Die Stichprobe dieser Studie beginnt bei zehn Beschäftigten, gemeint ist also auch der Betrieb mit einer Handvoll Rechnern im Büro.
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Erstmals eine Spanne, keine feste Summe
Bitkom weist die Schadenssumme in diesem Jahr als Korridor aus. Das untere Ende von 211 Milliarden Euro umfasst laut Bitkom die nachweisbaren Angriffe, das obere Ende von 270,8 Milliarden Euro auch die vermuteten. Im Vorjahr stand dort eine einzelne Zahl von 289,2 Milliarden Euro, laut Bericht von heise online, und die Produktionsausfälle gingen demnach von 73,3 auf 36,5 Milliarden Euro zurück.
Die Spanne ist selbst ein Befund. Laut Bitkom konnten nur noch 67 Prozent der Unternehmen einen erfolgreichen Angriff mit Sicherheit feststellen, im Vorjahr waren es 87 Prozent, und der Anteil derer, die einen Angriff lediglich vermuten, stieg von 10 auf 29 Prozent.
An der Breite hat sich wenig geändert: 96 Prozent aller befragten Unternehmen waren laut Bitkom betroffen oder vermuten es, nach 97 Prozent im Vorjahr. An der Gewissheit hat sich viel geändert.
Die Spur führt häufiger zu Nachrichtendiensten
37 Prozent der betroffenen Unternehmen ordneten laut Bitkom mindestens einen Angriff einem ausländischen Nachrichtendienst zu. 2023 lag dieser Wert bei 7 Prozent, im Vorjahr bei 28 Prozent. Größte Tätergruppe bleibt mit 62 Prozent die organisierte Kriminalität, nach 68 Prozent im Vorjahr. Bei der Herkunft nennen die sicher betroffenen Unternehmen am häufigsten China mit 52 Prozent und Russland mit 49 Prozent, danach folgen Osteuropa ohne EU mit 34 Prozent und die USA mit 27 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.
Sinan Selen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, wird in der Bitkom-Presseinformation mit der Einschätzung zitiert, ausländische Nachrichtendienste hätten ihre hybriden Aktivitäten intensiviert und seien zunehmend für die Angriffe auf die deutsche Wirtschaft verantwortlich.
Warum aus einem Angriff ein Schaden wird
Für einen Betrieb mit zwanzig oder achtzig Leuten ist der brauchbarste Teil der Studie die Frage, woran es lag. Am häufigsten nennen geschädigte Unternehmen laut Bitkom eine unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen mit 59 Prozent. Danach kommen Fehlkonfigurationen von IT-Systemen mit 57 Prozent und ein unzureichendes Identitäts- und Zugriffsmanagement mit 55 Prozent. Technische Schwachstellen liegen bei 50 Prozent, veraltete Hard- oder Software bei 43 Prozent. Ein unzureichendes Sicherheitsbewusstsein der Beschäftigten steht bei 18 Prozent, die Kompromittierung über externe Dienstleister oder Zulieferer bei 8 Prozent. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst wird dazu in der Presseinformation zitiert: „Die häufigsten Schadensursachen sind keine besonders ausgefeilten oder exotische Angriffe, sondern blinde Flecken im eigenen System." Wer Vorfälle nicht zuverlässig erkenne, könne auch nicht rechtzeitig handeln, heißt es dort weiter. Dazu passt: Die Analyse von Log-Dateien ist laut Bitkom mit 68 Prozent die wichtigste technische Erkenntnisquelle, und 50 Prozent der Unternehmen, die Täter oder Herkunft ermitteln konnten, bekamen Hinweise von Behörden, nach 35 Prozent im Vorjahr.
Wenn eine vertraute Stimme nichts mehr beweist
82 Prozent der Unternehmen gehen laut Bitkom von einem verstärkten KI-Einsatz der Angreifer aus. Sicher sind sich davon 31 Prozent, 51 Prozent vermuten es lediglich. Woran sie es festmachen, hat Bitkom ebenfalls erhoben: an der automatisierten Anpassung von Angriffsversuchen mit 53 Prozent, an der hohen Qualität gefälschter Audio- und Videoaufnahmen mit 48 Prozent, an der Qualität von Textnachrichten und Mails mit 38 Prozent und an einer sehr hohen Angriffsfrequenz mit 34 Prozent.
Am deutlichsten zeigt sich die Verschiebung bei zwei Schadensarten. Der Anteil der Unternehmen mit Schäden durch automatisierte Robo Calls stieg laut Bitkom von 3 auf 14 Prozent, der durch Deepfakes von 4 auf 8 Prozent.
Absolut sind beide Werte noch klein. Wie gefälschte Stimmen und Videos im Betriebsalltag ankommen, haben wir bereits im Beitrag zum BSI-Cybersicherheitsmonitor 2026 beschrieben.
Die klassischen Angriffsarten verschwinden deswegen nicht. Ransomware verursachte laut Bitkom bei 25 Prozent der Unternehmen einen Schaden, nach 34 Prozent im Vorjahr, Angriffe auf Passwörter bei 18 Prozent, Phishing bei 16 Prozent und DDoS bei 15 Prozent. 58 Prozent der befragten Unternehmen erlitten in den vergangenen zwölf Monaten einen Schaden durch Cyberangriffe. 69 Prozent erwarten laut Bitkom eine weitere Zunahme, mit einem Rückgang rechnet kein einziges befragtes Unternehmen.
Unsere Einschätzung
Wer diese Studie liest und daraufhin als Erstes eine Awareness-Schulung bucht, hat die Reihenfolge vertauscht. Die drei am häufigsten genannten Ursachen liegen in der eigenen Technik und Organisation, das Sicherheitsbewusstsein der Beschäftigten steht mit 18 Prozent weit dahinter. Wer wissen will, wo er anfängt, prüft zuerst, ob überhaupt jemand die Protokolle der eigenen Systeme ansieht und wer welche Zugänge hat.
Beides kostet in kleinen Betrieben eher Aufmerksamkeit als Geld.
Die zweite Konsequenz betrifft Abläufe, die an einer erkannten Stimme hängen. Eine Zahlungsfreigabe nach einem Anruf oder eine geänderte Bankverbindung nach einer Sprachnachricht waren nie besonders sicher, und die von Bitkom gemessene Zunahme bei Robo Calls und Deepfakes macht diese Wege schlechter. In unseren Kursen ist das der Moment, in dem es meist kurz still wird, weil fast jeder eine Zahlung kennt, die einmal genau so freigegeben wurde. Eine feste Rückrufnummer für Zahlungsänderungen und ein zweiter Kanal für Freigaben sind kein Technikprojekt, sie sind eine Hausregel.
Bemerkenswert an der Erhebung ist am Ende die Unsicherheit selbst. Wenn nur noch zwei von drei Unternehmen sicher sagen können, ob sie getroffen wurden, dann entscheidet die Protokollierung darüber, ob ein Betrieb hinterher überhaupt weiß, was passiert ist.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 28. August 2026):
- Bitkom e. V.: Angriffe auf die deutsche Wirtschaft: Spur führt immer öfter zu ausländischen Geheimdiensten
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Vorstellung der Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2026"
- heise online: Verfassungsschutz sieht kein Zero-Day-Problem durch mehr Befugnisse
Häufige Fragen
Was ist die Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2026?
Bitkom und das Bundesamt für Verfassungsschutz haben die Studie am 26. August 2026 in Berlin gemeinsam vorgestellt. Grundlage ist nach Angaben von Bitkom Research eine telefonische Befragung von 1.003 Unternehmen ab 10 Beschäftigten mit mindestens 1 Mio. Euro Jahresumsatz, erhoben von Kalenderwoche 16 bis Kalenderwoche 23 2026.
Wie hoch ist der Schaden laut Bitkom?
Laut Bitkom liegt der Schaden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage zwischen 211 und 270,8 Milliarden Euro. Das untere Ende umfasst die nachweisbaren Angriffe, das obere Ende auch die vermuteten. Auf Cyberattacken entfallen laut Bitkom 76 Prozent der Gesamtschäden, im Vorjahr waren es 70 Prozent.
Welche Rolle spielt KI bei den Angriffen?
82 Prozent der Unternehmen gehen laut Bitkom von einem verstärkten KI-Einsatz der Angreifer aus, sicher sind sich davon aber nur 31 Prozent. Einen belastbaren Anteil der Angriffe mit KI weist die Studie nicht aus. Messbar ist die Verschiebung bei den Schäden: durch automatisierte Robo Calls von 3 auf 14 Prozent, durch Deepfakes von 4 auf 8 Prozent.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Laut Bitkom liegen die häufigsten Ursachen dafür, dass aus einem Angriff ein Schaden wurde, in der eigenen Technik und Organisation: unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen mit 59 Prozent, Fehlkonfigurationen mit 57 Prozent und schwaches Identitäts- und Zugriffsmanagement mit 55 Prozent. Sinnvoll ist deshalb die Frage, wer die Protokolle der eigenen Systeme ansieht und wer welche Zugänge hat. Für Zahlungsfreigaben und geänderte Bankverbindungen empfiehlt sich ein zweiter Kanal, weil eine bekannte Stimme am Telefon kein Nachweis mehr ist.
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Zuletzt aktualisiert: 28. August 2026. Stand der Recherche: 28. August 2026.