Auf die Schnelle

KI hilft dir, ein Mitarbeitergespräch vorzubereiten: Leitfaden, Fragen, klare Formulierungen für Lob und Kritik, das Zusammenfassen eigener Notizen. Das ist unkritisch. Sobald eine KI Mitarbeiter automatisch bewerten, einstufen oder ranken soll, bist du im Hochrisiko-Bereich des EU AI Act (Beschäftigung, Anhang III). Die Hochrisiko-Pflichten wurden durch den Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben (vorläufige Einigung 7. Mai 2026), die Einstufung als Hochrisiko bleibt. Gib der KI keine echten Personaldaten in öffentliche Tools, und lass die Bewertung beim Menschen.

Das Jahresgespräch steht an, und die Vorbereitung bleibt liegen bis zum Vorabend. Dann sitzt der Inhaber abends da, will mit fünf Leuten je dreißig Minuten sprechen, und hat für jeden ein paar Stichworte im Kopf, die sich schwer in saubere, faire Sätze gießen lassen. Lob fällt leichter als Kritik, Kritik ohne Verletzung ist Handwerk, und das Ganze soll am Ende nach einem Plan klingen und nicht nach Bauchgefühl. Genau an dieser Vorarbeit kann KI dir Zeit sparen, ohne dass sie das Gespräch oder die Einschätzung übernimmt.

Wo KI bei der Vorbereitung wirklich hilft

Die Vorbereitung eines Mitarbeitergesprächs besteht zu einem großen Teil aus Schreibarbeit und Struktur. Du brauchst einen Leitfaden, damit du nicht in der einen Stärke hängenbleibst und das schwierige Thema vergisst. Du brauchst Fragen, die ein Gespräch öffnen statt es zu verhören. Und du brauchst eine Sprache, die ehrlich bleibt, aber nicht beleidigt. All das ist Textarbeit, und Textarbeit ist die Disziplin, in der KI heute am verlässlichsten ist.

Konkret kannst du dir einen Gesprächsleitfaden bauen lassen, der zu deinem Betrieb und zur Rolle des Mitarbeiters passt: Einstieg, Rückblick auf das vergangene Jahr, Stärken, Entwicklungsfelder, Wünsche des Mitarbeiters, Ziele für das kommende Jahr, Abschluss. Du kannst dir Fragen vorschlagen lassen, die nicht mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Du kannst deine eigenen Stichpunkte zu Lob und Kritik in klare, wertschätzende Formulierungen bringen lassen, sodass aus "macht zu viele Flüchtigkeitsfehler" ein Satz wird, der das Verhalten benennt, ohne den Menschen abzuwerten. Du kannst Zielvereinbarungen ausformulieren, damit sie konkret und überprüfbar werden statt vager Absichtserklärungen.

Nach dem Gespräch hilft KI beim Nacharbeiten: deine während des Gesprächs gekritzelten Notizen zu einem lesbaren Protokoll zusammenfassen, die vereinbarten Ziele und nächsten Schritte herausziehen, eine kurze schriftliche Zusammenfassung für den Mitarbeiter entwerfen. Diese Aufbereitung kostet sonst eine weitere halbe Stunde pro Person, in der die Erinnerung schon verblasst.

Die Linie, an der es kritisch wird

Es gibt einen klaren Punkt, an dem die unkritische Vorbereitung in einen rechtlich heiklen Bereich kippt. Solange die KI dir bei deinen eigenen Texten und deiner eigenen Struktur hilft, bewertet sie niemanden. Sobald du sie aber Leistungsdaten auswerten, Mitarbeiter in eine Rangfolge bringen, Punkte vergeben oder über Konsequenzen mitentscheiden lässt, ist sie keine Schreibhilfe mehr, sondern ein Bewertungssystem.

Der EU AI Act stuft KI-Systeme, die im Beschäftigungskontext zur Bewertung, Auswahl, Beförderung oder Kündigung von Personen eingesetzt werden, als Hochrisiko-Anwendung ein (Beschäftigung, Anhang III). Daran hat sich nichts geändert: Die Einstufung als Hochrisiko bleibt bestehen. Was sich geändert hat, ist der Zeitpunkt der Pflichten. Durch den Digital Omnibus wurden die Hochrisiko-Pflichten auf den 2. Dezember 2027 verschoben (vorläufige Einigung vom 7. Mai 2026). Zwei Bausteine gelten unabhängig davon schon früher: Die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4, also dass die Leute im Betrieb ausreichend Verständnis für die eingesetzte KI haben, gilt bereits seit dem 2. Februar 2025. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 greifen ab dem 2. August 2026.

Für den kleinen Betrieb bedeutet das in der Praxis: Vorbereiten ist frei, automatisch Bewerten gehört nicht an eine KI delegiert. Eine Software, die aus Anwesenheitsquoten, Verkaufszahlen und ein paar Klicks einen Mitarbeiter-Score errechnet und dir sagt, wer die schlechteste Bewertung verdient, ist im Hochrisiko-Bereich. Die persönliche, menschliche Einschätzung über einen Menschen, den du seit Jahren kennst, lässt sich ohnehin nicht in eine Punktzahl pressen, und sie soll es auch rechtlich nicht.

Was nicht in die KI gehört

In der Vorbereitung landen schnell heikle Inhalte. Du willst vielleicht ein schwieriges Verhalten beschreiben lassen, eine Kritik formulieren, eine Krankheitssituation oder ein Konfliktthema umschreiben. In dem Moment steckst du personenbezogene und teils sensible Daten in das Werkzeug, und das macht einen Unterschied, je nachdem, welches Werkzeug du benutzt.

Klarnamen, Personalaktendaten, Gesundheitsangaben oder konkrete Leistungsbeurteilungen über einzelne Mitarbeiter gehören nicht ungeprüft in ein öffentliches KI-Tool, bei dem du nicht kontrollierst, wo die Daten am Ende liegen und wofür sie weiterverwendet werden. Wenn du die Vorbereitung mit einem allgemeinen, frei zugänglichen Werkzeug machst, arbeite anonymisiert: Schreibe "ein Mitarbeiter im Außendienst, der häufig Termine vergisst", nicht "Herr Müller, der schon dreimal beim Kunden Schmidt nicht aufgetaucht ist". Für regelmäßige, betriebliche Nutzung mit echten Daten brauchst du ein datenschutzkonformes Werkzeug mit Verarbeitung in der EU und einem ordentlichen Vertrag dahinter.

Und wo ein Betriebsrat existiert, hat er bei der Einführung von Beurteilungssystemen und technischen Einrichtungen, die Verhalten und Leistung überwachen können, ein Mitbestimmungsrecht. Das betrifft weniger den Inhaber, der sich abends seinen Gesprächsleitfaden schreiben lässt, als den Betrieb, der eine Bewertungssoftware einführen will. Wer hier unsicher ist, klärt das früh, nicht nachdem das System schon läuft.

Drei Schritte für die Vorbereitung

Damit aus der Idee eine Routine wird, hilft ein einfacher Ablauf, den du jedes Jahr gleich abspulen kannst. Im ersten Schritt sammelst du deine eigenen Stichpunkte zu jedem Mitarbeiter, bevor du überhaupt ein Werkzeug öffnest. Was lief gut, was nicht, welche Entwicklung hast du beobachtet, welches Thema willst du ansprechen. Das ist deine Substanz, und die kommt aus deiner Beobachtung, nicht aus einer Datenbank. Schreib sie anonymisiert auf, ohne vollen Namen, wenn du mit einem allgemeinen Tool arbeitest.

Im zweiten Schritt lässt du dir aus diesen Stichpunkten den Leitfaden, die Fragen und die kritischen Formulierungen erarbeiten. Hier liegt die Zeitersparnis. Geh die Vorschläge durch und streiche, was nicht zu dir oder zur Person passt. Eine KI-Formulierung, die glatt klingt, aber nicht deine Sprache ist, merkt der Mitarbeiter im Gespräch sofort. Nimm die Sätze als Rohmaterial und mach sie zu deinen eigenen.

Im dritten Schritt, nach dem Gespräch, fasst du deine Notizen zusammen und ziehst die vereinbarten Ziele heraus. Achte darauf, dass die KI keine Punkte ergänzt, die im Gespräch nicht besprochen wurden. Beim Verdichten neigen manche Werkzeuge dazu, Lücken mit Plausiblem zu füllen, und ein erfundenes Ziel in einem Protokoll ist ärgerlich, wenn der Mitarbeiter es ein Jahr später nicht wiedererkennt. Lies das Protokoll gegen, bevor du es weitergibst.

Wie das im Alltag aussieht

Nimm eine Tischlerei mit dreizehn Mitarbeitern. Der Inhaber führt einmal im Jahr Gespräche, hasst die Vorbereitung und kommt nie über lose Stichworte hinaus. Er setzt sich abends hin, schreibt für jeden Gesellen drei, vier anonymisierte Stichpunkte auf, lässt sich daraus einen kurzen Leitfaden und passende Fragen bauen, und feilt an den zwei, drei kritischen Formulierungen, bis sie sitzen. Das Gespräch selbst führt er wie immer von Mensch zu Mensch, mit dem Leitfaden als Stütze, nicht als Drehbuch. Hinterher tippt er seine Notizen ein und lässt sie zu einem Protokoll mit den vereinbarten Zielen zusammenfassen. Die Vorbereitung, die ihn früher zwei Abende gekostet hat, ist an einem erledigt, und die Gespräche sind strukturierter als vorher.

In unseren DigiMan-Kursen sehen wir bei diesem Thema regelmäßig zwei Reaktionen. Die einen sind erleichtert, dass die ungeliebte Schreibarbeit leichter wird. Die anderen springen sofort zur Idee, gleich das ganze Personalmanagement zu automatisieren, mit Scorecards und automatischen Bewertungen. Da bremsen wir, denn das ist die Stelle, an der aus einer harmlosen Hilfe ein Hochrisiko-System wird, und an der die Verantwortung für einen Menschen an eine Software abgeschoben wird, die einen Mitarbeiter nie kennengelernt hat.

Die saubere Aufteilung ist im Grunde dieselbe wie bei vielen KI-Anwendungen im Betrieb. Die KI macht die Vorarbeit und die Form. Sie strukturiert, formuliert und fasst zusammen. Die Substanz, die Einschätzung und die Entscheidung über einen Menschen bleiben bei dir. Wer sich an diese Linie hält, nutzt den praktischen Vorteil und bewegt sich rechtlich auf der unkritischen Seite, ohne ein Compliance-Projekt aufmachen zu müssen. Und wer abends zwischen zwei Gesprächen merkt, dass ihm die richtigen Worte für eine heikle Rückmeldung fehlen, hat einen geduldigen Sparringspartner für Formulierungen, der nicht müde wird und keine Personalakte mitliest.

Häufige Fragen

Wobei hilft KI bei einem Mitarbeitergespräch konkret?

Bei der Vorbereitung und Nacharbeit: einen Gesprächsleitfaden bauen, offene Fragen vorschlagen, deine Stichpunkte zu Lob und Kritik in klare, wertschätzende Sätze bringen und Zielvereinbarungen ausformulieren. Nach dem Gespräch fasst sie deine Notizen zu einem Protokoll mit den vereinbarten Zielen zusammen. Das Gespräch selbst und die Einschätzung über den Menschen bleiben bei dir.

Ab wann wird der KI-Einsatz im Personalbereich zum Hochrisiko-Fall?

Sobald eine KI Beschäftigte automatisch bewerten, einstufen, ranken oder über Konsequenzen mitentscheiden soll, fällt das unter den EU AI Act als Hochrisiko-Anwendung im Beschäftigungskontext (Anhang III). Die Hochrisiko-Pflichten wurden durch den Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben (vorläufige Einigung 7. Mai 2026), die Einstufung als Hochrisiko bleibt. Das reine Vorbereiten und Strukturieren ist davon nicht betroffen.

Darf ich echte Namen und Personaldaten in die KI eingeben?

Nicht ungeprüft in ein öffentliches Tool, bei dem du nicht kontrollierst, wo die Daten landen. Arbeite mit allgemeinen Werkzeugen anonymisiert, also ohne vollen Namen und ohne sensible Details. Für regelmäßige Nutzung mit echten Daten brauchst du ein datenschutzkonformes Werkzeug mit Verarbeitung in der EU und einem ordentlichen Vertrag. Wo ein Betriebsrat besteht, ist bei Beurteilungssystemen die Mitbestimmung zu beachten.

Seit wann gilt die KI-Kompetenzpflicht für meinen Betrieb?

Die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 des EU AI Act gilt seit dem 2. Februar 2025. Sie verlangt, dass die Leute, die im Betrieb mit KI arbeiten, ausreichendes Verständnis für die eingesetzten Werkzeuge haben. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 greifen ab dem 2. August 2026. Beides ist unabhängig von der Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten.

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Zuletzt aktualisiert: 19.06.2026. Stand der Recherche: 19.06.2026.