Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat rund 13 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Von 190.858 Ausschreibungen der öffentlichen Verwaltung hatten nur 0,7 Prozent einen KI-Bezug, in der Privatwirtschaft waren es 1,5 Prozent. Gemessen wird dabei der KI-Bezug in den Stellenanzeigen selbst, also wie aktiv KI-Kompetenz überhaupt gesucht wird. Auffällig: In 43 Prozent aller deutschen Kreise wurde 2025 keine einzige KI-bezogene Verwaltungsstelle ausgeschrieben.
Die KI-Kompetenz in der Verwaltung taucht in Stellenanzeigen bislang kaum auf. Das ist das Ergebnis einer Studie des IW Köln, veröffentlicht am 15. Juli 2026, für die Autor Jan Büchel knapp 13 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025 durchgesehen hat. Von den 190.858 Ausschreibungen im öffentlichen Sektor wiesen nur 0,7 Prozent einen KI-Bezug auf. In der Privatwirtschaft lag der Anteil mit 1,5 Prozent mehr als doppelt so hoch.
Was die Zahlen wirklich messen
Ein Punkt wird in vielen Meldungen leicht überlesen. Die Prozentwerte sagen nicht aus, wie viele Behörden KI im Arbeitsalltag nutzen. Sie sagen aus, wie oft KI in einer Stellenausschreibung überhaupt vorkommt, als geforderte Kompetenz, als Aufgabenfeld oder als Stichwort im Anforderungsprofil.
Das ist ein Unterschied mit Folgen. Eine Kommune kann intern längst ein Sprachmodell für Textentwürfe testen, ohne dass in ihrer nächsten Stellenanzeige für die Bauamtsleitung ein Wort über KI steht. Umgekehrt heißt ein KI-Stichwort in einer Anzeige noch nicht, dass die Stelle am Ende auch mit einem KI-Fachmann besetzt wird. Die Studie liefert also einen Frühindikator dafür, wo Organisationen KI-Kompetenz aktiv suchen. Über den laufenden Betrieb sagt sie wenig aus.
Trotzdem ist der Indikator aussagekräftig. Wer eine Fähigkeit systematisch aufbauen will, schreibt sie irgendwann in Stellenprofile. Passiert das über eine Grundgesamtheit von 13 Millionen Anzeigen hinweg so selten, deutet das auf eine Nachfrage hin, die erst am Anfang steht.
Man kann die Grundgesamtheit kaum größer wählen. Knapp 13 Millionen Anzeigen decken den deutschen Arbeitsmarkt eines ganzen Jahres in der Breite ab, quer über Branchen, Regionen und Betriebsgrößen. In dieser Menge ist ein Anteil von unter einem Prozent kein statistisches Rauschen, sondern ein belastbares Signal. Es sagt, dass KI-Kompetenz als ausdrücklich formulierte Anforderung im öffentlichen Dienst noch die absolute Ausnahme ist.
Kommunen bilden das Schlusslicht
Innerhalb des öffentlichen Sektors fällt vor allem die kommunale Ebene ab. Dort lag der Anteil KI-bezogener Stellenanzeigen bei nur 0,3 Prozent, also weniger als die Hälfte des ohnehin niedrigen Verwaltungsdurchschnitts.
Noch deutlicher wird das Bild auf der Landkarte. In 43 Prozent aller deutschen Kreise wurde 2025 keine einzige KI-bezogene Stelle in der Verwaltung ausgeschrieben. In fast jedem zweiten Kreis taucht das Thema in der öffentlichen Personalsuche schlicht nicht auf.
Büchel weist zudem darauf hin, dass sich KI-Kompetenz in Behörden bislang auf technische Fachstellen konzentriert. In Führungspositionen wird sie nur selten verlangt. Für eine Technologie, die Verwaltungsprozesse quer über alle Fachbereiche verändern kann, ist das ein bemerkenswerter Befund. Wenn die Leute, die über Budgets und Abläufe entscheiden, KI nicht in ihrem eigenen Anforderungsprofil finden, bleibt die Einführung oft ein isoliertes IT-Projekt statt einer organisationsweiten Aufgabe.
Warum das kein reines Behördenthema ist
Es liegt nahe, aus diesen Zahlen eine Geschichte über den langsamen Staat zu machen. Das greift zu kurz. Die 1,5 Prozent in der Privatwirtschaft sind zwar mehr als das Doppelte, in absoluten Größen aber ebenfalls niedrig. Auch außerhalb der Verwaltung schreibt die große Mehrheit der Betriebe KI-Kompetenz noch nicht in ihre Stellenanzeigen.
Genau hier wird die Studie für kleine und mittlere Unternehmen interessant. Der eigentliche Befund ist ein Qualifizierungsbedarf, der sich durch alle Sektoren zieht, vom Landratsamt über den Maschinenbauer bis zum Handwerksbetrieb mit zwölf Leuten. Ob eine Firma KI produktiv nutzt, entscheidet sich selten an einzelnen Neueinstellungen. Es entscheidet sich daran, ob die vorhandenen Mitarbeiter lernen, die Werkzeuge sinnvoll einzusetzen.
Für einen kleinen Betrieb ist das sogar die realistischere Perspektive. Einen KI-Spezialisten neu einzustellen, ist teuer und am angespannten Fachkräftemarkt oft aussichtslos. Die eigene Belegschaft schrittweise weiterzubilden, ist dagegen planbar und deutlich näher an der Praxis. Wer die Angebotsplanung mit einem Sprachmodell entlastet, wer Rechnungen halbautomatisch vorsortiert oder Kundenanfragen vorstrukturiert, braucht keinen Informatiker im Team. Er braucht Leute, die verstehen, was die Werkzeuge können und was nicht.
Das ist in der Praxis oft ein größeres Thema als auf dem Papier. Wir sehen bei unseren Teilnehmern regelmäßig, dass die Technik nicht die eigentliche Hürde ist. Ein Sprachmodell zu öffnen kann jeder. Schwieriger ist die Frage, welche Aufgabe im eigenen Arbeitstag sich damit wirklich sinnvoll bearbeiten lässt, wo die Grenzen liegen und wann man dem Ergebnis besser nicht traut. Wer das unterschätzt, kauft Lizenzen und wundert sich nach einem halben Jahr, dass sich am Arbeitsalltag nichts geändert hat.
Was ein kleiner Betrieb daraus mitnehmen kann
Für einen kleinen Betrieb bedeutet die Studie erst einmal wenig Dramatik. Niemand muss wegen 0,7 Prozent hektisch werden.
Sinnvoller ist der nüchterne Blick auf die eigene Lage. KI-Kompetenz hängt weniger an einzelnen Spezialstellen. Sie ist eine Basisfähigkeit, die sich über die Zeit im ganzen Team verteilen sollte. Ein Anlass, das strukturiert anzugehen, ergibt sich ohnehin aus dem Rechtsrahmen: Die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 der EU-KI-Verordnung ist seit dem 2. Februar 2025 in Kraft und verlangt von Unternehmen, dass Beschäftigte, die mit KI-Systemen arbeiten, über ausreichende Kompetenz dafür verfügen. Das ersetzt keine juristische Beratung im Einzelfall, gibt aber die Richtung vor.
Der Weg dorthin muss nicht teuer sein. Für Arbeitssuchende und Beschäftigte, die sich breiter aufstellen wollen, gibt es geförderte Wege. Wie sich Technikkompetenz und geförderte Weiterbildung zusammen denken lassen, haben wir in einem eigenen Beitrag zur KI-Förderung ausführlicher beschrieben.
Erst der Anfang einer Entwicklung
Die IW-Studie ist eine Momentaufnahme aus einem einzigen Jahr. Stellenanzeigen reagieren mit Verzögerung auf technische Entwicklungen, und 2025 war das erste volle Jahr, in dem generative KI im Arbeitsalltag breiter angekommen ist.
Man sollte die Zahlen deshalb als Ausgangspunkt verstehen und nicht überinterpretieren. Sie zeigen, dass die aktive Suche nach KI-Kompetenz in der Verwaltung noch selten ist und in der Privatwirtschaft nur wenig häufiger. Was daraus wird, hängt weniger von neuen Stellen ab als von der Weiterbildung derer, die bereits im Job sind. Für Betriebe, die früh anfangen, ist das eher eine Chance als ein Risiko.
Zu erwarten ist, dass der Anteil in den kommenden Jahren steigt. Je mehr Behörden und Unternehmen erste Anwendungen produktiv nutzen, desto häufiger wird KI-Kompetenz auch in Anforderungsprofilen auftauchen. Interessant wird dann weniger der Durchschnitt als die Streuung. Eine erneute Auswertung würde zeigen, ob sich der Abstand zwischen Kreisen mit und ohne KI-Stellen weiter öffnet oder ob die Nachfrage in der Fläche ankommt. Bis dahin bleibt die aktuelle Zahl vor allem ein Weckruf, den man ernst nehmen kann, ohne ihn zu dramatisieren.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. Juli 2026):
- IW Köln: Studie von Jan Büchel zu KI-Fachkräften in der öffentlichen Verwaltung (Primärquelle)
- finanznachrichten.de (via dts Nachrichtenagentur): Bericht zur IW-Studie vom 15. Juli 2026
- hasepost.de (Funke-Mediengruppe): unabhängige Berichterstattung mit identischen Zahlen, 15. Juli 2026
Häufige Fragen
Bedeutet 0,7 Prozent, dass Behörden kaum KI nutzen?
Nein. Die Zahl misst den KI-Bezug in Stellenanzeigen, nicht den tatsächlichen KI-Einsatz im Arbeitsalltag. Eine Behörde kann intern bereits KI-Werkzeuge testen, ohne dass in ihren Ausschreibungen ein Wort dazu steht. Die Studie zeigt also, wie oft KI-Kompetenz aktiv gesucht wird, nicht wie oft sie eingesetzt wird.
Wie viele Stellenanzeigen hat das IW ausgewertet?
Das IW Köln hat rund 13 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025 durchgesehen. Davon entfielen 190.858 auf die öffentliche Verwaltung. Autor der Studie ist Jan Büchel, veröffentlicht wurde sie am 15. Juli 2026.
Ist die Privatwirtschaft bei KI-Kompetenz besser aufgestellt?
Nur relativ gesehen. Mit 1,5 Prozent liegt der Anteil KI-bezogener Stellenanzeigen in der Privatwirtschaft mehr als doppelt so hoch wie in der Verwaltung, ist in absoluten Größen aber ebenfalls niedrig. Der Qualifizierungsbedarf zieht sich durch alle Sektoren, nicht nur durch den öffentlichen Dienst.
Muss ein kleiner Betrieb wegen dieser Studie jetzt handeln?
Hektik ist nicht nötig, ein nüchterner Blick auf die eigene Lage schon. KI-Kompetenz ist eine Basisfähigkeit, die sich über die Zeit im Team verteilen sollte. Zusätzlich verlangt die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 der EU-KI-Verordnung seit dem 2. Februar 2025, dass Beschäftigte im Umgang mit KI-Systemen ausreichend geschult sind. Das ersetzt keine juristische Beratung im Einzelfall.
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Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026. Stand der Recherche: 26. Juli 2026.