derselben Quelle von 22,8 Prozent im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2024 auf jetzt 5,7 Prozent zurück. Für das dritte Quartal nennt das Unternehmen 108,0 Milliarden US-Dollar Umsatz mit einer Schwankungsbreite von zwei Prozent sowie einen Betriebsaufwand von rund 9,2 Milliarden US-Dollar nach GAAP und rund 9,0 Milliarden nach non-GAAP.
Für das Geschäftsjahr 2028 stellt Firmengründer Jensen Huang laut Bericht ein Umsatzwachstum von 70 Prozent in Aussicht, deutlich über den Schätzungen.
Alles davon sind Angaben eines Unternehmens über den eigenen Geschäftsverlauf, gerichtet an Kapitalgeber. Über die Preise, die am anderen Ende der Kette stehen, sagen Umsatzzahlen von sich aus nichts.
Die eine Zahl mit Preisbezug
Genau eine Angabe im ganzen Bericht zeigt überhaupt in Richtung Preis, und sie steht im Ausblick. Die Bruttomarge lag im abgelaufenen Quartal nach beiden Rechnungsarten bei 75,0 Prozent. Für das laufende Quartal nennt das Unternehmen 74,0 Prozent, mit einer Schwankungsbreite von 50 Basispunkten.
Ein Prozentpunkt Marge beim Hersteller. Mehr Preissignal gibt der Bericht nicht her.
Wer daraus ableitet, dass KI-Werkzeuge im kommenden Jahr günstiger werden, überdehnt die Angabe erheblich. Eine sinkende Bruttomarge kann viele Ursachen haben, von der Zusammensetzung des Produktmixes bis zu Einkaufspreisen, und keine dieser Ursachen wandert automatisch bis zur Rechnung eines Betriebs mit 40 Mitarbeitern durch.
Vom Chip bis zur Rechnung
Dazwischen liegen mindestens drei weitere Stufen mit eigener Kalkulation. Der Betreiber des Rechenzentrums kauft die Hardware, baut Strom und Kühlung darum herum und schreibt sie über Jahre ab. Der Modellanbieter mietet dort Kapazität und legt seine Forschungs- und Betriebskosten auf einen Preis je Token um. Der Softwareanbieter, dessen Werkzeug im Betrieb tatsächlich benutzt wird, kauft bei diesem Modellanbieter ein und macht daraus einen Monatspreis je Arbeitsplatz oder ein Guthabenmodell. Jede dieser Stufen kann eine Ersparnis weitergeben, und jede kann sie einbehalten, um die eigene Marge zu verbessern.
Hinzu kommt, dass die Rechenleistung nur ein Kostenblock von mehreren ist. Wie stark der Preis einer KI-Serverlandschaft an Bauteilen hängt, die mit dem Grafikprozessor nichts zu tun haben, wurde im Beitrag zu KI-Serverpreisen und Speicherkosten beschrieben.
Was auf der Kundenseite bereits sichtbar ist
Aussagekräftiger als jede Zahl im Bericht ist ein Satz aus der Mitteilung. Die KI habe ihren Wendepunkt erreicht, sagt Huang dort, sie leiste nützliche Arbeit, ihre Tokens seien produktiv und profitabel, und Rechenleistung sei jetzt Umsatz.
Das ist die Sicht des Verkäufers, und aus Kundensicht liest sie sich als Ansage. Wo Rechenleistung Umsatz ist, wird nach Verbrauch abgerechnet. Ein Betrieb, der ein KI-Werkzeug einführt, bekommt seine Kosten dann nicht mehr über eine feste Lizenzgebühr planbar geliefert, sondern über eine Größe, die mit der Nutzung schwankt und die im Zweifel niemand im Haus beobachtet.
Genau da liegt die praktische Aufgabe. Wer heute ein solches Werkzeug einführt, sollte von Anfang an wissen, wo der Verbrauch abzulesen ist, wer ihn monatlich anschaut und ab welchem Betrag jemand nachfragt.
Unsere Einschätzung
In unseren Kursen taucht die Frage nach den Preisen regelmäßig auf, und sie kommt fast immer in der gleichen Form: Lohnt es sich, noch ein Jahr zu warten, weil dann alles billiger ist. Diese Rechnung geht nach unserer Erfahrung selten auf. Gewartet wird auf eine Preissenkung, die niemand zugesagt hat, während der Betrieb ein Jahr an Übung verliert, die sich später nicht nachholen lässt. Die Einarbeitung von Mitarbeitern, das Sortieren der Abläufe, das Aufräumen der Daten: Diese Arbeit kostet Zeit und wird durch einen niedrigeren Tokenpreis um keinen Tag kürzer.
Die belastbare Lehre aus einem Quartalsbericht ist deshalb eine andere. Ein Hersteller, der 89,0 Milliarden US-Dollar in einem Quartal mit Rechenzentrumstechnik umsetzt und für das Folgequartal 108,0 Milliarden in Aussicht stellt, beschreibt einen Markt, in dem Rechenleistung knapp und gefragt ist. Wer in einer solchen Lage seine Budgetplanung auf sinkende Preise stützt, plant gegen die einzige Richtung, die belegt ist.
Zwei Dinge sind daher vernünftig, und beide kosten nichts. Den eigenen Verbrauch von Anfang an messen, bevor eine Guthabenrechnung das erste Mal überrascht. Und mit dem Preis rechnen, der heute im Vertrag steht, nicht mit dem, den eine Marktprognose für übermorgen verspricht.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 28. August 2026):
- NVIDIA: NVIDIA Announces Financial Results for Second Quarter Fiscal 2027
- REX Shares: NVIDIA Earnings: Revenue, Data Center, and What the Print Means for AI Capex
- 24/7 Wall St.: Jensen Huang's compute is revenue case for Nvidia's valuation
- CNBC: Nvidia earnings takeaways: Huang forecasts 70% fiscal 2028 revenue growth, far above estimates
Häufige Fragen
Welche Zahlen hat NVIDIA am 26. August 2026 veröffentlicht?
Laut NVIDIA lag der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. Juli 2026 endete, bei 96,2 Milliarden US-Dollar. Das sind 18 Prozent mehr als im Vorquartal und 106 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf das Segment Rechenzentrum entfielen 89,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 117 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ergebnis je verwässerter Aktie gibt das Unternehmen mit 2,46 US-Dollar nach GAAP und 2,22 US-Dollar nach non-GAAP an.
Werden KI-Werkzeuge durch diese Zahlen billiger?
Das lässt sich aus dem Bericht nicht ableiten. Er enthält keinen Preis je Rechenstunde, je Token und je Grafikprozessor. Die einzige Angabe mit Preisbezug ist die Bruttomarge: Sie lag laut NVIDIA im abgelaufenen Quartal nach GAAP und non-GAAP bei jeweils 75,0 Prozent, für das laufende Quartal stellt das Unternehmen 74,0 Prozent mit einer Schwankungsbreite von 50 Basispunkten in Aussicht.
Warum kommt eine Ersparnis beim Chiphersteller nicht automatisch beim Betrieb an?
Zwischen dem Grafikprozessor und der Rechnung eines Betriebs liegen mehrere Stufen mit eigener Kalkulation. Der Rechenzentrumsbetreiber kauft die Hardware und schreibt sie über Jahre ab, der Modellanbieter mietet dort Kapazität und legt seine Kosten auf einen Preis je Token um, der Softwareanbieter macht daraus einen Monatspreis oder ein Guthabenmodell. Jede Stufe kann eine Ersparnis weitergeben oder für die eigene Marge einbehalten.
Was sollte ein Betrieb daraus praktisch mitnehmen?
Den eigenen Verbrauch messen, bevor die erste Guthabenrechnung überrascht: Wo ist der Verbrauch ablesbar, wer schaut ihn monatlich an, ab welchem Betrag fragt jemand nach. Für die Budgetplanung gilt der Preis, der heute im Vertrag steht. Mit sinkenden Preisen zu rechnen, ist derzeit durch nichts gedeckt, was ein Anbieter öffentlich zugesagt hat.
Wer im Betrieb schaut monatlich nach, wie viel die KI-Werkzeuge tatsächlich verbraucht haben?
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Zuletzt aktualisiert: 28. August 2026. Stand der Recherche: 28. August 2026.