Microsoft hat am 27. Juli 2026 Project Perception angekündigt, ein agentisches Sicherheitssystem, das seit dem 3. August 2026 in öffentlicher Vorschau läuft. Drei Agentenklassen teilen sich die Arbeit: rote Agenten suchen wie ein Angreifer nach Kompromittierungspfaden, blaue untersuchen die Funde und bewerten das Risiko, grüne beheben und härten. Zum Start läuft das Ganze in Microsoft Defender, abgerechnet wird verbrauchsbasiert über Security Compute Units. Dazu kommt MAI-Cyber-1-Flash, Microsofts erstes eigenes Modell für Cybersicherheit.
Sicherheitswerkzeuge melden. Sie melden viel, und irgendwann meldet niemand mehr zurück, weil die Liste länger ist als der Arbeitstag. Genau an dieser Stelle setzt Project Perception an, das Microsoft am 27. Juli 2026 vorgestellt hat und das seit dem 3. August in öffentlicher Vorschau verfügbar ist.
Rot, blau, grün
Die Aufteilung in drei Agentenklassen ist der Kern des Ansatzes. Rote Agenten arbeiten offensiv und suchen vorab nach Wegen, auf denen ein Angreifer in die Umgebung kommen könnte. Blaue Agenten nehmen sich die Funde vor, ordnen sie in den Zusammenhang ein und entscheiden, was davon tatsächlich ein Risiko darstellt. Grüne Agenten führen Korrekturen durch und härten Systeme nach.
Microsoft beschreibt den Unterschied zum eigenen Security Copilot deutlich: Der eine assistiert, Project Perception handelt. Bei kritischen Entscheidungen bleibt laut Ankündigung der Mensch in der Schleife.
Zum Start bringt das System die koordinierte Verteidigung direkt in Microsoft Defender. Unterstützung für weitere Microsoft-Sicherheitsprodukte ist angekündigt, ohne Termin.
Das neue Modell dahinter
MAI-Cyber-1-Flash ist Microsofts erstes eigenes Modell, das speziell für Sicherheitsaufgaben gebaut wurde. Eingesetzt wird es zunächst im Schwachstellenmanagement innerhalb des hauseigenen Systems MDASH.
Erst die Grundlagen, dann der Sicherheitsagent
Microsofts neues System Project Perception automatisiert Cyberabwehr mit eigenen KI-Agenten, für kleine Betriebe sind aber aktuelle Systeme, saubere Rechte und Zwei-Faktor-Anmeldung wichtiger als solche Werkzeuge. Im kostenlosen KI-Schnupperkurs lernst du in fünf Lektionen, wie du KI im eigenen Betrieb einordnest, bevor du in komplexe Lösungen investierst.
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Microsoft nennt dazu zwei Werte. Im Verbund mit MAI-Cyber-1-Flash erreiche MDASH 96 Prozent auf dem Branchen-Benchmark CyberGym, zwölf Punkte über Mythos. Und die Kosten lägen bei knapp der Hälfte der bisher am Markt eingesetzten MDASH-Konfiguration.
Beides sind Herstellerangaben aus der eigenen Ankündigung. Unabhängige Nachmessungen gibt es zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht. Microsoft führt die Leistung auf ein gut abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Modelle und auf eigenes historisches Trainingsmaterial zurück, also auf Daten aus der eigenen Sicherheitstelemetrie, über die kaum ein anderer Anbieter in dieser Menge verfügt.
Für weitere Sicherheitsabläufe jenseits des Schwachstellenmanagements soll das Modell in Project Perception nachgezogen werden.
Was die Abrechnung über die Zielgruppe verrät
Project Perception rechnet verbrauchsbasiert über sogenannte Security Compute Units ab. Verschiedene Agenten verbrauchen laut Microsoft unterschiedlich viele davon, je nachdem wie aufwendig die Aufgabe ist.
Das klingt technisch, ist aber die praktisch wichtigste Information in der ganzen Ankündigung. Ein Modell, das nach Verbrauch abrechnet und dessen Verbrauch von der Menge und Tiefe automatischer Untersuchungen abhängt, hat keine Obergrenze, die man vorher kennt. Wer so etwas einschaltet, sollte vorher wissen, wie die eigene Umgebung aussieht und wo eine Kostenbremse eingezogen wird.
Preise je Security Compute Unit hat Microsoft in der Ankündigung nicht veröffentlicht.
Verbrauchsabrechnung ist im Cloud-Geschäft nichts Neues und für viele Fälle sinnvoll, weil man nur zahlt, was tatsächlich anfällt. Ungewohnt ist die Kombination aus Verbrauchsabrechnung und autonomer Auslösung. Bei einer Datenbank weiß man ungefähr, wie viele Abfragen ein Arbeitstag erzeugt. Bei einem roten Agenten, der eigenständig entscheidet, wie tief er eine Umgebung durchsucht, weiß man es vorher nicht. Wer das einführt, braucht ein Ausgabenlimit und einen Alarm, bevor der erste Agent startet, und zwar unabhängig davon, wie gut das Produkt ist.
Lohnt sich das für kleine Betriebe?
Für einen Betrieb mit 20 oder 50 Leuten ist Project Perception in der jetzigen Form kein Thema. Es hängt an Microsoft Defender, es steckt in einer öffentlichen Vorschau, und es rechnet nach Verbrauch ab. Alle drei Punkte sprechen für Organisationen mit eigenem Sicherheitsteam.
Interessant ist trotzdem, was die Richtung bedeutet. Sicherheitswerkzeuge bewegen sich von der Warnung zur Handlung, und das verschiebt die Frage, die ein Betrieb beantworten muss. Bisher lautete sie: Wer schaut sich die Meldungen an. Künftig lautet sie: Was darf ein automatisches System eigenständig ändern, und wer merkt es, wenn eine dieser Änderungen den Betrieb stört.
Drei Fragen gehören dafür an jeden Anbieter, unabhängig vom Produktnamen. Welche Aktionen führt das System ohne Rückfrage aus. Wie lässt sich eine solche Aktion rückgängig machen und wie lange dauert das. Und wo steht nachher, was wann warum geändert wurde. Wer auf diese drei Fragen keine klare Antwort bekommt, sollte das Produkt in einer Testumgebung lassen.
Ein Sicherheitsagent, der eigenständig einen Patch einspielt oder einen Zugang sperrt, kann im Zweifel eine Produktionsstraße oder das Kassensystem lahmlegen. Das ist kein Argument gegen solche Systeme, aber eines dafür, die Freigabegrenzen vorher schriftlich festzulegen. Genau dieselbe Frage stellt sich bei jedem anderen handelnden KI-System im Betrieb auch, und die Antwort gehört nicht in den Kopf des IT-Verantwortlichen, sondern in eine Zeile, die jemand nachlesen kann.
Der Trend, der dahintersteht
Microsoft ist mit dieser Ankündigung nicht allein unterwegs. Auch OpenAI hat sein Cybersicherheitsprogramm ausgebaut, wir haben das im Beitrag zu OpenAI Daybreak und Codex Security beschrieben. Die großen Anbieter besetzen die Sicherheitsschicht gerade sehr zügig.
Für den Mittelstand ist der praktische Hebel weiterhin ein anderer. Er liegt bei Grundlagen, die kein Agent ersetzt: aktuelle Systeme, saubere Rechte, Mehrfaktor-Anmeldung, geprüfte Sicherungen. Was davon in kleinen Betrieben tatsächlich trägt, haben wir in unserem Beitrag zur KI-gestützten Cyberabwehr im Mittelstand zusammengetragen.
Unsere Einschätzung nach mehreren Jahren Arbeit mit kleinen Betrieben: Wer die Grundlagen nicht hat, kauft sich mit einem agentischen Sicherheitssystem vor allem zusätzliche Komplexität ein. Wer sie hat, für den ist so ein System irgendwann eine sinnvolle Ergänzung, aber sicher nicht in der Vorschauphase.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 4. August 2026):
- Microsoft: Rethinking security for the age of AI (Ankündigung, Vorschautermin, MAI-Cyber-1-Flash)
- Microsoft Security: Produktseite Project Perception (Agentenklassen, Defender, Security Compute Units)
- TechCrunch: Microsoft stellt erstes eigenes Cyber-Modell und agentisches Sicherheitssystem vor
Häufige Fragen
Was ist Microsoft Project Perception?
Project Perception ist ein agentisches Sicherheitssystem, das Microsoft am 27. Juli 2026 angekündigt hat und das seit dem 3. August 2026 in öffentlicher Vorschau läuft. Rote Agenten suchen nach Kompromittierungspfaden, blaue untersuchen die Funde und bewerten das Risiko, grüne beheben und härten. Bei kritischen Entscheidungen bleibt laut Microsoft der Mensch eingebunden.
Was ist MAI-Cyber-1-Flash?
MAI-Cyber-1-Flash ist Microsofts erstes eigenes Modell für Cybersicherheit, zunächst im Schwachstellenmanagement innerhalb des Systems MDASH eingesetzt. Microsoft gibt an, damit 96 Prozent auf dem Benchmark CyberGym zu erreichen und die Kosten gegenüber der bisherigen MDASH-Konfiguration nahezu zu halbieren. Das sind Herstellerangaben ohne unabhängige Nachmessung.
Wie wird Project Perception abgerechnet?
Die Abrechnung läuft verbrauchsbasiert über Security Compute Units. Verschiedene Agenten verbrauchen laut Microsoft unterschiedlich viele Einheiten, abhängig von der Intensität der jeweiligen Aufgabe. Preise je Einheit hat Microsoft in der Ankündigung nicht veröffentlicht.
Ist das etwas für kleine und mittlere Unternehmen?
In der jetzigen Form eher nicht. Das System hängt an Microsoft Defender, befindet sich in einer öffentlichen Vorschau und rechnet nach Verbrauch ab. Für kleine Betriebe bringen aktuelle Systeme, saubere Rechtevergabe, Mehrfaktor-Anmeldung und geprüfte Sicherungen deutlich mehr als ein zusätzliches Werkzeug.
Zuletzt aktualisiert: 4. August 2026. Stand der Recherche: 4. August 2026.