Der Rückversicherer übernimmt einen Anbieter, bei dem die Police und die laufende Überwachung der versicherten Systeme im selben Vertragsverhältnis stecken.
Police und Überwachung im selben Vertrag
Die Mitteilung vom 19. August 2026 nennt einen Unternehmenswert von 575 Millionen US-Dollar. At-Bay betreibt dafür die Plattform Stance und einen betreuten Erkennungs- und Reaktionsdienst für Endgeräte und E-Mail. Dazu kommen Beratungs- und Betrugsabwehrleistungen. Munich Re beschreibt diesen Zuschnitt in der eigenen Mitteilung als Versicherung und Risikominderung aus einer Hand.
Die beiden Teile setzen an verschiedenen Punkten an. Eine Police zahlt, wenn etwas passiert ist. Ein Überwachungsdienst läuft mit, während nichts passiert. In der Mitteilung stehen beide Bausteine als ein zusammenhängendes Angebot nebeneinander, und genau diese Verbindung ist der Gegenstand des Kaufs.
Was ein solcher Vertrag im Einzelnen abdeckt und was er kostet, geht aus den veröffentlichten Mitteilungen nicht hervor.
40.000 versicherte Firmen, 278 Millionen Dollar Prämien
Zielgruppe von At-Bay sind kleine und mittlere Unternehmen in den USA. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren dort rund 40.000 Firmen versichert. Die gebuchten Bruttoprämien lagen bei 278 Millionen US-Dollar, die Erlöse aus Cyber-Dienstleistungen bei 23 Millionen US-Dollar. Rund 280 Menschen arbeiten für das Unternehmen, in den USA und in Israel.
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Aufschlussreich an dieser Aufstellung ist der zweite Ertragsposten. Die Dienstleistungen rund um Sicherheit erscheinen in der Mitteilung getrennt vom Prämiengeschäft, mit eigener Zahl.
Für Betriebe in Deutschland ist dieses Angebot nicht zu haben. At-Bay versichert Firmen in den USA, und zu Plänen für andere Märkte steht in den Mitteilungen nichts. Wer hierzulande Cyberrisiken absichern will, hat es mit einem anderen Markt und anderen Anbietern zu tun. Was sich übertragen lässt, ist die Frage, die hinter dem Kauf steht, und die stellt sich in jedem Betrieb unabhängig von der Police. Wie das Thema Cybersicherheit für kleine und mittlere Betriebe hierzulande aussieht, haben wir im Artikel zu NIS2 und Cybersicherheit im Mittelstand beschrieben.
HSB führt das Geschäft weiter
Nach dem Abschluss wird At-Bay von HSB geführt, der Hartford Steam Boiler, die zum Segment Global Specialty Insurance von Munich Re gehört. Die Verbindung ist alt: HSB ist seit der Gründung von At-Bay im Jahr 2017 Partner des Unternehmens.
Zu Wort kommen in den Mitteilungen beide Seiten. Mike Kerner, im Vorstand von Munich Re, nennt Marktstellung und Fähigkeiten von At-Bay eine passende Ergänzung des eigenen Spezialgeschäfts. Rotem Iram, Mitgründer und Chef von At-Bay, sagt, der Zusammenschluss beschleunige die Aufgabe, die Schutzlücke bei Cybersicherheit zu schließen. Beides sind Aussagen der beteiligten Unternehmen über das eigene Vorhaben.
Bis dahin vergeht Zeit. Der Abschluss wird für das erste Quartal 2027 erwartet, vorbehaltlich der üblichen Bedingungen und behördlicher Genehmigungen.
Unsere Einschätzung
Der Preis ist die kleinere Nachricht. Interessanter finden wir die Bauform des gekauften Geschäfts.
Ein Rückversicherer legt einen dreistelligen Millionenbetrag für ein Geschäft hin, in dem Police und laufende Überwachung zusammenfallen. Aus unserer Sicht ergibt das vor allem dann Sinn, wenn ein Versicherer das Cyberrisiko für etwas hält, das sich schwer im Nachhinein bezahlen lässt und deshalb vorne kleiner gehalten werden muss. Eine Police und ein gepflegtes System sind für uns zwei verschiedene Dinge, die einander nicht ersetzen, und das ist eine Wertung, keine Feststellung aus der Mitteilung. Handfester wird es an einer Stelle, die jeder kennt, der schon einmal einen Antrag für eine Cyberpolice ausgefüllt hat. Die Fragen nach Zwei-Faktor-Anmeldung, Sicherungskopien und Update-Stand sind leicht zu bejahen und schwer zu belegen. Sobald jemand im Betrieb den Nachweis heraussuchen soll, kommt heraus, wie es tatsächlich steht. Genau dieses Ausfüllen ist die billigste Bestandsaufnahme, die ein Betrieb bekommen kann. Sie ist auch dann etwas wert, wenn am Ende gar keine Police daraus wird.
Der Abschluss liegt im nächsten Jahr, die Fragen aus so einem Antragsbogen lassen sich an einem Nachmittag durchgehen. Und wer sie ehrlich beantwortet, hat danach eine Liste mit dem, was im eigenen Haus offen ist.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 21. August 2026):
- Munich Re: Munich Re Group to Acquire Cyber Insurtech At-Bay
- At-Bay: Munich Re Group to Acquire Cyber Insurtech At-Bay
- Startbase: Munich Re übernimmt Cyber Insurtech At-Bay für 575 Millionen US-Dollar
Häufige Fragen
Was übernimmt Munich Re und zu welchem Preis?
Munich Re übernimmt laut Mitteilung vom 19. August 2026 den US-Cyberversicherer At-Bay, angesetzt mit einem Unternehmenswert von 575 Millionen US-Dollar. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren dort rund 40.000 Firmen versichert, die gebuchten Bruttoprämien lagen bei 278 Millionen US-Dollar und die Erlöse aus Cyber-Dienstleistungen bei 23 Millionen US-Dollar. Rund 280 Menschen arbeiten für das Unternehmen, in den USA und in Israel.
Was bietet At-Bay an?
At-Bay verbindet die Cyberpolice mit einer laufenden Sicherheitsüberwachung. Dazu gehören die Plattform Stance und ein betreuter Erkennungs- und Reaktionsdienst für Endgeräte und E-Mail, ergänzt um Beratungs- und Betrugsabwehrleistungen. Munich Re beschreibt diesen Zuschnitt als Versicherung und Risikominderung aus einer Hand. Zu Beitragshöhen und zum Deckungsumfang einzelner Verträge steht in den Mitteilungen nichts.
Können Betriebe in Deutschland eine Police von At-Bay abschließen?
Nein. At-Bay richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen in den USA, und zu Plänen für andere Märkte enthalten die Mitteilungen keine Angaben. Nach dem Abschluss wird At-Bay von HSB geführt, der Hartford Steam Boiler aus dem Segment Global Specialty Insurance von Munich Re, die seit der Gründung im Jahr 2017 Partner des Unternehmens ist. Der Abschluss wird für das erste Quartal 2027 erwartet, vorbehaltlich der üblichen Bedingungen und behördlicher Genehmigungen.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Unabhängig von der Versicherungsfrage lohnt es sich, den Fragenkatalog eines Cyberpolicen-Antrags einmal durchzugehen und die Antworten zu belegen. Gefragt wird dort typischerweise nach Zwei-Faktor-Anmeldung, Sicherungskopien und Update-Stand. Wer den Nachweis dafür heraussuchen muss, sieht schnell, wo im eigenen Haus etwas offen ist. Das ist aus unserer Sicht die günstigste Bestandsaufnahme, die ein Betrieb bekommen kann, und sie zahlt sich auch dann aus, wenn am Ende keine Police daraus wird.
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Zuletzt aktualisiert: 21. August 2026. Stand der Recherche: 21. August 2026.