Ein aktueller Report der Agentur Collective Brain aus dem Jahr 2026 hat gemessen, ob KI-Assistenten wie Perplexity und Google Gemini Mittelstandsfirmen überhaupt nennen. Ausgewertet wurden 986 Antworten zu 193 Unternehmen aus 10 Branchen. Ergebnis der Eigenmessung: 39,9 Prozent der Firmen, also 77 von 193, tauchten in keiner einzigen Antwort auf. Statt Firmen-Websites zitieren die Systeme in 61 Prozent der Fälle Branchenverzeichnisse. Die Zahlen kommen vom Herausgeber selbst und sind kein repräsentativer Beweis, zeigen aber ein reales Muster.
Beim Thema KI-Sichtbarkeit Mittelstand liegt gerade eine Zahl auf dem Tisch, die viele Betriebe aufhorchen lässt. Wenn ein potenzieller Kunde Perplexity oder Google Gemini nach Zulieferern in einer Branche fragt, bekommt er eine fertige Antwort mit ein paar genannten Firmen. Wer dort nicht auftaucht, existiert für diesen Kunden in dem Moment nicht. Der 2026 veröffentlichte Report der Agentur Collective Brain hat das für 193 deutsche Mittelständler durchgespielt.
Was der Report überhaupt gemessen hat
Die Agentur hat 193 Unternehmen aus 10 Branchen ausgewählt und sie zwei KI-Systemen vorgelegt: Perplexity und Google Gemini. Pro Firma gab es rund 60 Sichtbarkeits-Chancen, also Kombinationen aus Fragen, Systemen und einem Direktcheck. Insgesamt wurden 986 Antworten und mehr als 12.000 zitierte Quellen dokumentiert.
Die Leitfrage war simpel. Nennt die KI die Firma, wenn jemand nach Anbietern in ihrer Branche fragt? Es ging dabei um die reine Nennung, nicht um die Qualität der Platzierung.
Das ist ein anderer Test als klassisches Google-Ranking. Bei einer Suchmaschine bekommst du eine Liste mit Links und scrollst selbst. Ein KI-Assistent formuliert eine Antwort und trifft die Auswahl für dich. Aus zehn Treffern werden drei genannte Namen, und der Rest verschwindet aus dem Blickfeld. Genau dieses Filtern macht Sichtbarkeit in KI-Antworten zu einer eigenen Größe.
77 Firmen kommen in keiner Antwort vor
Der Kernbefund: 39,9 Prozent der getesteten Firmen, also 77 von 193, wurden trotz rund 60 Sichtbarkeits-Chancen pro Firma in keiner Antwort genannt. Kein Perplexity-Treffer, kein Gemini-Treffer, nichts.
Bei den restlichen Firmen sah es unterschiedlich aus. 60 Unternehmen waren in beiden Systemen sichtbar. 56 nur in einem einzigen. Wer also nur bei Perplexity auftaucht, ist bei jedem Kunden weg, der lieber Gemini fragt, und andersherum. Diese Fragmentierung bedeutet, dass eine einzelne gute Platzierung wenig aussagt, solange sie nur in einem System besteht.
Noch ein Detail lohnt den Blick. Nur 54 der 193 Firmen wurden überhaupt einmal über die eigene Website belegt. Bei allen anderen zog die KI ihre Informationen von woanders her, wenn sie die Firma denn nannte.
Warum die KI lieber Verzeichnisse zitiert
61 Prozent aller ausgewerteten Antworten stützten sich auf Plattformen und Verzeichnisse statt auf Unternehmens-Websites. Genannt werden in der Studie als Beispiele Wer liefert was, Europages und IndustryStock.
Das ergibt aus Sicht der Systeme Sinn. Ein Branchenverzeichnis bündelt hunderte Anbieter in einer strukturierten, gut lesbaren Form. Eine einzelne Firmen-Website mit einer schönen Startseite, aber ohne klare Angaben zu Leistungen, Standort und Einsatzgebieten liefert der Maschine dagegen wenig Greifbares. Die KI nimmt, was sie sauber verarbeiten kann.
Für einen Betrieb heißt das zweierlei. Ein Eintrag in relevanten Verzeichnissen ist offenbar ein Hebel, weil die KI diese Quellen ohnehin bevorzugt. Und die eigene Website muss inhaltlich so aufgebaut sein, dass eine Maschine daraus konkrete Aussagen ziehen kann, nicht nur Marketing-Bilder.
Zwischen den Branchen liegen Welten
Der Durchschnitt von knapp 40 Prozent verdeckt starke Unterschiede. Bei den Metall- und Kunststoffzulieferern waren laut Report 70 Prozent der getesteten Firmen unsichtbar. In der Logistik 63 Prozent. In der Medizintechnik dagegen nur 10 Prozent.
Woran das im Einzelnen liegt, sagt die reine Zahl nicht. Plausibel ist, dass Branchen mit stark standardisierten, gut dokumentierten Anbietern und vielen Fachquellen besser abschneiden als solche, in denen sich hunderte kleine Zulieferer kaum voneinander abheben. Wer in einem austauschbar wirkenden Feld arbeitet, hat es bei einer KI-Auswahl schwerer. Und wer in einem Feld mit klaren Fachbegriffen und guter Presse unterwegs ist, profitiert davon, ohne selbst etwas dafür getan zu haben.
Der Abstand zwischen 70 und 10 Prozent zeigt vor allem eines. Sichtbarkeit in KI-Antworten ist kein Naturgesetz, sondern hängt stark davon ab, wie gut eine Branche im Netz beschrieben ist. Das lässt sich beeinflussen, wenn auch nicht von heute auf morgen.
Das deckt sich mit dem, was wir bei unseren Teilnehmern aus produzierenden Betrieben immer wieder hören. Viele haben eine technisch solide Website, auf der aber nirgends in klaren Sätzen steht, was genau sie für wen fertigen. Das ist in der Praxis oft ein größeres Thema als auf dem Papier, weil die Firma sich für bekannt hält und trotzdem in keiner KI-Antwort landet.
Wie belastbar sind diese Zahlen wirklich?
Hier ist Ehrlichkeit angebracht. Alle 193er-Zahlen stammen aus einer Eigenmessung von Collective Brain, einer Agentur, die selbst Sichtbarkeits-Dienstleistungen verkauft. Es gibt keine unabhängige Zweitmessung, die dieselben 193 Firmen noch einmal geprüft hätte. Die Auswahl war typologisch, also bewusst zusammengestellt, nicht statistisch repräsentativ gezogen. Getestet wurden nur zwei KI-Systeme, und das Ganze ist eine Momentaufnahme aus 2026.
Es gibt daneben eine thematisch ähnliche, aber völlig eigenständige Untersuchung der Johannes Bopp GmbH aus Braunschweig, die 24 produzierende Mittelständler mit vier KI-Systemen testete und noch drastischere Werte fand. Das ist eine andere Studie mit anderer Methodik und darf nicht mit den Collective-Brain-Zahlen vermischt werden. Beide zeigen in die gleiche Richtung, beweisen sich aber nicht gegenseitig.
Trotzdem sollte niemand die Kernaussage wegwischen. Auch bei einer kleinen, interessengeleiteten Stichprobe bleibt das Muster erkennbar: Ein erheblicher Teil kleiner und mittlerer Firmen kommt in KI-Antworten schlicht nicht vor. Ob es nun 40 Prozent sind oder 30 oder 50, ändert an der Grundfrage wenig.
Was ein kleiner Betrieb konkret damit anfangen kann
Der Optimierungsansatz dahinter heißt GEO, Generative Engine Optimization. Gemeint ist die Arbeit daran, in KI-generierten Antworten genannt und zitiert zu werden. Das ist kein Wundermittel und verspricht auch keine garantierte Sichtbarkeit. Im Kern geht es um eine Fortsetzung dessen, was Betriebe für Google seit Jahren tun, nur für eine neue Art von Antwortmaschine.
Ganz praktisch läuft es auf drei Dinge hinaus. Sorge dafür, dass auf der eigenen Website in klaren Worten steht, was du machst, für wen und wo. Pflege die Präsenz in den Verzeichnissen deiner Branche, weil die KI diese Quellen bevorzugt. Und prüfe selbst, ob Perplexity und Gemini dich bei typischen Kundenfragen nennen, statt es zu vermuten. Das kostet erst einmal nichts außer Zeit.
Wer tiefer verstehen will, wie diese Systeme Informationen auswählen und wie sich ein Betrieb ohne großes Budget sichtbarer macht, findet in unserem Beitrag zu AI Overviews und der Zero-Click-Entwicklung den größeren Zusammenhang. Der Kompetenzaufbau im eigenen Team wird ohnehin zum Thema, seit die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 der EU-KI-Verordnung seit dem 2. Februar 2025 in Kraft ist. Verlassen sollte sich niemand allein auf externe Agenturzahlen, und rechtliche oder wettbewerbliche Einzelfragen ersetzt dieser Text ohnehin nicht.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. Juli 2026):
- Collective Brain: KI-Sichtbarkeits-Report Mittelstand 2026 (Primärquelle und Herausgeber, Eigenmessung mit 193 Firmen, Perplexity und Gemini, 986 Antworten)
- bigdata-insider.de: Bericht zu einer separaten, thematisch ähnlichen Studie der Johannes Bopp GmbH (24 Unternehmen, vier KI-Systeme), hier nur zur klaren Abgrenzung genannt
Häufige Fragen
Was genau hat der Collective-Brain-Report gemessen?
Die Agentur Collective Brain hat 193 deutsche Mittelständler aus 10 Branchen zwei KI-Assistenten vorgelegt, Perplexity und Google Gemini. Gemessen wurde, ob die Firma in den Antworten überhaupt genannt wird. Ausgewertet wurden 986 Antworten und mehr als 12.000 zitierte Quellen. Es ging nicht um gute Platzierung, sondern nur um die Frage, ob eine Firma vorkommt.
Sind die 39,9 Prozent unsichtbare Firmen ein gesicherter Wert?
Nein, die Zahl stammt aus einer Eigenmessung des Herausgebers und ist nicht unabhängig geprüft. Die Auswahl war bewusst zusammengestellt, nicht repräsentativ, und getestet wurden nur zwei KI-Systeme zu einem Zeitpunkt im Jahr 2026. Das Muster bleibt trotzdem deutlich: Ein erheblicher Teil kleiner und mittlerer Firmen taucht in KI-Antworten nicht auf.
Warum nennen die KI-Systeme Verzeichnisse statt meiner Firmen-Website?
Laut Report stützten sich 61 Prozent der Antworten auf Plattformen wie Wer liefert was, Europages oder IndustryStock. Solche Verzeichnisse liefern strukturierte, gut verarbeitbare Angaben zu vielen Anbietern. Eine Website ohne klare Aussagen zu Leistung, Standort und Einsatzgebiet gibt der Maschine dagegen wenig, woraus sie eine Antwort bauen kann.
Was kann ein kleiner Betrieb ohne großes Budget tun?
Ein guter Start ist, auf der eigenen Website in klaren Worten zu beschreiben, was der Betrieb für wen und wo anbietet, und die Einträge in den relevanten Branchenverzeichnissen zu pflegen. Danach hilft ein einfacher Selbsttest, ob Perplexity und Gemini den Betrieb bei typischen Kundenfragen nennen. Eine garantierte Sichtbarkeit gibt es nicht, aber diese Schritte kosten außer Zeit erst einmal nichts.
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Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026. Stand der Recherche: 26. Juli 2026.